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Titel Ausgabe 20



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Zurück Ausgabe 20 vom 21.06.1984 • Seite 18ohne Login!

• Deutungspraxis

Die Persönlichkeit, Teil 2

Louise Huber

Sonne, Mond Saturn in den Häusern

Wie bereits im letzten Astrolog angekündigt, beginnen wir in dieser Nummer mit der Beschreibung der Persönlichkeitsplaneten Sonne, Mond und Saturn in den 12 Häusern.

Erklärung zur Deutung

Um ein richtiges Bild Ihrer Persönlichkeitsstruktur zu erhalten und die tatsächliche Auswirkung der Ich-Plane-ten in Ihrem Horoskop zu erfassen, ist es ganz wichtig, die Stellung der Planeten sowohl in den 12 Tierkreiszeichen wie auch noch in den drei verschiedenen Bereichen des Hauses mit zu berücksichtigen. Die Aufschlüsselung der Persönlichkeit ist höchst differenziert und muss sorgfältig und psychologisch vorgenommen werden. In diesem Rahmen können wir leider nur die wesentlichsten Unterscheidungsmerkmale beschreiben.

Hier möchte ich nur kurz folgende Punkte für die Deutung erwähnen: Es ist ein Unterschied, ob ein Ich-Planet an einer Häuserspitze oder am Talpunkt steht. Eine Sonne, als Symbol eines strahlenden, expansiven Ich-Be-wusstseins, steht natürlicherweise auf einer Häuserspitze gemässer als im Talpunkt eines Hauses. Am Talpunkt ist die Wirkung häufig konträr, kann also das Gegenteil von dem sein, was zum Beispiel das l. Haus will. Dies wird

deutlich, wenn wir wissen, was der Talpunkt bedeutet. Hier eine kurze Erklärung:

Am Talpunkt (Goldschnittmass: Haus-grösse mal 0,618034) in den 12 Häusern sind alle Energien nach innen gerichtet. Einen Planeten, der dort steht, nimmt die Aussenwelt oft gar nicht wahr. Deshalb nützt es nichts, wenn man einen grossen Lärm um sein Ich macht, denn die anderen reagieren nicht entsprechend. Das ist der Grund, warum Talpunktplaneten ruhig werden müssen, damit sie sich nach innen hin entwickeln. Wenn sie dann im Laufe der Jahre genügend Substanz angesammelt haben, wird die Umwelt sie akzeptieren, vorher nicht.

Die drei Bereiche eines Hauses

Eine weitere Differenzierung der Deutung ist die Einteilung sämtlicher Häuser in je drei verschiedene Bereiche: Ein Bereich geht von der Spitze bis Invertpunkt (Hausgrösse mal 0,381966) und ist (in jedem der 12 Häuser) dem kardinalen Prinzip verwandt. Hier wird natürlich die Sonne am stärksten wirksam sein, weil sie dem kardinalen Prinzip entspricht. Der nächste Bereich vom Invert- bis Talpunkt entspricht dem fixen Prinzip. In diesem Bereich ist die Saturnstellung am stärksten, weil das fixe Prinzip saturnisch ist. Der Bereich vom Talpunkt bis zur nächsten Spitze entspricht der veränderlichen Qualität, die mit der Mondqualität identisch ist.

Die richtige Kombination der verschiedenen Elemente muss ich an dieser Stelle dem Leser selbst überlassen.

Das 1. Haus

Es beginnt mit dem Aszendenten, der den Ich-Punkt im Horoskop darstellt. Das 1. Haus ist der Ort, wo das Ich in Erscheinung tritt, das Feld der Person nach G.G. Jung. Es sagt darüber aus, wie wir selbst sein wollen und aufweiche Weise wir uns der Welt darstellen. Im 1. Haus zeigt sich das Ich je nach Zeichen und Planeten; hier manifestiert sich die Vorstellung vom eigenen Ich, das Bild, das Image, das wir von uns haben und als das wir von der Umwelt wahrgenommen werden wollen. Mit den Planeten im 1. Haus bemühen wir uns, auf andere Eindruck zu machen, etwas Bestimmtes vorzuzeigen, etwas darzustellen, um bei anderen anzukommen. Nun ist es naheliegend, dass diese Ichbetonung, das Herzeigen des Ichs, dieses »Reklameschild«, das wir unser Leben lang mit uns herumtragen, betont wird, wenn im 1. Haus Ich-Planeten stehen.

