Astrolog-Archiv

(Bitte auf den jeweiligen Ausgaben-Block klicken, um die entsprechenden 20 Ausgaben anzuzeigen)
Artikel in grüner Farbe sind ohne Login zugänglich!
Ausgaben » [1-20] [21-40] [41-60] [61-80] [81-100] [101-120] [121-140] [141-160] [161-180] [181-200] [201-218] Aktuelle Ausgabe
• Suche (Autoren, Titel, etc.) » Inhaltsverzeichnis • Suche nach Begriffen in Artikeln »
Titel Ausgabe 14



Archiv-Übersicht
Nach oben Nach oben
Zurück Ausgabe 14 vom 22.06.1983 • Seite 6ohne Login!

• Astrologie & Psychologie

Freud´sche Fehlleistungen in der Astrologie

Detlef Hover

Vom 21.1. bis 23.1.1983 nahm ich in Adliswil an einem astrologischen Supervisionsseminar teil.

Wenige Stunden bevor ich dorthin aufbrach, entschied ich mich dafür, das Horoskop von Herrn K.B. vorzustellen, welches ich daraufhin berechnete und zeichnete. Bei dem Horoskopinhaber handelt es sich um einen psychiatrischen Patienten, bei welchem u.a. eine mir bekannte Epilepsie und konfliktreiche Elternbeziehung vorliegt.


Ohne das Horoskop genauer zu studieren, fuhr ich dann nach Adliswil. Dort angekommen richtete ich an die Gruppe die Frage, ob und wie man seine Epilepsie im Horoskop sehen könne. Als dann von mehreren Gruppenmitgliedern wie aus der Pistole geschossen die Antwort kam: massiv oppositäre Verspannung der »nervösen« Schütze-Zwilling-Achse, war ich arg erstaunt, diese Frage überhaupt gestellt zu haben, da diese Konstellation doch so offensichtlich schien. Auch entpuppte sich die Elternbeziehung des Herrn X bald als nahezu klassisches Beispiel einer ödipalen Situation. Also fast ein Schulbuchfall?

Nach Hause zurückgekehrt, fand ich dort Horoskopausarbeitungen von Astrodata vor, unter anderem auch das Horoskop von Herrn K.B.

Natürlich fielen mir die massiven Veränderungen sofort auf, welche auf einer von mir fehlerhaft berechneten Mondstellung beruhen. Dadurch entfallen jedoch die Oppositionen in der Schütze-Zwilling-Achse, und auch das »ödipale Familienmodell« tritt nicht mehr auf.

Ist mir also zufällig ein »sinnloser Fehler« unterlaufen? Weit gefehlt! Tatsächlich habe ich unbewusst ein Horoskop meinen eigenen Erwartungen angepasst! Das so entstandene Horoskop schien mir gut zu Herrn K.B. zu passen und auch seine Epilepsie und Familienproblematik angemessen zu erklären.

Interessant scheint mir die Subtilität und Verdecktheit, mit der sich dieser Fehler eingeschlichen hat. Beim Berechnen und Zeichnen des Horoskops l hatte ich nicht die bewusste Erwartung, eine Opposition in Zwilling-Schütze und ein »ödipales Familienmodell« vorzufinden. Ja, nicht einmal beim Ansehen des Horoskops sprangen mir diese Konstallationen ins Auge, ich musste erst von der Gruppe draufgestossen werden!

Was kann ich daraus lernen? Schon vor einiger Zeit ist mir klargeworden, dass der Astropsychologe beim Deuten eines Horoskops natürlich permanent und massiv der Gefahr unterliegt, durch eigene Projektionen zu falschen Ergebnissen zu kommen. Dass diese Fallen jedoch schon viel früher einsetzen und bereits beim Berechnen auf uns warten, hat mir dieses Beispiel plastisch klargemacht. Für mich resultiert daraus die Forderung, astropsychologische Praxis einer permanenten Supervision zu unterziehen.

Ein solcher Rahmen bietet einen relativen Schutz vor »Fehlern« der hier beschriebenen Art. Darüberhinaus können bei der Supervision im Rahmen der Selbsterfahrung dem Einzelnen auch die Quellen und Ursachen seiner Projektionsneigungen bewusst werden.



Da capo

Wie doch Dinge sich selbst wiederholen! So ist zum Beispiel kurz nach Eingang der vorigen Zuschrift von ganz anderer Seite ein zweiter solcher Fall bei uns eingetroffen - mit dem Unterschied, dass der Autorin des folgenden Artikels ihre astrologischen Fehlleistungen beim Absenden offensichtlich nicht bewusst waren.

In der verständlichen Erregung über die zynische Haltung von Prof. Eysenck zur Astrologie in einem Fernseh-Interview, schrieb die Autorin eine astrologische Begründung für sein Verhalten (Artikel im Auszug):

Artikel-Auszug

Wenn ein Horoskopeigner mit Sonne/ Mond-Konjunktion 13° Fische eine Reihe von Fische-Attributen bei sich abstreitet, wie das Professor Eysenck am Anfang des Fernseh-Interviews tat, muss man hellhörig werden. Warum verneint er diese Eigenschaften, die ja bekanntlich um 12° eines Tierkreiszeichens am stärksten vorhanden sein müssten? Flüchtet er vielleicht in die wissenschaftliche Analyse des gegenüberliegenden Zeichens Jungfrau?


Mit dem Steinbock-Aszendenten möchte er in erster Linie massstäblich sein, und zwar auf dem Gebiet der Seelenanalyse (Saturn Krebs Haus 6). Das sechste Haus fängt im Zeichen Zwillinge an, was darauf hinweist, dass er in seiner Arbeit gerne nach statistischem Beweismaterial sucht. Im gegenüberliegenden Zeichen Schütze wäre echte Einsichtsfähigkeit zu finden, die aber hier leider verdrängt (Haus 12; Jupiter Quadrat Neptun) wird. Das zwölfte Haus wird vom Schützen geöffnet, was zuerst auf Einsicht bei der Wahrnehmung von Hintergründen hoffen lässt. Das Jupiter/Neptun-Quadrat verunsichert ihn jedoch in seiner Sinnfindung. Die Einsichtsfähigkeitist verschleiert, so dass er auch keinen realen Zugang zum Neptun-Prinzip hat. Es kommt noch hinzu, dass das Fische-Zei-chen eingeschlossen ist und dadurch sowieso nicht leicht bewusst werden kann.

Es sind also höchstens seine »Themen« von Fische-Natur.

Zweifelsohne ist die Erklärung der Eysenckschen Haltung an sich psychologisch richtig - aber die astrologische Begründung steht mindestens in einem Punkt auf hölzernem Bein. Das mehrfach erwähnte Jupiter-Quadrat-Neptun ist in Wirklichkeit ein Trigon (siehe Horoskop)! Die offensichtliche Verdrängung der Fi-sche-Qualitäten bei Herrn Eysenck lässt sich ja ohnehin aus dem Horoskop begründen: Das eingeschlossene Fische-Zeichen versucht sich kompensativen Ausdruck zu verschaffen über die offene Ambivalenzfigur Mars-Mondknoten-Jupiter-Neptun. Wobei die beiden Planeten Mars und Neptun in verschiedenen Situationen offenbar auch verschiedene Sprachen sprechen können. An astrologischen Konferenzen ist bekanntermassen seine Sprache

eine andere als kürzlich beim Fernsehen.

(Wir werden Ostern 1984, am Weltkongress in Luzern, Gelgenheit haben, ihn zu hören.)


Die Redaktion