Astrolog-Archiv

(Bitte auf den jeweiligen Ausgaben-Block klicken, um die entsprechenden 20 Ausgaben anzuzeigen)
Artikel in grüner Farbe sind ohne Login zugänglich!
Ausgaben » [1-20] [21-40] [41-60] [61-80] [81-100] [101-120] [121-140] [141-160] [161-180] [181-200] [201-218] Aktuelle Ausgabe
• Suche (Autoren, Titel, etc.) » Inhaltsverzeichnis • Suche nach Begriffen in Artikeln »
Titel Ausgabe 21



Archiv-Übersicht
Nach oben Nach oben
Zurück Ausgabe 21 vom 23.08.1984 • Seite 2ohne Login!

• Astronomie

Wer hat Angst vor dem Kometen?

Bruno Huber

Schweifsterne

Zu allen Zeiten sind Kometen seltsam erregende, vielfach aber furchtauslösende Erscheinungen am Himmel gewesen. »Schweifsterne« hat man sie genannt; ein Stern, der einen Schweif wie eine Fahne hinter sich her zieht -sowas ist eine seltsame Erscheinung, Besonders wenn er ohne Voranmeldung auftaucht - innerhalb weniger Monate drei Viertel des Tierkreises durcheilt - und wieder verschwindet ... Wo doch sonst alle Sterne ihren angestammten Platz am Himmel einhalten und Sonne, Mond und Planeten ihre wohlbekannten Bahnen ziehen.

Dazu kommt der Umstand, dass die meisten Menschen nie in ihrem Leben je einen Kometen zu Gesicht bekommen haben. Und also vom Erscheinen eines von Auge leicht sichtbaren »Bartsternes« (ein anderer volkstümlicher Name für Kometen) völlig überrumpelt werden.

»Von Auge leicht sichtbar« heisst, dass es ein Komet erster Grosse ist, der auch einem Laien, der nicht allnächtlich den Himmel beobachtet, auffällt. Und solche Kometen sind selten. Es kommt wenig vor, dass in einem Menschenleben zwei davon erscheinen - häufiger gar keiner.

Die bösen Kometen

Dies sind wohl die Gründe, weshalb Kometen seit Urzeiten Menschen erschreckt, ja ganze Massen in Panik versetzt haben. Ich möchte hier als konkretes Beispiel den Kometen von 1664/65 erwähnen.

Die nebenstehende Zeichnung (wegen schlechter Qualität nicht Internetfähig) aus Gadburys Schrift zeigt das dreimalige Erscheinen des Kometen; zuerst im November/Dezember 1664 in der Jungfrau-Konstellation - dann seine Rückläufigkeit an Aldebaran und den Plejaden im Stier vorbei - und

schliesslich sein Wiedererscheinen im April 1665 nach seinem Durchgang durch den Perihel (sonnennächster Punkt), nachdem er hinter der Sonne unsichtbar gewesen war. John Gad-bury, ein angesehene^ Astronom, machte den Kometen für die im Jahre 1665 in London wütende Peulenpest (Cholera) verantwortlich. Sie raffte 20 % der Londoner Bevölkerung hin.

Man ging damals noch ernsthaft davon aus, dass die giftigen Dämpfe des Kometenschweifes die Erde berührten und so Krankheiten ausstreuen würden. Dass die Pest aber nur in England wütete, dieweil der Komet in vielen anderen Teilen der Welt ebenfalls sichtbar war, bewog auch einen so seriösen Schriftsteller wie Daniel De-foe - Verfasser des Robinson Crusoe - nicht, sich mehr Gedanken über die Sache zu machen. Er meinte in seinem »Journal of the Plague«, dass der Komet »... ein hartes Urteil, langsam aber schwerwiegend, schrecklich und furchterregend wie die Pest« sei.

