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Titel Ausgabe 19



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Zurück Ausgabe 19 vom 19.04.1984 • Seite 14ohne Login!

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Grundwissen. Die Temperamente Feuer und Wasser

Fritz Gehre

Elemente und Kreuze

unter besonderer Berücksichtigung der Jung'schen Typologie

Feuer und Wasser

Habe ich bisher die Elemente gleichsam archetypisch aus ihrer Eigenbeschaffenheit zu erklären versucht, so will ich sie jetzt auf die vier psychologischen Typen von C. G. Jung beziehen. Von da aus wird ihre Beziehung zu den drei Kreuzen, ob tätig, bewahrend oder mitteilend, von der psychologischen Seite noch eindeutiger sein. Ich zitiere aus »Typologie« von C. G. Jung, Walter-Verlag, S. 199: »Als solche Grundfunktionen kann man die Empfindung, das Denken, das Gefühl und die Intuition bezeichnen.« In der Astrologie sind es in dieser Reihenfolge: Erde, Luft, Wasser, und Feuer.

Ich beginne mit Feuer, also der Intuition, worunter Jung die Wahrnehmung auf unbewusstem Weg versteht oder die Wahrnehmung unbewusster Inhalte. Dazu ist eine gewisse Erwartungseinstellung vonnöten, etwas nicht nur anzuschauen, sondern hineinzuschauen! Ich kann es als schöpferisch bezeichnen, wenn ein Mensch in ein Objekt ebensoviel hineinbildet als er davon herausnimmt. Was dabei verdrängt wird, weil es am hinderlichsten ist, ist die Empfindung, die gleichsam ins Unbewusste »versinkt«. Die Empfindung, das Erdelement also, stört die reine, die unvoreingenommene Anschauung durch aufdringliche Sinnesreize. Cit. S. 60: » ... so erstrebt die Intuition die Erfassung grösster Möglichkeiten, weil durch die Anschauung von Möglichkeiten die Ahnung am allermeisten befriedigt wird.« So könnte man sagen, dass Empfindungen als blosse Anhaltspunkte nur so lange wertvoll sind, solange sie neue Möglichkeiten erschliessen. Aber auch Denken = Luft oder Fühlen = Wasser können von sich aus der intuitiven Kraft keinen nachhaltigen Widerstand entgegensetzen! Von hier aus verstehen wir die eigene Moral dieser Menschen, die lediglich ihrer persönlichen Anschauung treu bleibt. Auch in den rücksichtslosen, abenteuerlichen Unternehmern, die mal hier, mal dort sind, sich also verzetteln, finden wir diese Typen. Geht die Persönlichkeit in dieser nach Möglichkeiten suchenden Unruhe selbst leer aus, dann rächt sich das Unbewusste.

Würde sich die Intuition auf sich beziehen, wäre sie also introvers, entstünden Bilder, die in der äusseren Welt nicht anzutreffen sind, also Inhalte des kollektiv Unbewussten. Cit. S. 95: »Die intuitive Tätigkeit hält das Bild fest und konstatiert mit heftiger Anteilnahme, wie sich dieses Bild verändert und weiter entwickelt und schliesslich verschwindet.« Das sind mithin vom Objekt losgelöste, für sich existierende Bilder, die wie Jung sagt »aus dem gebärenden Schoss des Unbewussten« entstehen.

Aus diesem archetypischen Bezug wird uns die Prophetie verständlich, der mystische Träumer, der Phantast und Künstler. Bei letzterem wird es sich immer um weltentrückte Dinge handeln, die weit von der sichtbaren Wirklichkeit entfernt sind. Oft finden wir das verkannte Genie, das ähnlich dem Narren in der Tarotkarte 22 auch weise ist! Überempfindlichkeit, somit hypochondrische Erscheinungen können eintreten, wenn der Betreffende seine Visionen nicht in sein Leben einbeziehen kann, wenn er als Prediger in der Wüste sich zu weit von der Logik entfernt.

