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Titel Ausgabe 13



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Zurück Ausgabe 13 vom 20.04.1983 • Seite 10ohne Login!

• Mythologie

Mythologisches Pluto

Fritz Gehre

Pluto - Macht - Angst – Wandlung

Pluto gilt als der Gott des Reichtums, der tief m der dunklen Unterwelt seine Opfer verlangt und der es gleichzeitig jedem Menschen möglich macht, sich in sich selber zu wandeln, anders zu werden. Diese grosse Spannweite, die einerseits unsere existentielle Angst umfasst und im Hindurchgehen durch sie uns andererseits frei macht zum neuen Menschen, dürfte mit den 248 Jahren seines langen Umlaufs zusammenhängen, mit seiner kollektiven Macht, aus der wir unsere eigene Persönlichkeit entdecken sollen! Pluto in Skorpion steht in der Besitzachse und soll sich, dem 8. Haus gemäss, vom Materiellen lösen, muss weitergeben, um dadurch selber immer stärker zu werden. Als innerer Vorgang ist dies zu verstehen, denn der Talpunkt, das Stirb und Werde, steht, von O°-Widder an gemessen, auf 12°-29' Skorpion; ein Hineingehen in die eigene Gegenwart, die zwischen dem Hinunterfallen und Hinaufsteigen steht, um aus ihr das Göttliche in sich zu entdecken. Wir werden sehen, dass Pluto nicht nur männlich, sondern auch weiblich ist, doppelgeschlechtlich mithin, gleichwie jede Wandlung den Menschen an sich betrifft! Warum soll ich nicht dem weiblichen Mars-Zeichen Skorpion das männliche Mars-Zeichen Widder gegenüberstellen? Warum eigentlich nicht, wenn vom Alterspunkt mit 72 Jahren im 1. Haus ein neuer, ein bewusst reicher gewordener Lebensumlauf beginnt? Wenn ich in der Einteilung mit der Macht beginne, dann will ich die Urkraft, den Anbeginn des Pluto hervorheben. Erst aus dieser dinglich bezogenen Kraft kann jene Angst, jene Gottesfurcht entstehen, die zu allen möglichen Abwehrformen greift. Das Bewusstwerden des Einzelnen erst sondert ab, verändert sich und weiss von seinem, ihm eigenen persönlichen Gott, und das ist die Wandlung.

Die Macht

Plutos heisst Reichtum, Überfluss, Macht, Schatz, Glück und Segen. Diese reichen Gaben, die auch Geschenke des Meeres sein können, werden auf den Gott Pluto bezogen. Dieser Gott beschenkt die sterblichen Menschen mit Gütern, oder war es gar eine Göttin?, denn es heisst: »Seine (Tantalos) Mutter war Pluto 'die Reiche', eine Tochter des Kronos und als berekyntische Nymphe Tochter der Grossen Mutter. Seit jeher war Lydien durch sein Gold berühmt: Gold bargen die Berge, Gold trugen die Flüsse in ihrem Sand. Kein Name ziemte mehr der grössten Göttin dieses Landes als Pluto.« Wenn der dunkle Aspekt des hellen Gottes Zeus Hades ist, so hat dieser u. a. den Namen Pluto = der 'Reichtum Spendende'. Ausserdem wird Pluto auch als der mystische Sohn einer Göttin, vornehmlich der Deme-ter, in ihrer Beziehung zu Hades gesehen. Woanders wurde von einem kretischen Jüngling, einem Jäger namens lasion, erzählt, dem sich Demeter in den Furchen des dreimal gepflügten Ackers hingegeben hatte. Die Göttin gebar ihm das Kind Pluto, den 'Reichtum', und die Erde brachte darauf vielfache Ernte. Der Reichtum bezieht sich somit auf die dunkle Erde, auf die nächtige, die unbewusste Seite, auf die Unterwelt. Ich sehe ihn als den Überfluss, der in uns da ist, von dem wir jedoch nur sehr wenig wissen.

