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Titel Ausgabe 12



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Aspektbilder und Aspektfiguren, Teil 2

Hans-Peter Sauerwein

Aspektfiguren

Zur ganzheitlichenErfassung eines Horoskopes geben neben der Lagerung, Zielrichtung, Kohärenz und Farbigkeit des gesamten Aspektbildes die einzelnen Aspektfiguren besondere Aufschlussmöglichkeiten, die individuelle Bewusstseinsstruktur und die daraus resultierende Lebensmotivation zu erkennen.

Hier bilden die einzelnen Figuren ihr eigenes Thema oder Motiv, das sich klar von anderen unterscheidet. Das Thema lässt sich ableiten aus den die Figuren bildenden Aspekten und aus der sich ergebenden jeweiligen Form. Dabei spielen zunächst einmal die fi-gurbüdenden Planeten und ihre Zeichen- und Häuserstände keine Rolle.

Die Themen spiegeln sich in den Namen wider: Leistungsfiguren, Talent-, Ambivalenz-, Struktur-, Dynamik-, Wahrnehmungs-, Reiz- und Lernfiguren. Diese acht Themen bilden jeweils zwei oder mehr Figuren, so dass wir insgesamt auf über 20 unterscheidbare Aspektfiguren kommen.

Leistungsfiguren

Sie werden so genannt, da die sie bildenden Aspekte energietragend und -umsetzend sind. In der klassischen Leistungsfigur, dem Leistungsdreieck (oder T-Kreuz) kommt der zielgerichtete, kardinale Impuls am deutliechsten zum Ausdruck. Entsprechend ihrem Charakter wird in der Opposition Energie gespeichert und aufgestaut (Batterie, Akku). Das durch den gegenseitigen Druck entstandene Energiepotential (Hochspannung) wird nun durch die beiden energieleitenden Quadrate entladen, und zwar von zwei Seiten auf einen Punkt hin. Damit bildet die Spitze des Leistungsdreiecks den Kraftpunkt, an dem durch Spannungsentladung Leistung erzeugt und in Arbeit umgesetzt wird. Jetzt wird die Betrachtung der die Figur bildenden Planeten wichtig: Wird sie von den harten Planeten gebildet, also Sonne, Mars, Saturn oder den drei höheren Uranus, Neptun Pluto so kann die der Figur innewohnende Motivation optimal verwirklicht werden, vor allem bei entsprechendem Stand am Leistungspunkt. Bei den sogenannten weichen Planeten Mond, Merkur, Jupiter, Venus widerspricht deren Motivation und Wirkungsprinzip der der Figur, und ein adäquates Funktionieren ist nur schlecht möglich und es entstehen seelische Drücke und Probleme.

Beim Leistungsviereck werden die Energien nicht zielgerichtet zum Einsatz gebracht, wie es bei dem dynamischen Leistungsdreieck der Fall ist. Entsprechend der durch die Viereckstruktur gegebenen Sicherheitsmotivation wird mit hohem Energieaufwand ein Zustand hergestellt, der dynamisch verteidigt und expandiert wird. Naturgemäss wird bei der Bildung dieser Figur eines der drei Zeichenkreuze (kardinal, fix, veränderlich) gebildet. Die damit aus der Erbanlage mitgegebene energetische Motivation muss bei der Analyse berücksichtigt werden. Die das Leistungsviereck bildenden Aspekte in ihrer kardinalen Motivation scheinen im kardinalen Kreuz am besten zum Ausdruck kommen zu können. Doch erzeugt dies ein Übermass an Impulskraft, so dass man sich in einem solchen Fall die Figur sehr gut als ein schnell sich drehendes Feuerrad vorsteller, kann. Auch widerspricht die hochsymetrische quadratische Figur dem freien Energieausdruck durch die entgegengesetzten Impulsrichtungen. Somit scheint diese Figur am besten im fixen Kreuz zu stehen, um mit Kraft einen gesicherten Zustand herzustellen. Doch ist hier die grosse Gefahr der Verkrampfung und Erstarrung gegeben, die immer wieder aufgelocker werden muss.

