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Titel Ausgabe 17



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Zurück Ausgabe 17 vom 22.12.1983 • Seite 2ohne Login!

• Astronomie

Das Gegenteil von rational ist nicht irr-rational

Bruno Huber/J.M.Haefeli

Zum Thema

Verfeindete Geschwister (Astronomie und Astrologie) ein Brückenschlag?

Das Gegenteil von rational ist nicht irr-rational...!

Denn, wenn dem so wäre, würden sich bereits Millionen von Menschen niemals mehr küssen. Mindestens der Teil der Menschheit, der in den Schulen gelernt hat, wissenschaftlich-ratio-nal zu denken, könnte einen Vorgang, bei dem Hunderttausende oder gar Millionen von Bakterien und Viren übertragen werden, nicht mehr vor seinem gesunden Menschenverstand verantworten.

Und trotzdem geht auch der gescheiteste Professor abens nach Hause, küsst seine Frau und albert mit seinen Kindern herum. Vielleicht ist er auch sonntags in der Kirche anzutreffen, oder er geht jeden Mittwoch zur Gruppentherapie, weil er mit sich und seiner Umwelt nicht in Frieden leben kann. Und kein Mensch wird ihn deshalb als einen zur rationalen Denkweise unfähigen Menschen oder als einen Spinner ansehen. Warum? Weil das Gegenteil von rational a-rational ist.

Alle Menschen - das weiss die Wissenschaft heute (z. B. die Kybernetik, die Erbbiologie, die Verhaltenspsychologie etc.) - verfügen über zwei Gehirnhälften, von denen die eine (die linke) rational-logisch denkt und die andere, rechte a-rational und emotional - oder einfacher: bildlich-gefühls-haft. Der Versuch, diese beiden Gehirnhälften, zum Beispiel bei Asozialen und Kriminellen, auseinanderzutren-nen, hat in vielen Fällen zum totalen Zusammenbruch des Persönlichkeitsbildes, ja zum Zurückfallen in einen tierhaften Zustand geführt. Deshalb sind solche Versuche heute in allen zivilisierten Ländern verboten. Woraus ersichtlich wird, dass die Verbindung zwischen den beiden Gehirnhälften - die Brücke zwischen dem logischen und dem »unlogischen« Denken ganz entscheidend zum Menschsein beiträgt.

Und heute polarisieren sich in der Menschheit diese beiden Gehirnhälften. Die »Irrationalen« sind auf dem Vormarsch. Sie werfen den »vernünftigen« Rationalisten vor, sie würden die Welt kaputt machen - und suchen in einer neuen Geistigkeit und alternativen Lebensformen den Sinn wieder-zufinden. Sollte man sich nicht vielleicht von beiden Seiten auf die Mitte zu bewegen?

Allzuviele Wissenschafter denken heute zu einseitig rational, logisch und vernunftsorientiert. Und alle nicht vernünftig erklärbaren Interessen und Tätigkeiten sind ihnen ein Greuel. Wie z. B. die Astrologie! Diese ganz besonders wahrscheinlich deshalb, weil sie sich erdreistet, rationales Wissensgut (Gestirnskonstellationen) a-rational zu deuten. Und das unbelehrbar so seit lausenden von Jahren.

Wir haben in der letzten Nummer einen Artikel aus ORION, der Zeitschrift der SCHWEIZERISCHEN ASTRONOMISCHEN GESELL-

SCHAFT zitiert. Hier noch ein Zitat aus einem Orion-Artikel (Nr. 177), der die Astrologie, in der Rezension einer pseudoastrologischen Zeitschrift, kurz und bündig als Aberglauben abtut. Diese Zeitung hat - nota bene - bald den astrologischen Geist aufgegeben. Die ASTRO-VITA heisst heute BIO-VITA, fährt jetzt auf den viel lukrativeren Gesundheitstrip ab und hat es mittlerweile nötig, Erotisches als Blickfang auf die Titelseite zu bringen. Wir zitieren Herrn Markus Griesser:


