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Titel Ausgabe 19



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Zurück Ausgabe 19 vom 19.04.1984 • Seite 20ohne Login!

• Theorie der Astrologischen Psychologie

Die Persönlichkeit, Teil 1

Louise Huber

Sonne, Mond, Saturn in den Häusern

Wie bereits angekündigt, beginnen wir in diesem Heft mit der neuen Serie über die Stellung der drei Persönlichkeitsplaneten in den zwölf Häusern. Bevor wir damit anfangen, möchten wir kurz erklären, was wir unter »dreifältige Persönlichkeit« verstehen. Eine ausführliche Darstellung dieses Themas wird demnächst mit der Autodidacta-Broschüre »Die Persönlichkeit und ihre Integration« zur Verfügung stehen.

Weitere Einzelheiten können auch aus dem Artikel »Das Familienmodell«, Heft 4, 5 + 6 entnommen werden.

Die dreifältige Persönlichkeit

Für unsere Betrachtung ist es wichtig, drei Ebenen der Lebenserfahrung zu unterscheiden, auf denen unsere Persönlichkeit jeweils durch einen Ich-Pol verankert ist.

Wir unterscheiden:

1. das physisch-körperliche Ich: Saturn,

2. das emotional-gefühlshafte Ich: Mond,

3. das mental-denkende Ich: Sonne.

Diese drei Ebenen sind Erlebnisbereiche des Ichs, die wir relativ leicht mit unserem normalen menschlichen Bewusstsein erfassen können. Sie sind sofort für alle Menschen verständlich und einleuchtend - weil sie organisch sind. Jeder kann sie in sich selbst spüren und als Wirklichkeit erleben.

Das Körperbewusstsein: Saturn

Im Aufbau unserer dreifältigen Persönlichkeit ist Saturn der körperliche Ich-Pol, das Körperbewusstsein. Warum das so ist, wollen wir kurz erläutern. Saturn galt schon seit jeher als das Prinzip der Form, der Abgrenzung. Die Körperlichkeit ist eine abgegrenzte Form und in unserem Persönlichkeitsaufbau der sichtbare, materielle Teil. Den Körper können wir sehen, anfassen. Es ist die Haut, die seine Form bestimmt und die uns gegen die Umwelt abgrenzt. Sie hat neben der Fähigkeit des Tastens und Spürens auch eine Schutzfunktion.

An der Stelle des Saturn im Horoskop ist u.a. ersichtlich, ob wir gesund, stark und sicher sind und für uns selbst sorgen können und ob wir eine natürliche Abgrenzungsfähigkeit und daher die Abwehrkraft (Immunität) besitzen. Aber auch, ob wir schwach, krank, ängstlich und unsicher Schutz und Sicherheit bei anderen Menschen suchen. Saturn gibt auch darüber Auskunft, ob wir fähig sind, Selbstverantwortung zu tragen und m welchem Masse wir die physische Wirklichkeit ernst nehmen.

Die Grundmotivation des materiellen Lebens und damit des Saturn heisst: Sicherheit.

Fühlen wir uns wohl und sicher, dann ist auch das Körperbewusstsein in Ordnung. Lauert irgendwo eine wirkliche oder eingebildete Gefahr, dann gehen wir automatisch in eine Abwehrhaltung.

Ist die Lebenssicherung auf irgendeiner Ebene nicht gewährleistet, so ist Angst die Folge. Saturn ist auch das Gedächtnis, das alle Erfahrungen speichert und uns warnt, Fehler wiederzubegehen, also der Erfahrungsschatz, das Gewissen, der Neinsager. Er ist einerseits der Angstpol in uns, damit wir Gefahren vorbeugen können, andererseits aber auch das Urvertrauen, das Wissen, dass die grosse Mutter Natur für ihre Kinder sorgt und alles bereitstellt, was sie zum Leben brauchen.

Das Gefühls-Ich: Der Mond

Die zweite Ebene ist die Gefühlswelt, dem Wasser vergleichbar. In ihm reflektiert sich unser Mond-Ich und alles, was uns gefühlsmässig anspricht. Als Gefühlsmensch erleben wir uns ausgesprochen subjektiv. Wir brauchen Kontakt, Beziehungen, Liebe, Harmonie, Schönheit, um uns wohl zu fühlen und um uns selbst zu spüren. Ohne Kontakt nehmen wir uns selbst auf der Gefühlsebene nicht wahr. Dazu brauchen wir die Umwelt, die anderen. Kommt jemand offen und herzlich auf uns zu, dann freuen wir uns und sind glücklich nimmt uns jemand nicht wahr und lässt uns links liegen, dann spüren wir das tief in unserem Gefühlsich als Schmerz, als Zurückweisung wir leiden.

Die Gefühlsebene ist eine Welt der Gegensätze, Gefühle von Freud und Leid, von Sympathie und Antipathie wechseln hier wie Ebbe und Flut. Der Mond mit seinen Phasen ist das Symbol dafür. Er hat kein eigenes Licht, sondern wird durch die Sonne angestrahlt, damit er sichtbar ist. Es gibt Neumond, Vollmond und die Stellungen dazwischen. Nichts ist stabil, alles ist im Flies-sen. Genauso ist unser Ich-Gefühl instabil, wechselhaft, launisch und abhängig von der Umwelt. Wir wollen geliebt sein und von anderen anerkannt und bewundert werden. Wir fürchten uns davor, einsam zu sein und ohne Liebe leben zu müssen. Wenn wir alleine sind, haben wir vielleicht auf irgendeine Erfahrung negativ, abweisend, kaltherzig oder zu subjektiv-ichhaft reagiert.

