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Titel Ausgabe 14



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Zurück Ausgabe 14 vom 22.06.1983 • Seite 14ohne Login!

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Die klientenzentrierte Gesprächsübung

Angelika Stephan

Ein Klient kommt zur Beratung. Wir haben vorbereitend sein Horoskop durchgearbeitet, haben vieles entdeckt, was diese Persönlichkeit ausmacht, haben irgendwie ein bestimmtes Bild von ihr im Kopf- und brennen nun fast darauf (jedenfalls wohl als Beratungs-Anfänger), ihr all dieses Wissen mitzuteilen.

Die Gefahr dabei: dieses (Horoskop-) »Bild« hat uns ein bisschen blind gemacht für das lebendige Wesen vor uns, mit seinen augenblicklichen Nöten und Schwierigkeiten. Denn meist hat es ja einen konkreten Anlass, weshalb ein Mensch gerade zu einem bestimmten Zeitpunkt einen Astrologen aufsucht. Oft sind es emotionale Krisen, in denen er gerade steckt, für die er Hilfe sucht. Wir können ihm nun zwar - z. B. anhand des Alterspunktes - erklären, was aus astrologischem Grund bei ihm gerade abläuft, können ihm Symbole (die betreffenden Planeten und Zeichen) in die Hand geben, mit deren Hilfe er sein Problem rational erfassen kann. Wir können ihn überhäufen mit - durchaus korrektem -Wissen, und er mag es auch interessant finden und uns zustimmen. Und trotzdem wird er uns vielleicht nachher mit ebenso schwerem Herzen verlassen, mit dem er gekommen ist. Wir haben von Kopf zu Kopf gesprochen, aber es ist uns nicht gelungen - vielleicht, weil wir uns dieser Notwendigkeit gar nicht bewusst waren -, uns in seine Emotionen hineinzuspüren, ihn zu verstehen, anzunehmen und ihn dadurch innerlich zu stärken und zuversichtlicher zu machen.

Das Motto der Beraterausbildung von Achberg 1980 war: »Geh in das Herz Deines Bruders und erkenne seine Not!« Von dem spreche ich, und dies scheint mir, wenn wir nicht nur astrologische, sondern astrologisch-psychologische Beratung machen wollen, von eminenter Wichtigkeit. Deshalb möchte ich in diesem Beitrag einmal die Aufmerksamkeit auf die psychologische Seite unserer Beratung lenken. Wir werden diese zwei Seiten von Fall zu Fall verschieden gewichten müssen, je nachdem, ob unser Klient in erster Linie astrologisches Wissen von uns vermittelt haben möchte, oder ob wir spüren, dass er eher gekommen ist, um Hilfestellung und Verständnis bei persönlichen Problemen zu bekommen. Nur wenn uns beide Aspekte immer bewusst sind, können wir sie hilfreich einsetzen.

Wie kann man nun vorgehen, um ein solches psychologisch hilfreiches Beraterverhalten zu lernen? Carl Rogers, der bekannte humanistische Psychologe aus den USA, gibt uns durch seinen Ansatz der »Klientenzentrierten Gesprächspsychotherapie« eine auch für die astrologische Beratung sehr brauchbare Grundlage.

Ich möchte im folgenden sein Konzept vorstellen, wobei ich besonders das herausgreifen werde, was mir für den astrologischen Berater wichtig zu sein scheint.

Grundbegriffe

Rogers nannte seine Therapieform »nicht-direktive Beratung« (1942) und wollte damit ausdrücken, dass der Therapeut sich mit Anweisungen und Beeinflussungen jeder Art, also auch mit Ratschlägen, zurückhalten soll.

Ein zweiter wichtiger Terminus, nämlich »klientenzentrierte Gesprächsführung« (1951) ergänzt die obige Idee, nämlich dass der Klient es ist, der im Mittelpunkt steht, nicht der Therapeut mit seinem Wissen, das an den Mann / die Frau gebracht werden muss. Der Klient lenkt die Richtung des Gesprächs, gibt die Themen an und sucht selbst - mit Hilfe des Therapeuten -nach für ihn stimmenden Problemlösungen. Denn er weiss am besten, was für ihn wichtig und richtig ist. - Hier wird ein grosses Vertrauen des Therapeuten in die Entwicklungsfähigkeit des Klienten vorausgesetzt.

