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Titel Ausgabe 19



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Zurück Ausgabe 19 vom 19.04.1984 • Seite 8nur mit Login!

• Deutungspraxis

Das Kinderhoroskop, Teil 1

Ursula Hunkeler/Team

Deine Kinder sind nicht deine Kinder. Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst.
Sie kommen durch dich, aber nicht von dir, und obwohl sie bei dir sind, gehören sie dir nicht.

Du kannst ihnen deine Liebe geben, aber nicht deine Gedanken. Du kannst ihrem Körper ein Heim geben, aber nicht ihre Seele, denn ihre Seele wohnt im Haus von morgen, das du nicht besuchen kannst, nicht einmal in deinen Träumen.

Du kannst versuchen, ihnen gleich zu sein, aber suche nicht, sie dir gleich zu machen.
Denn das Leben geht nicht rückwärts und verweilt nicht beim Gestern.
Du bist der Bogen, von dem deine Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.

Lass deine Bogenrundung in der Hand des Schützen Freude bedeuten.

Kahlil Gibran

Für oder Wider?

Ein Kind ist unterwegs »unser Kind«, »mein Kind«. Und die Eltern beginnen, schöne Vorstellungen zu entwickeln. Wird es vielleicht ein kleiner Stammhalter, der einst in die Fussstapfen des Vaters tritt, der mit viel Einsatz sein Geschäft aufgebaut und zur Blüte gebracht hat? Jedenfalls soll es ein gesundes, gescheites, hübsches und liebes Kind werden ...

In Gedanken geht man seine eigene Kindheit durch und weiss sehr schnell, dass man es anders, besser machen wird. Man denkt an Kinder von Nachbarn und Freunden: nein, so wie der kleine widerborstige Trotzkopf Peter oder gar die weinerliche Susi von nebenan, so wird »mein« Kind nicht. Das wird man schon zu verhüten wissen, denn schliesslich ist das alles nur eine Sache der Erziehung. Es wurde in unserer heutigen Zeit sehr viel geschrieben über moderne Kindererziehung – also liegt es nahe, sich mit der diesbezüglichen Literatur auszustatten. Denn man möchte ja alles richtig machen und schliesslich will man »nur das Beste für sein Kind«, ein Satz, den das Kind im Laufe des Lebens gelegentlich zu hören bekommt... Bleibt die Frage, was ist denn wirklich das Beste für das Kind?

Ausgestattet mit viel positiven Gedanken und mehr oder weniger theoretischem Wissen hält man eines Tages stolz ein kleines menschliches Wesen auf seinen Armen. Nur eines, das wesentlichste hat man nicht beachtet, nämlich dass das Kind in seiner individuellen Art einmalig ist, wie jeder Mensch in seiner Art einmalig ist.

Kahlil Gibran hat dies wunderschön ausgedrückt:

Wenn wir dem Kind in dieser Weise begegnen, bringen wir ihm, seinem innersten Wesen Respekt und Achtung entgegen. Und wir werden erst gar nicht beginnen, es nach unseren Vorstellungen, nach unserem Willen formen zu wollen. Wir werden versuchen, es in seinen individuellen Anlagen zu fördern, seine Originalität aufzuspüren.

Es kann dann gar nicht passieren, dass wir glauben, die starke, überlegene alles-wissende Mutter (oder Vater) zu sein, ganz einfach darum, weil wir uns bewusst sind, dass wir in unserem Kind einen gleichwertigen Menschen vor uns haben. Der einzige Unterschied, der besteht ist, dass dieses kleine Wesen seinen persönlichen Lebensweg, all seine individuellen Erfahrungen noch vor sich hat, während wir einen Teil bereits hinter uns (vielleicht auch bewältigt...) haben. Wir sind uns bewusst, dass unsere Erfahrungen nicht diejenigen unseres Kindes sein werden, so wie die Erfahrungen des Kindes nicht die unseren sind. Und wir werden verstehen lernen, dass wir unserem Kind schmerzhafte Erfahrungen nicht abnehmen können (oder sie gar verhindern wollen), nur weil wir schon »ähnliche« gemacht haben und zu wissen glauben, wie »es herauskommt«. Wir werden unserem Kind seinen individuellen Erfahrungsraum zugestehen, in dem es seine »Fehler« machen und daran lernen darf. Eine oft schwierige Aufgabe, da für die Eltern eine ständige Forderung besteht, der sie sich manchmal nicht gewachsen fühlen - anderseits eine ungeheure Möglichkeit, an den eigenen Kindern selbst immer wieder dazuzulernen.

Es ist das wichtigste in der Erziehung, für die individuelle Eigenart des Kindes Verständnis aufzubringen und dafür sensitiv zu werden. Wenn wir davon ausgehen, dass in jedem Kind ein individueller Wille, ein individueller Plan verborgen liegt, dann müssen wir dem Kind auch zugestehen, sich nach seinem Bilde entfalten zu können.

Die individuelle Eigenart des Kindes, seine Anlagen, die in ihm stecken, besser zu erkennen, bietet das Kinderhoroskop ein ideales Instrument.

