Astrolog-Archiv

(Bitte auf den jeweiligen Ausgaben-Block klicken, um die entsprechenden 20 Ausgaben anzuzeigen)
Artikel in grüner Farbe sind ohne Login zugänglich!
Ausgaben » [1-20] [21-40] [41-60] [61-80] [81-100] [101-120] [121-140] [141-160] [161-180] [181-200] [201-218] Aktuelle Ausgabe
• Suche (Autoren, Titel, etc.) » Inhaltsverzeichnis • Suche nach Begriffen in Artikeln »
Titel Ausgabe 55



Archiv-Übersicht
Nach oben Nach oben
Zurück Ausgabe 55 vom 20.04.1990 • Seite 28ohne Login!

• Theorie der Astrologischen Psychologie

Die dreidimensionale Zeichenlehre als Entwicklungsdynamik, Teil 2

Louise Huber

Stier

Hier ist die dreidimensionale Be­trachtung sehr aufschlussreich. Beim Zeichen Stier kommt es häufig vor, dass Stiergeborene reklamie­ren, wenn man sie als materiell, be­sitzgierig und dem Geld zugetan charakterisiert. Bei vielen ent­spricht das nicht den wirklichen Be­weggründen. Obwohl auf der mate­riellen Ebene diese Charakter­eigenschaften vorkommen, fühlen sich diese Menschen auf der see­lisch-geistigen Ebene missverstan­den. Nur wenn ein Mensch seine einzige Sicherheit im materiellen Dasein sucht, wird er seine ganze Kraft einsetzen, um auf dieser Ebene erfolgreich tätig zu sein. Sobald sich jemand weiterentwickelt, kommt die seelisch-geistige Qualität dieses Zeichens zum Zuge, und das stimmt nicht mehr mit der materiellen Gesinnung überein. Im Gegenteil, gerade im Stierzeichen mit dem Skorpion am anderen Ende der Achsenpolarität kann es zu grundlegenden Motivations­wandlungen im Leben kommen.

Im Zeichen Stier kennen wir als Herrscher die Venus, die ein starkes Verlangen nach Schönheit, Bequemlichkeit und Sicherheit her­vorruft. Stiere streben immer nach diesen Dingen, sowohl auf der phy­sischen, wie auch auf seelisch-gei­stigen Ebenen. Sie lieben einen satten Zustand und haben Freude daran, die schönen Seiten des Lebens zu geniessen. Mangel an irgendetwas oder Verluste können sie nur schwer ertragen, seien diese substanzieller,jhcccxx finanzieller oder geistiger Art. Einer Gefährdung der vorhandenen Sicherheit suchen sie sofort entgegenzuwir­ken. Sie bauen vor und tun alles, was in ihren Kräften steht, um Ver­luste zu vermeiden. Sie möchten einen harmonischen und angeneh­men Zustand so lange wie möglich aufrechterhalten, und sie tun vieles, damit das, was sie einmal erlangt haben, auch bestehen bleibt. Sie haben eine besondere Fähigkeit der Vorsorge, planen in die Zukunft, schaffen alle Mittel herbei, um das Wohlbefinden, die Sicherheit, Ruhe und Harmonie zu garantieren. Das ist eine typische Auswirkung der Venus.

Der esoterische Herrscher des Stier­zeichens ist Vulkan, ein bisher in der traditionellen Astrologie nicht bekannter Planet, der sich zwischen Merkur und Sonne befinden soll, und durch den nach Alice A. Bailey die Energien des ersten Strahles «Wille und Macht» fliessen. Der Stier muss natürlich erst geläutert werden, bevor er diese machtvolle Energie segensreich einsetzen kann. Deshalb soll der Stier sein Be­gehren nach materieller Sicherheit in geistiges Streben oder Aspiration umwandeln und dann seine Kräfte für die Verwirklichung des Evolu­tionsplanes bewusst einsetzen. Dazu ist eine grundlegende Wand­lung seiner Lebensmotivation not­wendig, was durch das gegen­überliegende Skorpionzeichen ge­schieht, das ständige psychische und geistige Stirb-und-Werde-Prozesse heraufbeschwört. Durch Ver­luste werden Stiere in ihrer Trägheit aufgerüttelt, und sie machen sich auf den Weg, nach neuen Daseins­werten zu suchen. Es gibt zwei Schlüsselwörter für den Stier, Wunschkraft auf der materiellen Ebene und Illumination oder Er­leuchtung auf der geistigen Ebene.

