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Titel Ausgabe 16



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Zurück Ausgabe 16 vom 24.10.1983 • Seite 18ohne Login!

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Deutungsgrundlagen Die drei Kreuze

Fritz Gehre

Was bedeuten die drei Kreuze eigentlich, was sollen sie uns sagen? Mit ihnen beginnen wir das Horoskop einzuteilen, um daraus die vier Lebensbereiche: bewusst, unbewusst, ichbezogen und dugerichtet bildhaft zu sehen. Ein Kreuz zeigt uns die 4 Himmelsrichtungen und macht uns bewusst, dass wir an unsere materielle Endlichkeit gebunden sind. Im mittleren, freigelassenen Kreis treffen sich alle drei Kreuze, was sagen soll, dass jeder aus seiner Mitte frei entscheiden kann, wie seine Antwort aussieht! Wie aus der Abbildung ersichtlich ist, stellt das 1. Kreuz horizontal das Ich dem Du gegenüber, wie ebenso vertikal den unteren unbewussten Raum dem Bewusstsein. Den Namen kardinales Kreuz muss ich als eine erste, ursprüngliche, spannungsgebende Bewegung verstehen. Das 2. Kreuz bleibt aus dieser Bewegung in sich stehen, ein fixes Kreuz. Das soll ausdrücken, welche Form ich in mir finde, was aus der Dynamik für mich selbst entsteht. Das 3. Kreuz sucht nach der bewussten Erkenntnis oder will ganz einfach wissen, was Spannung und Ruhe geistig bedeuten. Als veränderliches Kreuz macht es uns darauf aufmerksam, dass keine Erkenntnis »fertig« ist!

Alle drei Kreuze schliessen die vier Elemente in sich, so dass die jeweilige Antwort dem darin stehenden Temperament entspricht. Wir können dem kardinalen Kreuz die roten, auffordernden Spannungsaspekte zuordnen. Das fixe Kreuz entspricht den blauen, ruhenden Begabungsaspekten. Das veränderliche Kreuz schliesslich lässt sich mit den grünen, fragenden Erkenntnisaspekten vergleichen.

Das 1. Kreuz ist der Anfang, die Urbe-wegung, der Urschrei, kurzum gilt dafür der Satz: Am Anfang bewegten sich Himmel und Erde. Mars in Widder ist jener Anfang = die Ichbewegung, die in Venus Waage zum dubezogenen Drang wird. Mit dem Mond in Krebs erfahren wir innerlich unsere seelische Tiefenbewegung und müssen diese in der Vertikalen, in Steinbock Saturn, als unsere beruflich-bewusste Dynamik verwenden. AC (Widder), DC (Waage) entsprechen der Frühlings- und Herbst-Tag- und Nachtgleiche; IC (Krebs) und MC (Steinbock) dem längsten und kürzesten Tag. Um sich jenen dauernden Fluss, jenes pan-ta rhei bildhaft vorzustellen, möchte ich daran erinnern, dass alle Kulturen an grossen Flüssen entstanden sind. Ob es der Euphrat, der Tigris, der Indus, der Jangtsekiang oder der Nil war, unablässig fliesst das Wasser und mit ihm auch die Erde hinein in das Meer. Dies Fliessen ist die in unserem Horoskop abrollende Zeit, ist die sich ständig um die Sonne drehende Erde. Die Sonne wiederum dreht sich in 25 900 Jahren um das Galaktische Zentrum, und damit gehört sie genauso in jene von Anfang an daseiende Dynamik. Wir wissen längst, dass es keine Fixsterne gibt, denn auch diese gehörenhinein in den unendlichen Kreislauf.

Das bedeutet praktisch, dass ich zuallererst selbst etwas tun muss, etwas in Bewegung setzen soll, bevor etwas auf mich zukommt! Bleibe ich in einer Dauerbewegung, dann falle ich dieser zum Opfer und habe keine »Zeit« mehr für meine eigene Form! So entspricht die Kontaktachse (1-7) mit Mars-Venus der eigenen Initiative, aus der ich zum Du hingehen soll. Die Wachstumsachse 4 Mond - 10 Saturn ist das ganz bewusste Wissen um den eigenen Lebensbaum, das mir allein mein Unbewusstes erklärt. Rote Aspekte als Aufforderung werden dann schmerzlich empfunden, wenn ich innerlich untätig geblieben bin.

Das 2. Kreuz ist die Mitte, welche zur eigenen Ruhe, zur persönlichen Form werden soll. Eine Fixierung entsteht immer dann, wenn ich gleichsam in

