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Titel Ausgabe 16



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• Biografie

Epilog Thomas Ring

Bruno Huber/Rose-Marie Morger

Thomas Ring

28.11.1892 / 18.02 MEZ

Nürnberg/D, 49N 2710 / 11E 0440

(Daten: Thomas-Rmg-Stiftung)

Man kann einen Menschen - will man ihm gerecht werden - nur an seiner eigenen Generation messen. Denn alle folgenden müssen zwangsläufig »besser« sein, weil sie auf ihren Vorläufern aufbauen-können ... philo

Einen grossen Mann zu ehren, wie

THOMAS RING

scheint nicht leicht zu sein. Wir schrieben - nachdem wir von Thomas Ring's Hinschied erfahren hatten -an etwa zehn Astrologen,' von denen wir wussten, dass sie seine treuesten Verehrer waren, und baten sie um einige Worte über ihn. Leider haben wir nur eine einzige Antwort erhalten, die wir gerne hier abdrucken.

Thomas Ring kann man wohl zu Recht als den Grossen Alten Mann der deutschsprachigen Astrologie bezeichnen, der, auch in anderen Sprachräumen, nur wenigen Gleichwertigen (wie etwa einem Däne Rudhyar) gegenüberstand.

Gleichwertig im geistigen Format und im seelischen Tiefgang, gleichwertig in der Akribie seiner Menschen-Beobachtung und in der psychologischen Konsequenz seines Denkens. Einmalig aber sicher in seinem permanenten Bemühen, die Menschen - und damit auch ihre Horoskope - als Ganzheit zu erfassen und zu verstehen und menschlich in seiner wohl sehr starken, inneren Polarität zwischen Liebe und Bewunderung für den Menschen einerseits und Angst vor den Leuten andererseits. Denn »das Leben« hat ihn beileibe nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst. Das hat ihn wohl auch zum grossen Einsamen unter den Astrologen gemacht.

Nicht alle, die ihn gelesen oder gehört haben, sind zu blinden Verehrern geworden (das war auch nicht in seinem Sinne); aber keiner, der von ihm berührt wurde, konnte einfach blind seinen gewohnten astrologischen Trampelpfad weiterwandern. Und etwas besseres konnte einem Philosophen wie Thomas Ring nicht geschehen ...

Bruno Huber

Ich gehöre zu der glücklichen Gruppe von Menschen, die Anfang Juli am letzten Seminar, das Thomas Ring über »Problematik und ihre Lösung im Horoskop« auf dem Stoos hielt, teilnehmen durfte. In alter Frische und ungebrochener Vitalität zeichnete er, nur 6 Wochen vor seinem Tod, in einem einzigen Strich schwungvoll einen Kreis an die Wandtafel. In diesen seltenen Augenblicken (auch er hatte, wenn auch nicht gerade begeistert, in den letzten Jahren seines Lebens angefangen, mit Hilfe eines Hellraumprojektors zu arbeiten) spürte ich sehr stark die gestalterische Kraft, die aus seinem stark besetzten 5. Haus strömte. Thomas Ring, der wohl bedeutendste Astrologe unseres Jahrhunderts im deutschen Sprachraum, war auch ein begabter Dichter, Literat, Zeichner und Maler. In Museen hängen einige seiner Bilder, internationale Galerien stellten seine Werke aus, und selbst Kompositionen musikalischer Art gehören zu seinem Lebenswerk. Während des 3. Reiches erhielt er wie so viele andere Malverbot, und die Hitlerdiktatur vernichtete etwa 30 seiner Ölbilder und 250 Grafiken. Am 4. September dieses Jahres wurde

in Bad Wimpfen, nur wenige km von seinem Wohnsitz, Burg Stettenfels, entfernt, eine Thomas-Ring-Gedächtnis Ausstellung eröffnet. Es war das erste Mal, dass ich mit dem künstlerischen Schaffen Thomas Rings in Berührung kam. Die Vernissage, die in Anwesenheit des Künstlers geplant war, wurde nun für viele der Anwesenden zu einer schmerzlichen Abschieds- und Gedenkfeier für Thomas Ring, der 10 Tage vorher, am 24. August in Graz gestorben war. Die Feier wurde musikalisch sehr schön umrahmt, es wurden Gedichte aus der Feder Thomas Rings gelesen, die er noch selber auf dem Krankenbett ausgesucht hatte. Die Ausstellung, die leider nur bis zum 2. Oktober dauerte, zeigte abstrakte Werke von Thomas Ring aus den Jahren 1916 - 1983. Die Grundformen sind immer wieder erkennbar als Kreis, Quadrat, Dreieck. Die selben Grundformen, die wir in der Astrologie finden. Grundformen, die

aber nicht in ihrer radikalen Abstraktion dargestellt sind, sondern zu inein-andergehenden Formen verschmelzen oder sich überschneiden. Scharfes und Kantiges wird immer in harmonischer Weise zur bildlichen Einheit geführt.

Genauso hat Thomas Ring, der Astrologe, uns gelehrt, uns auszusöhnen mit unseren Oppositionen und-Quadraten, die Lösung über die harmonischen Aspekte zu suchen und so ein ganzheitlicher Mensch zu werden. Thomas Ring hat einmal gesagt, dass ein Bild als Folge eines inneren Themas entsteht: Bei der Betrachtung einer weissen Fläche versenkt sich der Maler in einen Zustand der Meditation, die in Identifikation mit dem vorliegenden Objekt übergeht, und dann entstehe das Bild aus sich, aus dem Unbewussten. Die endgültige Form stehe mit den ersten 3 Linien erst nach der Vollendung des Bildes wisse der Maler,

was tatsächlich entstanden sei, wenn er dann durch eine bewusstseinsgesteuerte Betrachtung das Gebilde reflektiere.

Thomas Ring war kein Freund der Horoskope, die der Computer fertig gezeichnet ausspuckt. Immer wieder höre ich seine Stimme, wenn ich auf diesen Formularen die Aspekte, je nach Orbis, verschieden dick nachziehe: »Hier ist der Kreis, und nun entsteht ein Mensch; mit jedem Strich, den wir einzeichnen, wissen wir mehr über diesen Menschen - aber alles steht nie im Horoskop,«Und der Astrologe und der Maler Thomas Ring sind dann eins. Genauso wie der Maler bei der Betrachtung einer weissen Fläche in den Zustand der Meditation geht, dann übergeht in die Identifikation mit dem vorliegenden Objekt, so sollte der gute Astrologe in einen Zustand der Meditation gehen bei der Betrachtung oder noch besser bei der Zeichnung des Horoskops und dann ganz in das Bild hineinschlüpfen und so den ändern Menschen intuitiv erfassen und schliesslich durch eine bewusstseinsgesteuerte Betrachtung dem Ratsuchenden sein Bild, sein Lebensthema bewusst machen. Ich glaube, das ist es, was Thomas Ring als die Kunst des Deutens betrachtet hat.

Zürich, 28.9.1983 Rose-Marie Morger

Aphorismen von Thomas Ring

Nicht alles, was schief geht, ist Schicksal. Es gibt auch Pech aus Mangel an Voraussicht.

Damit der Mensch sich im Kosmos begreife, muss er den Kosmos in sich verstehen lernen.

Wenn je eine Flucht sinnlos ist, dann die Flucht vor sich. Das Schicksal holt dich immer ein.

Vorwärts! Nur mit Hühneraugen gesehen ist das Leben eine schmerzliche Sache. Wer Wahrheit sucht, behalte den grossen Blick und stolpere nicht über situative Wichtigkeiten. Im kosmischen Mass sind es Nichtigkeiten.