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Titel Ausgabe 13



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Zurück Ausgabe 13 vom 20.04.1983 • Seite 22ohne Login!

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Das aktuelle Horoskop – Karl Marx

René Röthlisberger

Am 14.März 1983 jährte sich zum hundertsten Mal der Todestag von Karl Marx. Ein Mann, der zu seiner Zeit - wie auch Jahrzehnte nach seinem Tod der Welt Anlass zu einiger Unruhe bot. Sein Name wird unweigerlich mit gewissen Schlagworten in Verbindung gebracht, wie Kommunismus, Marxismus, Revolution usw. Doch wer war dieser zum Kultur-Heroen hinauf gehobene Mensch? Die Unmenge Literatur, die zu seinem Werk wie zu seiner Person vorhanden ist, lässt ein leichtes Missbehagen bei mir zurück. Wo ist hier anzusetzen? Bei seinem Werk? Hier erschien mir der recht interessante Briefwechsel, den Marx zu Friedrich Engels, seinem Vater und anderen Personen unterhielt, ein guter Einstieg zum Menschen Marx zu sein.

Das Aspektbild

Beim Betrachten des Horoskopes fällt sofort eine klar gefügte, links liegende Aspektstruktur auf, die von unten nach oben verläuft und einen Ausläufer nach rechts, in den Du-Raum hat. In dieser starken Betonung des Ich-Raumes und dem vertikalen Verlauf der Aspektfiguren fussen der Wunsch, sich aus eigener Kraft durchzusetzen. Dies wird zusätzlich unterstützt durch das blaue Dreieck, das durch die drei Persönlichkeitsplaneten (!) sowie Jupiter und Mondknoten gebildet werden. Es ist bekannt, dass Marx sich immer wieder zurückzog, um seine Studien zu vertiefen. Im Du-Raum - nur durch den Mars kurz vor der 6. Häuserspitze betont - konnte er nur zeitweise aktiv werden. Weiter ist im Aspektbild sichtbar, dass Marx sich über sein Bewusstsein profilieren wollte (blau-grün-Dominanz). Eckpunkte der Struktur bilden die Planeten im 3. und 1. sowie im 10. und 11. Haus; wobei die starke Besetzung mit Planeten im unteren Raum zeigt, dass das Bewusstsein sich immer wieder am Lebendig-Vorhandenen, (Realität) orientieren musste, im Gegensatz zu der überpersönlichen ausgreifenden hohen Leitbildqualität, (Idealität) im 10. und 11. Haus.

Der Elternbezug

Beide Eltern stammen aus sehr traditionsgebundenen Familien, deren Väter seit Generationen Rabbiner gewesen sind. Marx' Vater studierte Rechtsanwalt und wurde später Justizrat. Vater und Sohn hatten einen sehr dichten und innigen Bezug zueinander! (Sonne/Mond Konjunktion im Stier) Die gegenseitige Liebe von Vater und Sohn ist in einigen Briefen sehr eindrücklich dargelegt. Als Karl drei Wochen in Bonn war (Studienzeit) und noch nicht geschrieben hatte, beschuldigt der Vater ihn »grenzenloser Nachlässigkeit«. »Das bestätigt mir leider nur zu sehr die Meinung, welche ich trotz Deiner mancher guten Eigenschaften hege, dass der Egoismus in Deinem Herzen vorherrschend ist«. Aber nachdem der Sohn geschrieben hatte, beeilte er sich, sein Unrecht einzugestehen, und rechtfertigt den Vorwurf mit der Ängstlichkeit der Mutter, Von den guten Eigenschaften des Sohnes ist er überzeugt; er bittet ihn, immer so treu und offen zu bleiben. In vielen kleinen Angelegenheiten gibt er ihm seinen Rat. Der Sohn dürfe gesellschaftliche Beziehungen, die ihm von Nutzen sein könnten, nicht vernachlässigen. Der Vater bemühte sich, Marx solche Beziehungen zu verschaffen. Die Sonne im 3. Haus ergibt ein breites Spektrum an gesellschaftlichem Angebot, steht aber auch in Abhängigkeit zum Kollektiv (Doppelspurigkeit). Als Marx seine Frau Jenny kennenlernte, war der Vater aufs äus-serste beunruhigt. Dies führte denn auch zu einem Konflikt, der erst mit dem Tode des Vaters »endete«. Marx' Bezug zu seinem Vater wurde durch das Milieu (Häuser) noch verdichtet, so dass ein Sich-lösen-vom-Vater noch mehr erschwert wurde. Marx stand grundsätzlich immer im Schatten seines Vaters (Mond hinter der Sonne, und im Schattenbereich der 3. Spitze). War es also für ihn ein ständiges Sichdurchringen gegen den Vater einerseits und ein Sichhängen an den Vater andererseits. Letzteres immer wieder dann, wenn er sich in Geldschwierigkeiten befand. Berichtet wird, dass Marx sein ganzes Lebenlang eine Fotografie seines Vaters auf sich trug, die ihm dann Friedrich Engels in den Sarg legte. Engels und Marx verband eine lebenslange, sehr enge Freundschaft(!). War Marx in Schwierigkeiten - in finanziellen wie in menschlichen Belangen, wandte er sich an Engels. Mit grösster Sicherheit ist Engels nach dem Tod von Marx Vater an dessen Stelle getreten. Dies ist auch aus dem Briefwechsel zwischen den beiden ersichtlich. Engels gab ihm viele praktische Hinweise in bezug aufs Leben wie auf seine Arbeit. Marx' Mutter wurde von ihm als »Mütterchen« und »Engelsmutter« bezeichnet. Sie sei nicht sehr gebildet, jedoch gefühlswarm und liebevoll gewesen; sie sei völlig für die Familie aufgegangen (Saturn im Zwilling«, eingeschlossen). Anhand der eingeschlossenen Saturnstellung im l. Haus gegen den Talpunkt zulaufend ist an und für sich angezeigt, dass die Mutter nicht nur für die Familie da sein wollte und eigene Wege zu gehen wünschte, was jedoch nur in einer stillen inneren Sehnsucht möglich war.