Der Aberglaube im Vormarsch

Die Geisierwell des Minela/iers isi in Bewegung geraten: Astrologie, Magie und verwandle Praktiken haben den Sprung ins 20. Jahrhundert wohl endgültig geschafft: Unter aktualisierten Bezeichnungen, wie etwa Bio-Kosmologie, Astro-Psychologte, PSI- und Ufo-Forschung, stolpern sie in neuem Gewand durch die Medien und die Köpfe gutgläubiger Zeitgenossen. Das Geschäft mit den Scheinwissenschaften blüht wie nie zuvor. Getragen von Angst und Unsicherheit suchen immer mehr Mitmenschen Trost und Zuversicht in der scheinbar heilen, doch trügerischen Welt des Aberglaubens, die geschäftstüchtige moderne Heilsbringer auch mit rüden Methoden zu vermarkten wissen. Das Feld, das sie mit so spektakulären Erfolgen bestellen können, nennt sich vornehm «Grenzwissenschaften». Klar, dass sich unter dieser irreführenden Bezeichnung gar mancher faule Fisch durch jene Reusen zwängen kann, die ihm der Gesetzgeber (noch immer) offen lässt. Wo liegt denn schon die Grenze der Wissenschaften?

Durch den Blätterwald helvetischer Kioske geistert seil neuestem ein farbenfrohes Blatt, das sich „Astro“ nennt. Es stammt aus deutschen Landen, dieses Blatt, Das sich im Innern aller....


Herr Jürg M. Häfeli, damals Mitglied der SAG, wollte solche Kritik nicht auf der ganzen Astrologie sitzen lassen, nahm sich die Mühe, einen »kritischen Diskussionsbeitrag« zu schreiben, und schickte ihn ans Orion. Wenn er glaubte, veröffentlicht zu werden, so hatte er Pech gehabt. Wir sind der Auffassung, dass der Artikel ohne Polemik sehr gute Punkte zugunsten der Astrolgie macht, und deshalb veröffentlichen wir ihn an dieser Stelle -immer noch ein Diskussionsbeitrag!


Krebsgang der Ratio

Im Visier üble Praktiken gewissenloser Geschäftemacher, hat er den Bogen eindeutig überspannt, wirft er doch Aberglauben und eine neu sich abzeichnende Geistigkeit zeitgenössischer Kultur in einen Topf. Das Interesse an den Grenzwissenschaften ist echt und ein tiefes Bedürfnis gerade junger Menschen. Es manifestiert sich auch im Ruf nach interdisziplinärer Forschung, zu einem Zeitpunkt, wo die Wissenschaften eben wirklich an Grenzen stossen. Stellen wir die Gegenfrage: wo liegt denn schon die Grenze zwischen Glauben und Aberglauben?

Berühren wir die Wurzeln heutiger Astronomie -und wir wundern uns nicht mehr über die Verwandtschaft von Sternenweisheit und Confession. (lat. confessio = ich bekenne). Die Überlieferung ist voll da von:» Wir sä -hen Seinen Stern aufgehen und kamen, um Ihm zu huldigen« (Matthäus 2, 2-3). »Da das ganze Gepräge des Himmels und alle Einzelheiten der geburtlichen Sternvereinigung

nachdauern, so bleibt die Seele auch ihrer besonderen Wesenheit durchaus getreu und gibt sie vor dem Lebensende nicht auf.« (Johannes Keplerin »Harmonices Mundi«). Den wenigsten sich mit Astronomie und Raumfahrt beschäftigenden Leuten ist wohl bekannt, dass alle Astronauten auf ihren Flügen intensive psychische Erlebnisse hatten, die sie in ihrer Persönlichkeit veränderten. Dazu Coloneljim Irvin (Apollo 15) im Buch »To Rule The Night«: »Es gab keine Vorbereitung für Auswirkungen spiritueller oder psychologischer Art. Sie haben uns so ziemlich wie Roboter trainiert, damit wir über

die Dinge berichten konnten, die wir sahen, und damit wir die richtigen Steine (vom Mond) zurückbrachten. Ich habe nie im Traum daran gedacht, dass ich in geistige Dinge verwickelt würde.«

Diese kleine Auswahl an Sternmythologie könnte man zurückführen bis zu dem Punkt, wo Astro-Nomie und Astro-Logie noch eins waren, zurück zu den Druiden von Stonehenge oder den Priester-Astrologen Chinas, Japans, Babylons... Die Reihe könnte fortgesetzt werden bis zu den prähistorischen, neolithischen Schamanen, die auf Felsen Kalender angelegt hatten, sei dies in Europa oder Amerika. (Vergleiche dazu die Forschungen von Dr. H. Liniger, Basel, und die Artikelserie im »Orion« Nrn. 188, 192, 195 über Prähistorische Kalenderastronomie von Harald Hindrichs.).

