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Titel Ausgabe 7



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Zurück Ausgabe 7 vom 20.04.1982 • Seite 18ohne Login!

• Astrologie & Psychologie

Versicherung und Astrologie

Dr. Erich Schneider

Der Verfasser dieser Betrachtungen hat sich während 35 Jahren beruflich mit der Versicherung und in den letzten 3 Jahren in der Freizeit mit Astrologie befasst. Er vertritt heute die Ansicht, dass beide, Versicherung und Astrologie, wesentliche Bedürfnisse des Menschen erfüllen können, auch wenn diese Bedürfnisse eher verschiedener Natur sind. Wie lässt sich das erklären?

Der Mensch erkennt meist schon früh, dass sein Leben von zahlreichen Risiken bedroht ist und strebt deshalb in der Regel nach einer gewissen Sicherheit. Diese Sicherheit kann ihm in materieller, äusserer Hinsicht zu einem grossen Teil die Versicherung bieten. Durch die Bezahlung der Versicherungsprämien sichert er sich oder seinen Angehörigen die Vergütung möglicher Schäden an seinem Vermögen oder semer Person, z. B. durch Brand, Diebstahl, Unfall, Krankheit oder vorzeitigen Tod.

Dabei machen wir jedoch bald einmal die Erfahrung, dass - eine völlige materielle Sicherheit nicht erreichbar ist (bestimmte Risiken, wie Schäden infolge kriegerischer Ereignisse oder gewisser Naturkatastrophen, können nicht oder nur in beschränktem Umfang versichert werden) – auch eine nahezu lOOprozentige materielle Sicherheit noch nicht alle Erwartungen erfüllt, die wir an das Leben stellen: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein ...

Er sucht darüber hinaus eine innere Sicherheit, die im Gefühl der Zugehörigkeit, Geborgenheit, des seelischen Gleichgewichts besteht. Dabei hilft, ihm weder die eigene Vorsorge durch Versicherung noch die soziale Betreuung durch den Staat (AHV, IV, Fürsorge usw.) Auch die beste Versicherung und die umfassendste Sozialgesetzgebung können ihm die Ängste nicht abnehmen, die mit seinem jeweiligen seelischen und körperlichen Befinden, wie auch mit seinem Glauben an den Sinn unseres Lebens, an einen Schöpfer des Universums, an eine jenseitige Welt zusammenhängen.

Der Mensch muss deshalb seine innere Sicherheit anderswo suchen. Seit Jahrhunderten haben die überlieferten Institutionen von Familie, Schule und Kirche versucht, den ihnen angehörenden Menschen bei der Überwindung der Ängste zu helfen, die ihr inneres Gleichgewicht bedrohen. Leider haben sie jedoch mit der Entwicklung von Naturwissenschaften, Wirtschaft und Gesellschaft oft nicht Schritt gehalten. Wegen teilweise erstarrter Formen und überholter Denkweisen können sie heute ihre ursprünglichen Aufgaben nur unvollkommen erfüllen. Deshalb erleben wir besonders in unseren Tagen, wie sich gerade junge Menschen allen möglichen Ersatzreligionen oder auch nicht religiösen Gemeinschaften zuwenden, wo sie sich eine Befreiung von ihren Ängsten und eine neue innere Sicherheit erhoffen. Leider wird diese Hoffnung in vielen Fällen enttäuscht werden, weil es eine völlige Sicherheit im geistigen (transzendentalen) Bereich wohl nicht geben kann. Vieles kann mit unserem kausalen Denken nicht verstanden werden und »Gottes Wege« werden noch lange, wenn nicht für immer unerforschlich bleiben.

Diese Erkenntnis muss nun aber nicht bedeuten, dass wir keinerlei innere Sicherheit erreichen können. Wenn wir uns ernsthaft mit unserem eigenen Leben auseinandersetzen, mag es uns vielleicht doch gelingen, jene Gelassenheit zu finden, die uns hilft,. all das anzunehmen, was wir selbst nicht verändern können und dessen Folgen selbst die beste Versicherung nicht beseitigen kann. Bei diesen Bemühungen könnte auch die Astrologie eine gewisse Bedeutung erhalten. Diese uralte Lehre, die in den letzten Jahren besonders in Europa und in den USA zu neuem Leben erwacht ist, kann nach der Meinung ihrer Anhänger tatsächlich einen Weg (von mehreren) darstellen, um wertvolle Erkenntnisse über die eigene Persönlichkeit zu gewinnen.