Beziehe ich die Intuition auf das kardinale Kreuz in Widder, dann muss ich gleichsam intuitiv etwas tun: Punkte setzen, begeistern, wie ich sagte: die Flamme anzünden, ob richtig oder falsch. Es ist das Wagnis, der Mut -und letzterer muss aussagen können, wie ich etwas wahrnehme aus meiner ganz persönlichen Perspektive, ob es für den ändern logisch einsichtig ist oder nicht! Ein Hauptanliegen dieser Menschen ist es, Werte zu setzen, die in keine Erfahrung hineinpassen, und damit meine ich, die traditionsungebunden sind. Lebendige Werte sind es, die aus unmittelbarer Einsicht kommen und ebenso »unbewusst« sind wie die Archetypen.

Im fixen Kreuz, in Löwe, wirkt die Intuition nach innen, es entstehen im Hineinschauen meine eigenen Bilder als »neue« Archetypen. Diese entstandenen Formen sollen bewahrt und zu eigen gemacht werden, dann geben sie dem Betreffenden Sicherheit, Rückhalt und vor allem eine schöpferische Potenz. Auch hierin liegt das Risiko des intuitiven Alleingangs. Alleine im und mit meinen Bildern zu sein, verlangt deren Ausgestaltung, ob künstlerisch im Abbild oder in der Darstellung meines Ichs. Das heisst: Je mehr ich die Bilder verstehe, umso deutlicher erkenne ich durch sie mein eigenes Wesen - ich werde sicher!

Im veränderlichen Kreuz, in Schütze, kann ich beispielsweise als Lehrer andere und damit neue Möglichkeiten weitergeben. Nicht ethische Gesetze und Vernunft sind dann wichtig, sondern das Leben selbst, also auch das, was durch Worte allein nicht gelehrt werden kann! Das Vermittelnde, das hier in der Intuition liegt, betrifft den persönlichen Kontakt, der dadurch immer wieder in einer anderen Perspektive gesehen wird. Deswegen sind Aussprachen und Diskussionen die Voraussetzung, damit die Bindungen nicht in einen »kollektiven Schlaf« hineinfallen.

Das Wasser, das Fühlen, bedeutet für Jung eine Funktion subjektiver Werterteilung, was soviel aussagt, dass das Gefühl uns sagen soll, wie und in welchem Grade etwas für uns wichtig oder unwichtig ist. G.G. Jung sieht das Fühlen rational, d.h. in hohem Masse der Vernunft unterstellt, während wir es astrologisch irrational, d.h. von subjektiven Gesetzen abhängig verstehen. In der Empfindung, der Erde, läuft es umgekehrt: Jung sieht sie irrational, während sie astrologisch rational, also aus einem objektiven Zustand verstanden werden sollte. Das Gefühl ist mithin dem Einfluss der Objekte unterwofen, was dann die diesbezügliche Einpassung zur Folge hat - so Jung. Doch auch wenn ich das Gefühl nicht vom Umwelteinfluss abhängig mache, sondern von mir selbst, also subjektiv, kann ich von Einpassung sprechen. Diesmal ist es meine eigene Einpassung, die aus mir kommt, unabhängig /on »draussen«! Was das Fühlen be-

deutet, kann mit meinen eigenen Wert-massstäben sich auf alle sozialen Unternehmungen beziehen: Konzerte, Kirche, Mode, kurzum Veranstaltungen, die aus dem Herzen kommen.

Jede Person kann sich aus verschiedenen Gefühlen zeigen, sie ist mal so, mal anders. Das zur Schau getragene Gefühl, oder die Laune aus irgendeinem Anlass beispielsweise machen deutlich, wie weit das Gefühl nur Maske sein kann und kein persönlicher Ausdruck mehr ist! Auf das Objekt, also auf die mitmenschliche Beziehung ausgerichtet sagt Jung, cit. S. 51: »Je stärker die bewusste Gefühlsbeziehung ist und je mehr sie darum das Gefühl 'ent-icht', desto stärker wird auch die unbewusste Opposition.« Doch auch umgekehrt, wenn also das Ich nicht dem Du gefühlsmässig verfallen ist, kann jene Ichleere eintreten: dann nämlich, wenn ich selbst mein Gefühl übertreibe, aus ihm zu stark, zu einseitig lebe! Unbewusst kommen dann sexuell-infantüe Vorstellungen, die mit dem negativen Denken und seinen Vorurteilen zusammenhängen.