Sonne im 1. Haus

Mit dieser Sonnenstellung muss man sich selbst darstellen als das Beste, was es gibt. Die Sonne stärkt das Selbstvertrauen, macht optimistisch, kraftvoll und mutig. Man ist überzeugt, dass man das Leben meistert und mit Schwierigkeiten auch ohne Hilfe anderer fertig wird. Die Sonne macht autonom und je nach Zeichenqualität geneigt, bei allem die Führung zu ergreifen, insofern sich andere nicht offensichtlich dagegen stellen. Die Ichbetonung ist stark, man ist von sich selbst überzeugt, hat ein starkes Selbstverständnis und ein Gefühl für den persönlichen Wert, der von anderen nicht angezweifelt werden darf. Man ist bestrebt, anerkannt zu werden undnimmt sich selbst sehr wichtig. Wer an der eigenen Tüchtigkeit zweifelt, der wird mit allen Mitteln (mit Reden, Taten oder Manipulation) davon überzeugt. Das Auftreten ist autoritativ und gebietet Achtung. Es kann aber auch autoritär sein, dann fällt es anderen leicht auf die Nerven.

Mit dieser Ichbetonung - vor allem beim Sonnenstand nahe am AC - stellt man sich selbst kaum in Frage. Damit geht oft eine Kritiklosigkeit gegen sich selbst einher. Meistens lässt man nur das gelten, was man selbst denkt und tut und kommt gar nicht auf die Idee, dass man falsch liegen könnte. Je nach Zeichen und Hausstellung fühlt man sich als der Mittelpunkt der Welt, beurteilt die meisten Dinge von sich aus. Deshalb ist man oft erstaunt, wenn die anderen nicht genauso denken wie man selbst. Vor allem, wenn die Sonne in einem fixen Zeichen steht. In einem kardinalen Zeichen ist man davon überzeugt, dass man das Leben meistert, dass man der Beste ist und immer das erreichen kann, was man will. In einem veränderlichen Zeichen will man auf andere Eindruck machen, diese erziehen, belehren, überzeugen.

Mond im 1. Haus

Der Mond ist bekanntlich unser Gefühls- und Kontakt-Ich. Im 1. Haus reagiert er subjektiv und ichhaft. Man tut alles, damit man geliebt wird. Diese Mondstellung verursacht eine ruhelose Natur, die je nach Zeichenqualität fortwährend nach Veränderungen verlangt.

Die Selbstdarstellung heisst: »Ich bin ein guter, lieber Mensch, kommt zu mir, seid lieb zu mir und habt Vertrauen«. Wenn jemand ihm sein Vertrauen schenkt, dann fühlt er sich bestätigt und sein Mond-Ich blüht auf, er geht sensitiv auf andere ein und fühlt mit ihnen. Er ist anpassungsfähig und ein guter Gesellschafter. Obwohl er gerne mit viel Phantasie von sich selbst erzählt, kann er auch zuhören, das ist je nach Zeichen verschieden. Aber wenn jemand an ihm zweifelt, ihm Misstrauen entgegenbringt, dann zieht er sich zurück. Zurückweisung kann er nicht vertragen, das tut ihm weh, er leidet. Dieses Leid wird er auch jedermann zeigen, entweder durch Selbstmitleid oder dadurch, dass er auf alles empfindlich reagiert. Je nach Zeichen ist er schnell beleidigt, klagt die anderen an und erzählt gerne und langatmig über seine Gefühls-Erlebnisse und über das Leid, das man ihm angetan hat.

