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Titel Ausgabe 20



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Zurück Ausgabe 20 vom 21.06.1984 • Seite 8ohne Login!

• Astrologie & Geschichte

Tierkreis und Antike

Bruno Huber

KREBS

Lat.: GÄNGER, engl: GRAB, franz.: le Cancre od. l'Ecrevisse, it.: il Cancro od, il Granchio, früher in deutsch auch KRIPPE.

KREBS ist die unscheinbarste Konstellation im zodiakalen Band. Und doch wurde ihr im gesamten Altertum eine besonders wichtige Position eingeräumt (das Sternbild stand vor dreitausend Jahren am höchsten über dem

Horizont, heute sind das die Zwillinge und der stier). Es ist die Krippe, durch die das Kind in die Welt geboren wird. Deshalb auch die frühe Zuteilung des Mondes als Herrscher dieses Zeichens. Nach der antiken Auffassung des »Weithoroskopes« stand der Mond bei der Erschaffung der Welt in diesem Himmelszeichen. (»Wiege der Menschheit« - Zwischen 7900 bis 6300 vor Christus bewegte sich der Frühlungspunkt durch diese Konstellation). Und bis zur beginnenden Renaissance findet sich die Anschauung, dass die Seele bei der Geburt durch dieses Tor aus dem Himmel in die Welt hinaustrete.

Um 4000 v.Chr. wird der Krebs in Babylon und in Ägypten als Schildkröte dargestellt, ein Tier das dreimal so lange lebt wie der damalige Mensch. Um 2000 v.Chr. ist es dann in Ägypten der heilige SKARABAEUS (ein Käfer, den man Pillendreher nennt), der mittlerweile als Symbol des ewigen lebens verstanden wurde. Im späten Tierkreis von Denderah (1. Jh.v.Chr.) ist es noch der Skarabäus - aber er ist an ganz falscher Stelle eingetragen (Leo Minor). Die Araber der folgenden Jahrhunderte teilten dem Krebs seltsamerweise den Merkur als Herrscher zu.

In der klassischen Zeit, aus der wir astrologisch am meisten Wissen schöpfen (spätes Griechenland und Romd), vermischen sich die Bedeutungsinhalte von Krippe und Krebs. Als Krippe wurd nur noch der kleine verwaschene Nebel (Präsepe) im Zentrum der Konstellation bezeichnet, und man bringt sie nun häufig mit negativen Inhalten in Zusammenhang. Nach Aratos und Plinius etwa bedeutet die optische Verdunkelung oder das Verschwinden der Präsepe bei klarem Himmel das Aufkommen eines bösen Sturmes (wie wir heute wissen: Cyrrus = feine Wolkenschleier in grosser Höhe).

Der grossartige, in der antike bestimmende Themenzusammenhang»Menschwerdung - Mutter und Kind (Krippe und Mond) - Ewiges Leben« wird von dem aufkommenden Patriarchat in den Hintergrund gedrängt (verdrängt?), und der Himmel im Krebs wird mit einem eher düsteren Bild überzogen.

LÖWE

Lat.: LEO, engl.: the Lion, fr.: le Lion, it.. il Leone.

So unterschiedlich manche Tierkreisbilder von den verschiedenen, nebeneinander und nacheinander lebenden Kulturen interpretiert wurden (siehe z.B. Krebs) - der Löwe ist ein Musterbeispiel an Permanenz in der Kulturgeschichte aller Zeiten.

Es gibt Kunde von einem archaischen Löwe-Sternbild (ASAD von ARABIEN) das mehr als die Hälfte des sichtbaren Himmels ausgefüllt haben soll. Es soll - so berichtet chaldäische Legende - die späteren zodiakalen Konstellationen Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau und Waage, sowie einige Sternbilder ' nördlich und südlich des Tierkreises, wie den grossen Bären, umfasst haben. Genaueres wissen wir darüber nicht.

Die frühesten, genauen Beschreibungen der Konstellation haben wir aus dem Ägypten des vierten Jahrtausends vor der Zeiti echnung. Das Bild war damals viel kleiner als heute -der zur Jungfrau liegende Schwanz wurde als eigenes Sternbild »Messer« verstanden (bis in die Neuzeit als Sichel erhalten). Löwe wurde da als Bringer der Fruchtbarkeit gehuldigt. Sterbliche Überreste davon finden wir noch in heutiger astrologischer Unterhaltungsliteratur unter Löwe, in dem Schlagwort Sex. Damals im Nilland war natürlich die Fruchtbarkeit der Aussaat gemeint, die erst kam,

wenn der Nil überflutet und damit das trockene Land bewässerte. Das geschah alljährlich »wenn sich die Sonne zwischen den Löwesternchen bewegte« (Plinius), und sich »die Löwen aus der gleissenden Hitze der Wüste zum kühlenden Nass des Niltales flüchteten«, wie es die Legende will.

»Hitze« und »Sonne« sind die zwei Begriffe, die wir zu allen Zeiten mit dem Bild des Löwen verbunden finden.

Bei den Völkern des ersten vorchristlichen Jahrtausends finden wir - im Übergang zur patriarchalen Kultur - immer mehr die Betonung des Herrscherprinzips, der Macht und der Gewalt. Typisch für diesen Vorgang: im alten hebräischen Zodiak werden die zwölf Stämme Israels den Zeichen zugeordnet. Der Löwe fällt auf den Stamm Judah (LÖWE von JUDAH). Im Verlauf der Entwicklung wird dieser Stammesname geradezu generische Bezeichnung aller Juden.

Immer mehr Herrscher und Herrschergeschlechter bringen die Sonne und/oder den Löwen in ihre Wappen, Schilder und Fahnen. Auf einer Zylinder-Stele aus Ninive kämpft ein Stier hoffnungslos gegen einen Löwen. »Kampf des Lichtes gegen die Dunkelheit«, oder Signag des Untergangs der matriarchalen Kultur? Vielleicht ist das nur ein astrologisches Lehrstück: Stier und Löwe stehen in Quadrat zueinander.

Eines der Symbole des römischen Mithras- (Sonnen-) Kultes, den die römischen Kaiser gegen das aufkommende Christentum fördern, ist der Löwe - den sie, natürlich erfolgreich, während dreihundert Jahren gegen das »schwache« Fische-Symbol der Christen einsetzten.

Und schliesslich schlägt sich das Heroische des Zeichens in den klassischen Mythen nieder. Etwa im Heraklesmythos der Griechen, in dem der Löwe die erste Arbeit des Herkules wird: sein Kampf gegen den Löwen von Nemea (bei dem ihr üb" igens ein kleiner Krebs in den Zeh' piekt, von ihm erschlagen, und dafür von den Göttern in den himmlischen Tierkreis erhoben wird).