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Titel Ausgabe 17



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Der Künstler Joan Miró und sein Horoskop

Fritz Gehre

Miro

Joan Miro

20.4.1893/20 h 49 Barcelona/E.

Das Horoskop als Ganzes

Auf den ersten Blick - und der ist oftmals sehr entscheidend - fällt die horizontale Lage des Horoskopbildes auf. Der nach aussen, zum Du hingehende Drang wird von Uranus, besonders aber von Saturn gehalten, gebremst, ja ich möchte sagen: ganz bewusst beobachtet. Auch das selbstkritische Zeichen Skorpion am AC vollzieht die Wandlung, den Reifeprozess zuerst bei sich, bevor es andere damit belastet. Der für mich deutliche Schwerpunkt liegt in der sich zusammenballenden Konjunktion von Venus Mondknoten mit Sonne Jupiter. Mit Stier in 6 arbeitet dieser Maler aus echter Lebensfreude und bringt aus dem 5. Haus in Widder genügend Selbstdarstellung und auch Selbstsicherheit mit. Aus dem Merkur davor, Spitze 5 Widder, kommt jene sprühende, ganz persönliche Unablässigkeit.

Die grüne Reizfigur (Saturn Uranus Merkur Jupiter) betont in ihrer horizontalen Lage das Zugehen auf den ändern; dazu kommt noch, dass die grünen Aspekte (3. Kreuz) immer mit Kontakt zusammenhängen! Doch müssen diese sensitiv bewusstseinsbildenden, aber zugleich auch informativen Aspekte gleichzeitig verstanden werden als ein ständiges Empfangen wie auch Auslösen von Reizen. Ich sehe darin viel innere Unruhe, ein ständiges Suchen und Fragen nach Erkenntnis, zurücknehmend auf der Ichseite (Uranus Saturn) und wissen wollend mit den Kontaktplaneten Merkur und Jupiter. In seinem Portrait hört man gleichsam das Lachen, sieht aber die sich zurücknehmende, beobachtende saturnische Kraft. Wie ein einfacher, echter Bauernschädel, neugierig, mit 7 Planeten im Duraum, dem gleichzeitig das Strahlen von Sonne Konjuntkion Jupiter nicht fehlt! Vielleicht entdecken Sie auch das intuitiv Wartende, das abwartenkönnen von Uranus in 12, also seine innere Zeit.

Eine Reizfigur hat ihren Namen auch deswegen, weil sich in ihr etwas verbirgt und nicht gezeigt wird: es sind die Oppositionen von Saturn Merkur in der Beziehungsachse und Uranus zu Sonne Jupiter in der Existenzachse. Gleichsam wie in einer Eigentherapie will er seine Reize in eine eigene Form umwandeln, obschon da Oppositionen immer durch die Mitte hindurchgehen. Vergrössere ich das Viereck der Reizfigur mit Neptun Pluto, kommt etwas Neues hinein, etwas, das über die Grenzen des Saturns hinausgeht, eine überempfindliche, die üblichen Grenzen sprengende Ebene! Dieses Viereck bleibt fest wie ein Zimmer bestehen, deswegen muss der Mond - den Krebs berührend, mit Sonne Venus Merkur und Mondknoten verbunden - hinausgehen, muss andere Perspektiven zeigen. Sehe ich im 8. Zeichen am AC schon das sich »vorbereitende« Ich, dann bedeutet der Mond im 8. Haus das Mosaik der viel-strahligen, sich stets wandelnden Gesellschaft. Damit werden also mythische Urbilder bewusst gemacht, und aus diesem Tun bleibt der Maler jung (Mond), wie es auch sein Portrait veranschaulicht. Der Mars am TP 7 bei Neptun Pluto verleiht ihm innere, und da der Mars fast freisteht, ganz eigenwillige Kraft; also das Tun kommt von * innen und deutet (Mars Zwillinge) auf die Verschiedenartigkeit der Bilder hin!

Wie malt Miro

Wenn Miro selbst sagt: »Surrealismus hat mir gefallen, denn die Surrealisten betrachten das Bild nicht wie einen Endzweck«, dann erkennen wir in dem Bild (Personnages dans la nuit) ein Universum nach ganz eigener Bezugnahme aufgebaut. So sehen wir Augen, Füsse, Sex, Insekten, Vögel; doch auch die unbearbeitete Materie wird beispielsweise in Federn, der Schnur oder Regenschirmen bearbeitet. Hier im Bild spüre ich das Schwebende, das ebenso wie das Horoskop zwischen unten und oben wie ein Vogel durch die Luft fliegt! Ich sehe die grünen, die tastenden Aspekte und vergleiche sie mit den vielen Linien, die ganz zart neue, sinnliche, venushaft runde Formen entstehen lassen. Wie von selber kommt während des Tuns (Mars) das Übersensible, die sich immer wieder ändernde Geistigkeit in das Bild (Neptun Pluto). Die leergelassenen Räume zwischen den Figuren entsprechen dem fast leeren Kollektiv- und Bewusstseinsraum im Horoskop. Und doch kommen alle Verschiedenheiten aus einer einzigen Bewegung heraus, eine Harmonie, die im Balanceakt des Horoskops sichtbar ist! Saturn gibt seine Form weiter an Neptun, an ein Darüber-hinaus-gehen. Das Bild wirkt weiblich, deutet den weiblichen Körper immer wieder anders an - ja, erst die tabuisierten Körperteile zeigen uns das Wesentliche in der Gestalt, lassen den Körper in seiner Totalität begreifen. Das 6. Haus in dem körperlich-freudigen Zeichen Stier wird durch Saturn, dem stärksten von den Individualplaneten, begrenzt, kristallisiert und macht damit die Form erst möglich.