Zieht sich dieser Fühl-Typ auf sich zurück, also introvers, dann finden wir die stillen, mimosenhaften Frauen, wie in dem Sprichwort: »Stille Wasser gründen tief.« Es ist schwierig für sie, sich in einer eigenen Form auszudrük-ken, deswegen bleiben diese Menschen oft in einer sentimentalen Eigenliebe stecken, sie bespiegeln sich selbst. Nach aussen harmonisch und unauffällig im Erscheinungsbild, kann dies zu einer Gleichgültigkeit für das Wohl und Wehe der anderen werden. Eine Melancholie, die gleichsam in sich selbst befangen bleibt. Die Gefühle wirken »abgekühlt«, da man sie aus Angst oder Scham nur in ganz gedämpfter Form zeigen kann. Dahin gehört die gefühlsmässig ängstlich gehütete Religiosität, wie überhaupt die geheimnisvolle Macht, die von erfüllten, unbewussten Bildern ausgeht. Cit. S. 86: »Diese Macht wird aber vom Bewusstsein leicht auf das Ich bezogen, wodurch der Einfluss verfälscht wird im Sinne der persönlichen Tyrannei.« Das Bewusstsein dieses Menschen vermag also genau zu fühlen, was die ändern denken. Eine Fremdeinfühlung, die helfen kann, sie kann aber ebenso benützt werden, um über andere zu herrschen! Krankheitlich sieht Jung die Neurosenform als neurasthe-nisch und körperlich die Blutarmut (Anämie).

Das Wasser im kardinalen Kreuz, in Krebs, soll subjektiv zu diesen tiefen, eigenen Gefühlen stehen, ja soll sich ihrer über die Wachstumsachse bewusst werden! Die Tätigkeit besteht darin, seine archetypisch-gefühlsmässige Grundhaltung in kulturell wichtigen öffentlichen Kreisen zu zeigen. Das soll sagen, dass ich aus mir selbst herausgehen soll, um künstlerisch harmonische Werte zu setzen, die aus dem Herzen kommen. Damit sind diese Werte direkt und unmittelbar wie ein selbstgemaltes Bild! Benützt eine Persönlichkeit ihren Gefühlsbereich, aktiviert sie ihn also, dann wird das Schöne in allen seinen Färbungen ein positives Gegengewicht zum grauen Alltagsverstand sein.

Im fixen Kreuz, in Skorpion, wird das Fühlen kritischer angeschaut, wohl deswegen, weil alles Bleibende sich verdichtet und damit das Wasser geheimnisvoll macht. Jene erwähnte, sich zurückziehende, sich verschliessende Eigenschau gehört hierher. Schöpferisch wird diese Selbstzurücknahme erst dann, wenn ich mich selbst im Gefühl ändere, anders werde! Ich möchte es mit dem Talpunkt vergleichen, der im 360°-Tierkreis auf 12 V2° Skorpion liegt: eine Wandlung kann nur dann stattfinden, wenn ich zuerst das Gefühl meditativ in mich hereinlasse, um es dann anders und grösser zu empfinden.

Das veränderliche Kreuz Fische soll das Fühlen in der heilenden, helfenden und vor allem der liebenden Form weitergeben. Jene erwähnte ängstlich gehütete Religiosität muss ich als mein gefühltes, ganz persönliches Gottesbewusstsein weitergeben! Die Fremdeinfühlung, ob in Musiktherapie oder in sogenannter geistiger Heilung = Übertragung meiner gefühlsmässigen Strahlkraft auf andere, gehört in das kommunikative, das dritte Kreuz. Auch alle geistigen Kreise, Vereine oder Schulen, die vom Gefühl getragen sind, zählen dazu. Im Weitergeben wird das persönliche Fühlen umfassender, grösser und medialer, wie es uns der Planet Neptun aus Fische sagt!