An der Mondstellung im Horoskop können wir herausarbeiten, wie wir auf die Wechselhaftigkeit und auf die Gegensätze dieser Ebene reagieren. Pendeln wir von einem Extrem zum anderen, von Aktivität zu Passivität, von Liebe zu Hass, von Anziehung zu Abstossung; oder bleiben wir gelassen? Verlieren wir uns vollständig an andere Menschen, weil wir unmündig bleiben wollen und gefühlsmässig abhängig sind? Wie verkraften wir Liebesenttäuschungen? Glauben wir trotz negativer Erfahrungen noch an die Liebe und bleiben kontakt- und liebesfähig, oder verschliessen wir uns verbittert und sinnen auf Rache? Lernen wir aus Erfahrungen und bemühen uns, aus diesem Pendelschlag herauszukommen und eine Stabilität, ein Gleichgewicht zu erreichen? Welche Konsequenzen ziehen wir aus den Gegensatzpaaren und wie überwinden wir die Subjektivität des kindlichen Gefühls-Ich. All diesen Fragen gehen wir nach, wenn wir die Mondstellung im Horoskop betrachten; aus ihr leiten wir auch in erster Linie die Kontaktfähigkeit eines Menschen ab.

Das Verstandes-Ich: Die Sonne

Im Gegensatz zum Mond strahlt die Sonne aus sich selbst heraus. Sie benötigt niemanden, um bestätigt zu werden. Sie ist autonom. Das bewusste Selbst kann sagen: »Ich denke, also bin ich.« Als Ich-Pol im Menschen ist sie das »Ego auf der Mentalebene«, das Selbstbewusstsein schlechthin und die wichtigste Instanz der Persönlichkeit. Der Begriff Selbstbewusstsein ist ja schon aus zwei Teilen zusammengesetzt: Selbst und Bewusstsein. Das Sonnensymbol verdeutlicht dies mit dem Kreis und dem Punkt in der Mitte. Eine abgeschlossene, in sich ruhende und auf die Mitte konzentrierte Wesenheit. Die Sonne als Zentralgestirn stellt im Horoskop das gestaltende, schöpferische Prinzip dar. Mit dem Sonnenbewusstsein stehen wir zu unseren eigenen Gedanken, Überzeugungen, Meinungen. Wir sagen ohne Angst vor Kritik, das ist meine Meinung, meine Erfahrung, die kann mir niemand nehmen. Das denkende Selbst hat also die direkteste und offensichtlichste Funktion des Bewusstseins, und deshalb ist der Begriff »ich denke« das eindrücklichste Zeichen eines bewusst lebenden und intelligenten Menschen.

Das Selbstbewusstsein der Sonne ist schon am Ausgangspunkt bis zu einem gewissen Grade differenziert. Wir können uns dem anderen Ich, dem wir begegnen, bewusst gegenüberstellen und im Verlauf des Lebens unsere Denkfähigkeit objektivieren, unsere Unterscheidungs- und Urteilsfähigkeit differenzieren. So können wir klar und deutlich die Welt auf uns beziehen und immer bewusster reagieren, und zwar als Ich-Instanz. Es geht darum, dass wir uns unserer selbst bewusst und sicher sind, dass wir von unserer Existenz als Individuum überzeugt sind. Auch dass wir das Recht besitzen, so zu sein, wie wir sind, dass wir genau so richtig sind, wie wir geschaffen wurden und zu uns selbst »Ja« sagen können. Das ist einer der Punkte, der bei der Integration oder Psychosynthese sehr erheblich ist. Wie viele haben in der Jugend Schädigungen ihres Selbstbewusstsein erfahren. Schon alleine dadurch, dass sie das Gefühl hatten, sie können den Anforderungen nicht genügen, es braucht sie niemand, ihre speziellen Fähigkeiten sind nicht gefragt.

Solche und ähnliche Ich-Probleme sind im Horoskop sichtbar. Wir können feststellen, wie stark und wie bewusst ein Selbstbewusstsein ist, und in welcher Weise es im Leben als tragende Kraft und als Pol der Beziehung wirksam gemacht werden kann. Wenn die Sonne nicht prominent steht, kommt sie im Leben nicht genügend zum Zuge, Erfolgserlebnisse bleiben aus. Da aber die Sonne die wichtigste Ich-Instanz ist, kann ein Nichtfunktionieren über kürzere oder längere Zeit sehr deutlich an den Lebensnerv gehen. Es ist eine Tatsache, dass Menschen, bei denen das Selbstbewusstsein zu klein ist, nicht richtig voll leben können, dass sie nie so recht glücklich sind, ausser sie lernen, mit einem geschmälerten Bewusstsein umzugehen, ohne in Resignation zu verfallen. Doch das ist eine Kunst, die über längere Zeit gelernt sein will, meistens dadurch, dass wir entweder durch das Leben geformt

werden oder durch unser Horoskop erkennen, mit welchem der drei Ich-Pole wir uns am leichtesten verwirklichen können.

Im nächsten Heft beginnen wir die Stellung dieser drei Ich-Planeten im 1. Haus zu besprechen.