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Titel Ausgabe 18



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Zurück Ausgabe 18 vom 19.02.1984 • Seite 3ohne Login!

• Astrologie & Geschichte

Häusersysteme

Al H.Morrison

Äquale oder Inäquale?

Spätestens seit den Zeiten von PLACIDUS und MORINUS (17. Jahrhundert) ist es unter Astrologen übliche Praxis geworden über

Wert und Unwert verschiedener Häusersysteme zu streiten.

Dabei scheint es völlig vom Zufall abzuhängen, auf welchem System sich ein astrologischer Neuling schliesslich festläuft. Meistens

nämlich davon, welches Buch er zuerst liest, oder welchen Lehrer er hat, der ihn von der Astrologie überzeugt. Später kommt

es nur selten vor, dass einer zu einem anderen System konvertiert.

Ist das blosse Bequemlichkeit? Oder hängt der Astrologe seine Selbstachtung nicht vielleicht zu sehr an »sein« Häusersystem?

Und muss es deshalb um jeden Preis verteidigen - manchmal mit völlig unsachlichen, ja irrationalen Argumenten. Wie jene

amerikanische Astrologin, die ihr äquales System (alles gleichgrosse Häuser) mit der Behauptung auf den Sockel setzen wollte, es habe vor Regiomontanus gar keine anderen als Äquale Häuser gegeben.

AL MORRISON, New York, konterte mit Fakten. Recht interessante Fakten, wie uns scheint, die man eigentlich kennen sollte.

Wir zitieren ihn deshalb in Auszügen aus »Mercury Hour« Nr. 39.

Als Antwort auf die Zitierung von Loretta Pearce in »Moby Dick«, Seite l: »Niemand auf der ganzen Welt hat ungleiche Häuser angewendet, bis zum astronomischen Fehltritt von Regiomontanus im Jahr 1468.« Mir wurde gesagt, dass Campanus im 12. Jahrhundert, also 300 Jahre vor Regiomontanus, ein ungleiches Quadrantensystem vorgestellt hat. (Das Häusersystem des Campanus ist in USA nahezu ausser Gebrauch und deshalb vielen Astrologen unbekannt. Campanus lebte im 13. Jh./Die Redaktion).

In meiner Bibliothek habe ich Kopien des Originals von Regiomontanus aus dem Jahre 1468 sowie einiger anderer seiner Werke. Darin findet man eine Menge redegewandter Abhandlungen - natürlich alle in lateinisch -. Er verwendet sehr viel Raum für die Behandlung früher gebrauchter Quadrantensysteme und ihrer jeweiligen Vorzüge.

Ausserdem bin ich im Besitz von Text-Kopien Abram Zacuto's, die aus derselben Zeit stammen. Diese Texte wurden ca. 1488 vom Hebräischen insLateinische übersetzt und 1496 gedruckt. In diesen Texten sind Häusertabellen sowie eine Fixstern-Ephemeride eingebaut. Vor einigen Jahren liess ich diese Tabellen durch einen Computer-Fachmann überprüfen. Das Resultat zeigte, dass die Zahlen nach dem Alcabitus Häusersystem gerechnet sind, und zwar für die Breite 40° Nord; sie entsprechen dem 8 Jh. n. Gh., also der Zeit, in der Alcabitus lebte. Die Zahlen der angegebenen Fixstern-Positionen entsprechen wenn man die Präzession mit ihren exakten Bewegungen beachtet - ziemlich exakt im 8. Jh. n. Gh., - also lange vor dem 15. Jh., das bei »Moby Dick« zitiert wurde.

Es entsteht somit der Eindruck, dass Zacuto ganz einfach diese Tabellen von älteren Arbeiten kopiert hatte -eine normale Praxis in jenen Zeiten. Wie man wissen sollte, sind Häusertabellen abhängig von der Präzession; sie veralten also!

Das Verhältnis von MC und AC ändert sich mit dem Neigungswinkel der Polachse und damit auch die Lage der nördlichen und südlichen Wendekreise. Das ist Präzession.

Dies müsste in Betracht gezogen werden, bevor wir uns über die genaue Berechnung der Häuser in allen Systemen streiten. Die Genauigkeit wird illusorisch, wenn die Präzession nicht in die Berechnungen einbezogen wird

- leichte Ungenauigkeiten würden daraus resultieren.

Ich bin im Besitz einer Kopie des Buches »The Book of Instruction in the Elements of Astrology« von Abu'L-Rayhan Muhammad Ibn Ahmad AI Biruni, geschrieben in Ghazna, 1029 n.Ch. Der Originaltext ist arabisch und persisch wiedergegeben, mit einer englischen Übersetzung von R. Ramsay Wnght, M.A. Edm., LL.D. Tor & Edin., Emeritus Prof. of Biology, U. of Toronto. Luzac & Co., London, herausgegeben im Jahr 1934.