Der Bezug zur Mutter war wahrscheinlich nicht einfach. Obwohl eine innere Beziehung angezeigt ist (einseitiges SXT. zu Saturn), wurde dieser durch die Familiensituation (Häuser) nicht ermöglicht. Wenn Beziehung zwischen den beiden entstand, so kam dies von Marx Seite her. Die Familiendynamik, die Marx kennengelernt hatte, lebte er gradlinig auch in seiner Ehe mit Jenny weiter. Es ist interessant, dass Marx Eltern aus seiner Sicht einen »angenehmen«, eher auf »alles-ist-gut-Kontakt« pflegten (SXT. Saturn/Sonne, Sonne auf Häuserspitze 3, Saturn Talpunkt 1. Haus). Die Lebensbereiche, die Marx von seinen Eltern vorgelebt bekam, sind bezeichnend für ihn. Der Vater brachte die intellektuell-philosophische Seite (Denkachse 3/9), sowie eine gewisse konservative Haltung (Stier) mit. Die Mutter, die vielen kleinen Hinweise und Regeln, den Kontakt wie Hygiene betreffend (Existenz-auf Begegnungsachse 1/7). Beim Studium von Marx Leben erstaunt es, wie ähnlich sich seine Mutter und seine Frau waren!

Marx studierte auf Wunsch des Vaters die Rechte, jedoch bekam dieses Studium im Laufe der Zeit immer weniger an Gewicht. Seine Hauptstudien galten der Philosophie und der Geschichte sowie seinem Interesse für die Dichtung (AP: Venus/Merkur Con.). Das liess ihn auch längere Zeit schwanken zwischen Philosophie und Dichtung.

In Berlin vollzog sich dann eine wesentliche Veränderung: Am 10. März 1838 starb sein Vater (AP: OPP. Uranus), darauf erfolgte der Bruch mit seiner Familie, und eine starke Hinwendung zur Philosophie. Hier wurde der »Doktorclub«, eine kleine avantgardistisch-philoso-phisch-politische Gemeinschaft (11. Haus) m Berlin gegründet. Dies war eine wichtige Station für ihn, Marx' Frischheit, in bezug auf philosophische Fragen gaben dem »Club« einiges an Anreizen.

Die Philosophie bei Marx

Die Idee - Die Realität

Auslösend für Marx »Lebenswerk« war die Opposition des Alterspunktes auf den Uranus. Hier wurde nicht ohne Vorbereitung - ein neues Konzept der Freiheit (Uranus) geboren, das für die damalige erstarrte Zeit viel Aufwind brachte. Mit Uranus und Neptun im Schützen, war ein sehr weitgreifendes, fast utopisches Konzept von Menschlichkeit (Neptun) | und Freiheitsbedürfnis (Uranus) vorhanden. Diese Konjunktion im 10. Haus wirkte l sich als ein gewisses Sendungsbewusstsein aus. Dieses konnte er dann auch mit einiger Kraft (Mars 6. Spitze) in die Welt tragen, In der Zeit, als sein Alterspunkt in Konjunktion zu Mars stand, wurde sein Sohn Edgar geboren und der Gedanke, das Revolutionen die »Lokomotiven der Geschichte seien«, begann ihn zu faszinieren (Mars Quincunx Uranus).

Marx versuchte seine »Idee der Freiheit für alle« in einem umfassenden Werk festzuhalten. Zu diesem Werk vertiefte er sich in die verschiedensten Wissensgebiete: Agronomie, Technologie, die Geschichte derselben, Chemie, Geologie usw. Marx versuchte alles »unter einen Hut zu kriegen«, scheiterte aber an seiner akribischen Arbeit, die durch die starke Erdbesetzung wie das Talentdreieck: Sonne / Mond, Jupiter und Saturn eine besondere Dichte erhielt. Er pflügte sich durch das Riesenangebot an vorhandenem Wissen (3. Haus) und vertiefte sich in die geistigen Gesetzmässigkeiten der Menschheit (11. Haus). Marx' Konflikt, Idealität und Realität in seiner Philosophie zu verbinden, ist klar aus seinem Horoskop erkennbar. 1. Diskrepanz, zwischen Oben- und Untenlagerung der Planeten. 2. Im Aspektbild durch die Teilung der grünen und blauen Aspekte. Die blauen Aspekte: die Realität, das gesamte Vorhandene -die grünen Aspekte: die Frage nach dem Neuen, die Unsicherheit der Idee, oder »das in der Zukunft verweilende«, das was noch nicht ist, die Kraft sich von der Vergangenheit zu »lösen«. 3. Inwieweit war sein Vater-(Eltern)-konflikt nicht zusätzlich eine treibende Kraft, für »seine Idee« sowie Ursache für den Mangel an ökonomischer Stabilität und echter menschlicher Zuwendung; Grund für die vielen gesundheitlichen Störungen an denen er litt? (Leber und Galle, Tuberkulose). Hat Marx nicht seiner Gefühlswelt zu wenig Beachtung geschenkt und bei der Sonne / Mond / Mondknoten Konjunktion, nur seine Sonne gelebt? Alle Umstände deuten darauf hin.