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Titel Ausgabe 58



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Zurück Ausgabe 58 vom 23.10.1990 • Seite 24ohne Login!

• Theorie der Astrologischen Psychologie

Die dreidimensionale Zeichenlehre als Entwicklungsdynamik, Teil 5

Louise Huber

Skorpion

Im November, wenn die Blätter von den Bäumen fallen, wandert die Sonne durch das Tierkreiszeichen Skorpion. So wie draussen in der Natur sich alles verändert, wirken Wandlungskräfte auf alle Men­schen ein. Auch hierbei müssen wir die drei Daseinsebenen unterschei­den, damit wir klar erkennen, auf welcher dieser Ebenen sich eine Wandlung vollziehen will. Meistens da, wo wir am härtesten Wider­stand leisten, wo wir etwas krampf­haft festhalten, was schon längst zum Sterben verurteilt ist. Dies kön­nen physische Gewohnheitsan­sprüche sein, psychische Bindun­gen oder falsche Vorstellungen auf der Mentalebene. Jeder Mensch, der im Zeichen Skorpion geboren ist, wird etwas vor den Wandlungs­kräften verbergen wollen, etwas was er nicht hergeben will, was er glaubt besitzen zu dürfen.

Das Wasserzeichen Skorpion wird vom Mars beherrscht und esote­risch vom Pluto. Die Transformation geschieht durch ein ständiges Be­reitsein zur Reinigung, zur Wand­lung. Skorpion ist schon immer das Zeichen der Transmutation von Energien gewesen. Leben und Tod berühren sich hier und verwickeln den Menschen in innere und äussere Kämpfe, die selbstzerstören­den Charakter annehmen können. Es ist das Zeichen der grössten Ex­treme: von einer lebensfrohen Stim­mung bis hin zum Todeswunsch schwankt das Gefühlselement. Das Wasser als Gefühl wird durch den Mars ständig aufgewühlt und bringt die Triebnatur immer wieder in Aufruhr. Skorpion wird vom fixen Kreuz beherrscht, deshalb ist seine innere Motivation das Streben nach Sicher­heit, nach Dauer, die er aber durch den Marseinfluss immer wieder selbst zerstört. Er weiss aus Erfah­rung, dass alles vergänglich ist, aber tief im Innern sehnt er sich nach einem dauerhaften Zustand, nach einem geistigen Selbst, das überlebt. Pluto als das Bild des hö­heren Selbst macht nach vielen Ringen diesen unzerstörbaren Kern im Bewusstsein sichtbar.

Pluto als esoterischer Herrscher bringt die Metamorphose, die Ge­staltwandlung in Gang, bis der innere Kern, als dessen Pneuma er gilt, zum Vorschein kommt. Das ver­langt oftmals drastische Änderun­gen im Charakter, das Niederlegen falscher Verteidigungsmechanis­men und Schein-Ich-Formen, das Aufgeben von Eigenschaften, die dem wahren Selbst entgegenste­hen, das Loslassen von allen mate­riellen Haftungen. Das ist auch der Grund für die ewigen Stirb- und Werde-Prozesse, durch die Skor­pione hindurch müssen, bis sie das innere Wesen zum Ausdruck brin­gen können. Dabei geht es darum, alles was hinderlich ist aufzugeben, auf persönliche Wunschbefriedi­gung zu verzichten, loszulassen und das Vertrauen zu kultivieren, dass beim Todesprozess der Kern nicht ausgelöscht wird.

Die Krisenmechanik geht über die Integration des gegenüberliegen­den Zeichens Stier. Im Ringen um das Wesentliche muss das gegen­überliegende Zeichen Stier akti­viert werden und das notwendige

Neuwerden bewirken. Das sinn­liche Lebensvertrauen, die Lebens­freude, der Triumpf über die Todes­triebe integriert die Polachse Stier-Skorpion. In diesem Integrationsprozess werden beim geistig orien­tierten Skorpion schöpferische Kräfte frei und er wird zum Gestalter von Seelen. Er wirkt auf der Bewusstseinsebene mit Hilfe des eso­terischen Herrschers Pluto verwan­delnd oder aufwühlend auf die Umwelt ein. Die eigenen inneren Prozesse der Metamorphose, der Gestaltwandlung haben auf die Um­welt oft eine magische Wirkung.

