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Titel Ausgabe 15



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Zurück Ausgabe 15 vom 23.08.1983 • Seite 19ohne Login!

• Glosse

Uranus-Neptun und Pluto im Gespräch

Fritz Gehre

Hohe, duftende Bäume und ein unablässig springender Brunnen geben dem Garten eine ganz eigene Atmosphäre. Auch die hinter Rhododendron und Mimosen versteckte Mauer lässt die drei um einen marmornen Tisch sitzenden Männer ganz persönlich in ihrer Eigenart sprechen. Der schwere Wein aus Samos ist vielleicht schuld daran, dass das Gespräch so mühelos fliessen kann und dass jeder den ändern von innen versteht. Schlank, mit reicher Gestik und gewitzten Augen stellt Uranus sich vor:

Uranus

Welch göttlicher Zufall, dass ich euch hier treffe, denn selten nur kann ich bleiben an einem Ort. Heute verweile ich mal länger als einige Stunden, bis ein neuer Ein-fall mich woandershin treibt. Ich bin - so sagt man - die Intuition, also das Rasche, das unvorhergesehen da ist. Dabei schütze ich mich (tueri) vor bösen Geistern, die reinkommen könnten, damit aus dem Einfall nicht ein Unfall wird.

Genüsslich - langsam mit verträumten Augen den Wein geniessend - sagt Neptun dazu:

Neptun

Ich selber rieche, höre und empfinde von weitem bereits, was später sich abspielt. Das macht mich oft traurig, denn ich kann es nicht sagen, bleibe in der nebligen Wiese alleine. Dann weiss ich nicht, ob ich mich täusche, oder ob die Welt selber die Täuschung ist! Man nennt mich ganz einfach »übersensibel«, sagt aber auch, dass ich gern helfe.

Elegant sieht er aus, jener Mann mit schwarz gekräuseltem Haar, wie er den diamantenen Edelstein betrachtet, ihn dabei immer drehend. Es ist Pluto, der folgendes sagt:

Pluto

Schaut euch den Stein an, ganz genau, und ihr seht ihn in immer anderer Farbe, anderer Form, in anderen Massen, je nach eurer eigenen Perspektive, eben so, wie ihr hinschaut! Viele Menschen haben Angst, ihre Sichtweise zu ändern, und darum fällt ihnen ihre eigene Wandlung so schwer. Ich selber versuche ihnen die Kraft dazu zu verleihen.

Uranus

Um uns besser kennenzulernen, möchte ich an euch beide je eine Frage stellen, die ihr mir dann beantworten sollt. Seid ihr mit diesem »Fragespiel« einverstanden?

Neptun+Pluto

Wir finden darin einen sehr glücklichen uranischen Einfall und bitten dich, lieber Uranus, frage uns gleich in kurzen Worten.

Uranus

Worin, Neptun, siehst du den Sinn, dass sich die Menschen erst täuschen müssen, bevor sie die hintergründige Wahrheit erfahren? Und von dir, Pluto, möchte ich hören, was jene Angst bedeutet, die der inneren Wandlung vorausgeht?

Neptun

Im Täuschen vertauscht der Mensch seine Sichtweise so lange, bis er erkennt, dass die Liebe viel umfassender ist als sein kleines irdisches Sein.

Pluto

Erst in der Beengung, in der dunklen Höhle, wird es hell im Menschen von einem Licht, das grösser scheint als er selber - und von da wandelt sich alles Bisherige um.

Neptun

Ich frage dich, Uranus, warum du so vieles zerschlägst, bis erst nachher die göttliche Einsicht herein kann?Und von dir, Pluto, möchte ich wissen, warum die Menschheit alles Schreckliche auf dich projiziert?

Uranus

Erst wenn die saturnische Grenze, wie beim Ei die Schale, zerbröckelt, erst dann ist der Weg frei für die sich erneuernde Frucht. Im Zerschlagen liegt also Freiwerden!

Pluto

Menschen, die lieber beim Alten bleiben, werden immer ihre eingefrorenen Sünden auf das proji-zieren, was sie nicht hereinlassen wollen. Darum bin ich nur schrecklich für jene, die mich von dieser Seite aus sehen!

Pluto

Mein lieber Uranus, sage mir bitte, was für dich der Einfall bedeutet? Und von dir, vielschichtiger Neptun, will ich wissen, was in deinen Augen die Sucht im Grunde hervorbringt?

Uranus

Einfall ist angenommener Zufall, der mit meiner inneren Verantwortung übereinstimmen muss. Den Einfall sehe ich als göttliches Resultat einer langen persönlichen Erfahrung.

Neptun

In der Sucht liegt ein Suchen nach göttlicher Erkenntnis. Doch kommt sie nur dann, wenn der Mensch seine selbstgeschmiedeten Bilder loslassen kann.

Alle drei stossen mit den Weingläsern an und schauen sich ganz tief in die Augen. Sie wissen, dass sie jenseits der saturnischen Mauern, oder der begrenzenden Körperlichkeit, eine Aufgabe haben. Sie sind dazu da, dem Menschen seinen göttlichen Lebenssinn wieder zurückzugeben!