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Titel Ausgabe 11



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Zurück Ausgabe 11 vom 22.12.1982 • Seite 7ohne Login!

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Aktuelles Thema. Saturn im 10. Haus

Louise Huber

Fernsehsendung am Dienstag, 16. November, 21.15 Uhr, im Zweiten Deutschen Fernsehen.

In dieser Sendung kamen drei Ereignis-Astrologen zu Wort: Elizabeth Teissier, Thorwald Dethlefsen und Wolfgang Döbereiner aus München. Wer die Sendung gesehen hat, der war sicherlich genau so entsetzt wie wir (das »Astrolog«-Team), als wir uns zusammen vor den Bildschirm setzten, um dem vielversprechenden Titel gemäss etwas Sachliches über Astrologie zu sehen und zu hören. Die Ereignis-Astrologie wurde mit ihren magisch-suggestiven Machenschaften gehörig unter die Lupe genommen und mit einem stark wirkenden, negativen Bildmaterial aus der Hitlerzeit in Verbindung gebracht. Am Schluss der Sendung hatte man den Eindruck, dass die Astrologie daran Schuld sei, dass es im 3. Reich Krieg, Judenverfolgung, Gewalt und Massenmorde gab.

Wir sind der Ansicht, dass die prognostische Ereignisastrologie mit ihrer Zu-kunftsdeuterei unverantwortlich mit der alten Sternenweisheit umgeht und es richtig war, sie durch diese Sendung zu diffamieren. Aber trotzdem fanden wir die Darstellung einseitig übertrieben und negativ. Der Autor Rainer Gohr hat mit besonderer Begabung und mit Absicht Tatsachen so dargestellt, dass sie eine abstossende Wirkung beim Zuschauer hervorrufen mussten. Einmal mehr wurden wir von der Gefährlichkeit der Massenmedien überzeugt, die mit Leichtigkeit durch entsprechendes Bildmaterial und geschickten Schnitt einen Menschen oder eine Sache verteufeln können. Mit Sicherheit wird nach dieser Sendung der unbedarfte Zuschauer ein falsches, vorwiegend negatives Bild von der Astrologie haben.

Was können wir dagegen tun?

Wir können nur immer wieder darauf hinweisen, dass es auch eine andere Astrologie gibt, die eine wirkliche Lebenshilfe sein kann, weil sie den Entwicklungsgedanken als Grundlage hat. Dies ist eine ganz andere Ausgangslage, als sie Thorwald Dethlefsen in der Sendung verkündete. Obwohl er immer von einem Lehrplan spricht, den der Mensch im Laufe verschiedener Leben zu erfüllen hat, so spricht er niemals von der Evolution des Menschen und der Entwicklung zum freien Individuum. Darin läge nämlich die Möglichkeit, sich von solchen Determinanten zu befreien, wie beispielsweise die Unfalltendenz, die er in der Sendung als unumgängliches Schicksal hinstellte. Dies wurde durch einen Flugzeugabsturz und durch die Judenvergasung auf grässliche Weise bebildert.

Die Astrologie von heute

Im Gegensatz zur deterministischen Auffassung des Mittelalters, in der der negative Schicksalsgedanke die individuelle Entwicklung behinderte, basiert die moderne Astrologie auf einer psychologischen Grundkonzeption, die den Menschen als Ganzheit erfasst und Wege zur individuellen Selbstverwirklichung aufzeigt. Im Grunde ist jeder Mensch darauf angelegt, sich weiterzuentwickeln, aus seinen Fehlern zu lernen, die Dinge in der Zukunft besser zu machen. Darin liegt eine echte Entwicklung und auch eine positive Lebenseinstellung. Dann macht das Astrologie-Studium Spass. Es aktiviert in uns eine neue Lebensmotivation, schenkt uns Lebensfreude und ein Ur-vertrauen, das uns viele Lebenssituationen neu sehen lässt. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zwischen den im Fernsehen gezeigten magischen und nekrophilen Zügen der Astrologie (die übrigens nur durch eine Minderheit unter den Astrologen vertreten werden) und der aufbauenden Anwendung astrologischen Wissens zum Zwecke der Selbsterkenntnis und Weiterentwicklung eben der Lebenshilfe.