Im veränderlichen Kreuz, mit dem die Figur auf den ersten Blick am wenig sten gemeinsam zu haben schein' kann aber die kardinale Motivation der ständigen Expansion und der Wachstums zusammen mit der nach Sicherheit orientierten quadratische: Figur sehr gut in der ständigen Bemühung nach Bewusstseinserweiterun: ihren Ausdruck finden. Nur in dieser Zusammenhang hat der traditionell Name »karmisches Kreuz« seine Berechtigung, da es hier um Transzendierung der Realität und um die Verwirklichung der Ideen geht. Aller dings muss Demut geübt werden, da sonst leicht die Gefahr der geistige: Überheblichkeit besteht. Auch ist eine grosse Gefahr der nervlichen Überh stung gegeben. Entsprechendes g dann auch in der Häuserbesetzun: wobei es recht selten auch zu einer einzigen Kreuzbesetzung kommt; meistens liegt eine Achse der Figur einem Kreuz und die andere im benachbarten Häuserkreuz.

Talentfiguren

Die zweite einfarbige Figurengruppen bilden die blauen, substanzenthaltenden Talentdreiecke. Hier deutet der Aspekt auf eine Fülle bereits vorhandener Kompetenz und Ausdrucksfähigkeit in der Beziehung zwischen den in Beziehung stehenden Planeten. Die Fülle und Perfektion der veranlagten Energie wird offenbar im grossen Talentdreieck, welches durch drei Trigone gebildet wird, und in dem alle drei Zeichen eines Temperamentes miteinander verbunden sind. So stehen dem Menschen alle drei Handlungsalternativen und -antriebe (kard., fix, veränd.) der jeweiligen tempera-mentgemässen Verhaltensweise (Feuer, Erde, Luft, Wasser) zur Verfügung. (Zur Vertiefung der Temperamentsthematik empfehle ich die entsprechende vielfältige Fachliteratur, z, B. Th. Ring, St. Arroyo u. a.).

Die in der blauen, substantiellen Aspektfigur enthaltene latente Energie macht allerdings den Menschen häufig zu Bequemlichkeit geneigt und lässt ihn zu der Auffassung kommen, sich im Leben nicht anstrengen zu müssen, da ihm doch alles gelänge und er Übung nicht nötig habe. Hier sind ergänzende Quadrate (oder Oppositionen) wünschenswert, durch deren Leistungsforderung die ruhende Kraft zur Entfaltung gereizt würde. Es kann mit dieser Figur eine temperamentge-mäss gekonnte Haltung eingenommen werden, die entsprechend selbstsicher nach aussen zur Schau getragen werden kann.

Die Qualität der Trigone in ihrer Verwandtschaft zum Jupiter und die Tatsache, dass die Figur in höchster Symmetrie das Zentrum des Horoskopes um-schliesst, weisen auf die Notwendigkeit hin, sich der Sinnfrage zuzuwenden. Dies, um zu ergründen, was mit dem gegebenen Talent anzufangen sei und wie eine geeignete Aufgabe und Ausdrucksform zu finden ist. Einen sinngemässen Gestaltungswillen zu entwickeln liegt in der Aufgabe dieser Figur. Bei einer entsprechenden jupiterhaften Orientierung findet man dann das richtige Mass zwischen Perfektionszwang, Genuss- und Suchtneigung.

Das kleine Talentdreieck wird aus einem dem Zentrum zugewandten Trigon und zwei, eine gemeinsame Spitze bildenden Sextilen gebildet. Die Fülle der inneren Haltung (Trigon) wird versucht in harmonische Übereinstimmung und in konfliktvermeidender Form zum Ausdruck zu bringen. Zeichenmässig ein Drittel des Zo-diaks umfassend (in den Häusern meistens einen Quadranten), wird versucht, in diesem Teilbereich der Persönlichkeit durch Anpassung und Kompromissbereitschaft zu wachsen und das Thema dieses Lebensbereiches temperamentgemäss zu gemessen.