Auch wenn das Geburtshoroskop eines Menschen kein vollständiges und eindeutiges Abbild seiner Persönlichkeitsstruktur ergeben kann (weil z. B, die Einflüsse der Umwelt nicht ausser acht gelassen werden dürfen), so vermögen wir doch in unserem astrologischen Geburtsbild manches zu erkennen, das uns unser eigenes Verhalten und Fühlen, wie auch das unserer Partner oder Angehörigen, auf eine völlig neue Weise verstehen und vielleicht auch akzeptieren - lässt. Damit ist oft der erste und möglicherweise entscheidende Schritt zu der begehrten Selbsterkenntnis und dem ebenso erstrebten seelischen Gleichgewicht getan. Sollten wir selbst mit der Astrologie zu wenig vertraut sein, um die wesentlichen Aussagen unseres Horoskops zu interpretieren, werden wir die Hilfe eines erfahrenen Astrologen (nicht eines »Wahrsagers«!) in Anspruch nehmen können, der wenn möglich auch über eine psychologische Ausbildung verfügen sollte.

Hier noch ein Wort zum Verhältnis zwischen Astrologie und Religion. Wenn wir uns der astrologischen Lehre im vorerwähnten Sinne bedienen, d. h. ohne das Schicksal des Menschen als durch sein Horoskop völlig vorausbestimmt anzunehmen, muss dies unserem christlichen (oder anderen) Gottesglauben nicht Widersprechen. Warum sollen wir nicht versuchen, uns mit Hilfe unseres Horoskops selbst besser zu verstehen, wenn es uns so gelingt, einen gelassenen, ausgeglichenen Seelenzustand herbeizuführen und gleichzeitig entsprechend unserem Glauben auf Gott als den Schöpfer des Universums vertrauten? Jeder Mensch wird mit bestimmten Eigenschaften ausgestattet, deren er sich in seinem Leben bewusstwerden sollte. Für diesen Prozess der Bewusstwerdung mag die Astrologie ein durchaus taugli: ches Mittel sein (daneben etwa die Meditation ein anderes). Gerade für den christlichen Glauben ist es doch wesentlich, dass wir lernen, uns selbst und unseren Nächsten mit allen Schwächen und Stärken zu verstehen und anzunehmen. Zu einer solchen Haltung bewusster Toleranz, die nicht mit Gleichgültigkeit oder Bequemlichkeit verwechselt werden sollte, kann auch die Astrologie ihren Beitrag leisten. Sie stärkt damit unsere innere Sicherheit, die eine der Voraussetzungen für ein echtes, gelebtes Christentum bildet.

Aus den vorstehenden Betrachtungen sollte deutlich geworden sein, dass Versicherung wie auch Astrologie wichtige Bedürfnisse des Menschen erfüllen können.

Die Versicherung hat es dabei wohl etwas leichter, kann sie doch jederzeit quantitativ nachweisen, was sie für die äussere (materielle) Sicherheit des Menschen zu leisten imstande ist. (In der Schweiz haben allein die privaten Versicherungsgesellschaften im Jahr 1980 insgesamt mehr als drei Milliarden Franken Schäden bezahlt, wobei die Leistungen der Lebensversicherer nicht mitgerechnet sind.)

Was die Astrologie zur Erhöhung der inneren Sicherheit des Menschen (durch bessere Selbsterkenntnis) beiträgt, entzieht, sich einer zuverlässigen Messung, Wir bleiben hier, wie übrigens auch beim Wirken der Kirche und der Psychotherapie, weitgehend auf Mutmassungen angewiesen. Gewisse positive Auswirkungen lassen sich jedoch in vielen Fällen beobachten. Sie dürften genügen, um die Freunde der Astrologie zu weiterer Tätigkeit zu ermutigen.