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Zurück Ausgabe 20 vom 21.06.1984 • Seite 10ohne Login!

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Der neue Joan Mirò

Fritz Gehre

Joan Mirò 20.04.1983 / 21:00h Barcelona/E

Allerdings: ganz neu ist unser Miro auch wieder nicht, denn das Aspektbild ist dasselbe, doch es steht anders, vertikaler und wird mit AC Schütze der Welt gerechter! Wir können auch sagen, dass die Innen- und Aussenwelt (Zeichen und Häuser) eindeutiger ineinander verzahnt oder verbunden sind; gleichsam entspricht die Kleidung Miros, sein Äusseres wie Hemd und Hose, eher dem eigenen, inneren Wesen. Geht man von diesem Horoskop aus, trifft man die Mitte des Künstlers leichter oder umwegloser. Ich brauche mithin jenen Zusammenklang von Aussen- und Innenwelt nicht erst zu suchen. Damit will ich sagen: dies um eine halbe Stunde »spätere« Horoskop mit Schütze Aszendent vereinfacht die Auslegung, denn es ist eben einfacher, unmittelbar und richtiger!

Aus diesen beiden Horoskopen entsteht für mich folgende wichtige Überlegung: es ist falsch, wenn in ein Horoskop das hineinkonstruiert wird, was zunächst zu den nicht eindeutig sichtbaren Gegebenheiten gehört; dies gerade dann, wenn man es tut, um dem Maler gerecht zu werden, die Wirklichkeit geht damit verloren!

Zunächst will ich die veränderte Spannung des Malers zwischen seiner Aussenwelt = das, was ich tun muss, und seiner Innenwelt=das, was in mir drinnen ist, in einzelnen Punkten aufzählen: 1. Die stärker betonte Vertikale gibt ihm eine grössere persönliche Auseinandersetzung seiner unbewussten Bilder mit dem Bewusstsein. Damit tritt die Ich-Du-Beziehung in den Hintergrund.

2. Der Aszendent steht in Schütze, was eigentlich schon der Kopf des Malers bestätigt. Damit hat er grösseren Freiraum in sich, d.h. eine stärkere, ungebundenere Lebenseinstellung. Aus Skorpion AC hätten seine Bilder nicht die musikalische, aber auch prophetische Aussagekraft (= Zyklus Konstellationen, 23 Bilder 1940).

3. Der jetzt eingeschlossene Mond im 8. Haus nimmt vom Du-Kontakt in der Gesellschaft weg. Miro hatte die Gabe, sich - auch mitten in Paris - von der Aussenwelt abzukapseln, war also kein geselliger Typ.

4. Durch Saturn im Schatten von 11, also noch im 10. Haus stehend, wird ihm nichts »geschenkt«; er verpflichtet sich dazu, besonders da es von Zeichen und Haus das kardinale Kreuz ist.

5. Der dem Saturn gegenüberstehende Merkur ist jetzt am Talpunkt des 4. Hauses: sein Denken hat einen engeren Bezug zum archetypischen Raum, es wird »gründlicher«, eigener, und mit Saturn kann ich von einem tiefen Humor sprechen.

6. Dass die Sonne noch in 5 ist, kurz nach dem TP, sagt aus, dass er sich nicht von aussen in eine Arbeit einspannen lässt. Er hat eine grössere Selbstverfügbarkeit - auch AC Schütze spricht dies aus.

7. Venus mit Mondknoten Talpunkt 5: Ist das die Liebe, die Freude, die aus einem magisch sicheren Gefühl kommt? Ich glaube, dass es so ist, vielleicht weil der Mondknoten dies nochmal unterstreicht: er will - und das ist sein Auftrag - diese Freude in seinen Bildern weitergeben. Auch dass alle Linien, Punkte, Flächen oder Farben nach dem Goldenen Schnitt einfach stimmen, »beweist« den Talpunkt = den Goldenen Schnitt im 5.Haus.

8. Der Jupiter ist noch nicht im 6. Haus, er hat damit eine ähnliche Aufgabe wie der Saturn vor dem 11. Haus. Hier handelt es sich um seine vielen, um seine ständig neuen Versuche, die ihn selbst immer näher an die Wahrheit heranbringen, um die Opposition Jupiter Uranus; auch der AC im Jupiter zeichen Schütze gehört dahin.

