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Titel Ausgabe 7



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Zurück Ausgabe 7 vom 20.04.1982 • Seite 30ohne Login!

• Astronomie

Verschiedene Denkweisen: Naturwissenschaft und Sternenweisheit

Werner Stephan

Ein Fischer auf Malta fischt mit einem Netz, dessen Maschen Gegenstände, die kleiner sind als fünf Zentimeter, nicht erfassen. Nach 20 Jahren Fischfang schreibt der Fischer an der Universität Hydronautica eine Diplomarbeit über die Grösse der Meerestiere unter Berücksichtigung der merkwürdigen Tatsache, dass es im Meer um Malta keine Fische gibt, die kleiner sind als fünf Zentimeter; immerhin gestützt auf eine 20jährige praktische Erfahrung als Fischer!

Diese moderne Prokrustes-Geschichte beschreibt exakt die Situation, die eintritt, wenn sich heutige Wissenschafter mit der alten Kunst der Astrologie beschäftigen. Sie übersehen dabei nicht nur die Erkenntnisse und Erfahrungen, die die Psychologie (vorab die Tiefenpsychologie) in den letzten 80 Jahren gemacht hat, sie vernachlässigen -ebenso die Paradigmenforschungen wie etwa von Th. Kühn (»Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen« Suhrkamp TB) oder Ch. Tart (»Transpersonale Psychologie« Walter-Verlag) und verharren noch immer in ihrem Korsett des cartesianischen Weltbildes, das sie zwar rundherum zwickt, weil zu eng geworden, das sie aber nicht ablegen mögen, weil sie sich daran eben »gewöhnt« haben. Die Sinne der meisten heutigen Wissenschafter sind wie die Maschen des Netzes buchstäblich nicht fein genug, um sich mit der Lehre der kosmischen Harmonien und Dissonanzen zu befassen, und sie stellen lediglich einige Merkwürdigkeiten fest, z. B. .die, dass die Astrologie schon seit Jahrtausenden zu existieren scheint oder dass viele Grosse der Welt- und Kulturgeschichte Anhänger der Astrologie waren und so weiter.

Sich mit der Astrologie zu beschäftigen, heisst zuerst einmal, sich mit sich selbst, mit dem eigenen Inneren zu beschäftigen. Denn nur wer die Planetenkräfte im eigenen Inneren zu beleben vermag, hat eine Chance, in das Innere des Mysteriums einzudringen. Für alle anderen ist und bleibt die Astrologie ein verschlossenes Buch - und möge es ruhig bleiben, darüber ist kein Weiser traurig!

Da wird doch tatsächlich noch immer der uralte Hut ins Spiel geworfen, die Sternbilder hätten sich verschoben! Jedem Anfänger der Astrologie wird schon beigebracht, dass sich der Anfang des Tierkreises nicht auf Sterngruppen, sondern auf die Frühlings-Tagundnachtgleiche bezieht, also auf die relative Stellung der Erde zur Sonne.

Einige weitere astronomisch-astrologische Grundtatsachen, die in diesem Bericht natürlich nur angedeutet werden können, mögen weiter zeigen, wieso ein sinnvolles Gespräch z. B. im Radio- oder TV-Studio noch längere Zeit nicht möglich sein wird:

Wieso existiert der Tierkreis überhaupt? Weil die Erdachse schief auf der Bahnebene der Erde um die Sonne steht. Durch diese Neigung entstehen ja bekanntlich die Jahreszeiten.

Schon diese Tatsache allein sollte genügen zu beweisen, dass der Tierkreis nichts mit Sternen zu tun hat, sondern mit der Erde-Sonne-Beziehung. Der Tierkreis beschreibt nun in symbolischer Form unter anderem den Ablauf der Jahreszeiten in zwölf Abschnitten, die in analoger Entwicklungsweise wie die Natur mit ihrem Erwachen, Reifen, Sterben und Winterschlaf einen der Natur eingeschriebenen Kreislauf beschreiben, der sich auch im menschlichen Leben ' widerspiegelt. Wir müssen uns dabei klar sein, dass wenn Erd- und Sonnenachse parallel wären, es keine Jahreszeiten gäbe und unter anderem auch keinen Tierkreis, d. h. keine kosmische Uhr, durch die der Mensch sein Schicksal ergründen könnte (zumindest nicht via Sternkunde).

Es hat auch keinen Sinn zu diskutieren, wenn sich heutige Astrologen so sehr aufs hohe ROSS setzen mit ihren Kenntnissen. Das meiste Wissen unserer Ahnen ist uns heute weitgehend verloren gegangen, so z. B. die Erkenntnis, dass die »Wirkung« von Planeten nicht aus geheimnisvollen Strahlen oder durch die Schwerkraft entsteht, sondern dass die Qualität der Planeten nur aus der typischen Bewegung mit allen ihren Schleifen und Kreisen erschlossen werden kann. Wir sollten uns wieder ins Be-wusstsein rufen, dass die alten Astrologen noch während Jahren unter dem sternklaren' Himmel sassen und die smogfreie Nachtluft in meditativer Schau einatmeten. So studierten sie Bewegungen und ergründeten den Lauf der Sterne.

Wir hingegen bringen es vielleicht noch knapp dazu, während einiger Minuten die Ringe des Saturn zu betrachten. Darüberhinaus bilden für uns die Planeten lediglich Lichtpunkte. Für die alten Astrologen war es aber die Bewegung, die sie als kreisförmige Bahn erlebten. Diese Bahn ins Dreidimensionale vergrössernd, bildeten sie in ihrer Schau Kugeln, die von den Planeten umschrieben wurden, oder mit dem alten Ausdruck: Sphären.

