Astrolog-Archiv

(Bitte auf den jeweiligen Ausgaben-Block klicken, um die entsprechenden 20 Ausgaben anzuzeigen)
Artikel in grüner Farbe sind ohne Login zugänglich!
Ausgaben » [1-20] [21-40] [41-60] [61-80] [81-100] [101-120] [121-140] [141-160] [161-180] [181-200] [201-218] Aktuelle Ausgabe
• Suche (Autoren, Titel, etc.) » Inhaltsverzeichnis • Suche nach Begriffen in Artikeln »
Titel Ausgabe 59



Archiv-Übersicht
Nach oben Nach oben
Zurück Ausgabe 59 vom 22.12.1990 • Seite 22ohne Login!

• Theorie der Astrologischen Psychologie

Die dreidimensionale Zeichenlehre als Entwicklungsdynamik, Teil 6

Louise Huber

In diesem Heft kommen wir zu den drei letzten Zeichen im Zodiak: Steinbock, Wassermann und Fi­sche, die wir entsprechend den vorangegangenen Ausführungen ebenfalls dreidimensional auf­schlüsseln wollen. Bei diesen drei Zeichen handelt es sich um die so­genannten «oberen Zeichen», die sich weitgehend mit dem Thema der Individuation und dem Selbstsein befassen.

Steinbock

Steinbock ist ein kardinales Erdzei­chen und wird sowohl exoterisch wie auch esoterisch vom Saturn be­herrscht. Auf der physischen Ebene hat Saturn immer eine Mis­sion der Reifung zu vollbringen, hier ist er der Erzieher, der Prüfer, und indem er Grenzen setzt, über­nimmt er die Rolle des «Hüters der Schwelle». In der geistigen Ent­wicklung wird er der «grosse Ein­weihende» genannt, der dem ge­läuterten Bewusstsein das Tor zu neuen Dimensionen des Seins öff­net. Der echte Steinbock ist ein Karrieremensch. Auf irgendeinem Ge­biet will er etwas zu sagen haben, er will eine Autorität sein. Erst dann ist er zufrieden.

Auf der materiellen Ebene will er immer nach oben, er strebt nach Macht, nach einer guten Stellung, die er auch erreicht. Dabei ist er in der Auswahl der Mittel nicht zim­perlich. Alles, was sich ihm in den Weg stellt, wird beiseite gescho­ben, auch Menschen. Was wichtig für ihn und seinen Aufstieg ist, hat immer Vorrang. Eine einmal er­reichte Machtposition gibt er nicht so leicht wieder her. Er sichert sich nach allen Seiten hin ab und wird ein echter Saturnier.

Auf der emotionalen Ebene sind Steinböcke sehr gefühlsbetont. Ob­wohl sie sehr gefühlsbeherrscht er­scheinen, können sie eine ganze Skala von Gefühlen hervorrufen, sie spielen und betätigen. Auch in dieser Kunst streben sie nach Mei­sterschaft und mancher ist ihnen unterlegen. Sie herrschen auf der Gefühlsebene über Schwächere, in­dem sie sie leiten und führen. Sie brauchen Menschen um sich, de­nen sie etwas bedeuten und ma­chen sich unentbehrlich, indem sie Strukturen schaffen, bei denen es ohne sie nicht geht.

Auf der mentalen Ebene strebt ein Steinbockgeborener nach Macht, nach grossen Aufgaben, in denen er freie Hand hat. Er ist erfolgreich in seinen Unternehmungen, die er nach einem gut durchdachten Plan verwirklicht. Für sein Handeln übernimmt er die volle Verantwor­tung. Er strebt nach hohen Zielen, ohne ein Ziel vor Augen, ist sein Le­ben nichts wert. Dabei scheut er keine Mühen und nimmt sich für die Vorbereitung zum Erreichen genügend Zeit. Auf dem Weg nach oben lernt er viel und verbessert ständig seine Fähigkeiten, bis sie am Ende zur Perfektion ausgereift sind. Im Steinbock setzt die End­phase einer Entwicklung ein, bis eine gefestigte und durch die Bemeisterung des Aufstiegs gehärtete Persönlichkeit entsteht. Dies ge­schieht durch das Ausreifen der Persönlichkeit bis zur höchsten Blüte, bis zur Individualität. Saturn als Herrscher ist dabei eine grosse Hilfe, denn er gibt durch die notwendige Abgrenzung und Härte der Persönlichkeit ein Profil, das stark genug ist, sich im selbständi­gen und autonomen Handeln zu verwirklichen.