Der Transformationsprozess oder die grosse Krise im Leben des Stier­geborenen ist, entsprechend trans­personaler Erkenntnisse, dem «Gethsemane-Erlebnis» gleichzu­setzen. Oder mit anderen Worten: Die Erleuchtung kommt, wenn der kleine persönliche Wille mit dem göttlichen Willen eins geworden ist. Der Stier hat dann das erleuch­tete eine Auge, das unbeirrt das Licht des Endzieles im Auge behält, was einer Kontemplation oder der Kontinuität des Bewusstseins entspricht. Buddha als Stier­geborener ist dafür ein Beispiel.

Der esoterische Saatgedanke drückt dies deutlich aus, er lautet:
«Ich sehe, und wenn das Auge ge­öffnet ist, ist alles erleuchtet.»

Zwillinge

Auch hier ist die dreidimensionale Betrachtung notwendig, um einem Zwillingsgeborenen gerecht zu werden. Auf der materiellen Ebene ist er oberflächlich und lässt sich von allen Dingen hin und her reißen, auf der Gefühlsebene ist er voller Zweifel, was richtig und was falsch ist, und auf der geistigen Ebene ist er bestens über alles in­formiert und gibt sein Wissen präzi­se, gezielt und dosiert weiter.

Wir wollen nun das Zwillingszei­chen von seinen verschiedenen Seiten her aufrollen. Der Zwilling ist ein veränderliches Luftzeichen, das sich zu allen Objekten frei in Bezie­hung setzen kann. Es unterliegt dem Gesetz der Mannigfaltigkeit unseres Daseins, der Dualität, der Gegenüberstellung von Seele und Persönlichkeit, wie es esoterisch ausgedrückt wird. Deshalb schwankt der Zwilling oft zwischen zwei oder mehreren Möglichkeiten hin und her. Es fällt ihm schwer, zwischen den vielen Dingen, die auf ihn eindringen, einen Wertun­terschied zu finden. Das kommt vom Herrscher Merkur, der alles aufsammelt und unbesehen weiter­gibt, was auf ihn eindringt. Er hat grosse Freude daran, einen mög­lichst grossen Informationsfluss zu vermitteln und baut seine Wichtig­keit an der Vielzahl seines Wissens auf. Dem Merkur geht es nicht darum, nach dem Sinn der Dinge oder nach dem Wahrheitsgehalt zu fragen, sondern es geht ihm um die Vermittlung. Wenn der Zwilling alles weitergibt, was er erfährt, gute oder schlechte Neuigkeiten, dann kann er Schaden anrichten. Denken wir an den Journalisten, der nur die Sensationslust der Leser im Auge hat; es interessiert ihn nicht, ob die Informationen stimmen oder nicht. Ein vom traditionellen Herr­scher Merkur gesteuerter Zwilling läuft Gefahr, sich im Relativen zu verlieren; die Inflation aller Werte ist die Folge und bewirkt auch seine Wandlungskrise.

Der esoterische Herrscher ist die Venus, der Planet der Schönheit und Harmonie, des Ästhetischen, aber auch der Selektion, der richti­gen Auswahl und des guten Ge­schmacks. Wenn der Zwilling den esoterischen Herrscher entwickelt, dann wird er selektiv. Er sucht die Wahrheit aus den Informationen herauszuarbeiten und vermittelt nur noch Wissen, das aus sinnvollen Lebensweisheiten besteht. Wenn er seinen Schatten, den Schützen, integriert, wird er nur noch das wei­tergeben, was er selbst als gut und richtig erkannt hat und was anderen Menschen in ihrer Entwicklung weiterhilft. Er wird dann ein Ver­mittler universeller Wahrheiten, ein ausgezeichneter Lehrer, der geisti­ge Erkenntnisse mit didaktischem Geschick weitergibt.

Wie bereits erwähnt, ist die Transformationskrise für den Zwilling das Verlorensein im Relativen, in der In­flation aller Werte. In dieser Krise nützt ihm all sein angesammeltes Wissen nichts mehr. Es ist das fau­stische Ringen, das nach einer Syn­these der Gegensätze und nach einer absoluten Wahrheit sucht. In der transpersonalen Psychologie wird diese Krise das «Saulus-Paulus- Erlebnis» genannt, die den Zwillingsgeborenen von Grund auf verändert.

Der esoterische Saatgedanke ver­mittelt einen Einblick in das gespal­tene Wesen, das zur Einheit zurück­finden will. Er lautet:

«Ich erkenne mein anderes Selbst, und indem dieses schwindet, wachse und er­glühe ich.»