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Titel Ausgabe 16



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Zurück Ausgabe 16 vom 24.10.1983 • Seite 22ohne Login!

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Aspektbilder und Aspektfiguren, Teil 5

Hans-Peter Sauerwein

Bei einer rot-blauen Aspektfigur stehen die zwei Qualitäten Energie und Substanz in einem schöpferischen Widerspruch zueinander und verursachen damit ein Hin- und Herpendeln zwischen zwei Verhaltenspolen; sie erzeugen ein Schwarz-Weiss-Denken, ein »Alles oder nichts« -Gefühl. Durch das Hinzukommen einer dritten, der grünen Aspektart, wird aus der Polarität ein Prozess, und Zwischenräume, Grautöne bzw. Farbigkeit können entwickelt werden.

Laotse: Tao Te King: »Einheit schuf Zweiheit, Zweiheit schuf Dreiheit, Dreiheit schuf die zehntausend Wesen.« (Kap. 42 § 98, Reclam-Ausgabe, Stuttgart 1961).

Es ist das Prinzip der Information und Kommunikation, das zu den Prinzipien von Energie und Substanz hinzukommt.

Bei den Lernfiguren unterscheiden wir vier verschieden grosse Dreiecke und eine Trapezfigur. In den dreifarbigen Aspektfiguren begegnen wir einem Prozess, der durch eine kontinuierliche Krisenmechanik Wachstum bedingt und grosse Entwicklungschancen beinhaltet.

Betrachten wir zuerst die Dreiecke: Die grundsätzliche Einstellung und die Motivation zu dem Entwicklungsprozess und seinem Thema kann man an dem Aspekt ablesen, der dem inneren Zentrum am nächsten steht.

Die Krisenmechanik verläuft nun in drei Phasen: rot - grün - blau (Aspektierung).

Der dynamische Prozess fängt mit dem roten Aspekt (Quadrat) an. Konfliktpunkt ist die Berührungsstelle des roten mit dem blauen Aspekt. Des letzteren Ruhe und sein ausgewogener, genussorientierter Zustand (Sextil, Trigon) wird in irgendeiner Weise gestört. Es tritt eine Spannung auf, ein Reiz, ein Konflikt; irgendeine Entscheidung muss gefällt, eine Leistung erbracht werden. Der alte Zustand ist nicht mehr haltbar, ein Konflikt, ein Problem taucht auf und muss gelöst werden.

Im Quadrataspekt (rot) wird das Thema des Konfliktes offenbar. Das Problem bildet die scheinbare Unvereinbarkeit der Themen des blauen und des roten Aspektes. Aus dieser Widersprüchlichkeit sucht man mit dem grünen Aspekt eine Möglichkeit der Konfliktlösung zu finden. Man überlegt sich bewusst, wie man mit dem Problem fertig werden kann. In der Regel kann dann über Kommunikation und Informationsbeschaffung eine Lösung gefunden werden (grüner Aspekt). Nach der Methode »Versuch und/oder Irrtum« probiert man aufgrund der neu gewonnenen Erkenntnisse in einer noch unsicheren und labilen Haltung (grün/blauer Kontaktpunkt der Aspektfigur) einen neuen, harmonischen Zustand zu etablieren, der erst einmal den Anforderungen der anfänglichen Problematik genügt. Damit ist dieser Prozess abgeschlossen. Aber nur so lange, bis sich wieder ein neues Konfliktpotential entwickelt hat und die Krisenmechanik wieder in Gang kommt: Konflikt -Lösungsstreben - Harmonisierung.


In dem kleinen Lerndreieck ist der dem inneren Zentrum zugewandte Aspekt der Spannungsaspekt, das Quadrat. Der Umwelt zugewandt ist der harmonische Aspekt, das Sextil. Aus der inneren Spannung heraus ergibt sich eine Unzufriedenheit über die äussere, scheinbar befriedigende Situation. DieEntelechie, das innere Zentrum, stellt aus einer inneren Notwendigkeit zum Wachstum das Individuum vor die Entscheidung - in den Konflikt -, sich nicht durch die Gegebenheiten zufriedenstellen zu lassen.