Die Transformationskrise findet statt, wenn die geschliffene Persön­lichkeitsform verhärtet und der Steinbock autoritär oder sogar des­potisch wird. Die geistige Entwick­lung im Steinbock verlangt eigene Einsicht und eigenen Willensein­satz. Er selbst muss diesen Weg wählen, zwingen kann ihn niemand dazu. Um weiterzuwachsen muss er sich zu einer Umkehr entschliessen, die nur möglich ist, wenn er das ge­genüberliegende Krebszeichen in­tegriert und Gefühlswerte entwikkelt. Das heisst, er soll seine Abhän­gigkeit von geliebten Menschen zu­geben und in einem Akt der Demut seine Machtansprüche, seine Un­nahbarkeit aufgeben. Er soll von seiner Bergesspitze, auf der er voller Stolz steht und sich einen festen Stand aufgebaut hat, wieder herunter steigen, freiwillig. Saturn als esoterischer Herrscher will die erreichte Macht zum Segen des Kol­lektivs, der Mitmenschen oder der Familie einsetzen und nicht zu per­sönlichen Zwecken. Das heisst, Steinbock muss sich wieder nach dem Nest, nach der Zuwendung und Wärme lieber Menschen und der Geborgenheit einer Privat­sphäre zurücksehnen, um zur inne­ren Umkehr bereit zu sein. Dann erst kann und wird er mit Hilfe des Saturns zum echten Menschheits­führer, der andere auf die Berges­spitze hinaufführen kann.

Der esoterische Saatgedanke drückt das deutlich aus:
«Gebadet bin ich in überirdischem Licht, doch diesem Lichte wende ich den Rücken.»


Wassermann Wassermann

Wassermann ist ein fixes Luftzei­chen und strebt nach Sicherheiten im Denken. Diese findet er durch ausgereifte Gedankenformen, sei dies ein System, eine Ideologie, eine Religion oder ein Dogma. Was­sermann wird exoterisch beherrscht von Saturn und von Uranus und eso­terisch von Jupiter. Eine interes­sante Kombination. Der Ideenreich­tum des Wassermanngeborenen ist sehr gross und es kommt vor, dass ihn eine Idee nicht mehr loslässt, bis sie verwirklicht wird.

Auf der materiellen Ebene kann er von einer Idee besessen sein, dann ist er stur und uneinsichtig, reitet auf Prinzipien herum und schaut verächtlich auf die irdische Mittelmässigkeit herunter. Er wird zum Besserwisser und Moralist. Stolz und kaltherzig zugleich will er an­deren seine Ideen aufzwingen und macht sich auf diese Weise unbe­liebt. Andersdenkende werden ver­folgt, verhöhnt und ausgeschlossen, auf der materiellen Ebene ist er dogmatisch, uneinsichtig, sektiere­risch.

Auf der emotionalen Ebene ist er immer auf der Suche nach Men­schen, die seine Ideen genau so grossartig finden, wie er selbst. Tat­sächlich suchen Wassermänner immer Gleichgesinnte, nicht nur um mit ihnen ihre Gedanken auszu­tauschen, sondern um sich im Aus­denken von Systemen und im Fin­den von Problemlösungen als wich­tig zu empfinden. Viele suchen die Gesellschaft von Menschen, die etwas zu sagen haben, um ihren eigenen Selbstwert aufzubessern. Das elitäre Denken ist sehr verbrei­tet, sie wollen immer etwas Bes­seres, etwas Besonderes sein und heben sich dementsprechend von anderen ab. Der Uranus deutet dann auch auf fortschrittliche Men­schen, die gemeinsam neue Lösun­gen für die zukünftige Entwicklung einer Gruppe, einer Organisation oder der Menschheit suchen.