Die Halley-Story

Dies war einer der letzten Versuche von selten ernstzu nehmender Verfasser, die Pest mit Kometen in Zusammenhang zu bringen. Denn dann kam Edmond Halley (er war zur Zeit der Pest sechs Jahre alt) und brachte endlich Licht in das düstere Kapitel.

Er machte nämlich eine grosse Entdeckung; er fand heraus, dass SEIN KOMET von 1682 NICHT SEIN KOMET war, sondern dass derselbe Schweifstern schon dreimal vorher (1456, 1531 und 1607) erschienen war. Er fand das heraus durch Nachrechnen der damals gemachten Beobachtungen. Und prophezeite, dass der Komet im Jahr 1758 (also 76 Jahre später wieder erscheinen würde. Der Komet tat ihm den Gefallen - obschon Halley das selbst nicht mehr erlebte.

Damit war bewiesen, dass Kometen - wie die Planeten - in Ellipsen um die Sonne kreisen konnten. Vor ihm hatte man fest geglaubt, dass sie einmalige Erscheinungen am Himmel seien -und dass sie sich in einer gerader. Linie bewegen müssten. Und es war diese Grade Linie, über die der genau rechnende Halley stolperte Denn der von ihm beobachtete Komet 1682 lief einfach in einer Kurve Und wenn er frühere Beobachtungen nachrechnete, so ergeben diese das selbe. Dabei fiel ihm auf, dass die drei oben erwähnten recht ähnliche Bahnen beschrieben wie der »seinige«.

Halley brauchte vom ersten Zweifel an der »Gerade-Lime-Theorie« bis zu seiner Prophezeiung der Wiederkehr des »Halley« volle 25 Jahre. Und er brauchte dazu den Ratschlag Newtons, der ihn darin unterstutzte, dass im Prinzip alle Körper im Kosmos sich nach den Gesetzen der Gravitation bewegen mussten

Wir werden 1985/86 den 29igsten durch Beobachtung bestätigten Durchgang von »Haliey« bewundern. Die erste Beschreibung - das wissen wir heute - wurde von chinesischen Astronomen im Jahr 240 vor Christus niedergelegt. Und alle Durchgänge (mit Ausnahme desjenigen von 164 v.Chr.) wurden von verschiedensten Instanzen in der ganzen Welt, unabhängig voneinander und ohne Wissen, dass es sich um das selbe Objekt handelte, beobachtet und notiert.

Deshalb bezeichnet man wohl zu Recht den Halley'schen Kometen als DEN KOMETEN!

Die Ewig-Rumgeschubsten

Kometen - so der Stand heutigen Wissens - gehören zu unserem Sonnensystem und sind wiederkehrende Erscheinungen. Allerdings kehren nur sehr wenige von ihnen in Zeiträumen zurück, die in Längen von menschlicher Lebensdauer gemessen werden können - wie zum Beispiel Halley mit seinen ca. 76 Jahren Umlaufszeit. Es gibt eine grosse Anzahl von ihnen, die einige Zehntausend bis gar Millionen Jahre brauchen, um wieder in Sonnennähe zurückzukehren. (Astronomen spekulieren, dass gegen 100 Milliarden Kometen zum Sonnensystem gehören.)

Die Bahnen von Kometen sind, ungleich Planeten-Orbits, ins Extrem verzogene Ellipsen, die z.T. weit über die Plutobahn in den leeren kosmischen Raum hinausgreifen (siehe folgende Zeichnung). Da ist unser Halley schon eher die Ausnahme. Sein Aphel (sonnenfernster Bahnpunkt) ist zwischen Neptun und Pluto. Das macht noch eine sinnlich erfassbare Ellipse.

Die meisten Kometenbahnkurven sind aber parabolische, d.h. ins »Unendliche« reichende.

