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Titel Ausgabe 7



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Zurück Ausgabe 7 vom 20.04.1982 • Seite 8ohne Login!

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Kinderhoroskope und Kinderalltag

Sonja Zollinger

Die Artikel über Familie, Saturn, Mond, Kind usw. in den letzten Nummern des »Astrolog« haben mich sehr angesprochen. Heute versuche ich nun, meine Erfahrungen zusammenzufassen, die ich im Kindergarten mit Horoskopen gemacht habe.

Je mehr ich in Bruno Hubers Kursen über Familienzusammenhänge, die aus dem Horoskop ablesbar sind, hörte, desto neugieriger wurde ich natürlich auf die Daten »meiner« Kinder. Denn wer möchte nicht jedes Kind in seiner Eigenart möglichst gerecht erfassen?

Mit Vorsicht begann ich also nach Geburtszeiten zu fragen, meist dann, wenn irgendwelche Fragen oder Probleme auftauchten. Dabei war ich erst einmal neugierig darauf, ob sich meine Beobachtungen und Vermutungen, die ich bis dahin gesammelt hatte über das Kind, auch wirklich im Horoskop bestätigten. Denn taten sie es nicht, so könnte ich zumindest meine eigenen Projektionen kennenlernen ... Und das geschah dann auch. Vor allem dann, wenn zwischen TP l bis etwas nach der zweiten Häuserspitze (in der Zeit, da die Kinder den Kindergarten besuchen) eine Stellung zu finden war oder ein Aspekt auf eine andere Stellung im Horoskop fiel. Denn dann war eben jene - dem Planeten entsprechende - Qualität aktuell und die Mond-Stellung »verschwand« etwas. Ich möchte das an zwei Beispielen illustrieren.

Franco spielte bei seinem Uranus-Übergang fast nur »Glöndlis« (Clown-Spiele) und baute ständig mit uranischem Eifer und Ideenreichtum ausschliesslich Zirkus in der Bauecke. Zu seinen Vorstellungen lud er immer den ganzen Kindergarten ein. Im 3. Haus will er doch Zuschauer! Wenn wir Lieder sangen oder musizierten, zuckten seine Arme im Rhythmus davon und schon stand er als Dirigent vor der ganzen Klasse. Es »jagte« ihn buchstäblich hoch vom Stuhl.

Dieses empfindsame Reagieren auf Musik kommt natürlich nicht nur vom Uranus, sondern auch von der Schütze-Waage-Fisch Besetzung, doch es war das Rhythmische, was ihn immer so packte. Franco zeigte in dieser Zeit seine komischste Seite, wobei er manchmal über sich selber staunte. Ich vermutete bei ihm eine aktive, extravertierte Mondstellung. Doch dem war nicht so. Der »wahre« Mond (8. Haus auf den TP zulaufend) zeigte sein Gesicht oft nur schnell vor dem Nachhause-gehen, wenn Franco ängstlich wurde, alleine den Heimweg zurücklegen zu müssen und nach dem Mami verlangte. Meist hat man um 11 Uhr nicht gerade übrige Zeit, um lange auf Wünsche der Kinder einzugehen, denn andere wollen etwas, evtl. wartet noch eine Mutter usw. Doch begann ich etwas hellhörig zu werden auf solche Äusserungen, und wir besprachen nun den Heimweg genau miteinander.

Franco wollte alle möglichen Gefahren wissen, die ihm drohen könnten (Skorpion-Stier ist misstrauisch), wollte die sicherste Route herausfinden, und oft war ein Telefonanruf zu Hause notwendig, damit er die Sicherheit hatte, dass Mami zu Hause war oder ihm entgegenkam. Dieses Mami (Saturn im 10. Haus) war oft von Berufs wegen abwesend, und obwohl sie ihre Familie geschickt organisierte, lief eben nicht immer alles wie vorgesehen. Sie war äusserst geschäftig, und dem Kind wurde keine Zwischenfrage oder -bemerkung erlaubt, wenn sie sich mit mir unterhielt. »Franco, das macht man nicht, wenn sich Erwachsene unterhalten!« hiess es jeweils. Dann war er ganz still... An solchen täglichen Beispielen und Verhaltensweisen der Mütter fand ich die Saturnstellungen in den Kinderhoroskopen meist bestätigt, denn mir lag auch daran, Bruno Hubers Aussage über Saturn zu überprüfen. Aber auch Aussagen der Mütter selbst informierten mich über den Saturn im Horoskop.

Z. B. Saturn/Mond-Konjunktion nach der 2. Häuserspitze:

Mutter: »Ich weiss gar nicht was machen, mein Kind 'klebt' so an mir. Der sollte doch mehr hinausgehen. Ich schicke ihn immer wieder, doch er will nicht - immer muss- ich dabei sein.« --Die Sonne steht im Zwilling, Mond/Saturn im Krebs. Saturn/Mond-Opposition, ca. -Invert-punkt, Haus 1/7:

»Mein Bub hat glaub' erst mit zwei Jahren begriffen, dass er überhaupt eine Mutter hat.« (Als der AP über den Saturn ging!)