Im 11. Jh. n.Ch. - vor fast einem Jahrtausend also - beschreibt AI Biruni ausführlich die Unterteilung des ersten Vertikals, des rationalen Horizontes, sowie der Äquatorebene, um so verschiedene Häuser-Systeme zu erhalten. Er kommt zum Schluss, das natürliche oder Alcabitus-System - also dasjenige der ungleichen Quadranten -vorzuschlagen.

Natürlich waren die Arbeiten von Alcabitus im 11. Jh. veraltet, sein Name wurde auch von AI Biruni nicht erwähnt, genauso wie es in der 2. Hälfte des 20. Jh. in mehreren zeitgenössischen Werken geschehen ist.

Moby Dick behauptet in seinen weiteren Ausführungen, dass man in den letzten Jahrhunderten in England übereingekommen sei, nur das Äquale Häusersystem sei richtig. Wenn man die Literatur, die über Astrologie seit Gutenbergs Zeiten in England gedruckt wurde, überprüft, so stellt sich auch diese Behauptung als falsch heraus.

Isaac Newton, der ausschliesslich in lateinischer Sprache schrieb, übernahm - scheinbar zufällig - keine äqualen Häusersysteme, enthielt sich aber jeder Auseinandersetzung, ja jeden Dialoges mit anderen Astrologen, Philosophen, Metaphysikern, Theologen, Mathematikern. Er schrieb ganz einfach seine ureigenen Überlegungen nieder.

William Lilly (die Kapazität des 17. Jahrhunderts; Red.) verwendete das Regiomontanus-Häusersystem, wobei er ausschliesslich in englisch publizierte Literatur zu Rate zog. Wie ich herausfinden konnte, ist das Vorherrschen der äqualen Häuser in England erst kürzlich geschehen und war nicht Resultat von systematischen Untersuchungen. Die Dominanz dieses Häusersystems war historischer Zufall, weil einige Leute diesem System wohlgesinnt waren, die sich gerade im Zenith ihres Lebens befanden, sehr aktiv waren, sich hervortaten und dieses System bejahten. Gerade eine Persönlichkeit wie die verstorbene Margaret Hone schien die Hauptbefür-worterin zu sein, indem sie hauptsächlich das Placidus-Häusersystem ablehnte.

Um einige Unterscheidungen zwischen verschiedenen Häusersystemen zu machen:

Um beim Natürlichen oder Alcabitus Häusersystem die Zwischenhäuser zu bestimmen, rechnet man aus, wo sich der AC zwei Solarstunden später am Tag befinden würde, dann 4 Stunden weiter und so fort, bis man alle Häuser hat. Einige Jahrhunderte später - im 17. Jahrhundert - verbesserte der Mönch Placidus die Lehren des Alcabitus. Anstatt den AC um jeweils 2 Solarstunden zu den nächsten Häuserspitzen zu bewegen, wurde der sich wechselnde MC gebraucht, um die genauen Häuserberechnungen zu machen. Man berechnet, wo sich der MC in zuerst 2, dann- 4 Stunden usw. befindet.

In unserem Jahrhundert verbesserte Walter Koch die Alcabitus/Placidus-Ideen, indem er für die Berechnung aller Häuserspitzen nur eine Polhöhe - diejenige des Geburtsortes - verwendete.

Alle ändern Systeme hängen in erster Linie von wechselnden Unterteilungen der Hauptebenen ab, oder, wie z. B. im Falle der Äqual-Häusersy-steme, es werden nur der AC oder MC als einzige Berechnungsbasis angesehen, und dann laufend 30° auf der Ekliptik hinzugefügt, um zu allen ändern Häusern zu gelangen.

Aufgrund meiner Erfahrungen - 43 Jahre Studium und Praxis - reduziert das Äqualhäusersystem alle Betrachtungen auf die schiere Wiederholung (Harmonics) entweder des AC oder des MC. Dadurch werden in der Tat die Häuserspitzen einfach weggelassen, es wird übervereinfacht.

Ich bin der Meinung, dass die Alcabi-tus-Häuser die Grundhaltung des Horoskop-Eigentümers beschreiben -ohne Berücksichtigung der Umwelteinflüsse. Der AC ist der sich bewegende Grenzpunkt, der die darauf-fol-genden Häuser bestimmt. AC = persönliche Ausdruckskraft des Individuums.

Placidus beschreibt mehr das ursprüngliche Entwickeln im sozialen Gefüge, so z. B. das Verhalten gegenüber ändern Personen, oder wie die Engländer sagen, wie er »seinen Weg macht«. 10. Haus; Zielgebiet; die gegebene Position in der Gesellschaft.

Vergleicht man Koch- und Placidus-System miteinander, so enthüllt das Koch-System das tiefe innere Wesen des Menschen; so klar, als hätte sich dieser Mensch in stundenlangen psychiatrischen Sitzungen offenbart. Ich habe Walter Kochs Abhandlungen über seine Hintergründe des entwickelten Systems in der Origmalversion in Deutsch gelesen, und ich bin der festen Überzeugung, dass es weder sein Wille, noch seine Absicht, noch dass er sich bewusst war, auf diese psychologischen Hintergründe zu stossen, sondern sein System war ganz einfach Resultat systematisch mathematischer Berechnungen.