Orpheus stieg in diese Finsternis hinunter, wollte Macht all dem gegenüber, was uns verborgen ist. Eurydike, die Neuvermählte, floh vor einem, der ihr nachstellte, fiel hin und wurde von der Schlange in den Knöchel gebissen. Als Orpheus hinkam, war seine junge Frau schon vom Hades entrafft. Er wanderte durch ganz Griechenland, seiner Leier vertrauend, ihr nach, bis er den finsteren Pfad des Totenreiches betrat. Er bezwang mit der Leier selbst Cha-ron, der den Kahn verliess und dem singenden Orpheus nachfolgte. Es weinte die grenzenlose Schar der Seelen, die sich um Orpheus versammelt hat, und später kam auch Eurydike mit ihrem gebissenen Knöchel langsam heran. Auf den Vasen sieht man, wie Orpheus die Hand von Eurydike fasst, doch er blickt sie nicht an. Das Gesetz der Unterwelt verbot den Anblick, erlaubt war nur die tönende Stimme im Totenreich! Eurydike durfte dem liebenden Mann folgen: das hatte Orpheus mit seinem Gesang erwirkt. Doch auf dem Weg, der vom Tod ins Leben führt, hat sie Orpheus angeblickt - und keiner weiss, was der Grund dazu war; war es Wahnsinn, wollte er sie küssen, wollte er sicher sein, dass sie ihm folgt? Und da wird die Hand der Eurydike, die auf seiner Schulter liegt, von Hermes, dem Seelengeleiter gefasst, - Eurydike verschwindet, sie wird ins Totenreich zurückgerufen! Orpheus versuchte vergeblich, ihr nachzulaufen, und der Schatten der auf sein appollinisches Wesen fiel, war dionysisch. Das heisst: Orpheus stand zwischen dem Hellen und Dunklen. Wir erfahren unter anderem von den Mysterien, die Orpheus den jungen Männern in den Weihen verkündete, von der Knabenliebe, die er bei den Thrakern einführte, vom Initiatonshaus mit geheimen Riten, was dem 8. Pluto-Haus entspricht. Was ich damit sagen will, ist, dass wir nicht alles bewusst in die sehende, die allzu helle Sonne bringen können. Wir müssen hineinhören in uns, in eine Musik, die mehr aussagt als all unser Wissen! Und warum Orpheus Eurydike angeblickt hat, bedeutet, dass er sie herauf-holen will, ganz bewusst sehend, aus seiner eigenen Macht, die ihm zur Ohnmacht wird. Die geheimen Mysterien sollen wiedergeben, was Orpheus selber erfahren hat, was sonst uns verborgen bleibt. Die Knabenliebe könnte symbolisch eine Liebe bedeuten, die über die Grenzen hinausgeht und alle Menschen umfasst, gleichgültig welchen Geschlechts.

Soll ich eine dritte Macht noch zeigen, die der Herrschaft?, doch wir wissen davon zur Genüge! So will Jahve alle Völker vernichten, die nichts von seinem Glauben wissen wollen - also bestimmt kein Pazifist, denn er gesteht: »Ich bin der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott.« Dieser tiefe und düstere Glaube kannte das geschmückte Ritual und die frohen Feste nicht, wie in den Kulten der Ägypter oder Babylonier. Aus dieser Macht, wie wir es in der reichen Priesterkaste sehen, wird die Ohnmacht vor einer willkürlich gesetzten Gottheit; es wird zu dem dunklen, freudlosen Gefühl der altjüdischen Gedankenwelt. -

Die Angst

Tantalos, der Sohn von Pluto, des Reichen, musste sie kennenlernen, die Angst, nachdem er sich gegen die Götter versündigt hatte. Was war diese Sünde? Tantalos lud die Götter zu einem Opfermahl ein und sündigte, indem er kein stellvertretendes Tier, sondern das Beste, was er zu geben hatte, seinen eigenen Sohn, den Göttern zur Mahlzeit bereitete und sie mit solcher Opferspeise erwartete. Er schlachtete den kleinen Pelops, zerstückelte ihn, liess das Fleisch in einem Kessel kochen und wollte, wie Spätere glauben, die Allwissenheit seiner Gäste auf die Probe stellen. Viele Sünden wurden Tantalos nachgesagt, die eigentlich nichts anderes waren als Verschleierungen des grossen Wagnisses, es anders zu machen! Als Strafe für diese betrügerische Eigenmacht, ob es ein Menschenopfer ist oder ganz einfach die Abkehr vom Göttlichen, musste Tantalos zwischen Himmel und Erde schweben; es wird ihm das Beiwort 'Luftwanderer' gegeben. An den Händen angebunden hing er von einem Felsen herab; oder andere sagen, dass er bis zu den Knien im Teich steht, und will er trinken von dem Wasser, dann schwindet es, wenn er sich hinunterbeugt, - und diese Angst wird für Tantalos zeitlos.