Auf der mentalen Ebene sind Was­sermanngeborene sehr intelligent und begabt. Im Einklang mit dem Zeitgeist sind sie an allem interes­siert, was Menschen weiterbringt. Sie sind im Denken erfinderisch und sozial eingestellt, fühlen sich mitverantwortlich für die Miss­stände in der Welt, und wollen Ab­hilfe schaffen. Man findet sie in allen Hilfsorganisationen tätig mit­arbeiten. Aber auch die Mental­ebene hat eine negative Seite, hier ist es der Stolz, der überwunden werden muss.

Die Transformation verlangt auf allen drei Ebenen ein Herunterstei­gen. Viele sind so verstrickt in ihre eigenen Ideen, dass sie sich von der Wirklichkeit entfernen, auf andere hochnäsig herabschauen und moralisierend einwirken. Da­durch isolieren sie sich und kom­men sich sehr hilflos vor. Sie sind rasch entmutigt, wenn sich die Dinge nicht nach ihrer Vorstellung entwickeln. Der Löwe am anderen Ende der Polachse will die echte Selbstverwirklichung durch die hautnahe Erfahrung erreichen. Des­halb sollen Wassermänner das Theoretisieren aufgeben und tat­kräftig an der Verbesserung menschlicher Angelegenheiten mitwirken. Der Jupiter als esoteri­scher Herrscher braucht die sinnen­hafte Erfahrung, um wissend und sehend zu werden. Er symbolisiert auf der Bewusstseinsebene den Be­obachter, der losgelöst den Über­blick hat. Er steht über der Dualität und sucht in der Polarität das Dritte, das Verbindende, Er denkt dreidi­mensional, weil er in der Lage ist, eine grosse Perspektive einzuneh­men und das Ganze zu sehen. Die Polarität wird überwunden durch das Einnehmen eines übergeordne­ten Standpunktes, wodurch eine bewegliche Synthese entsteht, die den Lebenssinn entschlüsselt. Gei­stig orientierte Wassermanngebo­rene sind schöpferische Menschen, kümmern sich mit Vorliebe um das Aufheben sozialer Missstände, scheuen keine Hilfestellung, sind erfinderisch und originell, haben genügend Einfälle und sind zum Ex­periment bereit.

Der esoterische Saatgedanke heisst:
«Wasser des Lebens bin ich, ausgegossen für dürstende Men­schen.»

Fische Fische

Das Zeichen Fische steht auf dem veränderlichen Kreuz, das ihn mit der Motivation zur Liebe und zum Verstehen ausstattet. Fischemen­schen stellen sich sensitiv und fein­fühlig auf ihre Mitmenschen ein und möchten mit ihnen in Harmonie leben. Auch das Zeichen Fische hat (wie Wassermann) zwei traditionel­le Herrscher, der eine ist Jupiter, der andere Neptun und der esote­rische Herrscher ist der Planet Plu­to. Wir haben also auch hier eine Dreidimensionalität zu berücksich­tigen, die erst in ihrem Zusammen­wirken das Wesen des Fischemenschen erkennen lassen und seinen geistigen Weg aufzeigen.

Auf der materiellen Ebene sind sie nicht ausgerüstet, um dem harten Leistungsdruck zu genügen, wes­halb sie der Materie und ihrer Be­wältigung ausgeliefert sind. Ihr Ver­halten kehrt sich deshalb häufig um 180 Grad um, sie kompensieren ihre innere Motivation, indem sie ihren Schatten, das gegen­überliegende Jungfrauzeichen, le­ben. Wenn sie keine Sicherheit in sich selbst oder bei einem anderen Menschen finden, klammern sie sich an materiellen Dingen an und verkörpern in ihrem Verhalten negative Jungfrau-Eigenschaften. Sie können kleinlich, pedantisch und empfindlich sein, halten sich an allen Regeln und Vorschriften fest, passen sich um persönliche Vorteile willen der Umwelt an, und tun alles, was ihnen aufgetragen wird.

