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Titel Ausgabe 9



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Zurück Ausgabe 9 vom 23.08.1982 • Seite 13ohne Login!

• Grundwissen

Deutungsgrundlagen der Astrologischen Psychologie

Peter Matthiesen

In dieser und in den folgenden Ausgaben des »Astrolog« werden die wichtigsten Deutungsregeln der Astrologischen Psychologie behandelt, wie sie von Bruno und Louise Huber, Leiter des Astrologisch-Psychologischen Institutes m Adliswil/Schweiz vertreten und in ihren Kursen und Seminaren gelehrt werden.

Themen dieser Artikel sind die Planetenqualitäten, d. h. ihre grundsätzliche Bedeutung, ihre Wirkung aufgrund der Stellung im Horoskop und ihre unterschiedlich »gefärbten« Wirkqualitäten in Zeichen und Häusern.

Ziel dieser Darstellungen ist es, dem Leserkreis die Deutungsgrundlagen der Astrologischen Psychologie in ihrer Einfachheit darzulegen und aufzuzeigen, so dass diese Astrologie jedem Interessierten zugänglich ist und ihm ermöglicht, sich mit seinem Horoskop zu befassen und Antworten aufprägen und Probleme seines Lebens zu finden.

Betrachten wir das abgebildete Beispielhoroskop, so sehen wir symbolisch in dem Kreis in der Mitte das Wesenszentrum des Menschen. Diesen Wesenskern können wir in menschlichen Begriffen nicht genügend verstehen und definieren. Deshalb bleibt in der HoroskopZeichnung dieser innere Kreis immer frei, d. h. es werden keine Aspektlinien durch ihn hindurchgezeichnet.

Wird der Mensch geboren, beginnt dieses Zentrum gleichmassg von der Mitte aus Energien m alle Richtungen auszustrahlen. Diese Energien treffen zunächst auf die Linien des Aspektbüdes und werden von diesen an die Planeten weitergeleitet. Bildhaft ausgedrückt, aber absolut realitätskonform werden – von innen nach aussen gesehen - die Planetenkräfte nun durch die Zeichen hindurch auf die Häuser (also die Umwelt) übertragen. Die Planetenkräfte werden jedoch, bevor sie m die Zeichen eintreten, durch die Aspekte zu anderen Planeten modifiziert bzw. erhalten zusätzliche Wirkkomponenten. Eine weitere »Färbung« erhalten die Planeten dann durch die Zeichen des Tierkreises bevor sie auf die Häuser treffen und damit wirksam in der Umwelt sein können.

Damit sind schon die vier grundlegenden Elemente der Astrologischen Psychologie aufgezählt. Es sind

die Planeten

das Aspektbild

die Tierkreiszeichen

die Häuser

Die Planeten sind die Lebensorgane des Menschen. Jeder Mensch hat 10 dieser Grundfunktionen, mit denen er existieren kann, bewusst oder unbewusst agiert oder reagiert und die Kontakte zu seiner Umwelt herstellt und aufrechterhält. Jeder Planet ist ein Symbol und kann m seiner Wirkung nur im Zusammenhang mit allen 10 Grundfunktionen, den Tierkreiszeichen und den Häusern gedeutet werden, da der Planet stets nur im Zusammenwirken und in Verbindung mit den anderen Elementen auftritt.

Das Aspektbild - also die Verbindung der Planeten untereinander mit ihrer Zuordnung zu Zeichen und Häusern - ist das Bewusstsein des Menschen. Mit diesem Bewusstsein steht der Mensch in dieser Welt und lebt in ihr. Mit dieser Bewusstseinsstruktur sieht er die Welt und handelt in ihr, Aus dem Aspektbild kann man also die Grundorientierung des Menschen, d. h. seine Hauptinteressen und -anliegen in seinem Leben ablesen.