Um diese Angst, diese Gottesfurcht zu bannen, finden wir in allen Kulturen das Totem, ob es bei den Juden die unantastbaren Gesetzesrollen sind, das Goldene Kalb, bei den Ägyptern die Mumie, der Skarabäus oder das Henkelkreuz, ja auch heute der Schmuck, das Heiligenbild, das Kreuz. Eine Magie also, die dem 2. Kreuz entspricht, die gleichsam fixiert vor dem Unbekannten und in den schönsten Formen uns 'festhält'! So möchte ich den Skarabäus, der aus Mist eine Kugel dreht, den heiligen Pillendreher, besonders erwähnen: Denn in diese Kugel legt das Weibchen ihre Eier und versenkt sie in die Erde. In Ägypten wird er zum sonnenhaften Tier, Skarabäus bedeutet = aufgehende Sonne und gilt als Symbol der Auferstehung. Dieses Amulett wurde vielfach getragen, denn in ihm zeigt sich die Fruchtbarkeit des Lebens doppelt: die sichtbare Kugel, die alles beinhaltet, und das neue Leben, das aus der Tiefe herauskommt. Es fällt mir schwer, jetzt zu schweigen, denn vielfach überformt ist die Angst, die einerseits bannt, andererseits uns schöpferisch macht! Doch Sie können die Wege leicht selber verfolgen, wie ich es jetzt in den Ritualien zeigen will.

Der Fruchtbarkeitsritus kann sich auf das Steigen des Nils, die fruchtbare Überschwemmung beziehen, oder auf sein Fallen, auf die Dürre, auf Osiris und Set, auf Gut und Böse, auf Leben und Tod. Ebenso gehört auch der Phönix hierhin, der Vogel mit der rötlichen Farbe der Sonne und dem weissen Gesicht des Mondes. Er verbrennt sich selbst und entsteht aus seiner Asche immer wieder neu; Skorpion, das Pluto-Zeichen, gilt als die Beschützerin der Verstorbenen und soll sich umwandeln in den Adler oder Falken. Doch dies geht bereits über die Angst hinaus. Die 'einfachen1 Fruchtbarkeitsriten bezogen sich auf den Stier, den Ziegenbock, und haben aus ganz natürlicher Lebensfreude ihre phalli-schen Symbole, wie sie bei den Zeremonien getragen wurden. Die Crux ansata, das Henkelkreuz, versinnbildlicht die sexuelle Vereinigung und das kraftvolle Leben zugleich.

Die Wandlung

Schon bei jener Tantalos-Geschichte kann die Wandlung, die auch mit Auferstehung bezeichnet wird, verfolgt werden, - da heisst es: »Rhea, die grosse Göttin, die auch die Glieder des Dionysoskindes (des geopferten Pelops) zusammengelesen hatte, stellte die Stücke wieder zusammen und liess den Knaben aus dem Kessel auferstehen. Es war eine Wiedergeburt, und der Knabe erhob sich aus dem Kessel schöner, als er gewesen.« Wenn ich sagte, dass schon damals von Wandlung gesprochen werden kann, dann dies deswegen: Die drei unsichtbaren Planeten Uranus, Neptun und vor allem Pluto wurden erst ab 1789 entdeckt, und somit können wir Pluto (1930 gesehen) eist jetzt benutzen. Wir müssen den Gott in uns persönlich auffinden, ganz persönlich durch die Angst hindurchgehen, denn wir können jeden magisch religiösen Schutz zwar bewundern, aber nicht mehr annehmen!