Auf der Gefühlsebene sind sie sehr offen für die Nöte der Menschen aus ihrer Umwelt. Sie sind feinfühlig und spiegeln das Wesen anderer Menschen in sich. Sie verstehen alles, können geduldig zuhören, be­vor sie zur Aktivität übergehen, und oft gelingt es ihnen schwer die zuhörende oder zuschauende Passi­vität zu überwinden und zu einer aktiven Arbeit überzugehen. Der Zeichenherrscher Neptun als das Prinzip der universellen Menschen­liebe verursacht oft einen träumeri­schen, entgrenzten Zustand, eine Sehnsucht nach einem paradiesi­schen Land, das es nicht gibt, wes­halb manche einem unerträglichen Weltschmerz verfallen und in die Drogenszene gelangen.

Auf der mentalen Ebene erscheinen sie haltlos, weil sie alles verstehen und nichts verurteilen, es fällt ihnen schwer einen klaren Standpunkt einzunehmen. Viele normale An­sichten verwischen sich in ihnen, weil sie mit allem, was existiert, ein­verstanden sind. Bei manchen macht sich eine Hilflosigkeit breit, sie verfallen allen möglichen Idea­len. Sie opfern sich auf, wenn sie lie­ben, können sich versklaven las­sen, wenn jemand sie zu nehmen versteht. Oft leiden sie an einer Ich-Auflösungstendenz, verlangen

nichts für sich selbst, weil das uni­verselle Liebesprinzip sie erfasst und in eine andere Dimension ent­führt. Weltliche Massstäbe gelten dann nicht mehr für sie, sie sind eins mit der transzendentalen Welt, bei der sie sich geborgen und auf­gehoben fühlen.

Es ist die mystische Neigung des Fischemenschen in allem das Höch­ste zu suchen und die nüchterne Wirklichkeit auszulöschen, die zu einer Weltentfremdung oder zu einer Flucht ins Irrationale führt. Diese Tendenz muss auf dem geisti­gen Pfad überwunden werden, was auf der Polachse vom Zeichen Jung­frau her geschieht. Dieses Zeichen der Existenzbewältigung lässt die Realitäten des Lebens schmerzlich als unausweichlich erfahren und Fischemenschen sollen sich dann innerlich bereit erklären ihre Pflich­ten zu erfüllen. Wenn sie gebraucht werden und in einem helfenden Be­ruf ihre täglichen Arbeiten ohne Widerstand erfüllen, dann werden Sie zu echten Helfern und Heilern und sind berufen, da wo Not herr­scht, einzugreifen und Hilfe zu brin­gen.

Die Transformationskräfte kommen vom esoterischen Herrscher Pluto auf der Bewusstseinsebene. Pluto als Bild des höheren Selbst kann in einem Zustand des Schweigens, der Isolation oder Losgelöstheit eine klare Vision des Evolutionsge­schehens vermitteln und den Platz zuweisen, auf dem ein geistiger Dienst versehen werden kann. Im Geiste der inneren Berufung sind dann Fischemenschen zu jedem Opfer fähig, schöpfen aus einer un­versiegbaren Quelle, weil sie in Ein­heit mit dem Grossen Ganzen le­ben. So geschieht im Fische-Zei­chen eine echte Wandlung des eigenen Ichs, die dem Stirb- und Werde-Prozess im Skorpion gleicht. Aber sie vollzieht sich hier tief im eigenen Inneren, in der Stille, fern vom bunten Treiben der Welt. Die Welt hat meistens kein Verständnis dafür, worunter der ge­wandelte Fischemensch nicht mehr leidet, weil er heimgefunden hat.

Der esoterische Saatgedanken lau­tet:

«Ich verlasse des Vaters Haus, und indem ich zurückkehre, erlöse ich.»