Im Kinderhoroskop ist nicht nur die Einmaligkeit des individuellen Menschen sichtbar, sondern auch seine Schwächen und Stärken wie auch mögliche Hindernisse und Hemmungen in der Entfaltung des innersten Wesens. Dies zeigt sich im Horoskop in der Verschiebung zwischen Tierkreiszeichen (Erbanlagen) und Häusern (Umwelt) sowie in der Lagerung des Aspektbildes.

Bereits die Betrachtung der drei Persönlichkeitsplaneten im Kinderhoroskop, also:

Sonne – Selbstbewusstsein der Vater

Saturn Körperbewusstsein, Schutzbedürfnis die Mutter Mond Gefühls-Ich das Kind ist aufschlussreich. In welchen Zeichen, welchem Haus stehen sie, wie sind sie aspektiert? Wir können sehen, wie die Eltern oder das erziehungswirksame Kollektiv (Saturn und Sonne) auf das Kind (Mond) einwirken, fördernd, hemmend oder gar blockierend. Und umgekehrt auch, wie das Kind seine Eltern empfindet und auf sie reagiert. Mehrere Kinder können in derselben Familie aufwachsen und jedes dieser Kinder ist anders. Jedes reagiert in seiner ihm eigenen Art. Genauso wie umgekehrt die Eltern nicht in der gleichen Art auf ihre verschiedenen Kinder reagieren, gar nicht auf dieselbe Weise reagieren können. Immer wieder hört man von Eltern: »Ich behandle doch alle meine Kinder gleich, warum habe ich gerade mit diesem Kind Schwierigkeiten? ...« Dies ist entweder eine Selbsttäuschung, oder man versucht, alle seine Kinder in ein Br-ziehungsschema zu zwingen; dies muss eines Tages zu Schwierigkeiten führen. Denn das Kind ist kein beliebig formbares Neutrum, sondern eben ein Wesen mit eigenem Willen, den man nicht einfach brechen darf. Wir werden in der nächsten Nummer anhand von praktischen Beispielen naher auf die verschiedenen Themen eingehen.

Ja, es spricht grundsätzlich alles dafür, das Kinderhorskop in der Erziehung zu Hilfe zu nehmen. Bedenken sind höchstens in der Art und Weise der Anwendung, bzw.der Deutung anzumelden. Da ist z.B.von Computer-Deutungen eher abzuraten. Denn diese Horoskop-Beschreibun-gen gehen nur auf die Planetenstellun-gen in den Zeichen und Häusern (letzteres bei weitem nicht immer) ein. Der Computer ist nicht programmiert, das Aspektbild zu deuten. Und gerade dies ist grundsätzlich wichtig, wenn man den Menschen in seiner Ganzheit verstehen lernen will. Bildlich verglichen: was nützt es mir z.B., wenn ich die Funktionsweise eines Fahrrades verstehen möchte, wenn ich eine Kiste voller Einzelteile erhalte und nicht weiss, wie ich diese sinnvoll zusammensetzen soll...

Es ist auch nicht vorbehaltlos zu empfehlen, dass Eltern, die begonnen haben, sich ernsthaft mit Astrologie zu befassen selbst wenn sie schon einige Kurse besucht haben die Horoskope ihrer Kinder selbst deuten. Denn als Mutter (oder Vater) hat man zu seinen eigenen Kinder zu wenig Distanz, und am wenigsten Distanz hat man wohl zu sich selbst.

Ich kann mich z.B. sehr gut erinnern, wie ich (nachdem ich den Kurs, in dem die drei Persönlichkeitsplaneten erklärt wurden) mal die Saturnstellung in den Horoskopen meiner drei Kinder »unter die Lupe« genommen hatte... Bei der ältesten Tochter steht der Saturn im 11. Haus. Ich starrte beinahe entsetzt darauf, denn ich wusste aus der Theorie, dass er natürlich nicht in diese »luftige« Höhe gehört. Als Trost dachte ich mir, aber immerhin gehört er (auch) in den Wassermann ...

Bei der zweiten Tochter atmete ich bereits etwas auf: der Saturn stand im Kollektivraum, aber er ist abgehängt, erhält keine Aspekte ... Endlich bei der dritten Tochter schien alles »in Ordnung«, der Saturn steht nahe dem IC und erhält sogar Aspekte .., Ich hatte mal primär Schuldgefühle und dachte, um Himmels willen, was hab ich denn da alles falsch gemacht, was bin ich nur für eine Mutter - Dies ist ganz bestimmt nicht der Sinn der Sache, denn aus Schuldgefühlen heraus beginne ich erst recht falsch zu handeln.

Was ich damit sagen möchte ist, dass es unbedingt zu empfehlen ist, sich die Horoskope seiner Kinder von einem seriösen astrologischen Berater erklären zu lassen. Denn er ist unbelastet und hat die nötige Distanz zu Eltern und Kindern.

(Fortsetzung in der nächsten Nummer)

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