Eine Upanischad sah die Erschaffung der Welt als das Werk eines unwiderstehlichen Erzeugers an. Dieser, und damit sein Selbst, zerfällt in zwei Teile, männlich und weiblich; daraus entstanden die Menschen. Da erwog sie: »Wie mag er sich mit mir begatten, nachdem er sich mit mir selbst erzeugt hat? Wohlan! Ich will mich verbergen!« Da ward sie zu einer Kuh, er aber ward zu einem Stier und begattete sich mit derselben - und so geht es weiter, bis dafür der Name Schöpfung entstand. Sagen will ich damit, dass jede Form einst eine andere Form war, dass diese Verwandlung nichts anderes bedeutet wie die Seelenwanderung' Nichts ist mithin belanglos, umsonstig, endlich, wir alle sind in der grossen Dynamik miteingeschlossen, denn letzlich entstammen wir alle jener ersten Urform.

Persien opferte der Sonne, dem Feuer, dem Ahura Mazda Blumen, Brot, Schafe oder Kamele. Doch als der Kult Ahura Mazda dahinwelkte, wurde die Beliebtheit seines Sohnes Mithra immer gewaltiger. Mithra wurde in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung in der Gestalt eines göttlichen Jünglings mit einem strahlenden Heiligenschein um das Haupt verehrt. Er war das Sinnbild der ewigen Wesenheit mit der Sonne, er hatte Teil an dem Weihnachtsfest des Christentums. Wichtig erscheint mir seine Vereinigung mit Anaita, der Göttin der Vegetation und Fruchtbarkeit, wichtig, da sich Sonne und Erde zu einer aus der Liebe kommenden Religion verwandeln, die keine Kriege braucht und keinen Aberglauben!

Zuletzt will ich Buddha (563-483 v. Chr) in seiner Erleuchtung unter einem schattigen Baum, dem Bodhi-Baum, in die Wandlung miteinbeziehen. Ihm, der sich jahrelang selbst gequält hatte - nur ein Reiskorn ass er täglich, nahm sich alle Kleider vom Leib und blieb mit seinem Bewusstsein allein -, ihm wurde also die Vision der endlosen Folge von Tod und Wiedergeburt zuteil. Nur Friede ist möglich, nur die kühle Stille beendeter Sehnsucht, nur das Nirwana. Wieder die plutomsch selbstzerstörerische Kraft des Skorpion und jener von selbst kommende Friede, wenn ich hineinhorche, was dem Talpunkt in Skorpion entspricht, den ich gern Wandlungspunkt nenne. So.meint Buddha für Nirwana das Gleiche wie 'Segen', die ruhige Zufriedenheit der Seele, die sich nicht mehr mit sich selbst abquält.




Der Kaiser, der Maler und der Hahn

Es war einmal ein Kaiser in China, der einen berühmten Maler beauftragte, ihm auf den Thron einen Hahn zu malen. Der Maler ging und liess sich ein Jahr lang nicht mehr blicken.

Da schickte er einen Boten. »Ich bin noch nicht fertig,« liess der Künstler seinem Kaiser melden, und die gleiche Antwort gab er nach zwei Jahren. Erst als drei Jahre vergangen waren, stellte er sich ein und tuschte nun vor den Augen des Kaisers leicht und flüssig einen Hahn auf den Thron. »Wegen einer so leichten Arbeit hast du mich drei Jahre warten lassen?« fragte der Kaiser erstaunt, doch auch wohlwollend, denn der Hahn war so treffend gemalt, als lebe er, und dabei war er noch schöner als irgend ein lebender Hahn. »Komm zu mir, Sohn des Himmels, und du wirst mich verstehen!« bat der Maler, Da liess sich der Kaiser zu dem Maler tragen und sah dessen Haus gefüllt mit lebenden Hähnen, soviel darin Platz hatten: mit kleinen, grossen, bunten und einfarbigen. Im Arbeitszimmer des Künstlers sah er aber einen grossen Haufen zerrissenes Reispapier, auf welchem Hähne in vielerlei Stellungen getuscht waren. Auch gab es Blätter, die nur einen kleinen Teil eines Hahnes zeigten, eine Feder oder nur einen FUSS. Da liess der Kaiser alle Hähne wiegen und ihr Gewicht dem Maler in Gold aushändigen, denn er erkannte nun, dass eine gute Tuschzeichnung zwar leichthin aussieht, aber nicht leichthin entsteht. Erst als der Künstler an nichts anderes mehr dachte als an die Hähne, gelang der Hahn, der würdig war, des Kaisers Thron zu schmücken.

Chinesische Weisheit