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Titel Ausgabe 19



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Aspektbilder und Aspektfiguren, Teil 7

Hans-Peter Sauerwein

Informationsfigur


Das »Auge« ist die kleinräumigste Aspektfigur. Ein Planet steht über zwei Halbsextilen mit zwei anderen Planeten in Verbindung, die ihrerseits durch ein Sextil verbunden sind. Diese Wahrnehmungsfigur ist in ihrer Funktion auf alle Seiten hin ausgerichtet, sowohl in den Innenraum des Horoskopes als auch auf die Umwelt. Deren Reize nimmt das Auge besonders stark auf. Man kann sich diese Figur als rotierenden Radarschirm vorstellen. Es ist eine hochdynamische Aspektfigur, die immer aufnahmebereit ist. Verbunden mit dem ständigen Bemühen, Informationen zu sammeln, sie zu assimilieren und den eigenen Blickwinkel zu erweitern, ist ein starker Bewegungsdrang. Verständlich, denn je mehr man sich bewegt, je mehr man durch verschiedene Landschaften und Gesellschaften kommt, um so mehr erfährt man und erhält mehr Eindrücke. Hier hängt es vom weiteren Aspektbild ab, was die betreffende Persönlichkeit mit den Informationen anfängt und wie die Perspektive spezialisiert ist (Häuserstellung des »Auge« beachten!). Je nach Bewusstseinsstufe kann man einen nur neugierigen Menschen vor sich haben oder einen, der auch etwas mit den Informationen anfängt.

Ende der Siebzigerjahre (1978) bildeten die drei höheren Planeten so eine Augenfigur. Neptun (Schütze) stand im Sextil zu Pluto (Waage) und dazwischen, an der Spitze des Dreiecks, Uranus (Skorpion). Diese - mit Unterbrechungen - weit über ein Jahr auftretende Aspektfigur war prägend für die Zeit gewesen, und in die entsprechenden Geburtenjahrgänge ist ein neues, kollektives Wahrnehmungsvermögen eingepflanzt worden. Durch die Stellung dieser Planeten in den Zeichen des dritten Quadranten wurde möglicherweise eine neue, transzendente Schau gesellschaftlicher Bindungen und Zusammenhänge offenbar. Die Entwicklung eines neuen Bilderbewusstseins (Jupiter), das einen Gegensatz und eine Ergänzung zu dem heutigen Begriffsbewusstsein (Merkur) darstellt, kann in dieser Zeit breitenwirksam und doch für das Individuum erfassbar vermittelt worden sein (einsetzender Mikrochip-Boom, Personal Computer etc). Die Aspektfigur, die immer häufiger in Horoskopen der jüngeren Generation zu finden ist, ist eventuell ein Ausdruck für eine veränderte Wahrnehmungsfähigkeit, die besser in der Lage ist,

die schnellebigen Prozesse und die Fülle der Informationen, die in der heutigen Zeit gegeben sind, aufzunehmen und zu verarbeiten. Es sei hier an die Fernsehtüchtigkeit vieler Jugendlicher erinnert und an ihre gleichzeitig bemerkenswerte Fähigkeit, problemlos und oberflächlich mit den neuen Medien (TV, Video, Computerspiele) umzugehen.

Bei spirituell orientierten Menschen kann durch diese Figur ein neues Naturerleben erfahrbar gemacht und eine höhere und ganzheitliche Inspiration und Vision erlebt werden (Ökologiebewegung und neue Religiosität?).

Projektionsfigur

Die Projektionsfigur ist in ihrer Funktion mit einem Diaprojektor oder einem Filmvorführapparat vergleichbar. Eine Projektionsquelle, der Treffpunkt der beiden Quincunxe, strahlt auf eine Leinwand, das Sextil. Wie beim Diaprojektor sich die Lichtquelle und das Bild in seinem Inneren befinden, dort aber nicht direkt wahrgenommen werden können, sondern in der gewünschten Grosse nur auf der zugehörigen Projektionsfläche, so wird das unbewusste Thema des einen Planeten auf das Thema des Sextils übertragen. Die Projektion ist ein sich unbewusst ereignender Prozess, in dem eigene, aber als solche nicht erkannte Themen und Bilder nach aussen in die Umwelt übertragen werden. »Projektion ist die Hinausverlegung eines subjektiven Vorgangs in ein Objekt« (C. G. Jung). Die Projektionstätigkeit ist eine allen Menschen (mehr oder minder) eigene psychische Verhaltensweise und findet sowohl auf der individuellen wie auf der kollektiven Ebene statt. Beispiele für kollektive Projektionen sind die verschiedenen Göttervorstellungen, die auf z. B. Planeten, Tiere, Steine etc. bezogen sind.