Neben den Planeten und ihrer Aspektstruktur sind die Zeichen, in denen die Planeten stehen, die zweite wichtige Deutungsgrundlage der Astrologischen Psychologie. Durch die Zeichen erhalten die Planeten eine bestimmte typische »Färbung« ihrer Wirksamkeit. Die Planeten blicken also bildlich gesprochen durch die »Brille« der Zeichen hindurch auf die Häuser. Den Begriff »Brille« deshalb, weil manche Planetenqualität durch das Zeichen verstärkt oder vergröbert und andere wiederum vermindert oder verfeinert werden.

Die Zeichen sind hierbei die Energiequellen für den Menschen, die er in seinem Leben einerseits wirksam einsetzen kann, andererseits aber auch seine bewusste und unbewusste Denk-und Handlungsweise und seine Einstellung zum Leben bestimmen. Man unterscheidet hier ebenso wie in der klassischen Astrologie die so genannten drei »Kreuzqualitäten« und die sog. »Temperamente«. Zum kardinalen Kreuz gehören die Zeichen Widder, Krebs, Waage und Steinbock; zum fixen Kreuz die Zeichen Stier, Löwe, Skorpion und Wassermann und zum veränderlichen Kreuz die Zeichen Zwillinge, Jungfrau, Schütze und Fische.

Die vier Temperamente sind bekanntlich:

die Feuerzeichen: Widder, Löwe, Schütze;

die Luftzeichen: Zwillinge, Waage, Wassermann;

die Erdzeichen: Stier, Jungfrau, Steinbock;

die Wasserzeichen: Krebs, Skorpion, Fische.

Die Kreuzqualität eines Zeichens stellt grundsätzlich die Motivationskraft für das Handeln des Menschen dar. Sehr vereinfacht dargestellt veranlassen die kardinalen Zeichen den Menschen zumaktiven Handeln; die fixen Zeichen lassen ihn beharren und die veränderlichen Zeichen lassen ihn über neue Dinge nachdenken.

Die Temperamente sind die Grund-Verhaltensweisen des Menschen im Leben. Wieder sehr vereinfacht dargelegt, stellen m reiner Ausprägung die Feuerzeichen den aktiven Typus, die Luftzeichen den mehr intellektuell veranlagten, die Erdzeichen den mehr in der Realität verhafteten und die Wasserzeichen den mehr sensibel und intuitiv veranlagten Menschen dar.

Jedes Zeichen birgt also m sich eine grundlegende Motivationskraft (Kreuzqualität) und eine grundlegende Verhaltensweise (Temperament). Dies bedingt eine Entwicklungsdynamik im Leben des Menschen, auf die im folgenden kurz eingegangen wird.

Mit den Zeichen und Häusern stehen sich im Leben immer zwei Kräfte gegenüber, nämlich die charakterlichen mit der Geburt erhaltenen Anlagen (Zeichen) und die Umweltforderung (Häuser).

Das erkennt man daran, inwieweit der Tierkreis gegenüber dem Häusersystem im Horoskop verschoben ist. Das hängt immer vom Aszendentenzeichen ab. Wenn z. B. das Zeichen Löwe am As-zendenten steht (wie im Beispielhoro-skop), dann besteht vom Temperament her eine Übereinstimmung, weil Löwe auch ein Feuerzeichen ist und dem Temperament des 1. Widderhauses entspricht. Hingegen besteht von der Kreuzqualität her eine Diskrepanz oder ein Veränderungswert, weil Löwe zum fixen Kreuz gehört und das l. Haus zum kardinalen Kreuz. Das gleiche kann man mit den anderen Häusern machen. Im obigen Beispiel steht das Erdzeichen Jungfrau im 2. Stierhaus. Auch hier finden wir eine Temperamentsgleichheit, aber eine Verschiedenheit von der Kreuzqualität her. Durch diese Betrachtungsweise kann man die Diskrepanz zwischen Anlage und Milieueinwirkung erkennen und feststellen, welche Schwierigkeiten der Mensch haben wird, mit seinen charakterlichen Anlagen den Umweltforderungen zu entsprechen. Die Divergenz bedingt eine entscheidende Entwicklungsdynamik im Laufe des ganzen Lebens, die dem Menschen zu geistigem Wachstum verhilft; denn die meisten Probleme entstehen gerade durch diese Divergenz zwischen innerem Wollen und ausserem Müssen, also astrologisch gesehen durch den Unterschied zwischen Planetenzeichen und Hauszeichen.