9. Der Mars in 7 steht nicht mehr am TP, er kann also leichter und ungehemmter seine neptunische Vielfarbigkeit in eine eigene Form verwandeln.

Diese neun unterschiedlichen Punkte möchte ich kurz auf die anders zu sehende Ganzheitsbetrachtung wie auf die Malweise Miros beziehen, insbesondere auf seinen jenseitigen Bildbezug.

Das Horoskop als Ganzes

Ein auf das Du hinstrebendes Bild, doch unabhängig in sich stehend! Miro ist von Anfang an der Welt gegenüber offen und empfänglich, wie es der AC aussagt, und bleibt gleichzeitig im eigenen Raum, in der Selbst darstel-lung und Selbstsicherheit des 5. Hauses in sich gefestigt. Was er über die Venus aus sich selbst in aller Stille erzeugt (Talpunkt) und als Auftrag mit dem Mondknoten weitergeben soll, das kann er sich von seinen ursprünglichen Bildern über Merkur bewusst machen = TP 4. Bewusstmachen - und damit meine ich die sichtbar gewordene Form des Künstlers - bedeutet für mich eine innere, ganz intensive Erfahrung, es ist die Opposition zu Saturn.

Die grüne Reizfigur stellt zunächst sich selbst in Frage und nicht den ändern, sie sucht, so möchte ich verkürzt sagen, die geistigen Werte, die für seine Arbeit wichtig sind = Merkur Halbsextil Jupiter im 6, Haus. Von seinem Saturn, der in diesem Viereck noch im Schatten von 10 steht, kommt eine alles zusammenhaltende Bewusstheit hinzu, ein Vertrauen zuerst auf sich selbst = Wachstumsachse 4-10 Merkur und Saturn! Es ist also nicht der wissenwollende Merkur-Planet, der jenes heitere Lachen in seinem Portrait verursacht, sondern viel einfacher das Element Feuer, mit dem er bereits über den Aszendenten ins Leben tritt. Doch will ich schliesslich die fast mediale Intuition (Uranus 12) nicht verschweigen, denn das, was die Sonne im Selbstwertgefühl davon spürt, kann Miro mit Jupiter in der Arbeit umsetzen.

Die Aspekte, die über die Reizfigur hinausgehen, wenden sich dem Du voll und ganz zu und können sich mit dem Mars in 7 frei äussern. Nicht der Mond, der hier eingeschlossen in Krebs steht, macht also die Urbilder »sprechbar«, sondern der mit Neptun und Pluto beschäftigte Mars. Woher Miro mit seinem Mars die übersinnlich bezogene Kraft nimmt, das äussert sich in seinen transparenten, niemals gleichbleibenden, farbigen Bildern. Vielleicht könnte man den Mond als den stillen, mit Merkur vielfach erzieherischen Wandler bezeichnen = 8. Haus eingeschlossen in Krebs.

Wie malt Miro?

Gerade weil Andre Breton Miro als den stärksten Surrealisten bezeichnet, ist es wichtig zu wissen, was Miro selbst dazu sagt. Ich zitiere aus Miro Humbold Kunstreihe von Manuel Gassner S. 17 /18: »Ich kam mit den Surrealisten ganz zufällig zusammen ... Durch ihn (Andre Masson) lernte ich die Surrealisten kennen; ich habe aber nie ein surrealistisches Manifest unterzeichnet. Im Umgang mit den surrealistischen Dichtern wurde mir etwas klar, und gerade das zählte für mich am Surrealismus: die Notwendigkeit, die Malerei zu überwinden. Die surrealistische Malerei an sich interessierte mich nicht besonders. Ich spürte, dass es noch etwas Grösseres gab, dass die Malerei noch mehr sein konnte. Worin der Einfluss der Surrealisten auf mich bestand? In der Überwindung der Bildwirklichkeit.«