meiner selbstgebauten Burg drinbleibe. Das Kreuz beginnt in Stier mit Venus, mit der Freude an der Form; demgegenüber bedeutet Skorpion Mars eine sich innerlich wandelnde Form, das ursprüngliche Opfer. Die Eigenoder Selbstformung sehen wir in dem Sonnenzeichen Löwe, dem die uns zunächst überraschende Form der Intuition entgegensteht. Bildlich kann ich das 2. Kreuz auf die aus den Flüssen kommende angeschwemmte, fruchtbare Erde beziehen. Ackerbau, wie das Entstehen von Häusern, Kirchen und Städten lässt den Menschen sesshaft werden, ist die ewig bleibende Kultur, ein Wort, das von colere, von den Boden Umgraben herkommt. Das 2. Kreuz kann ich ebenso das Magische Kreuz nennen: das Opferritual, die Krönung des Königs oder die Totenfeier gehören genauso dazu wie der nur magisch zu verstehende Bann. Es ist interessant, dass die Talpunkte im 2. Kreuz immer einen neuen dynamischen Quadranten einleiten! So geht beispielsweise im 5. Zeichen Löwe der kollektiv-archetypische Raum von innen in den Du-raum hinein, oder der Du-raum verwandelt sich im 8. Haus Skorpion in meinen eigenen Individualraum. Damit wird eine, dem Talpunkt entsprechende, persönliche Änderung angesprochen, die, da introvertiert, keiner von aussen sieht. Die Besitzachse 2-8 mit Venus und Mars und die Beziehungsachse 5-11 mit Sonne und Saturn sollen behalten und hergeben, sie sollen selbstsicher machen und wissend empfangen.

Praktisch gesehen darf ich im 2. Kreuz nicht »drinbleiben« in einer Form, die ich dann als meine eigene Form bezeichne, - das wäre Fixierung! Vielmehr muss ich diese Form von innen stets wandeln, stets anders betrachten, denn aus dieser Ruhe heraus, diesem Tun im Nichtstun, kommen mir neue, aktive Kräfte zu. Ein Haus kann beispielsweise in der Form stimmen, wir fühlen uns da »zuhause«; es kann aber auch, was leider vielfach vorkommt, so »formverschoben« sein, dass mir eben dort keine neuen Kräfte zustos-sen werden. Blaue Aspekte verlangen, dass ich die mit ihnen gegebene Begabung richtig verwende.

Das 3. Kreuz wird mit veränderlich oder labil bezeichnet, und das wohl deswegen, da es sich von der Materie loslöst und sich auf das Hin und Her des Denkens und Glaubens bezieht. Im Gegensatz zu den vorigen Kreuzen wird es durch die Planeten Merkur (Zwillinge und Jungfrau) und Jupiter (Schütze und Fische) bestimmt, von Kontaktplaneten also! In Zwillinge finden wir den Wissensaustausch, man denke an das 3. Haus, das vom Alterspunkt der Schulzeit zwischen 12 und 18 Jahren entspricht. Der gegenüberstehende Schütze vergrössert den Raum, die geistigen und religiösen Ideale gehören hierhin. Jungfrau verlangt die dienende, sich einordnende Arbeit, während Fische in Opposition dazu aus der Fremdeinfühlung helfen kann. Ich sehe das 3. Kreuz als Brücke zwischen dem dynamischen und statischen Kreuz, von woher eine Antwort auf die ständig auftretenden Warum-Fragen gesucht wird. In den roten Aspekten (1. Kreuz) will ich die Ursache meiner Missgeschicke ergründen, und aus den blauen Verbindungen (2. Kreuz) möchte ich wissen, wie ich meine Begabungen am besten einsetzen soll. In beiden Fällen muss ich darüber nachdenken, muss sprechen oder schreiben, oder werde mich mit religiösen Problemen auseinandersetzen. Das »labile« Kreuz soll mir meinen eigenen Lebenssinn bewusst machen, oder sollte zumindest diesen Fragen gegenüber offen sein! Da ich allein mir nur eine halbe Antwort geben kann, brauche ich den geistigen Kontakt mit anderen Menschen, damit ist immer eine Kommunikation vonnöten. Deshalb bezieht sich das 3. Kreuz auf die grünen Aspekte, auf den grossen und kleinen Denkschritt, der weiter gesehen zur Erkenntnis führen soll. Jede Erkenntnis, die über die begrenzte Materie hinausgeht, kann nur esoterisch verstanden werden. Ebenso versuche ich über das 3. Kreuz den übersinnlichen Bezug zu meinem Gott wie-derzufinden! So macht mir die Denkachse (3-9) meine unbewussten, eben tiefen Gedanken bewusst, um an das glauben zu können, was ich sage. Ebenso muss ich mich im Kontakt, und das ist die Existenzachse (6-12), arbeitsmässig einordnen, um auf der Ichseite die Weisheit meditativ zu spüren.

Auch hier will ich praktisch daraufhinweisen, dass jede Übertreibung in eine Ausweglosigkeit hineinführt. Lese ich praktisch zu viel, nehme ich an allen mich interessierenden Kursen oder Vorlesungen teil, dann werde ich wis-sensmässig übersättigt. Ich vergesse dann das, was ich aus einem kosmischen Gesetz vergessen muss, damit mir noch etwas von meinem eigenen Raum bewusst bleibt! Die Zeit, sich selbst eine Antwort zu geben, der Raum zur Selbst- und Fremderkenntnis darf also nicht vom aufnehmenden Wissen zugeschüttet werden. Wir sehen also, dass alle 3 Kreuze aufeinander bezogen werden müssen, denn sie gehören zu einem Menschen und sollen ihm auf verschiedene Weise seine Mitte zeigen.