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Titel Ausgabe 14



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Zurück Ausgabe 14 vom 22.06.1983 • Seite 2ohne Login!

• Astrologie & Geschichte

Horoskop im Wandel der Zeit, Teil 3

Bruno Huber

IRRUNGEN und WIRRUNGEN an der Grenze zum NEUEN ZEITALTER ...

Horoskopzeichnungen sind wirklich ein Spiegel ihrer Zeit und deren Kultur.

So wie sich diese Welt seit dem ersten Weltkrieg in einem verwirrenden Umbruch befindet, in dem sich heute kaum mehr einer zurechtfindet, so steht es auch um die kleine »Welt in der Welt« der Astrologie. So wie jene in die grosse Vielfalt aber auch Wirrnis überging, so hat sich auch diese in viele Lager mit unzähligen Methöd-chen aufgespalten. Und das kommt wohl in den Formen (oder Formularen ...?) der Horoskopgrafiken auf diesen Seiten deutlich zum Asdruck.

In den Zwischenkriegsjahren kristallisieren sich zum erstenmal - den damaligen Urhebern wohl kaum klar bewusst - zwei grundlegende Geistesrichtungen der Astrologie dieses Jahrhunderts heraus. Exponenten (nicht unbedingt Urheber) auf der einen Seite waren Leute, wie der Schweizer KRAFFT und der Hamburger WITTE, auf der anderen Seite etwa ein SCHMITZ und ein FANKHAUSER, um nur je zwei zu nennen. Die eine Seite begann das Gerede von der Wissenschaftlichkeit der Astrologie - sie operierte mit der Einflusstheorie und bemühte sich um entsprechende Methoden und Darstellungsformen. Die andere Seite folgte dem Trend der sich entwickelnden Tiefenpsychologie, und fand sich gar bald auf den luftigen Gratwanderungen der Philosophie, ja der Esoterik wieder.

Wo sich die eine Richtung um die Beweisbarkeit, z. B. durch Statistik (Krafft) oder durch Entwicklung immer präziserer Prognosemethoden (Witte) bemühte, war die andere Richtung immer überzeugter davon, dass alles nur symbolisch zu verstehen sei, flüchtete sich aber immer häufiger in ihrer Schummrigkeit in pseudophilosophische Gemeinplätze (»Die Sterne bestimmen nicht - sie machen nur geneigt«). Mit der Zeit produzierten die »Wissenschafter« immer mehr Papier mit immer mehr Zahlen, Formeln und Kurvengrafiken - die immer weniger Astrologen interessierten. Sie erfanden aber auch immer mehr fragenspezifische Analysemethoden, die es immer schwerer machten, sich aus den langen Auflistungen in Kürzelsprache noch ein ganzheitliches Bild vom Menschen zu machen, der mit dem jeweiligen Geburtsbild gemeint war.

Besonders bei den Prognostikern entwickelte sich das Suchen nach Beweisen immer mehr zu einem manischen Beweiszwang. Ihr Leitsatz »Astrologie kann nur durch immer noch exaktere Prognosen bewiesen werden« führte zu Darstellungsformen, die nicht mehr ahnen lassen, was für ein klar überblickbares, kleines rundes Ding ein Horoskop einmal war. Halbsummenfigurinen und Harmonieformeln werden heute mit dem Computer errechnet, und anhand von Regelwerken und Schlagwortkathalogen in einen kaum mehr lesbaren Bandwurm von Einzelworten umgesetzt.

Das hier entwickelte Denken ist reines Ereignis- oder Symptomdenken; nach eventuellen Ursachen und Hintergründen wird nicht gefragt - denn die Ursachen sind in den Sternen zu suchen ... (oder in den bösen, äusseren Umständen, wenn man mit den Sternen nicht hinkommt!).