Das bewirkt so oder so, dass Schweifsterne nur auf einem kurzen Stück ihrer langen Reise aufleuchten – und dadurch für uns sichtbar werden Dann nämlich, wenn sie in relative Sonnennähe kommen - will sagen, wenn sie von draussen kommend etwa die Jupiter- oder Marsentfernung erreicht haben. Unser Halley wird somit im Verlauf von 1985 langsam seinen Schweif entwickeln und sich uns damit zeigen.

Wenn sich diese, von ihrer Masse her, winzigen Himmelskörper im Bereich der Bahnen der Planeten bewegen, können sie gelegentlich in den Schwerkraftbereich eines solchen geraten. Dadurch werden sie mehr oder weniger von ihrem bisherigen Weg abgelenkt. Ihre Bahnen sind damit Veränderungen unterworfen. Sie können mal enger um die Sonne, mal weiter in den Raum hinaus führen. Kometen sind also ein instabiles Völkchen von Winzlingen, das doch ein bisschen - wie bei uns Menschen die Zigeuner - von den Planeten herumgeschubst wird.

Und von alldem nehmen wir nur Notiz, wenn sie mal »zufällig« wieder in der Nahe der Sonne/Erde ihre, kurze, aber recht kräftige Schau abziehen.

Was sind Kometen überhaupt?

Sie bestehen nach heutiger Erkenntnis aus zwei bis vier unterscheidbaren Teilen:

1. Dem NUKLEUS

Dies ist der eigentliche »Kern der Sache«. Das einzig Festkörperliche am Kometen. Er besteht vermutlich aus gefrorenen Gas- und Staubpartikeln. Und misst nur ein paar Kilometer querdurch. Der Nukleus ist auch der langlebige Teil, der viele Umläufe um die Sonne übersteht. Und vielfach das einzige, was in den langen Wegen des kalten Weltraumes, fern der Sonne, unbeirrbar weiterläuft.

Wenn er in Sonnennähe zurückkommt, erwärmt er sich und entwickelt die von der Erde aus sichtbaren Teile: Kopf und Schweif.

2. Dem COMA

Einige Kometenkerne sind von einer riesigen - für das Auge unsichtbaren - Hülle aus Wasserstoffgas umgeben. Sie kann mehrere Millionen Kilometer Ausdehnung haben - ist somit meist viel grösser als der sichtbare Kopf.

3. Dem KOPF

Er entsteht bei Annäherung an die Sonne, durch Sonnenwind-Erwärmung des Nukleus. Seine Grosse erreicht im Durchschnitt etwa zehnfachen Erd-Durchmesser. Er ist der absolut hellste Teil des Kometen - und bei manchen das einzige, was man überhaupt zu sehen bekommt.

Er besteht vorwiegend aus Gaspartikeln und feinsten Staubteilchen, deren Dichte geringer ist als das Vakuum in einer Glühbirne.

4. Dem SCHWEIF

Der Teil, der zu allen Zeiten die Phantasie der Menschen am meisten angeheizt hat. Er ist ähnlich zusammengesetzt wie der Kopf - aber mit noch weniger Dichte als dieser. Man hat Schweife beobachtet, die bis zu 150 Millionen Kilometer Länge erreichten (das ist die Distanz von der Sonne zur Erde).

Der Schweif entsteht in Sonnennähe. Der Druck des Sonnenwindes (Partikelstrahlung der Sonne) reisst Gasmoleküle aus dem Kopf heraus und treibt sie vor sich her in den Raum hinaus, Deshalb zeigt der Schweif immer von der Sonne weg, in welcher Richtung auch immer der Komet sich bewegt.

Was bringt uns Halley's Komet?

Wie deutet man Kometen?

