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Titel Ausgabe 7



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Das aktuelle Horoskop – Johann Wolfgang Goethe

Louise Huber

28.8.1749, 12,00 Uhr, Frankfurt a. M.

(Qu. eigene Angabe: »mit dem Glockenschlag«)

In dieser Rubrik bringen wir wie immer ein aktuelles Geburtsthema und benutzen dabei die Gelegenheit, um zu zeigen, wie man anhand sorgfältiger Figurenanalyse die Grundmotivationen und mit Hilfe des Alterspunktes die Hauptthemen eines Lebensabschnittes ermitteln kann.

In diesem Jahr, am 22. März 1982, feierten wir den 150. Todestag von Johann Wolfgang von Goethe. Obwohl Goethe eine der meist biographierten Persönlichkeiten ist, dürfte es für unsere Leser doch interessant sein, wenn wir bei dieser Gelegenheit ein paar markante Punkte in seinem Horoskop besprechen und auch die wichtigsten Stationen seines schaffensreichen Lebens mit Hilfe der Altersprogression verfolgen.

Beim Betrachten des Horoskopes fällt sofort auf, dass das Aspektbild von unten nach oben strebt. Die zwei Oppositionen liegen auf der 4/10-Achse mit dem Thema der Individualisierung und auf der 5/11-, der Beziehungsachse, die sich mit Liebe und Freundschaft auseinanderzusetzen hat. Dies waren auch mit die Hauptthemen seines Lebens. Die Sonne hoch im Zenit stellt immer ein überragendes Individualstreben dar, und wenn sie auf der Spitze, also am MC steht, dann kann man damit rechnen, dass dieser Mensch der Welt etwas Besonderes zu sagen hat. Die Vollmondstellung (Sonne-Mond-Opposition) drückt bereits eine schöpferische Spannung aus, die es sich nicht leicht macht, den höchsten Massstab an sich selbst und auch an andere zu legen. Goethe war ja auch bekannt für seine Kritik- und Urteilsfähigkeit.

Die Jungfrausonne, die das letzte ausfeilen will und nicht müde wird, das Vorhandene zu verbessern, hat eben den berühmten Goethe aus ihm gemacht. Er scheute keine Arbeit, keine Mühe, wenn es darum ging, seine vielen Schriften zu verfassen und zu vollenden. Nichts hat er unerledigt gelassen, sein ganzes Leben lang war er unermüdlich tätig. Bemerkenswert war auch Goethes Tendenz, als Kritiker oder Schilderer von Themen der bildenden Kunst und der Wissenschaft (z. B. Farbenlehre) lehrhafte, um nicht zu sagen doktrinäre Züge zu enthüllen. Seine Sonne stellt unverkennbar einen autoritären Anspruch an die Umwelt. Schon früh suchte er Einfluss auszuüben. Er war ein Streber. Sein eigenes Selbstbewusstsein mass er an dem, was er wusste und konnte. Goethe war und ist heute noch eine beinahe unumstrittene Autorität auf verschiedenen Gebieten, nicht nur als Schriftsteller, Poet und Literat, sondern auch als Wissenschafter und Philosoph.

Oben im Horoskop, neben der »Sonnenfigur« und nicht mit ihr verbunden, finden wir ein kleines grünblaues Dreieck (ein sogenanntes Auge mit den Planeten Venus, Merkur und Neptun) verbunden mit Jupiter, der unten im Horoskop steht. Diese Figur stellt eine besondere Fähigkeit dar. Hier ging es ihm weniger um seine eigene Person (weil kein Ich-Planet drin ist), sondern darum, mit Hilfe der Kunst darauf hinzuweisen, dass jede Kunst auf den Menschen

bezogen ist und seine sinnlichen wie geistigen Bedürfnisse formulieren soll. Mit seinem Schaffen ging es ihm ferner um die Erhöhung, Befreiung und Läuterung des Menschen durch das Schöne (Venus 11. Spitze), das Heitere, Stil- und Sinnvolle (Merkur im Löwen im 9. Haus) und das Erhabene oder Sakrale (Neptun im Krebs im 9. Haus).

In dieser Figur ist Jupiter der Spannungsherrscher, Er steht kurz vor der 5. Häuserspitze. Wie wir wissen, stellt Jupiter die Summe aller Sinnesfunktionen dar. Seine Sinne waren geschärft (Fischezeichen), und er hatte früh gelernt, diese zu gebrauchen. Experimentierfreudig und sinnenwach verliess er sich nur auf die eigenen Beobachtungen. Mit diesem Jupiter war seine sinnliche Erfahrung besonders ausgeprägt und ungewöhnlich. Liebe und Erotik spielten eine grosse Rolle in seinem Leben und waren Quellen für seinen schöpferischen Geist.