Über das Halbsextil (grüner Aspekt) sucht man in der Umwelt nach neuen Informationen, um die Spannung des Quadrates zu lösen und um wieder in Harmonie mit der Umwelt leben zu können. Oft sind Menschen mit einer solchen Aspektfigur von einer inneren Unruhe und Unzufriedenheit getrieben, die sie ihrer Umwelt aber nicht erklären können, und ihre Antworten auf entsprechende Fragen erscheinen ausweichend. Die stumpfe Spitze dieses Dreiecks ist auf die Umwelt gerichtet, und sie ist grün - blau. Diese Aspektfigur füllt nur 1/4 eines Horoskopes aus. Den Menschen kommt es primär auf das prozesshafte Erleben des jeweiligen Lebensgebietes an. Sie sind nicht so sehr an einer inhaltlichen Aufarbeitung des Bereiches interessiert, sondern sie wollen sich selbst durch einen permanenten Kommunikationsprozess in diesem Gebiet erle-ben. Dieses kleine Lerndreieck ist nach dem «Auge« (siehe unten) die zweitkleinste Aspektfigur, die sich bilden kann; sie ist entsprechend stark an der Umwelt orientiert.

Bei dem anderen, mittelgrossen Lerndreieck, das auch einen Halbsextil-Aspekt hat, ist die Ausgangssituation ein innerlich ruhender Zustand, da das Trigon dem inneren Zentrum zugewandt ist. Diese innere Genussfähigkeit und Perfektionsneigung wird durch Konflikte und Probleme in der Umwelt erschüttert. Man wird durch die Umwelt aus der inneren Ruhe gerissen und muss aus der inneren Fülle Entscheidungen treffen und Leistungen erbringen. Die in dem Trigon angesammelten Erfahrungen und die Früchte der früheren Bemühungen werden durch die Umwelt immer wieder in Frage gestellt (Quadrat), und man will aufgrund seiner eigenen Perspektive (Trigon) die Umwelt verbessern und in ihr tätig sein, mit ihr notfalls kämpfen (Quadrat). Um dies zu erreichen, setzt man sich mit anderen in Verbindung, kommuniziert, reiht eine Information an die andere (grüner Aspekt), um der Aktivität die richtige Richtung zu geben und dann wieder zur inneren Ruhe zu gelangen, die sich nach vollbrachter Tat einstellt. Nach aussen wirkt dieser Mensch eher nervös, gereizt und ständig »auf dem Sprung«, da die der Umwelt zugewandte, stumpfe Spitze des Dreiecks eine rot-grüne Aspektierung hat (Quadrant beachten!).

Das grosse Lerndreieck (Fig. 15) hat als innere Motivation die Bewusstseinsentwicklung, das Lernen, die Sehnsucht nach Veränderung, denn der Quincunx-Aspekt ist dem inneren Zentrum am nächsten und nimmt dessen Ausstrahlung antennenartig auf. Allerdings umfasst auch diese Figur nicht die Horoskopmitte, so dass das Wachstumsinteresse auf den Bereich beschränkt bleibt, der von der Figur umschrieben wird. Auf die Umwelt gerichtet ist die rot-blaue Spitze des Dreiecks. Mit dem marsartigen Quadrat und dem venushaften Sextil vermittelt diese Figur der Umwelt eine ambivalente Haltung und die Neigung, Probleme schöpferisch lösen zu wollen. Der harmonische Zustand und seine inhärente Anpassungsneigung (Sextil) sind nur der Ausgangspunkt und werden aufgegeben, wenn ein echter Wachstumsanreiz gegeben ist. Man sucht die Spannung und geht einem Konflikt nicht aus dem Wege (roter Aspekt), da über die Konfliktspannung die Aufforderung und der Reiz erfolgt, eine entsprechende Suchhaltung einzunehmen und dem Streben nach einer Lösung des Konfliktes (grüner Aspekt) zu folgen. Die Gefahr dieser Figur liegt darin, zu leichte und zu einfache Lösungen (Sextil) anzubieten und dabei weiterhin im inneren Zweifel (Quincunx) zu leben, da man vielleicht zu früh den eigenen Harmoniewünschen und Sehnsüchten nachgegeben und den Realitätszwängen (Quadrat) nur kurzfristig Genüge getan hat.