Im Grunde genommen sind alle der ca. 30 Häusersysteme ganz spezialisierte Methoden, jede einzelne entwickelt für eine spezifische Anwendung. Darum ist der anhaltende Streit über sogenannte »beste« oder »einzig richtige« Systeme auf dem Irrtum begründet, dass man übersehen hat, dass jedes einzelne System eine spezielle Aufgabe zu erfüllen hat.

Die Tatsache, dass weder das Placidus- noch das Koch-System für extreme Breitengrade gebraucht werden können, beschäftigt mich nicht sonderlich. Das Leben in extremen Breitengraden ist gemäss meiner eigenen Erfahrung sehr verschieden von dem Leben in äquatorialen oder gemässigten Breitengraden. In der Arktis muss man den verschiedenen Lebensstil annehmen, oder man geht unter.

In extremen Breitengraden werden alle Häusersysteme unbrauchbar; äquale Häuser werden rein symbolisch. Es ist kaum möglich, von solchem Geburtsort zum Universum und/oder zu unserem Solarsystem einen realen Bezug herzustellen. Am Nordpol selbst verschwindet der AC, er existiert ganz einfach nicht mehr. Vom nördlichen Wendekreis bis zum Pol muss der AC mindestens alle 24 Stunden retrograd sein. Versuchen Sie einmal, dies darzustellen!

Versuchen wir also nicht, uns zu dogmatisch über diese technischen Streitfragen auszulassen, bevor wir nicht unsere »Hausaufgaben« gelöst haben.

Wenn wir gerade von »Hausaufgaben« sprechen: während einigen Jahren interessierte ich mich für die Steinkreise und studierte sie zusammen mit Martin Brennan, der fähig ist, die Gravierungen in den alten Steinen von Irland zu interpretieren.

Es sind 600 verschiedene Steinkreise in England, Wales, Schottland und auf den umliegenden kleinen Inseln, ungefähr 1000 mehr in Irland, einige Hundert in Nordwest-Europa, 6 in der Ukraine, 2 in China, ein halbes Dutzend im prähistorischen Nordamerika bekannt. Das berühmte Stonehenge in England ist lediglich das neuest gebaute und wiedererbaute sowie das grösste, ist aber in keiner Weise das gebräuchlichste noch das wichtigste. Die Absteckungslinien der Steinkreise in Cairns, Domens und auch anderen prähistorischen Monumenten sind alle in Übereinstimmung mit der von blossem Auge ermittelten Astronomie der betreffenden Orte, an denen sie erbaut wurden.

Sobald Sie die Grundprinzipien der Einritzungen begriffen haben, können Sie selbst heute die Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge, Mondaufgang und Monduntergang von den jetzigen in Gebrauch befindlichen Steinkreise in Irland beobachten. Beim lediglichen Betrachten können Sie herausfinden, welches Datum wir haben und kalkulieren, wann die nächste sichtbare Mondfinsternis stattfinden wird.

Das von Martin Brennan erschienene 2. Buch »Stars and Stones« scheint vom politischen Druck seitens der Archäologen in seiner Aussagekraft eingeengt worden zu sein. Die Archäologen wollen die Eingravierungen als Dekoration oder Namen, die Kreise und Grabhügel als Grabstätten verstanden wissen und widersetzen sich der Vorstellung von prähistorischen astronomischen Sternwarten, die immer noch brauchbar sind.

Es ist wichtig, diese Feststellung zu erwähnen, denn das Aneinanderrei-hen der Steine wurde durch die verschiedenen Orte entlang der sichtbaren Horizontlinie bestimmt, an denen Sonnen- und Mondauf- und untergänge beobachtet werden können. In diesen relativ hohen Breitengraden existieren doch grosse Unterschiede im Ablauf der verschiedenen Jahreszeiten. Die Anordnung der Steine bildet gezwungenermassen ungleiche Quadranten, verursacht durch die entsprechende Astronomie unseres Solarsystems, sowie dieser Breitengrade.

Wenn wir uns auf den zentralen Stein stellen und über die entsprechenden Steinspitzen den Horizont betrachten, dann können wir mit eigenen Augen das ungleiche Quadranten-System des Horizontes erkennen.

Bis jetzt habe ich die Masse dieser Steinkreise nicht mit modernen Instrumenten überprüft. Doch sind die meisten von ihnen den Alcabitus-Häusern ähnlich, speziell dann, wenn die Stone Circles für nächtliche Beobachtungen geplant worden sind.

Aufruf an alle Äqual-Haus-Befürworter: Begleiten Sie mich nach Irland und lassen Sie mich Ihnen das ungleiche Quadranten Häusersystem, das vor 9000 Jahren in Gebrauch war und immer noch ist, zeigen. Ein solcher Kreis ist unter anderem auch eine lokale Ephemeride.

Übersetzung: Ellen Schaad und Ursula Hunkeler