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Titel Ausgabe 13



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Zurück Ausgabe 13 vom 20.04.1983 • Seite 14ohne Login!

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Mondknotenhäuser und Mondknoten-Alterspunkt

Rainer Lang

Nachdem uns eine Reihe von Zuschriften nach Prinzip und Methode dieses speziellen Horoskoptyps befrag haben, bringen wir nachfolgend einen Beitrag - wiederum von Rainer Lang - der das Thema etwas aufhellen sollte.

1. Entstehung und Bedeutung

In der Astrologischen Psychologie; stellt der aufsteigende Mondknoten (im folgenden kurz Mondknoten genannt) ein wesentliches Deutungselement dar. Mit ihm verknüpft ist sogar ein eigenes, esoterisch zu verstehendes Horoskop, das Mondknotenhäuserhoroskop.

Bekanntlich sind die Mondknoten -aufsteigender und absteigender - die Schnittpunkte der Mondbahn mit der Ebene der Erdbahn (Astrolog Nr. 3). So bedeutet das Durchstossen des Mondes von unterhalb der Ebene in den Bereich oberhalb das Austreten des Menschen aus der Vergangenheit und sein Hineintreten in die Gegenwart des jetzigen Lebens. Auch im Radix gibt die Mondstellung bekanntlich Auskunft über die Aspekte der Vergangenheit. So ist also der aufsteigende Mondknoten ein ausgezeichneter Punkt, an dem sich Gegenwart und Vergangenheit begegnen. Hier spiegelt sich der Mensch in der Gegenwart als Ausdruck seiner Vergangenheit. Wenn wir diesen Weg rückwärts beschreiten, haben wir die Vergangenheit in Form unserer vormaligen Inkarnation vor uns liegen.

Rein technisch - mit Hilfe des Horoskops - geschieht das folgendermassen: Das Radixhoroskop wird am Mondknoten gespiegelt (siehe Beispiel). Dadurch entsteht ein Horoskop, in dem der Tierkreis im Uhrzeigersinn läuft. Man kann sich das in folgender Weise anschaulich machen: Man stelle sich vor, die Mondknotenstellung im Tierkreis des Radix bilde ein Scharnier. Nun braucht man nur den Tierkreis aus der Horoskopebene herauszuklappen und erhält das Spiegelhoroskop. Das gleiche Ergebnis erzielt man, wenn man das Horoskop von der Rückseite gegen das Licht betrachtet.

Mondknotenhäuser-Horoskop

Die Mondknotenstellung des Radix bildet nun den AC des Mondknotenhäu-serhoroskops. Der AC des Radix wird zum Mondknoten des Mondknoten-häuserhoroskops. Dadurch fallen die Aspekte auf den Radixmondknoten weg und auf den Mondknoten des Mondknotenhäuserhoroskops werden neue Aspekte eingezeichnet. (Diese entsprechen Aspekten auf den AC im Radix). Dadurch entsteht ein mehr oder weniger stark verändertes Aspektbild. Im vorliegenden Beispiel ist die Veränderung minimal! Dieser gegenseitige Austausch von AC und Mondknoten wird leicht verständlich, wenn man bedenkt, dass der Mondknoten Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet: Am AC des Radix trete ich durch den Mondknoten des Mondknotenhäuserhoroskops aus der Vergangenheit in die Welt, Die Neigung der AC-DC-Achse (Horizont) gegen die IC-MC-Achse (Meridian) und die verschieden grossen Zwischenräume entstehen ja nur aufgrund der verschiedenen geographischen Positionen der Geburtsorte. Da das Bezugssystem im Mondknotenhäuserhoroskop nicht erdgebunden, sondern kosmisch ist, verwenden wir äquale, d. h. 30°-Häuser. Diese laufen normal vom AC zum DC usf. entgegen dem Uhrzeigersinn.

