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Titel Ausgabe 12



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Zurück Ausgabe 12 vom 19.02.1983 • Seite 15ohne Login!

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Unser Zodiak: Tag und Nacht

Bruno Huber

Die heutige Stadtkultur - die bekanntlich bereits weit in die grüne Landschaft hinausreicht - hat uns scheinbar vom natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus völlig unabhängig gemacht. Das mag seine Vorteile haben, bringt aber den Nachteil, dass viele Menschen gar keine Vorstellung mehr davon haben, wie verschieden lang die Tage und Nächte im Verlauf eines Jahres sein können.

Oder haben Sie gewusst, dass die längsten Sommertage (von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang) in unseren Breiten genau doppelt so lang sind wie die Tage in der Weihnachtszeit? Folgende Zeichnung versucht das anschaulich zu machen.

Auf dem Kreis ist eine Uhr mit 24-Stunden-Einteilung so angebracht, dass damit die Sonne in ihrem täglichen Lauf dargestellt wird. Man muss sich die Uhr auf dem Boden liegend vorstellen. Der Kreis ist dann unser Horizont - allerdings ein sogenannt mathematischer Horizont ohne jegliche Erhebungen wie etwa Berge etc. (das gibt es eigentlich nur auf hoher See). 6 Uhr ist damit exakt Osten, 12 Uhr (Mittag) Süden usw. Eingetragen sind die frühesten und spätesten Sonnenauf- und Untergänge im Jahre 1983.

Der früheste Sonnenaufgang findet am 20. Juni um 4 Uhr 10 statt, der späteste Sonnenuntergang am 28. Juni um 20 Uhr 33. Der längste Tag liegt dazwischen. Am 22. Juni ist die Sonnenscheindauer 15 Stunden und 54 Minuten. Beachten Sie, dass in diesen '«Tagen die Sonne fast 30 Grad nördlich vom Ostpunkt aufgeht. Der Aszendent liegt also zu diesem Zeitpunkt nicht im Osten, sondern annähernd in Ost-Nord-Ost. Zur Mittagszeit steht dann die Sonne etwa 66 Grad senkrecht über dem Südpunkt (12 Uhr in unserer Darstellung). Jetzt kann man sich leicht den langen Bogen vorstellen, den die Sonne in diesen Tagen macht.

Entsprechend umgekehrt ist es dann bei Wintersonnenwende: der späteste Sonnenaufgang (8 Uhr 19 Minuten) fällt dreissig Grad südlich des Ostpunktes, und die Sonne erreicht in ihrem Mittagsstand nur 16 Grad Höhe über dem südlichen Horizont.

Auf der Zeichnung wird deutlich, wie verschieden lang der Sommer- und der Winterbogen des Sonnenlaufes über den Taghimmel ist. Und man kann sehen, wie der Aszendent am Osthorizont nord- und südwärts hin- und herwandert. Dasselbe gilt natürlich auch für den Deszendenten, der ja der Sonnenuntergangsort am Westhorizont ist. Beachten Sie doch mal in diesem Jahr, wie weit die Sonnenauf/untergänge am Horizont Ihres Wohnortes hin- und herwandern.

Mit diesem Heft beginnend, werden wir in Zukunft regelmässig auf dieser Mittelseite die Sonnenauf- und Untergänge bringen, und zwar für drei je zwanzig Tage auseinanderliegende Zeitpunkte innerhalb der Berichtsperiode: 25., 15. und 5. der drei angeschnittenen Monate.

In der Form der drei nebenstehenden Uhren wird also in Zukunft folgende Information enthalten sein:

1. Das schwarze Feld unten stellt die dunkle Nacht dar, in der man die Sterne klar sehen kann.

2. Die schraffierten Sektoren links und rechts sind die Dämmerungszeiten zwischen dunkler Nacht und Sonnenhelle.

3. Das weisse Feld zeigt die Sonnenscheindauer von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang.

4. Die Grenzlinien zum weissen Feld markieren also die Auf- und Untergangszeiten der Sonne. Die genauen Zeiten sind in der Zeile unterhalb der Uhr - links (auf) und rechts (unter) - neben dem Datum des Stichtages aufgeführt.

5. Die Gradzahl oberhalb 12 Uhr ist die Mittagshöhe, das heisst die maximale Höhe über dem Horizont, welche die Sonne am entsprechenden Tage erreichen kann.

Vielleicht ist Ihnen schon aufgefallen, dass in diesen drei Zeichnungen die Linie Auf-gang-Untergang nicht symmetrisch zum Meridian liegt, sondern nach rechts neigt. Das hat mit der Ortszeit zu tun: Diese Uhren sind aus naheliegenden Gründen auf etwa die Mitte des deutschen Sprachraumes eingestellt. Genauer: auf 50 Grad nördlicher Breite und 10 Grad östlicher Länge - das entspricht ungefähr WÜRZBURG in Franken.

Die Uhren in ganz Europa sind auf eine Einheits- oder Zonenzeit (MEZ) eingestellt, so dass die Zeit, die ich auf meiner Uhr hier in Zürich ablese, gar nicht wirkliche Ortszeit ist. Sie gilt nur für Orte wirklich, die wie Görlitz auf 15 Grad östlicher Länge (MEZ-Messmeridian) liegen. Und es ist natürlich klar, dass die Sonne z. B. in Wien früher aufgeht als etwa in Aachen. Die zwei Orte liegen nahe an der östlichen bzw. westlichen Grenze des deutschen Sprachraumes, und der Zeitunterschied beträgt ungefähr 41 Minuten (Aachen liegt auf 6 Grad 04 Minuten östlicher Länge, Wien auf 16 E 23).

Wenn Sie also nicht auf der Nord/Südlinie HAMBURG-WÜRZBURG-ULM wohnen, so müssen Sie von den hier angegebenen Zeiten Minuten abzählen (wenn östlich) oder zuzählen (wenn westlich). Die Rechnung ist einfach: pro Längengrad vier Minuten.

Folgend ein paar Beispiele:

x Minuten SPÄTER als angegeben in folgenden Städten

Aachen +16, Genf +15, Düsseldorf - Köln - Saarbrücken +12, Dortmund - Koblenz (D) - Bern +10, Freiburg i. Br. - Basel +9, Bielefeld - Mannheim - Karlsruhe - Zürich + 6, Frankfurt/Main - Heidelberg + 5, Stuttgart - Konstanz + 3, Hannover - Lindau/Bre-genz +1.

x Minuten FRÜHER als angegeben in folgenden Städten

Kiel - Landeck/Tirol -1, Kempten/Allg. - 2, Innsbruck - 5, München - 6, Leipzig -10, Salzburg -12, Berlin -14, Dresden -15, Frankfurt/Oder -18, Graz - 22, Wien - 25.

(N. B. Alle Zeitangaben und Gradwerte sind abgerundet)