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Titel Ausgabe 19



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Zurück Ausgabe 19 vom 19.04.1984 • Seite 2ohne Login!

• Astrologie & Geschichte

Der Tierkreis und die Antike

Bruno Huber

Der Stier

Lat. TAURUS, engl. the Bull, fr. le Taureau, it. il Toro.

Der Stier erscheint in allen antiken Kulturen als eine der frühesten genau bezeichneten Konstellationen - wenn nicht überhaupt als älteste bekannte Tierkreisfigur. Wahrscheinlich weil in der Zeit zwischen ca. 4000-1700 vor Christus an der Frühlings-Tag- und Nachtgleiche jeweils die Sonne in diesem Sternbild stand. Für die Kulturen dieses »goldenen Zeitalters der archaischen Astrologie« markierte Stier den in Blütenpracht aufbrechenden Frühling - und damit den Beginn des Jahres schlechthin. In allen antiken Zo-diakdarstellungen steht deshalb der Stier in exaltierter Stellung - zumeist ganz oben.

Bei den alten Ägyptern gar (Apis-Stier-Symbolik älter als Pyramiden) herrschte die Auffassung, dass der Mensch geschaffen worden sei, als die Sonne im Stier stand. Und im frühen hebräischen Zodiak erscheint der Bulle als »A« oder »Aleph« - als der erste Buchstabe des Alphabets. (Bei Moses sind »seine Hörner die Hörner eines wilden Ochsen«.)

Die Stierkulte vorderasiatischer und mediterraner Kulturen jener Zeit (Stierzeitalter) sind hinlänglich bekannt. Von ihnen stammt auch ein ganzer Sagenkreis der den Stier mit Europa in Zusammenhang bringt (Zeus, in einen Stier verwandelt, entführt so die Europa). Selbst Ptolemaeus noch (2. Jahrhundert nach Christus) identifiziert das Zeichen Stier geradeaus mit Europa als kontinentaler Landschaft.

Die Antike stellte Taurus vorwiegend als einen halben Bullen dar (Kopf, Hörner und Vorderbeine); er wurde als »kauernd«, »mit gebeugten Knien« oder als »in Angriffs-Stellung« bezeichnet, weil seine Beine im Himmelsbild als abgeknickt erscheinen (siehe ASTROLOG-Titel Nr. 7).

Hier kommen drei grundlegende Stierqualitäten zum Ausdruck, die wechselweise auftreten können: a) der

Hang zur Bequemlichkeit, b) das Gebeugtsein unter der Last der Arbeit (er zieht einen Pflug - er »ackert«) und c) die massive Angriffigkeit wenn ihn der (heilige) Zorn erfasst.

Häufig ist auch der Bezug zu den Pleyaden (Siebengestirn), die sich im Sternbild am Nacken des Stiers befinden. Sie werden in Darstellungen entweder als Taube auf dem Nacken stehend gezeigt (die Taube ist das beliebteste Symbol der Venus) als Ausdruck von Sanftmütigkeit und Reinheit, oder als drei nackte Jungfrauen auf dem Kopf zwischen den Hörnern (die drei Grazien oder Gnaden).

Zwillinge

Lat.: GEMINI, engl. the Twins, fr. les Gemeaux, it. i Gemelli.

Das Konzept eines »Himmels-Paares« ist allen Kulturen - seit grauen Vorzeiten - gemeinsames Bild von dieser Konstellation. Die Angelsachsen nannten sie »Twisan« und die Normannen »Freres« (Brüder). Die genaue Sinngebung von Zwillinge aber taucht erst in der klassischen (also griechisch-römischen) Periode auf. In der Mythologie dieser Zeit sind sie zuerst ein irdisches Bruderpaar, das dann aber, als Belohnung für ihre unverbrüchliche Bruderliebe, von Zeus in den Himmel erhoben wurde. Da sie in ihrem Erdendasein als Söhne der Leda geboren wurden, hiess die Konstellation zunächst: Ledaei Fratres, Ledaei Juvenes und Ledaeum Sidus. Noch Dante nennt ihren Ort am Himmel »Nest der Leda«.

In der Folge spricht man in den verschiedenen Kulturen auch von den beiden als Individuen: Castor und Pollux - Apollo und Herkules - Triptolemus und Jason - ja sogar die legendären Gründer der Stadt Rom - Romulus und Remus - werden mit ihnen identifiziert usf.

Castor, Sohn des Tyndarus, ist ein Reiter. Er ist der sterbliche von den beiden; optisch ist er auch der lichtschwächere, (und für die Astronomen ist

»Alpha Geminorum« einer der interessantesten Doppelsterne!). Erst Jahrhunderte später, im Mittelalter, wird er auch APOLLO genannt.

Pollux, Sohn des Zeus, und als solcher unsterblich, ist ein Boxer. Er ist der lichtstärkere »Beta Geminorum« -auch er ein, wenngleich optisch schwer trennbarer, Doppelstern. Im Mittelalter wird er oft HERKULES genannt.

Hier, in Rückkoppelung zur Antike, wieder ein Bezug zum Herrscherplanet der Zwillinge. Merkur kann (wie Venus) als Morgen- oder als Abendstern sichtbar werden. Aber die Alten (vor der christlichen Zeitrechnung) wussten nicht, dass diese beiden ein und derselbe Planet sind. Sie gaben ihnen deshalb zwei verschiedene Namen. Die Ägypter nannten den Morgenstern Set und den Abendstern Horus - die Griechen resp. Apollon (der Liebliche) und Herakles (der Funkelnde).

Dass man die beiden nicht als einen erkennen konnte, liegt an der schnellen Bewegung, dem quecksilbrigen um-die-Sonne-tanzen des Merkur (Merkur = Quecksilber!). Zwischen Morgen- und Abendstern-Sichtbarkeit liegt oft weniger als ein Monat.