Das so neuentstandene Mondknotenhäuserhoroskop stellt nun nicht etwa, wie man vielleicht vermuten sollte, das Abbild der letzten Inkarnation dar. Es ist vielmehr die summierte Darstellung des Karma aller vergangenen Inkarnationen. Jeder Aspekt, jede Planetenstellung oder Kombination bedeutet ein bestimmtes Verhaltensmuster bzw. eine bestimmte Charaktereigenschaft, die im Laufe der Vergangenheit erworben wurde. In welcher Umgebung und in welcher Funktion das geschah, ist durch die Stellung der Planeten in den Häusern angezeigt. Die Art und Weise, wie dies geschah, zeigen Aspekte oder Aspektfiguren, an denen die jeweiligen Planeten beteiligt sind. So zeigt die Sonnenstellung den Lebensbereich an, in dem sich die Persönlichkeit aktiv ausdrückte, während die Saturnstellung den Bereich angibt, in dem Macht auf materieller Ebene ausgeübt wurde oder wo man starken Einschränkungen unterlag usw. Es lässt sich so für jeden Planeten seine Funktion und Zuordnung finden. Besondere Beachtung finden Planeten und Oppositionsachsen, die im Mond-knotenhäuserhoroskop in die gleichen Häuser fallen wie im Radix. Hier drük-ken sich Verhaltensweisen und Fähigkeiten besonders stark über die Inkarnationen hinweg aus. In der Regel hat man dann auch dazu als Horoskopeigner einen viel tieferen Bezug.

Allgemein ist es wichtig, das Mondknotenhäuserhoroskop im Vergleich zum Radix zu betrachten. Dann wird oft erst richtig klar, dass bestimmte Planetenstellungen im Radix als Entwicklungsschritte über grosse Zeiträume hinweg zu deuten sind. Sei dies nun in Form einer konsequenten Fortsetzung einer Thematik oder in einem gegenpoligen Ansatz.

Ich möchte dies am Beispiel des abgebildeten Horoskops erläutern: Die Konjunktion Jupiter/Sonne/Merkur/ Mars im 11. Radixhaus fäll ins 9. Mondknotenhaus. Dies bedeutet, dass diese Person in der Vergangenheit eine dominierende Position im religiös-ideo-logischen Bereich innehatte. Jetzt erfolgt die Fortsetzung, als fundierte 11.-Haus-Thematik - die eigenen Ideen (3. Quadrant) des 9. (veränderlichen) Hauses finden im 11, Haus (fix) eine fundierte, auf Seinserkenntnis (4. Quadrant) gegründete Form. Gleichzeitig wurde in der Vergangenheit Macht über Gemeinschaften (Saturn 4. Haus) nicht immer zugunsten der Menge und unter Anwendung einer strikten Moral (Saturn Opposition Venus) ausgeübt. Andererseits sind in der Saturnstellung sowohl Perioden materieller Abgesichertheit als auch enthaltsamer Askese zu sehen (Saturn = Konzentration, Abgrenzung). Schliesslich ist sie als ein Hinweis auf fundiertes, aus der Vergangenheit mitgebrachtes Wissen (Saturn=Gedächt-nis) um das kollektive Bewusstsein (4. Haus: Archetypen) auslegbar. Auch die Tatsache, dass die Mondknoten in beiden Horoskopen ms 7. Haus fallen, zeigt die Fortsetzung einer alten Thematik an. Diese Thematik findet sich auch in der oppositären Belegung der Widder-Waage-Achse (ICH-DU) wieder! Dass diese Thematik bisher erfolgreich, d.h. unter Wachstum erfolgt ist, ist daran zu erkennen, dass sich die Aspekte auf den Mondknoten vom Sextil zum Trigon entwickelt haben, also eine solide Substanzanreicherung durch Betätigung erlangt haben.

Die Mondstellung ist ein Beispiel für eine gegenpolige, kontrapunktische Plazierung: In der Vergangenheit wurde aktiv Besitz angehäuft (materiell,nideell - evtl. auch Menschen!) bzw. festgehalten und nicht losgelassen (Spitze 2. Haus). Dafür ist der Mond heute im 5. Haus »kaltgestellt« (Talpunkt). Er muss lernen, in der Selbstdarstellung die richtigen Gefühlsbeziehungen zu seiner Umgebung zu finden. Die Lösung der oppositären Spannung (Mond Opposition Mars) in der Besitzachse 2./8. im Mondknotenhäu-serhoroskop liegt in der Beziehungsachse 5./11. (s. »Der Mensch und seine Welt«). Jetzt liegen Verspannung und Lösung genau umgekehrt. Wir haben hier also den kontrapunktischen Ausdruck einer Fixkreuzthematik, was im Radix auch in der eingeschlossenen Stier/Skorpion-Achse seinen Ausdruck findet.

