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Titel Ausgabe 54



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Zurück Ausgabe 54 vom 18.02.1990 • Seite 28ohne Login!

• Theorie der Astrologischen Psychologie

Die dreidimensionale Zeichenlehre als Entwicklungsdynamik, Teil 1

Louise Huber

Mit der dreidimensionalen Betrach­tung der Tierkreiszeichen betreten wir ein Gebiet, das weitgehend die geistige Entwicklung des Men­schen betrifft. Ich möchte deshalb dieses Thema nicht mehr «statisch», wie bei den vorangegangenen Horoskopelementen mit der Be­schreibung von Ebenen, sondern «dynamisch» in einer Entwick­lungsbewegung darstellen. Der Zodiak als kosmisches Bezugs­system verbindet uns mit universel­len Gesetzen, welche der geistigen Entwicklung des Menschen zu­grunde liegen. Die dreidimensio­nale Zeichenlehre ist eine neue Me­thode, den Entwicklungsweg des Menschen zu entschlüsseln.

Bekanntlich richten sich die Metho­den in der Astrologie – wie auch in anderen Wissensgebieten – immer nach der Fragestellung. Das heisst, dass wir für das, was wir vom Horoskop wissen möchten, die dafür nötigen Methoden heranzie­hen müssen. Im Laufe der Jahrhun­derte haben sich entsprechend der Kulturepoche und dem Entwick­lungsstand der Menschen die Fragestellungen – und damit auch die astrologischen Methoden und Schulen – ständig geändert. Heute studieren viel mehr Menschen Astrologie, um den Sinn und Zweck ihres Lebens zu ergründen, und nicht mehr, um eine glückliche Heirat zu machen. Sie studieren Astrologie, weil das Leben, so wie es ist, sie nicht befriedigt, weil sie ratlos sind und hoffen mit Hilfe astrologischen Wissens ihre geisti­ge Entwicklungsstufe, ihren indivi­duellen Lebenssinn, ihre wahre Identität oder ihr höheres Selbst zu finden.

Sie studieren Astrologie, um ihr Karma zu erkennen und die Ziel­richtung ihrer Inkarnation zu erfas­sen. Sie bemühen sich weiterzu­wachsen und mit falschen Vorstel­lungen und Verhaltensweisen auf­zuräumen; sie nehmen Opfer, Reini­gungsphasen, Krisen, Transforma­tionsprozesse auf sich, um zum Wesenhaften zu gelangen. Sie interessieren sich für alle damit zu­sammenhängenden Gesetzmässigkeiten und forschen und lernen un­unterbrochen. So ist eine neue Astrologie entstanden, eine Astrolo­gie, die diesem Bedürfnis nach gei­stiger Entwicklung entgegen­kommt.

Es ist in unseren Kreisen hinrei­chend bekannt, dass das Befassen mit der Astrologischen Psychologie Bewusstseinserweiterungen, Selbst -werdungs- und Transformationspro­zesse auslöst, die viel tiefer reichen, als ds rein analytische Charakteri­sieren der Persönlichkeit mit Hilfe des Horoskops.

Die dreidimensionale Zeichenbe­trachtung ist eine Möglichkeit, in jedem einzelnen Tierkreiszeichen den eigenen geistigen Entwick­lungsauftrag zu erkennen. Davon ist die Transformation des Bewusst-seins als "Dreischritt" innerhalb der 12 Tierkreiszeichen ein wichtiger Bestandteil und leicht nachzuvoll-ziehen. Ich werde im folgenden die Tierkreisqualitäten von diesem Ge­sichtspunkt aus aufrollen. Dieses Wissen basiert auf esoterische Kenntnisse von Alice A. Bailey und Roberto Assagioli, dem Begründer der Psychosynthese (der auch unser persönlicher Lehrmeister war). Ich habe dieses Wissen in die moderne Astrologie aufgenommen,

weil es von praktischem Nutzen ist und im Leben sofort umgesetzt wer­den kann. Mehr darüber können Sie in meinem Buch «Tierkreis­zeichen, Reflexionen, Meditatio­nen» lesen.

