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Titel Ausgabe 14



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Zurück Ausgabe 14 vom 22.06.1983 • Seite 9ohne Login!

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Das aktuelle Horoskop – Adolf Portmann

Daniel Cuny

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Zur Quelle dieser Daten:

Mündliche Auskunft seiner ehemaligen Sekretärin: 0.00 bis 0.30 h.

In Biographie gefunden: Wenige Minuten nach Mitternacht.

Nach einigen Anstrengungen, anhand des Alterspunktes die genaue Zeit zu ermitteln, begab ich mich zu einer Pendlerin (Besitzerin meiner Wohnung). Ihr klares Ergebnis, in meiner Anwesenheit erzielt: Geburtszeit 0.19 h. (Ein persönlicher Brief Portmanns, authentische Schwingungen liefernd, stand zur Verfügung.)

Eine um Hilfe gebetene bekannte API-Astrologin meinte dagegen, Portmann müsse um 0.07 h geboren sein; eine spezielle Korrekturmethode führe zu diesem Ergebnis.

Eine genaue Untersuchung von der psychologischen Struktur her, wie auch die Überprüfung mit dem Alterspunkt in der Redaktion, ergab eine eindeutige Bestätigung der 0.19 h-Version.

Die Redaktion

Vor einem Jahr, am 28. Juni 1982, endete das Leben Adolf Portmanns, des überragenden, international bekannten Schweizer Biologen und Anthropologen. Ein äusserer Anlass, sein Horoskop zu betrachten, ist somit gegeben. Fehlte er, so wäre an Portmanns Aktualität gleichwohl kein Augenblick zu zweifeln. Seine Werke in ihrer erstaunlichen Zahl (über 500 Veröffentlichungen), ihrer thematischen Vielseitigkeit und inhaltlichen Tiefe sind nicht geeignet, bald zu veralten. Finden wir sie doch reich an bleibenden Wahrheiten - während es oftmals die kurzlebigen Richtigkeiten sind, die das Bild der modernen Naturwissenschaft bestimmen.

Der Forscher

Adolf Portmann war vielleicht der allerletzte Lebensforscher, der das biologische Wissen seiner Zeit gesamthaft zu überblicken vermochte. Sein eigentliches Fachgebiet blieb indessen die Gestaltforschung und Formenkunde, die Morphologie. Dies zu einer Zeit, in der Biochemie und Molekularbiologie - nicht zuletzt im Hinblick auf eine praktische, profitable Auswertung -ihren Aufschwung nahmen. Mit Entschiedenheit trat er der Tendenz entgegen, den Organismus bloss als physikalisch-chemisches Getriebe zu verstehen.

»Geprägte Form, die lebend sich entwickelt«; mit seiner von Goethe beeinflussten anschauenden Urteilskraft wandte sich Portmann immer aufs neue den Vorgängen des Werdens (Embryologie: 4. Haus), des Wachsens und Reifens zu. Die nach wie vor ungeklärte Frage der Evolution, der Entstehung des wunderbaren Gestaltenreichtums der Natur, hat ihn nie losgelassen. Mit der neodarwinistischen Theorie von Zufallsmutation und Auslese in einem gnadenlosen »Kampf ums Dasein« konnte er sich nicht zufrieden geben. Denn unzählige organische Gestaltungen, darunter besonders schöne - denken wir nur an die Farbenpracht von Vögeln oder Schmetterlingen, sind ohne jeden Nutzen für die Arterhaltung. Ihr Sinn liegt vielmehr in der »Selbstdarstellung« einer verborgenen »Innerlichkeit« -zwei Begriffe, welche Portmann in den Augen mancher Fachgenossen in das Zwielicht des »Mystischen« rückten.

Weltruf aber hat sich Portmann vor allem durch seine Forschungen über die Sonderstellung des Menschen erworben. Am bekanntesten ist wohl seine Lehre vom menschenspezifischen »extrauterinen Frühjahr«. Es handelt sich um die Entdeckung, dass das neugeborene Kind auch nach seiner Geburt noch ein Embryo ist und das erste Lebensjahr eigentlich ein Embryonaljahr darstellt. In diesem findet, in schicksalhafter Beziehung zu Mutter und Umwelt, eine ganze Reihe von Entwicklungsprozessen statt, die für die Entstehung der Sondermerkmale des Menschen bedeutungsvoll sind: aufrechte Haltung, Sprache, Einführung in bestimmte soziale Beziehungen. Erst am Ende dieses Jahres hat ein Kind jene körperliche Reife erlangt, welche andere Säugetiere bereits zur Zeit ihrer Geburt aufweisen. - Indem er das Spezifische des Menschseins in fundierter Weise belegte, hatte Adolf Portmann massgeblich zu einer Tendenzwende der Humanbiologie beigetragen.