Das Dominant-Dreieck unterscheidet sich grundsätzlich von den drei anderen Lerndreicken dadurch, dass es die Horoskopmitte, das Symbol für das innerste Zentrum des Menschen, umschliesst. Dies bedeutet, dass die gesamte Persönlichkeit von der Wachstumsproblematik betroffen ist. Dies wirkt sich nicht nur in einem Teilbereich aus, wie bei den kleinen Lerndreiecken, sondern strahlt auf alle Lebensbereiche aus. Diese kleinen Figuren sind viel beweglicher als die grossen, Sie sind Ausdruck für Prozesse, die immer wieder in einem relativ schnellen Rhythmus ablaufen, so dass dasErleben der jeweiligen Ereignisse und Prozesse erst einmal wichtiger ist als die thematischen Inhalte, welche austauschbar sind. Anders bei grossräumigen Figuren, die das Zentrum umschliessen. Bei einem Dominant-Dreieck z. B. verlaufen die Prozesse oft langsamer, aber dafür tiefergehend und umwälzender. Es geht hier immer um Wachstum und Transformation. Dabei ist die Freiheitsfrage von viel grösserer Bedeutung als bei denkleinen Lerndreiecken, die diesbezüglich in engerer Kommunikation mit der Umwelt stehen. Die eigenschöpferische Qualität steht beim Dominant-Dreieck im Vordergrund, das einer Persönlichkeit - bei erfolgreicher Problemlösung - eine umso stärkere Ausstrahlungskraft und Dominanz in der Umwelt gibt. Doch ist der Weg dorthin auch weit, da das Individuum zur erfolgreichen Problemlösung an die Quellen des Ichs dringen muss, es also nur aus seinem Persönlichkeitszentrum Lösung, Befreiung und Zielvorgabe erhalten kann. Ging es bei den kleinen Lerndreiecken hauptsächlich um das prozessuale Erleben und um das Wachstum der Persönlichkeit aufgrund immer wiederkehrender Krisen in einem Lebensbereich, so ist die grundsätzliche Problematik des Domi-nant-Dreiecks die in Form und Inhalt angemessene Art des Selbstausdruk-kes und die kreative Persönlichkeitsgestaltung. Das Ich orientiert sich am Trigon, d. h. über welche Erfahrungen, Erkenntnisse und Perspektiven es verfügt. Das Thema des Quadrates steht in der Regel in scharfem Widerspruch dazu bzw. weist die Richtung, in der eine Transformation zu erfolgen hat und Leistungen zu erbringen sind. Hier wird häufig die Erkenntnisfähigkeit auf eine Probe gestellt und / oder eine qualitative Änderung des aktiven, leistungsorientierten Selbstausdruckes verlangt. Eine häufige und einschneidende Erfahrung des Konfliktes (Quadrat) liegt im Erleben der eigenen Unzulänglichkeit bezüglich eines bestimmten Problems, von dem man annahm, es zu beherrschen (Trigon). Nun beginnt der Prozess der grossen Suche (Quincunx), der häufig eine Revision des Selbstentwurfes beinhaltet und über die Sehnsucht nach einer Wiederversöhnung mit sich selbst geht; man will wieder mit sich selbst in Frieden leben (Trigon) und das Leben gemessen. Dabei entwickelt man Projektionen, Vorstellungen, wie man selbst sein möchte oder wie die Lösung des Problems ausschauen sollte. Doch das Quincunx ist ein langfristig wirkender Aspekt, man muss viel Planung und Bewusstseinsarbeit leisten, eigene, neue Denkkategorien und Handlungsalternativen entwickeln, um Willensenergie zu bilden, um schliesslich aus einer neuen Sensivität in einer neuen Form (im blauen Aspekt) wieder zu einer Lösung und Harmonisierung zu kommen. Damit wird dann die bereits vorhandene Substanz vermehrt, die Früchte des eigenen Bemühens können besser genossen werden, und die Fähigkeit, Dinge in den richtigen Proportionen zu sehen, wird erweitert.