Bei der dreidimensionalen Zeichen­lehre handelt es sich um einen Drei­schritt, der bewusstseinsmässig ausgeführt werden muss und einen Entwicklungsweg aufzeigt:

1. vom traditionellen Herrscher

2. über das Oppositionszeichen

3. zum esoterischen Zeichenherr­scher

Ich möchte das näher erklären. Für jedes Tierkreiszeichen kennen wir einen Planetenherrscher, Dieser so­genannte traditionelle Herrscher wirkt auf physische und materielle Belange ein. Nach Alice A. Bailey gibt es aber für jedes Tierkreis­zeichen noch einen esoterischen Planetenherrscher, der die geistige Entwicklung beeinflusst und die Bewusstseinsebene beherrscht. Der traditionelle Herrscher kontrolliert das materielle, mehr vordergrün­dige Leben, während der esote­rische Herrscher auf der Ebene des Bewusstseins wirkt, aber nur dann, wenn wir bewusst leben. Arbeitet ein Mensch an sich selbst und will er sich weit er entwickeln, dann findet eine Transformation von der materiellen zur geistigen Ebene oder astrologisch ausgedrückt, vom traditionellen zum esoterischen Pla­netenherrscher statt,

Wie bei jeder Transformation gehen wir in der Entwicklung von einer Ebene auf eine nächst höhere, wir transzendieren gewissermassen unser Bewusstsein auf neue Daseinsstufen, auf neue Denkinhalte, neue Wert­systeme, auf denen neue Gesetzmässigkeiten gültig sind, die oft der den früheren widersprechen.

Dar­aus resultiert, dass vielfach das, was für unser materielles Leben gut ist, für die geistige Entwicklung schlecht sein kann und umgekehrt. Die Werte kehren sich häufig um. Das führt zu echten Wert- oder Sinnkrisen, die jeder durchmachen muss, der seinen Fuß auf den gei­stigen Pfad setzt. Die neuen Ge­setze müssen wir natürlich erst kennenlernen, bevor wir sie hand­haben können. Deshalb ist es von grossem Wert, die Qualitäten des esoterischen Zeichenherrschers in Beziehung zu unserem Sonnenzei­chen oder Aszendentenzeichen zu sehen. Selbstverständlich können wir bei jedem Tierkreiszeichen, in dem wir Planeten haben oder durch das wir gerade mit dem Alterspunkt wandern, die Qualitä­ten des esoterischen Herrschers bewusst machen. Dieses Wissen be­schränkt sich nicht nur auf eine ein­zige Stellung im Horoskop, sondern bei jedem Transformationsprozess geht es um den ganzen Menschen.

Um dieses Thema anschaulich zu machen, möchte ich Ihnen nachfol­gend eine Aufstellung zeigen, wor­auf der bekannte traditionelle und der esoterische Herrscher jedes Tierkreiszeichens nebeneinander gestellt ist.

Der Dreischritt

Bei der Transformation des Bewusstseins vom traditionellen oder exoterischen zum esoterischen Herr­scher geht es aber nicht alleine um eine duale Gegenüberstellung, bei der das eine auf Kosten des anderen entwickelt wird, oder man von einer Stufe zur anderen fortschrei­tet. Es geht vielmehr um einen drei- bis vierstufigen Entwicklungsprozess, bei dem ein dritter und dann noch ein vierter Schritt notwendig ist, um eine Synthese zu erreichen. In Wirklichkeit ist jede echte Ent­wicklung multidimensional. Wenn wir die ersten drei oder vier Stufen erfassen, haben wir bereits viel be­griffen. Auf der l. Stufe sind wir de­terminiert und blind den Trieben ausgeliefert, auf der 2. Stufe gera­ten wir in Konflikte und lernen zwi­schen den Gegensatzpaaren zu unterscheiden, auf der 3. Stufe be­rücksichtigen wir die Realitäten und Gesetzmässigkeiten des Lebens, und auf der 4. Stufe reifen wir zur Ganzheit.

In unserem Fall bedeutet dies, dass wir bei jedem Tierkreiszeichen auch noch das gegenüberliegende Zeichen, das die Opposition oder Polarität darstellt, gewissermassen als Schattenqualität in unser Bewusstsein mit einbeziehen müssen. Das geschieht immer durch eine Gegenüberstellung, einen Konflikt, und ruft zunächst eine Krise (mei­stens der Weigerung) hervor. Beim Höhepunkt der Krise findet dann die Transformation, die Umkehr oder Wandlung statt. Wir werden dann gewissermassen auf eine höhere Stufe des Bewusstseins hin­eingeboren.