Nicht nur Jupiter als Spannungsherrscher der einen Figur steht m den Fischen, sondern auch der Mond, der ein zweites, kompliziert angelegtes Figurengebilde beherrscht, das alle drei Ich-Planeten (Sonne, Mond, Saturn) enthält. Diese Figur ist von der erstgenannten ganz abgetrennt und besteht wiederum aus zwei, nur durch den Mond verbundenen Elementen.

Das Talentdreieck Mond-Saturn-Mondknoten ist wohl in erster Linie der Sitz seiner elegischen Tiefgründigkeit, die mit Saturn im Skorpion »hinter dem AC« in Weltschmerz und Selbstmitleid (Werther), ja in faustische Weltanklage und Selbstverneinung ausmünden konnte. Hier wäre das Verhältnis, das er zu seiner Mutter hatte, neu zu betrachten, denn das Saturn-Mond-Trigon deutet häufig auf eine (eventuell schuldhafte) Mutterabhängigkeit.

Über die Opposition zum Mond ist die Sonne, mit einer quer zum Talentdreieck verlaufenden Strichfigur, verbunden. Dieses Figurenelement ist die entscheidende Komponente in seinem lebenslangen Individuations-Streben, wie es den wohl umfassendsten Ausdruck in seinem Faust gefunden hat. Die Figur wird ausschliess-lich aus den drei männlichen Planeten gebildet, und zeigt an, dass er seine Änimus-Thematik auf allen Ebenen des Mannseins erfahren musste.

In den Fischen, zwischen Jupiter und Mond, münden die zwei Hauptfiguren, und damit wird dieses Zeichen hoher Sensitivität mit der erlebnishungrigen Besetzung zum künstlerischen Punkt der Synthese des ganzen Horoskopes.

Der Alterspunkt

Interessant ist die Horoskopbetrachtung Goethes auch aus der Sicht einzelner Lebensabschnitte. Aus der Literatur sind drei wesentliche Schaffensperioden bekannt, die deutlich im Horoskop erkennbar sind, und zwar im Hinblick auf die dynamische Quadrantenlehre. Danach beginnt jeweils die Thematik eines Quadranten beim Talpunkt der »fixen Häuser« wirksam zu werden. Die erste Periode im Leben Goethes nennt man die »sentimental-naturalistische Sturm- und Drangperiode«; diese dauerte bis ungefähr zum 27. Lebensjahr, also bis zum Talpunkt des 5. Hauses.

1775/76 ging er nach Weimar und lernte dort Frau von Stein kennen, die seine weitere Entwicklung stark be-einflusste. Damit begann die zweite SchalTensperiode, die »klassische oder ideale«, die bis zum Talpunkt des 8. Hauses dauerte.

1794, mit ca. 45 Jahren, lernte er Schiller kennen, mit dem ihn eine innige Freundschaft verband. Auch diese Begegnung war wesentlich für seine nächste Periode, die mehr dem Philosophischen und Lehrhaften zugewandt war. Diese dauerte bis zum Talpunkt des 11. Hauses.

In der nächsten Periode schrieb er seine Memoiren und vollendete den Faust. In den Jahren 1811 -1814, im Alter von 62-66 (Invertpunkt 11 bis 12. Spitze) entstand seine Selbstbiographie »Dichtung und Wahrheit«. Auch dies entspricht voll und ganz dem Thema des 11. Hauses, in dem man die Bilanz seines Lebens ziehen soll und die sich herauskristallisierten Lebensweisheiten am besten niederschreibt.

Danach schrieb er den Faust, Teil II, und zwar beim exakten Durchlauf des Alterspunktes durch das Zeichen Schütze m den Jahren 1824-1831 (= Alter 75-82). Interessant dabei ist, dass er den I. Teil schrieb (1797-1806 = Alter 48-57), als er durch das 9. Haus ging, das ja dem Zeichen Schütze entspricht. Die Entsprechung des Zeichens Schütze und des 9. Hauses mit dem philosophischen Thema des Faust stellen eine frappante Übereinstimmung dar, die jeden Kommentar überflüssig macht.

Am Talpunkt des 2. Hauses im August

1831 vollendete er den Faust. Sein Alterspunkt war zu diesem Zeitpunkt exakt auf dem Mars, und am 22. März 1832 starb Goethe mit einem Trigon AP zur Sonne. Er konnte auf ein reiches und erfülltes Leben zurückblicken, das in diesem Ausmass wohl wenigen Menschen beschieden ist.