Der Lehrer und Vermittler

Im Jahre 1926 wurde Portmann Privatdozent für Zoologie an der Universität Basel, 1931 Professor und Direktor der Zoologischen Anstalt, die er bis 1968 geleitet hat. Seine Vorlesungen bedeuteten für die Studenten ein tiefes Erlebnis; aus allen Fakultäten strömten Hörer in sein Institut. Sprachlich diszipliniert und rhetorisch faszinierend verstand er es, auch die verwickeltsten Sachverhalte anschaulich und einprägsam zu machen. Zum frei gesprochenen Wort - vor jeder Vorlesung »meditierte« Portmann seinen Lehrstoff - gesellten sich meisterhafte Zeichnungen an der Tafel. Seine didaktischen Fähigkeiten galten als unübertrefflich.

Abseits stehen Mond und Neptun, schwach miteinander verbunden. Gemüt und Phantasie sind somit unangefochten, stehen ausserhalb des angespannten Intellekts und seiner Leistungsforderungen: »Früh schon stand mein eigenes Schaffen im Zeichen der Einheit einer geistigen Polarität von rational forschender und gefühlsstarker Beziehung zu Mensch und Welt.« Portmann liess das Unerforschliche, Geheimnisvolle stets als solches gelten; seine Demut führte ihm zum Bekenntnis: »Niemand von uns weiss, was Lebewesen sind.«

In seinem Horoskop »fehlen« grüne Aspekte. So ist auch sein Werk, bei aller Weite des Horizontes, frei von Spekulationen. Er lebte ganz in einem reich erfüllten Hier und Jetzt, ging unbeirrbar seinen Weg.

Die starke Betonung des Kollektivraumes zeigt an, dass er den Vielen immer verbunden blieb. Die bescheidene eigene Herkunft - sein Vater, den er verehrte, war Angestellter bei der städtischen Trambahn - wecke in ihr früh eine Solidarität mit den benachte: ligten Schichten. In Jugendjahren wa er eine Zeitlang »ein rabiater soziale Kämpfer« -später beschäftigte er sich mit dem Sozialleben von Mensch und Tier.

Im Ich-Bereich befindet sich, beim Aszendenten, einzig der Mondknoter Portmann war somit berufen, sich unc sein Anliegen klar zum Ausdruck zu bringen; gemäss Wassermann als den unbestechlichen Bewahr er des Huma nen, als dem Wissenden, der aus Köpfen und Herzen manche Dunkelheit vertrieb.

Die Persönlichkeit

Von den Hauptplaneten steht am schwächsten der Mond. Sein ungestümes Temperament konnte sich nach aussen schwer bemerkbar machen. Portmann strahlte eine ernste, beinah düstere Stimmung aus. War auch sein Gefühlsreichtum bekannt, sah man ihn doch selten lachen. Ohne den schmerzlichen Kontaktverzicht, wie ihn die Mondstellung andeutet, wäre sein Werk wohl gar nicht zustandegekommen!

Auf den Eranos-Tagungen in Ascona spielte Portmann eine wichtige Rolle als Vermittler zwischen Philosophie, Ethnologie, Religionswissenschaft, Tiefenpsychologie (G.G. Jung) und Biologie. In Basel bildete er zusammen mit Karl Barth und Karl Jaspers, dem Theologen und dem Philosophen, ein inzwischen legendäres »Dreigestirn«.

Durch Jahrzehnte hindurch hat Adolf Portmann seine Kenntnisse und Einsichten in Radiosendungen und Büchern einem breiten Publikum mitgeteilt: »Die Naturfreude führt auch zum Bedürfnis, die anderen teilnehmen zu lassen - ein Bedürfnis, dem ich in all den Jahren strenger wissenschaftlicher Arbeit immer wieder nachgegeben habe, um von dem zu zeugen, was mir selbst im Umgang mit Natur und Kunst als Erhöhung des Daseinsgefühls erschienen ist...« Und an anderer Stelle: »Es gilt, nicht nur die technischen Erzeugnisse der Naturforschung zur Geltung zu bringen, sondern auch die Quellen des Erlebens, des Teilhabens an dem Erstaunlichen der Naturvorgänge, ganz besonders am abenteuerlichen Wesen des Lebendigen in seiner rätselvollen Dämonie.«

Das Aspektbild

Auf der Spur des Rätsels Adolf Portmann betrachten wir nun die Aspektstruktur. Sie wird im wesentlichen durch ein Leistungs- und ein Ambivalenz-Dreieck bestimmt, welche beide die Sonne einbeziehen. Jenes offenbart uns den tiefgründig-beharrlichen, auch querköpfigen Torscher und Denker, dieses den vielfältig engagierten, unermüdlichen Mann der Tat (kardinale Häuser!). Beide Wesensseiten sind in Verbindung mit Venus im Stier (Jupiter-Trigon, Mars-Quadrat). Die Ästhetik der Natur, der Reichtum an Farben und Formen um uns berührten Sein leidenschaftliches

Erleben kam nicht zuletzt in einer eigenen malerischen Tätigkeit zum Ausdruck.