Viele Astrologen wissen gar nichts mit Haarsternen (noch so ein schöner Name!) anzufangen. Und ignorieren sie deshalb einfach. Scharlatane wiederum nutzen die Gelegenheit, um mit lautem Geschrei auf sich aufmerksam zu machen. Sie drohen gerne mit der »Geisel Gottes« - und finden sich da in einem Topf mit gar manchem Sektenprediger, der die wehklagende Menge in seinen Betschopf strömen sieht. So geschehen noch im aufgeklärten zwanzigsten Jahrhundert in Mitteleuropa; etwa 1910 beim letzten Durchgang des Halley-Kometen. Es ist anzunehmen, dass sich auch diesmal wieder ein paar Schlaukopfe finden, die erfolgreich das Geschäft mit der Angst betreiben

Seit dem Altertum sind Kometen als Sendboten aus einer höheren Dimension betrachtet worden Und das hat wohl seine Richtigkeit, wenn wir den

Umstand in Rechnung ziehen, dass die meisten von ihnen für uns »aus den Tiefen des Alls auftauchen« (obschon das astronomisch »nur« die unmittelbare Umgebung des Sonnensystems, noch immer das Schwerefeld der Sonne ist). Aber hinter der Plutobahn beginnt für uns Erdenmenschen die Leere des interstellaren Raumes, der tödlich kalte »Horror vacui« (Schrecken der Leere). Fern der wärmenden Sonne verliert sich irdisches Leben in der Unendlichkeit des Raumes, in dem Zeit keinen erlebbaren Sinn mehr hat... eine nichtsinnliche Dimension also, von der diese Kometen künden.

Etwas besonders verhält es sich da mit Halley's und seinesgleichen. Er verlässt das bekannte Sonnensystem nicht, auch wenn wir ihn während 99 % seines Umlaufes nicht sehen können. Seme Sonnenferne erreicht er zwischen den Bahnen von NEPTUN und PLUTO auf 15 Grad LÖWE. Und das scheint mir bedeutungsvoll und sinnig.

Vor heute 36 Jahren (1948) hat Halley diese, seine äusserste Stellung erreicht. Pluto stand damals auf 13 Grad 30 LÖWE, also von der Erde gesehen in Konjunktion mit ihm. Und Neptun in sextilischem Abstand dazu in 10 Grad 14 WAAGE. Seither laufen diese beiden Planeten im Sextil zueinander, und das bis ins Jahr 2040! Eine Jahr-hundert-Konstellation, wie ich sie schon in Heft 6 erwähnte (S. 15/16).

Der Komet pendelt also in jeweilen 38 Jahren vom innersten Bereich des Son-

nensystems (Perihel nahe der Venusbahn, 1910) bis an dessen Grenze, zu den Wächtern an der Unendlichkeit (Neptun und Pluto, 1948); und von da wieder zurück zur Venus (1986). In der Konjunktion mit der Venus am 4. Februar 1986 kommt er ihr besonders nahe. Seinen sonnennächsten Punkt erreicht er am 9. Februar 1986 bei 15 Grad 07 WASSERMANN (siehe Horoskop für den Penheldurchgang).

Bringt der Halley'sche Komet die Friedensbotschaft derer, die mit der Unendlichkeit vertraut sind (Neptun/Pluto) zur Venus, die so sehr mit den Harmonien und Disharmonien unserer Endlichkeit befasst ist?

Und werden wir Endlichen diese Botschaft verstehen ...?

PS

Haben Sie in Ihrem Horoskop etwas in Konjunktionsnähe zur Achse 15 Grad Löwe - 15 Grad Wassermann? Dann sollten sie für Halley persönlich sensibilisiert sein. Und ausserdem sollten Sie vielleicht Ihre Venusstellung nochmals neu verstehen wollen.

Der Halley-Fahrplan

Erstmals wieder gesichtet:

16, Oktober 1982 auf 18°26 Krebs

SATURN's Bahn erreicht:

19.6.1983 9°21 Krebs

JUPITER's Bahn:

8.6.1985 24°38 Zwillinge

MARS-Bahn:

28.11.1985 29°05 Widder

VENUS-Bahn:

21.1.1986 24°41 Wassermann

PERIHEL-Durchgang:

9.2.1986 15°07 Wassermann