Da der Mond ein wechselhaftes Prinzip ist, sind Stimmungen nicht von langer Dauer. Ein Mensch mit Mond im 1. Haus ist im allgemeinen schnell wieder gut, vor allem, wenn sein Ichgefühl zur Geltung kommt. Man holt ihn wieder aus dem Busch, wenn man ihn lobt und ihn für gut befindet. Er kann nicht lange im Hintergrund bleiben (höchstens am Talpunkt), weil er sich nur dann wirklich spürt, wenn andere auf ihn aufmerksam werden. Um Liebe und Aufmerksamkeit buhlt er immer. Entweder dadurch, dass er anderen etwas Liebes tut oder »hysterisch schreit«. Seine Liebe ist meistens ichhaft gefärbt, aber das will er nicht wahrhaben, denn er muss sich selbst als der Liebste ansehen. Aber er tut wirklich viel aus Liebe, je nach Zeichen aktiv oder passiv. Er braucht die Beziehung mit anderen Menschen, die ihm durch Wohlgesonnenheit, Hochschätzung und Liebe bestätigen, dass er existiert.

Saturn im 1. Haus

Die Selbstdarstellung des Saturn geschieht ganz anders. Nahe am AC wird das Ich-Bild saturnisch, die Haltung Aussenstehenden gegenüber kühl und verschlossen. Dieser Mensch will stille Sicherheit ausstrahlen, wodurch andere sich an ihn anlehnen können. Saturn als Schutzfunktion und Sicherheitsinstanz schliesst das Ich ab, schützt es gegen Angriffe von aussen. Oft setzt dieser Mensch eine Maske auf, lässt nicht in sich hineinschauen. Andere werden von den eigenen Ich-Tiefen so lange fern gehalten, bis sie den Vorstellungen entsprechen und dem prüfenden Blick standhalten.

Denn Saturn stellt harte Forderungen, sowohl an sich selbst wie andere, diese müssen um jeden Preis erfüllt werden. Selbstdisziplinierung, Selbstbeschränkung mit der dazugehörenden Egozentrik sind saturnische Auswirkungen. Der eigenen Ich-Expansion werden oftmals Schranken auferlegt, am Ich-Bild wird herumgefeilt, an der eigenen Perfektion gearbeitet. Deshalb arbeitet dieser Mensch gerne und viel. Er nimmt das Leben nicht leicht, meistens besteht es für ihn aus harter Pflichterfüllung oder Bemeisterung von selbstgestellten Aufgaben. Spielerische Vergnügungen liebt er nicht. Arbeit für andere wird nur dann gern getan, wenn dadurch die eigene überlegene Kenntnis oder Fähigkeit ins Licht gestellt wird - daher auch die Liebe zum Belehren.

Saturn im l. Haus am Talpunkt schnürt die Ich-Kräfte zusammen, weshalb leicht unbegründete Ängste (oft kommen sie von der Mutter) vom eigenen Ich festgehalten, ja gepflegt werden. Der Neigung, Enttäuschungen mehr Aufmerksamkeit zu schenken als unerwarteten Glücksfällen, muss so viel als möglich entgegentreten werden. Diese Saturnstellung macht nicht hoffnungsfreudig, sondern gibt etwas Misstrauisches, was das Erreichen einer Stellung anbetrifft. Man erwartet eher etwas Negatives als etwas Positives. Deshalb ist es wichtig, Lebensvertrauen zu kultivieren und auch einmal etwas zu riskieren, damit die saturnischen Schutzmauern durchbrochen werden und das Ich frei wird.

Literaturhinweis zum obigen Thema:

Reihe Astrologische Psychologie von Bruno und Louise Huber: »Die astrologischen Häuser« (Der Mensch und seine Welt), »Lebensuhr im Horoskop« Band I und II, »Die Persönlichkeit und ihre Integration«.

Zu beziehen bei:

API-Buchversand, M. u. M. Huber, Badenerstrasse 39, CH-5452 Oberrohrdorf