Der esoterische Saatgedanke des Zeichens Skorpion lautet:

«Krieger bin ich, doch aus dem Kampfe kehre ich siegreich hervor».


Schütze

Der Schütze wird in dreidimensio­naler Sicht am besten mit dem Cen-taurus verglichen. Auf der physi­schen Ebene entfaltet er eine grosse Freude an körperlicher Be­wegung und früher war es der Reiter auf einem Pferd, der diese Kraft symbolisierte. Auf der psychi­schen Ebene ist es der grosse Frei­heitsdrang des Schützen. Grenzen und Fesseln, Bindungen und Zwän­ge will er loswerden, er möchte an einer immer grösser werdenden Welt teilhaben und lehnt sich gegen alles auf, was seinen Expan­sionsdrang einengt. Auf der Mental­ebene ist der Schütze zielorientiert, er weiss immer wohin er zu gehen hat. Anderen Menschen kann er Orientierung und sinnvolle Ziele geben; hier ist Schütze der Pädago­ge im Zodiak, der eine Erziehungs­funktion ausübt (der grosse Lehrer).

Schützegeborene sind optimistisch und auf die Zukunft eingestellt. Der traditionelle Herrscher ist Jupiter, der den Schützen positiv stimmt und ihn sinnlich an allen Lebensvor­gängen teilhaben lässt. Die innere Wendigkeit des veränderlichen Kreuzes macht sie zu angenehmen und intelligenten Gesprächspart­nern. Das Feuerelement lässt sie lebhafte Diskussionen führen, sie sind ideenreiche Denker und disku­tieren gerne über Gott und die Welt – aber sie wollen immer Recht behalten und das letzte Wort haben. Sie haben auch immer etwas zu sagen und sind um eine Ausrede nie verlegen. Schütze ist ein Individualzeichen und will auch immer neue Horizonte erleben. Die Expansionskraft des denkenden Be-wusstseins lässt sie vorhandene Grenzen mit Leichtigkeit über­schreiten. Es ist eine Kraft in ihnen, die sie vorantreibt und befähigt, das Alte hinter sich zu lassen und nach neuen Möglichkeiten zu suchen. Sie hören nie auf nach dem grossen Warum und Wohin zu fragen und unablässig zu forschen.

Die Krise kommt durch die Polarität Schütze/Zwillinge, dann nämlich, wenn der Schütze sich zu sehr auf seine Wahrheit als die einzig Richti­ge versteift, und vergisst, dass es noch viele andere Wahrheiten gibt. Das Zwillingszeichen mit seiner Vielfältigkeit der Auslegung, mit dem Relativitätsprinzip bringt den von sich überzeugten Schützen in eine Zweifelskrise. Es ist auch hier das faustische Ringen, das Erken­nen, dass man eigentlich nichts Endgültiges weiss. Die Wahrheiten, an denen sich der Schütze bis anhin mit allen Fasern seines Wesens orientiert und sein Leben danach ausgerichtet hat, verlieren sich im Relativen. Das kann er nicht fassen. Es beginnt die sogenannte Sokrates-Krise, in der er erkennt, dass die Weisheit erst dann beginnt, wenn er weiss, dass er nichts weiss. Seine gefundenen Lebenswahrhei­ten muss er an den Realitäten, den Wirklichkeiten überprüfen und er­proben.

Der esoterische Herrscher ist näm­lich die Erde. Seine Wahrheit muss deshalb «erdig» sein, d. h. seine Lebensphilosophie, seine Welt­anschauung wird auf ihren brauchbaren Nützlichkeitswert hin ge­prüft. Nur wenn sie sinnlich, prak­tisch und organisch nachvollzieh­bar ist, kann sie auch anderen Men­schen etwas bedeuten, ihnen neue Massstäbe, neue Orientierung und neue belebende Ideale geben. Dann werden Schützemenschen zu echten Lehrern, Menschenführern, Pädagogen. Andere können sich an ihnen und ihren Lehren orientieren und ihnen nachfolgen. Die Überzeu­gungskraft der gelehrten Wahrheit vermittelt ihnen die Kraft, das er­schaute Ziel selbst zu erreichen.

Der esoterische Saatgedanke drückt das deutlich aus, er lautet:

«Ich sehe ein Ziel und erreiche das Ziel – und sehe ein weiteres».