Eine grosse Gruppe von Aspektfiguren wird durch die Kombination dieser beiden Aspektfarben (rot - blau) gebildet, nachdem diese die einzigen einfarbigen Figuren bilden. Es können so ganze Aspektbilder nur zweifarbig sein. Diese Menschen neigen dann zu einem Schwarzweiss-Denken, zu absolutistischen »Entweder-Oder-Haltungen«, die sie in schwere Widersprüche verwickeln können. Daraus entsteht ihnen aber die Chance, den Widerspruch schöpferisch zu lösen, indem sie das in ihrem Talent (blauer Aspekt) steckende Potential in Leistung (roter Aspekt) umsetzen. Dabei kann es zu Überkompensationen kommen, wennz. B. das Thema einer Opposition als Unfähigkeit oder Schuldkomplex wahrgenommen wird.

Ambivalenzfiguren

Die ein fache Ambivalenzfigur, die aus einer Opposition, einem Trigon und einem Sextil gebildet wird, kommt recht häufig in Aspektbildern vor. Ambivalenz bedeutet Doppelwertigkeit,

und diese drückt sich in den beiden Aspektfarben aus. Im roten Aspekt, der Opposition, ist ein spannungsgeladener Wert enthalten, ein Druck, ein Konflikt. Damit direkt verbunden ist ein entspannter, genussorientierter Pol, der die Spitze dieses rechtwinkeligen, blauschenkeligen Dreiecks bildet. Menschen mit dieser Figur neigen dazu, zwischen den beiden Möglichkeiten einer spannungsvollen und entspannten Haltung hin- und herzupendeln, wie z. B. in einer Hassliebe. Wieder bildet die Opposition das Konfliktthema, das aber - gerade in dieser Figur - über die beiden anliegenden Aspekte verdrängt und harmoniestre-diplomatisch umbewertet wird, damit ein leichteres Leben möglich wird.

Die Verdrängungsneigung ist in der doppelten Ambivalenzägur nicht so stark gegeben. Neben dem blauen Dreieck werden die Energien der Opposition noch in ein rotes Leistungsdreieck geführt. Je nach Genauigkeit der Winkelstellungen und den Orbes der Planeten ergibt sich zwischen den Spitzen des roten und des blauen Dreiecks noch ein grüner Qumcunx-Aspekt (150-Grad-Winkel). Hier besteht die Ambivalenz, die Doppelwertigkeit in dem Bezug zwischen Leistung und Genuss. Um eine genussreiche und routinierte Haltung in einem Lebensbereich einnehmen und bewahren zu können (blaue Spitze), ist immer wieder ein gezielter Leistungsaufwand erforderlich (rote Spitze). Umgekehrt muss man sich aber auch fragen, zu welchen Früchten die Anstrengung führt bzw. führen soll. Hier geht es um die Kultivierung des rechten Arbeitseinsatzes in seinem Bezug zur gewünschten Genussfähigkeit und -haltung. Eine ständige Leistung durch entsprechende Reizmotivation (Rot-grün-Aspektierung), ohne Phasen der sinnvollen Entspannung, ist so wenig möglich wie umgekehrt die Flucht in eine ausschweifende, labile Genusshaltung (blau-grün), ohne die aktive Verarbeitung der durch die Opposition gegebenen Grundspannung. Die sich ergebende Viereckfigur weist auf die inhärente Sicherheitsmotivation, ihre asymmetrische Form aber auf den dynamischen Charakter, der im Hin-und Herpendeln zwischen den beiden ambivalenten Haltungen zum Ausdruck kommt.

Zu der Gruppe der zweifarbigen rotblauen Aspektfiguren gehören die sehr statischen »Strukturfiguren«. Bei allen drei Figuren sollte der erste Blick auf die Temperamente fallen, in denen die Figur steht. Aufgrund ihrer Struktur kann sie sich entweder in aktiven Zeichen (Feuer und Luft) oder in passiven Zeichen (Wasser und Erde) befinden. Entsprechend wird die Thematik der Figur aktiv oder passiv gelebt, was bei der Analyse einer Persönlichkeit und ihrer Grundhaltung zum Leben bedeutsam ist.