Auf folgendes ist bei der Horoskopbetrachtung unbedingt zu achten: Die Bewegungsrichtung der Wachstumsbzw. Lernprozesse kann unterschiedlich sein. Ist sie, ausgehend von der Aspektfolge rot - grün - blau, direktläufig (in der Reihenfolge der Tierkreiszeichen, gegen den Uhrzeigersinn), dann spricht man von einem Lerndreieck. Ist die Bewegungsrichtung hingegen retrograd, d. h. rückläufig (gegen die Reihenfolge des Zodiaks, im Uhrzeigersinn), so spricht man von einem Erfahrungsdreieck. Das heisst, es finden Entwicklungsund Lernprozesse auf zwei verschiedene Weisen statt: Einmal das klassische Lernen durch antizipatorisches Denken, sich auf ein Thema einstellen und es durch vorwegnehmendes Denken einzuüben sowie sich in vorbereitenden Übungen zu trainieren - eine eher aktive Haltung, mit dem Thema zurechtkommen zu wollen. Diese aktive Lernbereitschaft entspricht der Haltung der direktläufigen Lerndreiecke. Demgegenüber herrscht bei den Erfahrungsdreiecken eine eher passive Haltung vor; man ist weniger gewillt, sich aus der Position des blauen Aspektes zu entfernen und muss die Prozesse wiederholt erleiden, indem man durch die Erfahrung der Konfliktspannung zu gehen hat. Man muss die wiederholte Erfahrung machen, dass es möglich ist,für diesen scheinbar unlösbaren Konflikt eine Lösung zu finden. Wenn man sich nur auf die Suche begibt, dann kommt man auch zu einer Lösung. Somit gibt es -genau genommen - nicht allein vier verschiedene Entwicklungsdreiecke, sondern es sind acht Figuren.

Zu der Reihe der Lernfiguren gehört noch die Trapez-Figur. Sie ist eine Kombination von Lern- und Erfahrungsdreiecken. Aufgrund ihrer viereckigen Gestalt hat diese Figur einen tendenziell statischen Charakter, und es handelt sich hier, wie bei allen Viereckfiguren, um eine Sicherheitsthematik.

Das Streben dieser Figur ist es, einen dynamischen Zustand zu schaffen und zu erhalten, in dem ein ständiges Wachstum möglich ist. Diese Figur ist in ihrer Lern- und Krisenmechanik schwer zu verstehen, da hier kein klarer Ansatzpunkt zur Verfügung steht wie bei einem Lerndreieck. Sucht man nach der Zielrichtung dieser Figur, so muss man sich die Symmetrieachse des Trapezes anschauen. Diese fällt senkrecht zu den beiden unterschiedlich langen Rahmenaspekten, dem Sextil und dem Trigon, und schneidet den Kreuzungspunkt der beiden innenliegenden Quincunxe.

Der dynamische Wachstumsprozess läuft immer entlang der Symmetrieachse, also von dem die Basis bildenden Aspekt zu der Spitze bzw. auch umgekehrt. Dies gilt für dieses Trapez, aber auch noch für acht weitere Trapezfiguren, die ich nach der Erörterung der Reiz- und Wahrnehmungsfiguren noch besprechen werde.

In diesem Lerntrapez stellen die beiden blauen Aspekte (Sextil und Trigon) zwei thematische Ebenen dar, die in sich jeweils harmonisch, aber in ihrem gegenseitigen Bezug nach aus-sen hin durch eine massive Konfliktspannung getrennt sind; sie kommt durch die beiden Quadrate zum Ausdruck. Das bedeutet zum einen, dass die beiden harmonischen Themen zueinander in divergierender Konkurrenz stehen und darauf bedacht sind, ihre Eigenständigkeit und wechselseitige Unabhängigkeit zu beweisen. Zum anderen aber muss die Persönlichkeit sich bewusst werden und darauf achten, dass zwischen den ruhenden Ebenen ein essentieller Zusammenhang besteht (Quincunxe) und die Aufgabe darin zu sehen ist, mit grossem Bewusstsein und einer wiederholten Willensanstrengung die beiden Ebenen zusammenzubringen.

Hier kann dann die Dynamik der vier Lerndreiecke einsetzen, die ja jeweils zwei Erfahrungs- und zwei Lerndreiecke sind, und zwar in der Form von zwei Dominant- und zwei grossen Lerndreiecken. Durch den bewussten Bezug auf die Horoskopmitte können die beiden Quincunxe zu den steuernden Informationsleitungen werden, mit denen der schöpferische Gestaltungsprozess der polaren Rahmenaspekte und der Antagonismus von Energie (rote Aspekte) und Form (blaue Aspekte) gelenkt werden kann. Aus dieser kreativen Dynamik gewinnt die Figur ihren Beinamen »Erbauerfigur«, da sie befähigt ist, aus dem Verständnis von Lebensprozessen selber etwas Lebendiges und Dauerhaftes zu schaffen (Thema des Vierecks).

Das Entwicklungsniveau eines Menschen korreliert zu der Grosse und Kreativität der Aufgabe, die ihm gestellt wird. Diese Feststellung kann aber dem Horoskopbild allein nicht entnommen werden.