Astrolog-Archiv

(Bitte auf den jeweiligen Ausgaben-Block klicken, um die entsprechenden 20 Ausgaben anzuzeigen)
Artikel in grüner Farbe sind ohne Login zugänglich!
Ausgaben » [1-20] [21-40] [41-60] [61-80] [81-100] [101-120] [121-140] [141-160] [161-180] [181-200] [201-218] Aktuelle Ausgabe
• Suche (Autoren, Titel, etc.) » Inhaltsverzeichnis • Suche nach Begriffen in Artikeln »
Titel Ausgabe 15



Archiv-Übersicht
Nach oben Nach oben
Zurück Ausgabe 15 vom 23.08.1983 • Seite 15ohne Login!

• Glosse

Der Weg zum Glück kostet nur 14,60!

Iréne Wieser

»Unglaublich! Jetzt können es schon lOO OOO bezeugen:

Diese Frau sieht mehr! Annemarie Strogloff: Der Weg zum Glück.«

Mit dieser Schlagzeile wird uns in einem ganzseitigen Inserat in der Zeitschrift »Pro« verheissen: »Sie können Ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Sie können Ihre Zukunft meistern! Vertrauen Sie Frau Annemarie Strogloff.«

Ja, wer möchte da nicht mitgehen, auf den Weg zum Glück, umso mehr, als dieses Glück zum Preis von Fr. 14.60 zu haben ist. So billig kommt man nicht alle Tage dazu! Nun, worum geht es hier? Es geht schlicht darum, dass die Firma Astro Services Ltd,, Guernsey, C. L, mit Sitz in Luzern, in besagtem Inserat behauptet, dass Frau Strogloff uns unser ganz persönliches 12-Monate-Horoskop stellt, einmalig wie wir selbst. Dann folgt eine Schilderung der ungewöhnlichen Gaben dieser begnadeten Frau, und als Quintessenz erfahren wir in ihren eigenen Worten: »Ich verurteile Scharlatanerie. Wenn es um das Schicksal eines Menschen geht, spielt man nicht. Äusserste Konzentration und Anstrengung, die Kenntnis jahrhundertealter Gesetze und strenge wissenschaftliche Systematik sind notwendig, um Licht in die Zukunft eines Menschen zu bringen.«

Da ich etwas übrig habe für »strenge wissenschaftliche Systematik« und meine Neugier hell entflammt war, zögerte ich nicht und bestellte »mein ganz persönliches Horoskop«. Was ich nach Tagen erwartungsvoller Spannung im Briefkasten fand, übertraf meine kühnsten Träume: aus Sonnenstand, Jupiter und Saturn - der AC wurde auch noch festgestellt - hatte Frau Strogloff meine allernächste Zukunft zubereitet.

Und mir wurde prophezeit, dass - der Donnerstag sich künftig als von grösster Bedeutung erweise, besonders günstig für mich seien die Stunden 12.00 und 20.00 Uhr

- meine Kopfschmerzen (ich habe nie welche) sich bald verflüchtigen, wenn ich keine Einladung annehme

- eine junge Dame, zu der ich vor einiger Zeit die Beziehung abgebrochen habe, auf einen Besuch von mir warte

- an einem Nachmittag ... bei einem Treffen ... bei einer Veranstaltung ... dies und das geschehe

- ich mich offensichtlich (imJanuar!) der Zugluft ausgesetzt habe und bei kurzen Ausgängen nicht den warmen Wollschal verschmähen solle

- ich dankend ablehnen solle, wenn meine Nachbarin in ihrer grossen Hilfsbereitschaft zu Tabletten rate ... Ausser diesen eher harmlosen Gegebenheiten sah Frau Strogloff aber auch Beängstigendes auf mich zukommen. Ich las mit Schaudern:

- Bei einem Treffen lassen Sie sich zu einer Bemerkung über den Lebenslauf eines Bekannten hinreissen, die Ihnen ausser Kritik auch Ärger einbringt. Bevor es jedoch zu einem Rechtsstreit bis vor Gericht kommt, sollten Sie einen Rückzieher machen und um Vergebung bitten.

- Das ist eine peinliche Geschichte: Ein Herr, an dessen Wohlwollen Ihnen einiges liegt, rügt Sie wegen einer Leichtsinnigkeit, die schon einige Zeit zurückliegt. Machen Sie die Sache nicht noch schlimmer, indem Sie alles abstreiten, sondern geben Sie Ihren Fehler mit dem Hinweis zu, dass Fehler gemacht würden, um daraus zu lernen.

- Bereits gegen Monatsende taucht eine neue Gefahr in der Beziehung zu einer alten Dame auf...

Wer jetzt auf seine »ganz persönliche« Zukunft neugierig geworden ist, der bestelle getrost seine »ganz persönliche« Prognose. Der wahrhaft hilfreiche Weg zum Glück kostet ja nur 14.60! Ängstlichen Naturen sei jedoch eher abgeraten - sie könnten die Prophezeiungen der Frau Strogloff vielleicht zu wörtlich nehmen. Ich kann ihnen allerdings versichern, dass nichts von alledem auch nur entfernt eingetroffen ist oder zugetroffen hat!

Als ich mich dann bei der famosen Firma erkundigte, wo denn die begnadete Frau Strogloff in meinem »Horoskop« all die Treffen, die junge Dame, die Nachbarin mit den Tabletten gesehen habe und meiner Empörung über solchen Unfug unmissverständlich Ausdruck gab, erhielt ich als Antwort das höfliche Bedauern über meine Unzufriedenheit mit der geleisteten Arbeit und den Hinweis, dass ich selbstverständlich eine ausführlichere Analyse erhalten könne - aber natürlich nicht zum Preis von Fr. 14.60, den ich übrigens nicht zu bezahlen brauche. Ja, so einfach ist das.

Das Inserat ist im »Pro« seither allerdings nicht mehr erschienen. Ob die sich vielleicht doch ein paar Gedanken gemacht haben? Wo sie Scharlatanerie doch verurteilen!