Die Sonne am IC - wie oft sprach Portmann von Innerlichkeit. Archetypisch mutet uns sein ganzes Leben an. Längst verstorbene Persönlichkeiten, wie etwa Alexander von Humboldt, spornten ihn an, forderten ihn zu eigener Stellungnahme heraus. Alles Forschen und Wirken in der Aussenwelt führte ihn nur immer tiefer in sich selbst hinein - wo ihm das Geheimnis des Lebendigen entgegenschaute.

Durch die Sonne-Pluto-Konjunktion bekam sein Standpunkt etwas Unbedingtes. Portmann wurde viel bewundert, manchmal aber auch gefürchtet. Saturn, höchster Planet im Horoskop, strebt schon zum MC und somit zu allgemeiner Geltung. Portmann suchte seine Sicherheit »an den Grenzen des Wissens« - so heisst sein autobiographisches Buch. Persönlich lebte er anspruchslos, ohne Auto, ohne eigenes Haus.

Das Leistungs-Dreieck

Alle Intelligenz-Planeten verbinden sich zu einer wirkungsvollen Funktionseinheit. Sinnennahes Denken (Stier-Merkur) sieht sich konfrontiert mit einer zweifelnd-bohrenden (Uranus) und zugleich unerbittlich kontrollierenden Instanz (Saturn). Die unbehagliche Spannung dieser Opposition entlädt sich in Jupiter - nicht selten hinterm Mikroskop! Minutiöse Wahrnehmung der Aussenwelt wird zur Erfüllung, anders ausgedrückt: »Gesteigerte Teilnahme am Naturgeschehen gibt bereits unserem Tun einen Sinn.«

Ein Fachkollege Portmanns stellte fest: »Rastlos dringt er in immer neue Gebiete ein, wird er immer neuen Aufgaben gerecht. Sein hervorragendes Gedächtnis vermag eine fast unvorstellbare Fülle von Wissen zu speichern und in steter Präsenz zu halten.«

Von den beiden MC-Planeten hat Saturn das letzte Wort, wenn auch der Abstand zu Uranus nur wenige Bogen-minuten beträgt. Immer wieder sprach Portmann von der notwendigen Beschränkung auf gesicherte Tatsachen, die er sich als Wissenschaftler auferlegen müsse.

Der Alterspunkt

Portmanns Geburtszeit ist nicht minutengenau bekannt. »Kurz nach Mitternacht«, »in der ersten halben Stunde« - nur soviel steht fest. Persönliche Ereignisdaten sind in seinen Büchern fast keine zu finden. Andererseits waren seine Jahre so voll, dass ein wertender Überblick schwerfällt. Für eine Geburtszeitkorrektur also keine günstigen Voraussetzungen. Die Zeit von 0.19 h kann nur als provisorische Näherung gelten. Es ergeben sich als Aspekte:

Mond-Übergang: Materielle Nöte im Elternhaus. - Venus-Übergang: Tiefes Naturerleben, Ausbildung des Zeichentalents (einige Jahre später: Illustration von Kinderbüchern). - Merkur-Übergang: Eifrige Lektüre in öffentlichen Bibliotheken, Erwachen des Forschungsdranges. - -Sonnen-Übergang: Bereits als Schüler im Zoologischen Institut beschäftigt; lebt sich mehr und mehr in dessen »beglückende Atmosphäre« ein. - Pluto-Übergang: Arbeiterunruhen in Basel (Juni 1918), aufwühlendes Erleben der Klassengegensätze. - Neptun-Übergang: Möchte Maler werden; Wanderjahre beginnen. -Zeichenwechsel zu Krebs: Zweite Heimat in Laboratorium am Meer, Studium mariner Tiere. - Zeichenwechsel zu Löwe: Wird Direktor des Zoologischen Instituts, Heirat. - Jupiter-Übergang: »Erstes Eindringen in den Urwald der Gestaltprobleme.«

Auf das Jahr des Neptun-Übergangs beziehen sich die Worte, mit denen Adolf Portmann uns entlässt - hoffentlich nicht für immer!

»Frei vom Zügel des Logischen, nicht gefangen in den Mauern der verstandenen Welt, die wir uns machen müssen. Das wilde Auge, auf die Jagd geschickt vom unbewussten Drang des Formens, von jenem Drang, der im Traum mit Bildern spielt und dem Dichter die Bilder schenkt, von jenem Drang, dem wir letztlich alle Einfalle verdanken.«