Die Einstellung des Beraters

Wenn ein Berater eine solche Atmosphäre in der Beratungssituation schaffen will, muss er sich um drei grundlegende innere Einstellungen bemühen:

Die Wichtigkeit der Beziehung zwischen Berater und Klient

In der Beratungssituation begegnen sich zwei Menschen, unhierarchisch, beide mit Stärken und Schwächen, und beide gleich wertvoll. Die Art der Beziehung zwischen beiden ist ausschlaggebend für den Erfolg der Gespräche. Der Berater muss in der Lage sein, ein wohlwollendes Klima zu schaffen, eine Atmosphäre, in der der Klient Zutrauen gewinnen und sich entfalten und entwickeln kann.

1. Bedingungslose positive Wertschätzung und emotionale Wärme

Der Berater lässt tiefe Achtung für den persönlichen Wert des Klienten und seine Möglichkeiten erkennen und akzeptiert ihn als eine in Erleben und Werten eigenständige Persönlichkeit. Er ist ihm gleichbleibend freundlich und mit Wärme zugewandt und ist ernsthaft engagiert, ihn bei seiner Selbstfindung zu unterstützen (nach Pfeiffer 77). Diese echte und nicht berufsmässige Zuwendung wird dem Klienten sowohl verbal wie auch nonverbal vermittelt (z. B. durch den Tonfall, durch Körpersignale). Die Einstellung ist unvereinbar mit dem Ausdruck persönlicher Abneigung sowie dem Abgeben von und dem Beeinflussen mit persönlichen Werturteilen (Kritisieren oder gar Moralisieren).

Durch ein solches akzeptierendes Beraterverhalten lernt der Klient schrittweise, sich selber zu akzeptieren und zu achten. Da er keine Angst vor Kritik zu haben braucht, kann er seine Verteidigungsmechanismen abbauen und lernen, offen über sich und seine Gefühle und Erlebnisse zu reden.

2. Das Eingehen auf das gefühlsmässige Erleben des Klienten

Der Berater hört dem Klienten konzentriert zu und versucht, sich in sein Erleben, seine Welt, einzufühlen und die aus dieser Welt entspringenden Verhaltensweisen des Klienten zu verstehen, ohne jede Wertung.

Beim Zuhören beobachtet er sowohl die verbalen als auch die nonverbalen (Mimik und Gestik) Äusserungen und Signale des Klienten. Er will ihm helfen, sich seiner Gefühle bewusst zu werden und mit ihnen umgehen zu lernen, mit dem, was ihn im Augenblick verwirrt, ihn lahmt, wo er keine Lösung sieht. Deshalb versucht er, die gefühlsmässigen Empfindungen des Klienten zu erspüren, auch die unterschwelligen, nicht verbalisierten, und schildert ihm - tastend und eher fragend als behauptend - das, was er an Gefühlen

Lösungen suchen, die für ihn gefühlsmässig stimmen, und die nicht nur rational zusammengebastelt und deshalb letztlich unbefriedigend sind, weil sie nicht aus der Tiefe des Erlebens kommen. Die therapeutische Beziehung ist also ein »miteinander in die Tiefen des Gefühls Gehen«, nicht ein kopflastiger Austausch von Informationen,

3. Die Echtheit des Beraters

Der Berater ist offen, spontan, und versteckt sich nicht hinter einer »professionellen Maske«. Er hat den Mut, den Klienten »an sich herankommen zu lassen« , den Mut also zur Nähe, zur echten zwischenmenschlichen Begegnung und Interaktion... Er ist »er selbst«, d. h. das, was er innerlich empfindet, kann er auch unverstellt äussern, wenn bei ihm wahrnimmt. (Beispiel: »Das macht Sie sehr traurig, dass Sie da jetzt so alleingelassen sind ...?«) Er ist dabei so etwas wie ein Spiegel für den Klienten, in dem dieser sich selber sehen und sich dadurch besser erkennen und verstehen kann. Der Berater fasst vielleicht diese Gefühlsäusserungen zusammen, ordnet sie, sieht die »roten Fäden« und zeigt sie auch eventuell auf - und »spiegelt« weiter.

Dieses Verstandenwerden und Angenommensein trägt - wie auch die »positive Wertschätzung« - dazu bei, dass der Klient sich ohne Angst immer eingehender erforschen und erleben kann. So kann er dann selber nach

es zur Beziehung zwischen beiden gehört oder sie betrifft. Er verleugnet seine Gefühle nicht, auch die negativen nicht, sondern teilt sie seinem Gegenüber mit, jedoch als seine eigene, subjektive Empfindung, wiederum ohne (Ab-)Wertung (z. B.: »Ich bin sehr glücklich, dass ...« oder: »Ich fühle mich im Moment etwas gereizt, weil...«).

Dadurch kann der Klient Vertrauen fassen (denn der Berater spielt ihm nicht nur eine Rolle vor) und selbst lernen, spontan, offen und echt zu sein (»Lernen am Modell«).

Fortsetzung folgt