Einem geschlossenen Briefumschlag gleich sieht das sogenannte »Recht-schaffenheitsviereck« aus. Zu diesem Namen kommt es durch die blauen Aspekte (2 Trigone, 2 Sextile), -die mit ihrer ruhenden Qualität das durch die beiden Oppositionen spannungsgeladene Innere abschliessen.

Wie man bei einem verschlossenen Brief seinen Inhalt nicht erkennen kann, so erscheinen die Menschen, die eine solche Figur in ihrem Horoskop haben. Sie wirken nach aussen ruhig, ausgeglichen, »rechtschaffen« und geben nur selten Einblicke in die Spannungen und Probleme, die sie innerlich bewegen.

Oft sind sie sich ihrer Aussenwirkung nicht bewusst, da sie zu sehr mit ihren inneren Problemen beschäftigt sind. Oder aber sie sind mit allem Eifer dabei, den guten äusseren Eindruck aufrechtzuerhalten. Diese Haltung findet man mehr bei oberflächlichen Menschen.

Bei Menschen hingegen, die versu chen, ihre innere Problematik (Opposition) zu erkennen und zu lösen, ent steht die Neigung, der Umwelt mög liehst perfekte Problemlösungei (blaue Aspekte) darzubieten. Diese Fi gur beinhaltet, im Unterschied zu dei anderen Struktur- und Ambivalenzfi guren, zwei Oppositionen. Dadurch er hält sie ein höheres Energiepotentiai das sich durch den Widerspruch voi Innen und Aussen kreativ gestalte! kann. Aufgrund der hohen Symmetri« ist die Suche nach einem mögliche sicheren Zustand oder Status Grund motivation. Der sichere Status, durcl das rechtschaffene Ansehen, erlaub die zur Problemlösung notwendig« Ruhe der Innenwendung.

Appendix

In einem dankenswerten Beitrag eine: Leserin (Frau R. Bretscher aus Boll] in dem sie zu den 20 Aspektfigura jeweils ihre Auffassung schreibt, zieh sich wie ein roter Faden die Betrach tung des Verhältnisses des innera Zentrums (Persönlichkeitskern) zu da ihm zugewandten Aspekten bzw. da Opposition. Je näher Aspekte zur Horo skopmitte weisen, um so geeignete lässt sich diese Thematik vom Ge Sichtspunkt der Entelechie, der inna ren Wesenheit, begreifen und lösen je weiter sie nach aussen weisen, un so stärker nimmt die Umwelt Einflua auf die Gestaltung des Themas. DM Aspekte sind auch anzuschauen al Antennen für die Botschaften aus den innersten Zentrum, dem göttliche] Funken, an die Alltagspersönlichkei der es seine Weisheit und Energie vei mittein will.

So liegt vor allem in der Oppositia die permanente Aufforderung, sich a entscheiden, sich diesen Einflüsse des Zentrums zu öffnen oder nich Durch Aufnahme dieser Energie kann man die Achsenthematik besse verstehen, sie transzendieren. Bei Vei neinung der inneren Wesenheit wiri die Problematik der Opposition be kämpft und das Ego gefangengehai ten in seinem Persönlichkeitswahn ohne die innere Wesenheit leben zu können. Die Polarität wird dadurch zur Dualität gespalten, der Mensch leidet darunter und bleibt eventuell an einem Pol »kleben« und verdrängt den anderen Pol aus seinem Bewusstsein. So wird der Oppositionsaspekt zu einer Energiesperrung und bekommt den Charakter einer seelischen Blockade, die über evtl. seitliche Aspekte kompensiert werden kann. Entsprechend ihrer Entfernung zum inneren Zentrum sind dann auch die anderen Aspekte zu betrachten (API-Studienmaterial Blatt 12). Hier nimmt z. B. das Quadrat eine genaue Mittelstellung ein, womit noch ein anderes Licht auf seinen Charakter als Entscheidungs- und Willensaspekt geworfen wird.