Reflexionen zur Fernsehsendung

Fritz Gehre

Eine Astrologie, die sich damit begnügt, nur die sichtbare und greifbare Welt anzunehmen, die den mythologischen und damit religiösen Ursprung der Astrologie ausser Acht lässt, determiniert sich selbst und damit alles, was aus menschlicher, freier Entscheidung leben will. So kann ich zu dieser Sendung nur sagen: es ist leicht, aus dieser Sicht heraus, die Masse zu beeinflussen, ihr Angst und Ausweglosigkeit einzusuggerieren und sich schlussendlich auf die Sterne zu berufen! Ebenso leicht kann man intellektuell jede echte Jenseitsschau, also alles, was sich der sichtbaren Realität entzieht und damit esoterisch ist, in schwarze Magie umwandeln.

Einige Herausgriffe: mit welchem Recht kann ich z, B. das, was Dethlefsen in einer Rede sagte, unmittelbar auf einen Flugzeugabsturz beziehen? Wieso kann ich eine falsch verstandene Astrologie mit derselben Rücksichtslosigkeit auf den Kriegsmord und die Verfolgungen ursächlich beziehen? Ist es, real gesehen, nicht einfach eine Angst vor dem Transzendentalen, ja eine Angst vor der eigenen Angst? Warum wurde der Fragende, wie bei Döbereiner, als ein hilfloses Individuum von dem Redeschwall des Astrologen mundtot gemacht?

Ganz persönlich sehe ich in dieser Sendung eine brutale, nicht mal besonders raffinierte Abwehr aller menschlichen und damit geistigen Weiterentwicklung, die mit denselben Mitteln arbeitet wie sie in der Nazi-Zeit üblich waren! Positiv jedoch kommt mir aus dieser Fernsehsendung die Erkenntnis, wie sehr sich gerade jetzt, in unserer Zeit jeder Astrologe hüten soll, Prognosen zu geben anstelle von menschlichen Hilfeleistungen!

An das ZDF

Wir erwarten eine Gegendarstellung:

Wir stellen fest, dass

1. diese Sendung gezielt einseitig informiert hat. Sie muss beim Zuschauer Abscheu, ja sogar Angst vor der Astrologie ausgelöst haben. Und selbst wenn sie bei einzelnen nur die Astrologie lächerlich gemacht hat, so resultiert das in der Diffamierung eines Berufsstandes.

2. es eine ernstzunehmende Astrologie gibt, die sich an moderner psychologischer Erkenntnis abstützt und nach dementsprechender Massgabe erfolgreich lebensberatend tätig ist. Die Sendung enthielt keine Hinweise darauf - und entsprechend kam auch kein psychologisch geschulter Astrologe zu Wort.

Wir fragen:

Nach welchen Grundsätzen und mit welchen Beurteilungs-Kriterien werden beim ZDF bei einer Sendung über Astrologie die mitarbeitenden Astrologen ausgewählt? Die einseitige Auslese von deterministischen Ereignisastrologen, welche die gegenwärtig aufgeheizte Zukunftsangst der Menschen schüren, wird - bei dieser wie auch bei ähnlichen Sendungen - für ernsthafte Astrologen langsam zum Problem.

Also nocheinmal:

Wir fordern das ZDF auf, eine weitere Sendung über Astrologie zu bringen, in der die psychologische Seite mit entsprechenden Vertretern zum Zuge kommt - und das zu einer Sendezeit, die derjenigen der Sendung »Saturn im zehnten Haus« adäquat ist. Hinter dieser Forderung stehen 4000 an moderner Astrologie interessierte Leser der Zeitschrift »Astrolog« - und ein breites Publikum, das ein Recht auf ausgewogene Information hat.

Die Redaktion