Ein weiterer wichtiger Punkt muss" beachtet werden: Schon vor dem Studium der Planeten kannte das Weistum der Menschheit sieben Prinzipien der Natur, die sich in allen Schöpfungsreichen spiegeln, ähnlich wie sich z. B. der ganze Körper des Menschen wieder in der Iris, im Ohr, in den FUSS- und Handflächen oder dem, Gesicht widerspiegelt. So kannte man z. B. das Prinzip Saturn, das man sowohl bei den Menschen (dem Saturn-Typ), bei den Tieren (z. B. dem Raben), bei den Pflanzen (z. B. der Distel) oder auch bei den Metallen (z. B. dem .Blei) wieder findet - und man findet dieses Prinzip auch in der Bewegung eines bestimmten Planeten wieder, eben dem heutigen Saturn. Das Prinzip war vor seiner Zuordnung zu einem bestimmten Planeten bekannt! Lange Zeit sprach man vom »Planeten des Saturn«, dessen Bahn ebenso schwerfällig, zögernd, sich auf dem Tierkreis gleichsam langsam vorwärtsquälend und schleppend ist, mit langen Ruhepausen immer wieder zurückgleitend sich ganz langsam durch den Tierkreis wälzt - diese Bewegung war es, die dem Prinzip des Saturn entsprechen musste und dessen Qualität erschloss, nur belebbar durch innere Wesenserschauung.

Um die völlige Verschiedenartigkeit der Denkweisen von Naturwissenschaft und Sternenweisheit noch plastischer zu machen, möchte ich das folgende Beispiel anfügen: Als die Amerikaner 1969 den Mond betraten, waren sie sehr stolz und brachten auch einige Gesteinsbrocken von unserem Himmelsnachbarn nach Hause. Eine Analyse ergab: das Mondgestein war aus der gleichen Grundmaterie aufgebaut wie die irdische. Aber vom astrologischen Standpunkt aus betraten. die Amerikaner gar nicht den Mond, sondern - die Erde. Die Amerikaner hatten mit ihren Raketen den weiten Weg gemacht, nur um wieder Erde zu betreten. Denn irdischer FUSS kann sich immer nur auf irdische Materie setzen, und zu dem, was Astrologen die Mondsphäre nennen, kommt der Mensch mit keiner Rakete hin, sondern nur durch - Meditation. Man könnte höchstens anfügen, dass man mit seinem physischen Körper auf dem Mond leichter mit der Mondsphäre in Kontakt kommen könnte, wenn man dort meditieren würde anstatt auf der Erde. Dies wäre zwar ein verrückter, aber sinnvoller Gedanke: Einen Meditationstempel auf dem Mond zu errichten.

Machen wir uns zum Schluss nochmals ganz klar: Wenn Wissenschafter und Astrologen vom Mond sprechen,, so meinen sie etwas grundsätzlich Verschiedenes. Der erste meint einen der Erde ähnlichen, aber ätmosphärenlosen und toten Gesteinsbrocken, der die Erde in einer bestimmten Entfernung umkreist - letzterer aber meint eine durch Raum und Zeit begrenzte lebende Sphäre, in welcher sich unter anderem auch ein Stück auskristallisiertes Gestein .in einer harmonischen Bahn bewegt, die zur Erde in einem bestimmten Bewegungsverhältnis steht. Der Wissenschafter geht von einem heliozentrischen, vielleicht sogar einem galakto-zentrischen Weltbild aus - der Astrologe geht von einem geozentrischen Weltbild aus (ich möchte sogar noch weiter gehen und sagen: vom homozentrischen Weltbild, denn schliesslich wird das Horoskop auf den genauen Geburtsort des Menschen berechnet).

Damit ist die Astrologie definitiv eine menschenorientierte Wissenschaft, was bestimmt mehr im Sinne des Schöpfers ist als das pessimistische Weltbild der cartesianischen Wissenschafter, die den Menschen zu einem Staubkorn am Rande des Universums degradieren wollen - wahrscheinlich zur Kompensation ihrer jahrhundertealten Hybris, dem Menschen vorschreiben zu wollen, was wahr und was falsch sei. So hat die Astrologie richtig verstanden dem heutigen Menschen ein weit positiveres Weltbild anzubieten als die Naturwissenschaft, die dem heutigen Menschen mit grösster Anstrengung weis zu machen versucht, dass der Mensch lediglich ein zufälliges Produkt aus Eiweissmolekülen sei und deshalb ruhig der Vernichtung anheimfallen dürfe. Die Astrologie lehrt hingegen, dass der Mensch ein sinn- und zielgerichtetes Geschöpf Gottes ist, in einem Kosmos lebt und im Sternenlaüf ebendieses Mysterium seiner inneren Bestimmung zu entdecken lernen vermag. Aber bestimmt nicht aus einer merkwürdigen Beeinflussung von Gesteinsbrocken und Gasbällen, die die Sonne umkreisen, sondern aus dem sphärischen Zusammenspiel der himmlischen Harmonien, .den »Har-monices Mundi«, -wie sie noch J. Kepler zu entdecken vermochte. So waren bei ihm Astrologie und Astronomie noch glücklich vereint und befruchteten sein Genie. Bevor solche Grundverschiedenheiten in den weltbildlich begründeten Anschauungen nicht klar ausformuliert werden, bleibt jede Diskussion über Astrologie (und ähnliehe esoterische Gebiete) eine Sandkastenschlacht, in welcher der gewinnt, der die Augen fester zudrückt, damit kein Sand hinein gelangt.