2. Deutungspraxis

Wie grundsätzlich in der Astrologischen Psychologie findet die Deutung des Mondknotenhäuserhoroskops in Form eines Gespräches statt. Dies ist hier um so wichtiger, da der Berater ohne die Rückmeldung und Mitarbeit des Beratenen hilflos ist, da die astrologischen Symbole leer und leblos bleiben. Es handelt sich nämlich dabei nicht so sehr um eine verstandesbestimmte Deutung, wenngleich eine gewisse intellektuelle Kenntnis der Deutungselemente unabdingbar ist, Es geht dabei viel mehr darum, analog einem Resonanzphänomen durch Anregung ein Schwingungsfeld zu schaffen, das die verschiedenen zeitlichen Ebenen des Mondknotenhäuserhoroskops im Gegenüber lebendig macht und das mit gemeinsamer (!) Beteiligung weiter belebt wird. Es geht nicht darum, dem Beratenen eine brillante Projektion unseres eigenen, selbsterschaffenen Denkgebäudes zu liefern! Der Berater muss innerlich bejahen können, was angeregt wird. Daher läuft dieser Vorgang mehr auf der intuitiven Ebene ab, und deshalb sind die Atmosphäre, die Grundstimmung und die Grundhaltung sowie die Offenheit sehr bedeutsame Faktoren für die erfolgreiche Deutung. Dabei werden dann wichtige Prägungsstrukturen der Vergangenheit in ihrem zeitlichen Kontext erkennbar. Das Gewicht liegt hier auch auf den Strukturen und weniger auf den konkreten Einzelheiten bestimmter Inkarnationen. Diese sind weitestgehend uninteressant, da sie keine taugliche Substanz für entwick-lungsfördernde Schritte im Sinne der Astrologischen Psychologie beinhalten. Diese Auslegungstechnik bedarf selbstverständlich einer besonderen Schulung. Diese wird im Rahmen der API-Beraterausbüdung während der Achberg-Kurse und der privaten Su-pervisionsgruppenarbeit vermittelt. Für das zugehörige theoretische Grund- und Detaüwissen wird alle zwei Jahre ein Mondknotenseminar veranstaltet.

3. Der Mondknotenalterspunkt

Wenn wir das Mondknotenhäuserhoroskop vor uns liegen haben, können wir in ihm ebenfalls wie im Radix ausgehend vom AC einen AP durch die Mondknotenhäuser laufen lassen.

Laufrichtung und Durchlaufzeit pro Haus sind die gleichen wie im Radix. Da die Häuser alle 30° gross sind, läuft der Mondknotenalterspunkt 5° pro Jahr. Daher ist die Anwendung des Mondknotenalterspunktes im Radix technisch denkbar einfach. Pro Jahr seit der Geburt läuft der Mondknotenalterspunkt im Radix 5° rückwärts, d. h. entgegen dem Radixalterspunkt, (Wegen der Spiegelung wird die »normale« Bewegung des Mondknotenalterspunktes rückläufig.) Da die Planetenstellungen in den Zeichen dieselben bleiben, kann man Aspekte des Mondknotenalterspunktes sehr einfach im Radix ablesen. Noch einfacher wird dies, wenn man das API-Aspektierge-rät benutzt. Hier sind aussen die Mondknotenhäuser eingezeichnet und jeder 5°-Schritt als ein Jahr vermerkt. Die Aspekte des Mondknotenalterspunktes lassen sich nun deuten als Reize bzw. Einflüsse aus vergangenen Inkarnationen in das jetzige Leben hinein. Allerdings werden diese Reize eher auf feinere Bewusstseinsebenen wirken, wohingegen die Aspekte des normalen AP wesentlich häufiger mit konkreten, manifesten Erlebnissen und Ereignissen verknüpft sind. Allgemein deuten Mondknotenalterspunkt- Aspekte auf Situationen hin, die in der Vergangenheit geschaffen und noch nicht vollständig verarbeitet wurden, während der AP im Radix eher auf neue, auf der konkreten Ebene anzugehende Aufgaben aufzeigt. Hier spielt natürlich die Stellung der entsprechenden aspektierten Planeten in Zeichen und Haus, ihre Einbeziehung ins gesamte Aspektbild sowie die Qualität der Planeten eine entscheidende Rolle für die Deutung.

Interessant sind noch zwei Zeitpunkte, nämlich die, an denen sich die beiden gegenläufigen Alterspunkte begegnen. Dies geschieht innerhalb von 72 Jahren zweimal. Erfahrungsgemäss sind dies Zeitpunkte, an denen Lebensabschnitte abgeschlossen und neue wichtige Abschnitte begonnen werden.