Das Wunderbare an den Sternenmy-sterien ist aber die Tatsache, dass sie auch heute noch erfahrbar sind. Die bemerkenswerte Erscheinung, dass die visuellen Durchmesser der Sonnen- und Mondscheibe nahezu gleich gross sind, führt überhaupt zum einzigartigen Schauspiel der Finsternisse. Mein Tagebucheintrag vom 16.2.1980 in Goa lautet zum Beispiel ausschnittweise: »15.05 Uhr es beginnt zu dämmern. Die Sonne ist genau dort, wo ich es mit dem Kompass vorausberechnet habe. Der Hir-te, der am Wasser sitzt, geht ein bischen in den Schatten des alten Baumes. 15,39 Uhr wird Venus sichtbar, kurz darauf Merkur. 15.40 Uhr: es herrscht Totalität. Ich habe deren Zone erreicht, meine Befürchtungen waren umsonst gewesen. Während dreier Minuten Stille, nur das Plätschern der Rinder im Wasser. Auch de Hirte sitzt ganz still un d beoba ch tet wie ich abwechselnd den Himmel und die Erde und das Wasser, auf dem die vom Westen kommenden Schatten vorüberhuschen. 15.43 Uhr. Während der letzte Sonnenstrahl oben verschwunden ist, kommt nun golden, silbern, glänzend, hell und warm der erste wieder hervor, aber unten an der Scheibe. Der riesige Schatten verschwindet in östlicher Richtung. Während der Totalität sehe

ich Merkur und Venus auf einer Geraden zur Sonne stehen, in einem steilen Winkel zum Horizont, der im Osten und Westen rötlich und gelblich schimmert. Im Norden stahlblau, Süden fast grünlich. Ich spüre, wie mein Körper vor der Finsternis in der Dämmerung ängstlich reagiert, sobald jedoch die Corona zu sehen ist, riesig, schön, ist dies vorbei. Alles ist ganz ruhig. Kein Klicken von Fotoapparaten, Erde, Mensch und Tier atmen das kosmische Ereignis. 16.50 Uhr die Vögel pfeifen wieder. Die Hirten gehen mit den Rindern dem Dorf zu.«

Doch braucht man nicht nach Indien zu reisen, um beim Anblick des ster-nenübersäten Nachthimmels etwas vom Geheimnis der Ewigkeit zu spüren. Ja nur schon das Auftreten der Jahreszeiten ist der Ausdruck eines einheitlichen, weisheitsvollen Zusammenwirkens, das man füglich als Astro-Logik bezeichnen darf, denn nur uns Menschen ist es dank unseres logischen Kombinationsvermögens gegeben, solche phänomenolo-gischen Ursachen zu entdecken. Das Sensorium dazu ist sicher nicht allen Menschen gleichermassen veranlagt. Welcher Gesetzgeber will aber dem verantwortungsbewussten Psychoanalytiker Jung'scher Schule verwehren, das Horoskop (griech. horo = Stunde, skopeion = Schauung) als taugliches Mittel der Persönlichkeits-findung einzusetzen? Ja, vielleicht sind wir einmal froh, wenn wir wieder unsere Landwirtschaft nach den natürlichen Rhythmen der Gestirne lenken können, ohne Anwendung von Kunstdüngern und Pestiziden, nach biologisch-dynamischen Gesichtspunkten? Sicher hat die moderne Astronomie, die sich mit Hilfe von Spektralanlayse, der Radiotelesko-pie, der Erforschung von Materie und Antimaterie, um eine neue Kosmologie bemüht, ihre Existenzberechtigung. Doch hüten wir uns davor, die einfache Sternguckerei und ihre logische Anwendung im irdischen Bereich zu verteufeln, es würde Rückschritt bedeuten. Bewahren wir unser Staunen vor den Wundern der Natur, im besten Sinne des Wortes!

Jürg M. Haefeli