Mit 47 Jahren in Mallorca, auf der Flucht vor der deutschen Invasion, stand er kurz vor dem 9. Haus in Krebs, gewann aus der Gesellschaft gleichsam seine eigene weite Perspektive. Der Mondknoten-AP auf 2° Jungfrau im Trigon zu Sonne lässt von seinem Wesen ältere, in ihm schon »vorgegebene« Bilder ausstrahlen.

Miros jenseitiger Bildbezug

Der Maler ist bereits 65 Jahre alt und geht vom AP auf Trigon Mond und Opposition Sonne Venus auf das 12. Haus Skorpion zu: Forderung, seine Kunst zu zeigen, und dies in seelisch verwandelter Form. Ich könnte auch sagen: eine »absolutere« Perspektive kann nur aus einem bewusst-medialen sich Zurücknehmen entstehen. Die spielerischen Formen werden in diesem Bild »Collages 1958« fester, eindeutiger; sie verlieren sich nicht, sind überschaubarer, konzentrierter! Wir sehen die Sonne rechts oben, den Mond, Sterne, den Jupiter, und wenn Sie wollen, links unten die Antennen des Neptuns. Was das Bild Miros so leicht fassbar macht für unser Empfinden, das ist der Goldene Schnitt, das Wissen um die eigene Mitte. Das Feste, so könnte ich es zu erklären versuchen, sind die Planeten bis Saturn -unser aufbauendes Wissen, das Alte, der mitgebrachte Mythos. Und erst die 3 transsaturninen Planeten geben dem Ganzen in ihren verbindenden, ihren »dahinterstehenden« Strichen jenes Gleichmass! Uranus verleiht der Sonne die intuitiv richtigen Setzungen und - parallel zu den Aspekten - Neptun und Pluto dem Saturn das geheimnisvolle und für alle (Neptun und Pluto in 7) zugängliche Weiterschreiten.

Der körperliche Ursprung des Menschen verwandelt sich in Sonne und Mond wie in die Sphäre des Sternhimmels! Diese leuchtenden Gegenwärtigkeiten seiner Malerei verbindet Miro auch mit der Literatur, so mit seinem Freund Breton oder mit den Metamorphosen des Ovid. Ist in seiner Weite nicht auch das Schweigen eines Mallarme darin, die Faszination von der Leere, die jedem offen steht?

Seine Saturnische Aussage in der Keramik

Zu Stein gehört natürlich auch die Plastik, doch was ich hier zeige, ist die Ceramica murale per il labirinto, also die farbig gestaltete Mauer. Das Werk hat eine Ausdehnung von cm 1125x200 und ist 1968 im Alter von 75 Jahren entstanden. Auch hier wird Miro von seinem Alterspunkt gefordert am Talpunkt im 1. Haus in Opposition zu Mars! Er kommt sich als der Miro otro = der andere Miro vor, der nicht nur malt. Vor allem wird mit Mars der eigene Ausdruck stärker und kommt am Talpunkt von innen, transmutiert die äusserlich und innerlich wahrgenommene Mauer zur ganz eigenen! Der stark stehende Saturn an der Spitze des 11. Hausesjn Waage gibt den Ideen im 2. Kreuz eine Form, macht sie sichtbar oder hält sie fest. Der Künstler will da ernst genommen werden, wie es besonders die Opposition zu seinem Merkur in der Beziehungsachse zeigt. Alle drei geistigen, den Saturn entgrenzenden Planeten (Uranus Neptun Pluto) beflügeln ihn, in weitere Räume einzudringen, ohne dass ihm die Festigkeit fehlt. Vielleicht ist die grüne Bindung von Saturn zu

Jupiter jenes »Glück«, das ich bei Miro einfach als Humor bezeichnen möchte - man sieht es im Portrait. Die Umsetzung, das Tun geschieht in der Mars-Spannung, die im Mondknoten-Alterspunkt auf 5° Widder zu Mars ein Sextil hat = die innere, die tiefere Schicht in dem Künstler läuft mit dem äusseren Handeln-müssen parallel!

Doch auch die Farbe spielt in Waage, dem Venuszeichen, die selbe Rolle wie in seinen Bildern, die auf die Stier-Sonne zu beziehen sind. Seine Farben möchte ich gerne mit dem Wort »ge-zügelt« bezeichnen, denn sie verwischen sich nicht oder verschwimmen irgendwohin. Die Farbgebung ist eindeutig, klar und »gewusst«. Ich denke an das Bild »La ferme«, der Bauernhof 1921, mit dem Blau des Himmels und dem schwarz gefiederten Baum wie dem Gelb im Stall. Ich sehe die Farben in einem meiner Lieblingsbilder = Femme et oiseau dans la nuit, Frau und Vogel in der Nacht von 1967, wo wieder der blaue Mond zu den schwarzen Strichgestalten passt und dazu das unendlich fein hineingetupfte Rot und Gelb!

Die Geburtszeit ist dem Buch Miro Catalan Universel von Pere Grimfer-rer, Edition Hier et Demain, auf S. 229 mit dem 20. April 1893 um 9 Uhr abends entnommen; die Zeit bezog sich damals auf Madrid, weswegen die GT = 9.00-0.14.15 = 8.45.16 ist.

Aus diesem Buch wurde das Bild »Personnages dans la nuit« entnommen, die anderen Bilder und das Portrait entstammen dem Buch: Joan Miro von Michael Tapie, Fratelli Fabri Editori.

Im Orginal und im Text erwähnten Bilder sind aus internetrechtlichen Gründen nicht eingefügt.

Mehr Infos zum Maler und seinen Werken Joan Miro im Internet auf wikipedia
Einen Bericht über Miro finden Sie auch im Astrolog Nr. 168