Anders wirkte sich nun der Uranus-Übergang beim nächsten Horoskop eines Mädchens aus:

Auch auf der 2. Häuserspitze, doch in Opposition auf den Zeichen Widder/ Waage, hatte Myriam ein ausgesprochenes Beziehungsproblem. Die Kontaktnahme geschah durch Kneifen,

Grimassen schneiden, jemanden zupfen oder hauen. Dabei lächelte sie meist recht charmant dazu. Mit Jupiter, Venus, Mond Konjunktion sah sie auch äusserst fein und lieblich aus. Doch die gefangene Mondstellung musste sich auf aggressive Weise durch den Uranus kundtun. Zu dieser Zeit befand sich das Kind ja auch nicht in der Mond-Figur, die 'ja eine für sich abgetrennte ist. Das Sechsthäuslerische kam in der Sauberkeitserziehung von zu Hause zum Ausdruck: keine schmutzigen Kleider bitte, Zähne nach dem Znüni immer putzen usw. Doch dieser Zwang hatte auch eine Kehrseite.

Es machte ganz besonders Spass, mit dick bemalten Händen durch den Kindergarten zu gespensten, »uaah«, »uaah« zu schreien und so eine Kollektivhysterie auszulösen. - Auf irgendeine Weise brachte sie dauernd die Gruppe durcheinander. Dasselbe geschah auch mit ihren Geschwistern zu Hause, und so ging sie nicht nur der Mutter und mir auf die Nerven, sondern auch ihren Spielkameraden, die sie zeitweise aus dem Kollektiv ausstiessen, was sie als ganz schmerzlich empfand. - Die Opposition zum Uranus zeigte sich auch in einer Besitzangst. Weder Mutter noch Geschwister durften zu Hause ihre Tiere im Spiel-Stall auch nur einen Zentimeter verschieben, wenn sie weg war. Schon bevor ich das Horoskop hatte, vermutete ich, dass sie die Geburt ihrer beiden kleineren Geschwister noch nicht verarbeitet hatte, denn in Puppenspielsituationen schwankten ihre Gefühle zwischen Hass und Liebe.

Die Pluto/Merkur-Opposition würde etwa auf die Zeit fallen, als die Mutter mit der nächst-grösseren Schwester in Erwartung war. Wie nun diese Stellung interpretieren und vor allem: wie damit umgehen? Auf den Vorschlag, das Mädchen in eine Spieltherapie zu schik-ken, reagierte vor allem der Vater mit Opposition. Die Mutter schloss sich an. Beide hatten die an sich gesunde Einstellung, die Probleme zu Hause lösen zu wollen, anstatt »extern«. - Interessant ist aber auch, dass in diese Zeit ein kleiner Unfall fiel. Der Vater, der dieses Kind manchmal nicht mehr ertragen konnte, weil es so »eklig« war, und er deswegen sogar manchmal erst später nach Hause kam, schüttete eines Morgens in der Küche versehentlich heisses Wasser über die Schulter des Kindes. (Hat Uranus nicht auch mit Unfällen zu tun?)

Im Kindergarten versuchte ich nun, Myriam in Richtung Krankenschwester-Rolle anzusprechen, doch meist »zündete« das nicht, wenn sie nicht wollte. Doch kam eine ähnliche Qualität ein paarmal zum Vorschein, als sich ein Kind wehgetan hatte und sie spontan kam und ihm »heile säge« sang und Trost gab. Da wusste ich, dass sie unmittelbar mit ihrer starken Mondstellung reagierte, doch zugleich »funkten« eben immer wieder Uranus hinein. Allerdings auch mit originellen Ideen. Jupiter/Mond/Ve-nus drückten sich auch in reichen, phantasievollen Zeichnungen aus. Daneben war es auch die Stellung, die am liebsten die Flucht ergriff, weglaufen wollte, wenn die Konflikte zu gross wurden.

Wenn ich keine andere Lösung mehr sah, als sie ausserhalb der Gruppe zu setzen, fing sie fürchterlich zu weinen an. Und ich sah mich im selben Kreislauf wie die Mutter, die ihr Kind vor Verzweiflung jeweils einfach ins Zimmer einschloss. »Ausgeschlossen, eingesperrt« - diese Erfahrung macht also die Mondstellung hier, und das Paradoxe war für mich, dass ich nun all das wusste und das Spiel oft mitzuspielen hatte. Voll Pessimismus fragte ich mich dann, was mir die Astrologie nun nütze. Wie wäre die Situation, wenn eine Person mehr im Räume wäre und sich diesem Kind liebend annehmen könnte? Mit anderen Worten, wenn unser System veraltet wäre und mehr menschliche Zuneigung möglich wäre?

Mit 20-25 Kindern gibt es für eine Person einfach Grenzen! Umgekehrt kann man fragen: »will« oder »soll« ein solcher Mensch nun diese Erfahrung machen? Und weshalb? Um später einmal Menschen besser verstehen zu können? Mit meinem Neptun auf der zweiten Häuserspitze im Quadrat zur Sonne geht mich das ganz persönlich an, hatte ich doch auch in diesem Alter eine Liebesenttäuschung vom Vater. Auch scheint mein einziger Uranus Aspekt zum Mond »automatisch« die Uranus-Übergänge für die Beschreibung ausgewählt zu haben.

Somit lässt sich ableiten, dass diese Begegnungen genauso mit mir persönlich zu tun haben wie umgekehrt, und wenn ich zum Schluss ein Bild malen darf... so sehe ich Eltern und Lehrer zusammensitzen, um ihre Rolle im grossen »teatro« besser kennenzulernen. Vom Kind könnten wir dann sicher vieles über uns lernen, was uns grosse Denker ja immer wieder nahegelegt haben.