In dem Bild »Frau Vogel Stern« 1942 in Pastell auf Samtpapier entdecke ich die gemeinte Überwindung der Malerei, die für mich auch jenes Grössere darstellt, also das, was er mit »noch mehr« bezeichnet. Die Frau wird, wenn man sie in dieser Umwandlung sieht, in den kosmischen Sternenraum versetzt, zart im roten Herz-Gesicht, dunkel die Füsse. Der Vogel zwitschert gelb und lustig vom Draht herunter. Alles schwebt in der Unendlichkeit einer angedeuteten Sternwelt. Es ist die Venus am TP, die aus einer inneren, einer intensiven Schau geboren wird. Zugleich ist es der Saturn, der weglassen kann, denn im Schatten von 10 auf 11 muss er manches zurücklassen, um auf den Gipfel zu kommen; ein Saturn, der mit seinen Füssen jedoch in der Realität bleibt. Das Bild wirkt weiblich, denn zu Venus und Saturn kommt der jetzt stark stehende Uranus Spitze 12 dazu, ein tatsächliches Finden oder Entdecken, wie das Weibliche aus einer anderen Perspektive wirkt. Miro geht von der Tradition weg, um persönliche, neue, mindestens ebenso starke Seinsebenen herzugeben, wie es der Mondknoten zwischen Sonne und Venus fordert.

Miros jenseitiger Bildbezug

herzugeben, wie es der Mondknoten

Über das Bild »Frau und Vogel in der Nacht«, ein Ölgemälde im Dezember 1967 gemalt, mit dem blauen Mond, dem schwarzen Körper, mit roten, grünen und gelben Punkten, will ich den jenseitigen Bildbezug zeigen. Die über jenes grüne sensible Viereck hinausragenden Planeten geben uns Antwort: der stille Mond, der eingeschlossen in Krebs allen Menschen einen Weg zeigt, dieser Mond wartet magisch, geheimnisvoll in der ursprünglichen Nacht. Und Mars zündet an, aber nicht zerstörend, sondern uns .alle in 7 unmittelbar ansprechend, ja zwingend innerlich etwas zu tun! Dies Tun soll eine die Welt umfassende (Neptun) Änderung sein, die über Pluto zu einer ganz persönlichen wird. Ein Wiederfinden unbewusster Schätze – und tue ich die marsiche Venus in Widder dazu, erscheint es als ein ganz dringender Appell an die eigenen Bilder. Saturn, der Dunkle, hat viel »weggelassen«, denn alles, was nicht hineingehört, was sich nicht malen lässt, bleibt in den Punkten bestehen und wirkt nach innen. Darin finde ich die ihm bekannten surrealistischen Dichter wie Breton, finde auch jenes umfassende Schweigen, die »offene Leere«, wie sie Baudelaire oder Mallarme aussagen.

Seine Aussage in der Keramik

Stein zum Leben zu machen, ihn sprechen lassen, das wurde für Miro im Ablauf seines Lebens immer wichtiger, und dies wohl deshalb, um die dritte Dimension in sich zu erleben. Doch der dafür »zuständige« Saturn ist in seiner Art nicht schwer oder hemmend, er wird auch nicht mehr wie vordem vom Freund oder von einer Beziehung gefordert; Miro geht mit Saturn im »Schatten« seinen eigenen Weg und bleibt für die meisten unsichtbar. Sehe ich wie in dem Bild einen Ausschnitt der Wandkeramik »Die Mauer des Mondes«, dann spüre ich, dass Saturn mit allen drei geistigen

Planeten Uranus, Neptun und Pluto verbunden ist. Ich spüre, dass sich die ursprünglich steinerne Macht in einen höheren Bereich wie von selber erhebt, dass damit durchsichtig wird, was sonst in der Endlichkeit bliebe! Der Mars, ganz leicht in einer Konjunktion angehängt, macht es allein, und da er kräftig dasteht, fühlt er sich frei. Ja, das Gefühl, künstlerisch frei zu schaffen und unabhängig zu bleiben, das ist bereits in Jupiter vor dem 6. Haus darin; von hier aus konnte er auch kein surrealistisches Manifest unterzeichnen.

Miro ist am 25.12.1983 gestorben, und wenn ich diesen Tod auf den Alterspunkt beziehen will, dann ist das für viele eine Enttäuschung, denn nichts deutet diesen Tod an. AP an diesem Tag = 22°13' Fische, ohne Aspekt, das Leben ist abgelaufen in diesem Zeichen, schmerzlos, natürlich und - jenseitsbezogen. Der Alterspunkt vom Mondknoten steht auf 25°21' Steinbock, auch hier kein Aspekt, eingeschlossen im saturnischen Zeichen. Die Zeit, die dem Kronos = Saturn entspricht, ist ganz einfach abgelaufen, und dies ist ebenso natürlich wie vom AP aus gesehen.