Menschen mit einem Projektionsdreieck in ihrem Horoskop sind stärker diesem Projektionsprozess ausgesetzt, haben jedoch auch die Möglichkeit, mit kontinuierlicher Bewusstseins- und Willensarbeit diesen in der Regel unbewussten Prozess kreativ zu beeinflussen. Viele Bereiche des Themas bzw. des Prinzips, das der Planet repräsentiert, der an der grünen Spitze dieser Aspektfigur steht, sind dem Horoskopeigner zuerst unbewusst. Er

neigt dazu, das Thema nicht dieser entsprechenden Planetenfunktion zuzuordnen, sondern er sieht sie nur auf seinem Projektionsschirm, in dem Sextil. Befinden sich zudem noch ein oder mehrere Planeten innerhalb des Sextilaspektes, was häufiger vorkommt, so konzentrieren sich seine unbewussten Themen auf diese. Die beiden Quincunxaspekte umschliessen das innere Zentrum, und sie nehmen als Sensitivaspekte antennengleich die Informationen und Energien des Zentrums auf. Die Projektionsfigur ist die einzige der drei Wahrnehmungsfiguren, die das Zentrum (Wesenskern) umfasst. Vom Zentrum erhält die Figur die Motivation zu Bewusstheit, die aber primär zugunsten des Planeten geht, der die spitze Ecke des Dreiecks bildet. Von hier kann die Figur ihren kreativen Charakter bekommen, und es gilt der beschriebene dreiphasige Lern-und Bewusstseinsprozess (Abschnitt: grüne Aspekte, vor den Lernfiguren). Aufgrund der Wünsche und Sehnsüchte entwickelt man eventuell einen Plan, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Dieses Ziel wird dann meistens dem (den) Haus (Häusern) entsprechend formuliert, in dem das Sex-til gelagert ist. Die Bewusstsemleistung besteht neben dieser Zielerreichung vor allem in einer Rückbindung des Themas an den Planeten, auf den die beiden Quincunxe weisen. Damit wird die Projektion zurückgenommen und Realitätszuwachs gewonnen. Ansonsten besteht die grosse Gefahr, dass man seine eigenen Wünsche und psychischen Prozesse (z. B. Ängste, Bedrohungsvorstellungen) für die äussere Realität hält, diese damit verkennt und sich seiner eigenen Gestaltungsfreiheit beraubt.

Projektionsvorgänge sind z. B. die Übertragungen idealisierter oder dämonischer Bilder auf einen geliebten Partner, der dann überhöht wahrgenommen wird und nicht mehr so, wie er real ist, die sogenannte »rosarote Brille«.

In umgekehrter Wirkungsrichtung besteht dieser Projektionsprozess ebenfalls. Man nennt ihn dann »Introjektion« und versteht darunter die Hineinnahme eines Objektes in das Subjekt. Beispiel: die Identifikation mit einer von der Umgebung übernommenen Wertung oder Haltung.

Allen Wahrnehmungsfiguren, speziell aber dem »Auge« und dem Projektionsdreieck, ist die Eigenschaft gemeinsam, aufgrund ihrer Sensibilität manchmal die genaue Grenze zwischen dem Innen und Aussen zu verlieren. Sie beziehen dann alle Prozesse und Ereignisse auf sich bzw. sie projizieren innere Themen nach aussen und können dann von der Fülle des Wahrgenommenen überwältigt werden. Deshalb ist Bewusstwerdungsarbeit, Differenzierungsfähigkeit und die Stärkung des Persönlichkeitskernes notwendig, um Bindungen durch Projektionen auflösen zu können.

Fortsetzung folgt