Diese Dreistufigkeit wird psycholo­gisch "Krisenmechanismus" und esoterisch «Transformationsvor­gang» genannt. Damit ist bei diesem Transformations- oder Ent-wicklungsprozess in jedem Tier­kreiszeichen ein Dreischritt gege­ben. Auf der 1. Stufe verwirklichen wir den exoterischen oder traditio­nellen Herrscher, auf der 2. Stufe weiten wir unser Bewusstsein aus, bis wir das Ende der Polachse, d.h. das gegenüberliegende Zeichen er­reichen, auf der 3. Stufe wird der esoterische Herrscher in uns wirk­sam, und auf der 4. Stufe wirken wir als Ganzheit. Wir funktionieren dann auf allen drei Ebenen gleich­zeitig und sind fähig, die Polaritäten in unserem Bewusstsein zu ver­schmelzen. Wie bereits erwähnt, entsteht bei allen Entwicklungspro­zessen auf der 2. Stufe eine Konflikt­situation, die einen erhöhten Lernprozess und eine Wandlungskrise einleitet. Indem wir versuchen, die Qualitäten des gegenüberliegen­den Zeichens bewusst zu integrie­ren oder, mit anderen Worten, un­seren Schatten zu erlösen, geraten wir in einen analytischen Prozess mit einer Erkenntniskrise, die eine Bewusstseinswandlung hervorruft. Beim Widder wird die Krise ausge­löst durch die Qualitäten der Waage, beim Stier vom Skorpion und beim Zwilling vom Schützen usf. Ich werde jetzt diesen Transfor­mationsprozess bei allen 12 Zeichen schildern.

Der Dreischritt in den 12 Tierkreiszeichen

Widder

Der Widder wird bekanntlich vom Mars beherrscht, während der eso­terische Herrscher Merkur ist. Der Mars treibt die ich betonten Kräfte an, nach immer neuen Möglich­keiten der Selbstbestätigung zu suchen. Vom kardinalen Prinzip kommen immer neue Impulskräfte, die eine ständige Regeneration seiner Kräfte hervorrufen, aber auch leicht über die Ziele hinausschiessen lassen. Im positiven Fall werden Grenzen und Barrieren ein­fach durchstossen, auftürmende Hindernisse überrannt. Widdermen­schen sind für Ideen leicht zu begei­stern und führen sie voller Schwung aus, wenn der Wille zündet. Es drängt den Widder danach seine Kräfte mit der Umwelt zu messen, und er fühlt sich als Kämpfernatur, als Pionier. Er setzt sich für seine Freunde ein und ist ein guter Kame­rad. Das Neue, der Angriff, die Or­ganisation, der Beginn einer Sache interessieren und beleben ihn. Ar­beiten auf lange Sicht liebt er nicht. Der Mars als motorische Energie lässt die Willenskurve steil anstei­gen, wenn Initiative, Kampfbereit­schaft oder angreifender Idealismus zur Tat anfeuern. Er fragt nicht lange nach dem Warum, sondern er hat Freude am sofortigen Han­deln. Der esoterische Herrscher des Widders ist dagegen der Planet Merkur. Die Transformation geht also vom triebhaften zum intelligent gesteuerten Willen. Merkur ist der Verstand, dessen Aufgabe es ist, zuerst zu denken und dann zu han­deln und nicht umgekehrt.

Die Krise kommt durch das gegen­überliegende Zeichen Waage. Beim Transformationsvorgang geht es, wie bei allen Zeichen, um Reini­gung und Läuterung. Im Mars durch Feuer, Krieg und Kampf und im Merkur durch die geistige Schau, die Erkenntnis- und Unter­scheidungsfähigkeit. Dadurch wird der Kampf auf die Mental- oder Denkebene gehoben und höhere Denkprozesse eingeleitet, Die Wandlungskrise entsteht durch die Liebe, wenn nämlich geliebte Men­schen den Widder zurückweisen, weil er zu ungehobelt und direkt auf sie losgeht. Das Waagezeichen muss als Qualität hinzukommen. Der geistig orientierte Widder lernt, sensitiv auf andere einzuge­hen und seine Pläne nach anderen auszurichten. Dann wird er diese für neue Ideen begeistern und auf der Mentalebene wirksam. Merkur wird hier zum erleuchtenden Prin­zip, welches das Handeln belebt und schöpferisch macht. Es ist bei keinem Zeichen so ausgeprägt wie beim Widder, dem kardinalen Feu­erzeichen, alles selbst eingeleitet, verursacht oder verschuldet zu haben, weil das, was er denkt, zur Manifestation, zur Verwirklichung treibt. Nur er selbst kann Gedan­kenformen der Angst, der Depres­sion oder Entmutigung mit der glei­chen schöpferischen Kraft wieder auflösen, mit der er sie erbaut hat.

Der esoterische Saatgedanke des Zeichens Widder drückt das deut­lich aus:

«Ich trete hervor, und von der Ebene des Denkens aus herrsche ich.»