Gegenüber dieser, man könnte sagen naturwissenschaftlichen Betrachtungsweise, bewegt sich die andere Linie in der Astrologie in humanwissenschaftlichen Bahnen. Sie stellt Fragen nach dem Wesen des Einzelindividuums, versucht die subjektiven, auch unbewussten Beweggründe der Persönlichkeit in Erfahrung zu bringen. Hier hat sich schon in den Zwanzigerjahren - etwa bei Fankhauser, Schmitz und anderen - das Bedürfnis nach Ganzheitserfassung, nach synthetischer Horoskopdeutung gezeigt. Entsprechend wurde methodisch darauf-hingearbeitet, Deutungsmodelle zu entwickeln die den Überblick auf Persönlichkeitsprofile ermöglichen sollten. Dass dabei Versuche wie sie SINDBAD, WEISS, KLÖCKLER, KÜHR, KÜNDIG und andere unternahmen mit analytischer Akribie vorangetragen wurden, hatte z. T. zur Folge, dass manch eine so abgeleitete Deutungsregel zwar logistisch korrekt - aber leider weit von der beobachtbaren Wirklichkeit entfernt ist.

Psychologisch denken in der Astrologie heisst nicht einfach einzelne Begriffe aus der Psychologie zu entlehnen und sie willkürlich mit immer wieder anderen astrologischen Strukturen »Reim dich oder ich fress dich« zu verpappen.

Ganz wenige Astrologen nur haben erfasst, dass man der Astrologie psychologisch nur beikommt, wenn man versucht -was auch die moderne Psychotherapie gegenüber der etablierten Hochschulpsychologie (die unternaturwissenschaftlichem Diktat steht) tun musste -, nämlich den Menschen - oder sein Horoskop - GESTALTPSYCHOLOGISCH anzugehen. Was unweigerlich dazu führt, dass man im Horoskop neue Strukturelemente entdeckt.

Voraussetzung für solche Betrachtungen ist das bestmögliche Darstellen aller Horoskopelemente in einer Zeichnung. Wir haben gesehen, dass diese Entwicklung in der Zwischen-kriegszeit einsetzte, denn Anfang der Dreissigerjahre fing man auch an, das letzte der vier Horoskopaufbauenden Elemente in der Zeichnung sichtbar zu machen: die Aspekte.

Erste Ergebnisse können wir bei MARC EDMUND JONES (der noch ohne Aspektbild arbeitet) 1941 in »Guide to Horoscope Interpretation« beobachten. In den Fünfzigerjahren macht KOCH die ersten Versuche einzelne Aspektfiguren wie Dreiecke und Vierecke genauer zu definieren. Aber erst Thomas RING mit seiner echt tiefenpsychologischen Annäherung gelingt es, die definierbaren Teile eines Horoskopes als Bestandteil einer ganzen Geburtsbild-Gestalt zu sehen. Er hat auch optisch den Aspekten im Horoskop ihren gebührenden Platz zugewiesen. Er scheint bei seinen genialen Horoskopdeutungen praktisch von Aspektbildern auszugehen aber in seiner Literatur findet man nur Ansätze von lernbaren Deutungsregeln

Es blieb offensichtlich mir überlassen an diesen Bereich konsequent heranzugehen. Einzig in der Huber-Schule werden gestaltpsychologische Regeln zur Deutung von etwa 25 Drei-und Vierecken sowie Deutungskriterien für das Aspektbild als Ganzes gelehrt (siehe den Artikel von H.P. Sauerwein in Astrolog Nr. 12, der als Reihe in folgenden Heften fortgesetzt wird).

Es ist leider völlig unmöglich, einen vollständigen Überblick über die Entwicklungen der Horoskop-Darstellung der letzten fünfzig Jahre zu geben. Dazu wäre ein dickes Buch nötig. Ich habe mich deshalb darauf beschränkt, in den auf diesen Seiten abgedruckten Bildern, eine Auswahl der profiliertesten Beispiele zu bringen. Ich möchte dem geneigten Leser empfehlen, auch die Bildlegenden zu studieren, denn sie enthalten die genaueren Informationen aus denen sie sich ein Bild unserer Zeit machen können.