Als weiteres sehr wichtiges Deutungselement ist zu beachten, dass die Planeten im Tierkreis nicht an allen Stellen im Tierkreis die gleichen Wirkungen haben. Planeten, die am Anfang (0° bis 3°) oder am Ende (27° bis 30°) eines Zeichens stehen, haben eine schwache Wirkung, d. h. sie sind im Leben nur mit erheblicher Mühe einzusetzen. Planeten, die etwa in der Mitte eines Zeichens (ca. 8" bis 18°, am stärksten 12°) stehen, haben eine starke Wirkung, d. h. diese Planetenkraft ist grundsätzlich gut im Leben umsetzbar.

Ob jedoch eine Planetenqualität sich im Leben auch tatsächlich effektiv auswirken kann, hängt von der Stellung des Planeten im Häusersystem ab. Im Beispielhoroskop stellen die Ziffern am äus-seren Ring des Horoskopes die 12 Häuser dar.

Die Häuser sind die Umwelt oder die Bühne, auf der sich das Leben abspielt.

Das erste Haus z. B. mit seinen Planeten und Zeichen gibt Auskunft über die Persönlichkeit des Menschen, seine äusse-re Erscheinung und z. B. seine Zielvorstellungen, d. h. wie er die Welt sieht und von ihr auch gesehen werden will.

Das vierte Haus hat mit der Herkunft, der Familie, also der Zugehörigkeit zu einem Kollektiv zu tun, der Denk- und Handlungsweise des Menschen auf diesem Gebiet.

Das siebte Haus wird im Volksmund bekanntlich als das »Ehehaus« bezeichnet. Das ist jedoch zu eng gesehen, da es mit allen Partnerschaften auf der Grundlage einer festen Bindung zu tun hat. Die hier stehenden Planeten und Zeichen geben Auskunft, wie der Mensch in diesen Angelegenheiten denkt und handelt und mit welchen Problemen er zu kämpfen hat.

Das zehnte Haus hat mit der Stellung im Beruf zu tun, den der Mensch auf dem Höhepunkt seines Lebens erreicht hat oder erreichen kann. Dieses Haus kann in Verbindung mit anderen Planeten und Zeichen auch Auskunft darüber geben, für welche Berufe der Mensch geeignet ist, mit welchen Erfolgen und /oder Misserfolgen er rechnen kann.

Starke Wirkungen hat ein Planet, der unmittelbar vor oder nach einer Häuserspitze steht. Stark und schwach heisst hier, dass die Planetenqualität, wie sie in der Zeichenstellung angezeigt ist, sich mit unterschiedlicher Intensität in die Umwelt übertragen lässt oder den Menschen von der Umwelt unterschiedlich prägt.

Der Leser wird hier schon das astrologische Deutungssystem erkennen: Bei der Ausdeutung des Horoskopes bzw. der Erfassung des Menschen in seiner Gesamtheit als eine Einheit ist folgendes zu beachten: die Planeten mit ihrer Aspektstruktur, die unterschiedlichen Stellungen der Planeten (stark, schwach) im Zeichen als den mitgegebenen Charakteranlagen in Beziehung zur Umwelt, d. h. die mehr oder weniger starke oder schwache Stellung des Planeten im Haus.

Dieses System der Astrologischen Psychologie ist in den beiden Büchern von Bruno und Louise Huber »Die astrologischen Häuser« und »Die Lebensuhr im Horoskop« beschrieben.

Nach diesen notwendigen grundlegenden Betrachtungen werden in der folgenden Nummer die einzelnen Planeten inkl. der Sonne hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Horoskopdeutung untersucht.