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Titel Ausgabe 21



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Zurück Ausgabe 21 vom 23.08.1984 • Seite 8ohne Login!

• Mythologie

Tierkreiszeichen auf antiken Münzen, Teil 1

Bruno Huber

Die Münzzeichen Jungfrau und Waage

Die Jungfrau und Hermes (röm. Merkur)

Wiederum erscheint Merkur als Herrscher des Zeichens mit der Lotuskrone, dem Heroldstab und seinem Sternsymbol. Darunter sehen wir die trauernde Demeter, die Göttin der Feldfrüchte. Verschleiert.medergebeugt, auf die zur Erde gesetzte Fackel gestützt und in der anderen Hand die herunterhängenden Kornähren mühsam haltend, verweilt sie auf der Suche nach der vom Gott der Unterwelt, Hades, geraubten Tochter. Sie verweigert den Feldern den Segen, Dürre überzieht das Land. Erst Zeus vermag sie zu versöhnen. Alljährlich darf Persephone für sechs Monate zu ihr auf die Erde zurückkehren.

Die Griechen verehrten in Demeter -ähnlich wie die Ägypter im Bild der Isis - das sich erhaltende Leben in Gestalt der nährenden Mutter. Die zur Mutterschaft bereite Jungfrau trägt in der Hand die Kornähre. Noch heute heisst so der hellste Stern des Himmelsbildes (Spica = arabisch: Kornähre). Der Mythos hat vielfache Aspekte. Die trauernde Demeter könnte eine Erinnerung an die Ablösung des Matriarchats durch die Männerkultur sein. Persephones Wandel durch die Welt des Todes und ihr Wiedererscheinen, trägt Züge der orphischen Lehren der Wiedergeburt. Rein äus-serlich bezeichnet der Mythos die Abhängigkeit vom Ausfall der Ernte.

In der Astrologie steht das Zeichen für einen Komplex von ähnlichen Abhängigkeiten und Zwängen, die dem Menschen auferlegt sind: Arbeit, Krankheit, soziale Abhängigkeit. Gegenüber deren unheilvollen Verstrickungen hat der Mensch nur seine schwache Kraft und seine Vernunft als Hilfen. Dass ihm die Notwendigkeit zum Guten ausschlägt, hat man den Gott des Verstandes und der Erkenntnis, den Vermittler des göttlichen Willens, als Herrn des Zeichens eingesetzt. Als Sinnbild schicksalhafter Ernte fallt das Zeichen in den August und September.

Die Waage und Aphrodite (röm. Venus)

Oben im Feld sehen wir die Büste der mit Haar- und Hutschmuck gezierten Aphrodite mit ihrem Sternsymbol über einer fliegenden weiblichen Gestalt, die eine nach unten hängende Waage in der einen Hand hält, während sie mit der anderen ihr Gewand an sich zieht.

Das Zeichen Waage ist verhältnismässig spät in den Tierkreis aufgenommen worden. Bei Babylomern und Griechen wird es lange Zeit »Scheren des Skorpion« genannt. Später gilt es als Bild der Uranustochter Themis, der Hüterin der ewigen Ordnung und Gerechtigkeit. Sie beruft die Versammlungen der Götter ein. Sie ist auch Eides- und Geburtsgöttin.

Nach anderen Überlieferungen sah man im Bild der Waage die Göttin der Gerechtigkeit Dike, die sich schaudernd von der verderbten Erde abwendet und in den Himmel entflieht,

Die Astrologen entnehmen dem von der Venus beherrschten Zeichen die Veranlagung des Menschen zur Harmonie und zur guten Beziehung, sei es gegenüber der Kunst, der Liebe, der Ehe, ja, jeder Art der Partnerschaft und der Allgemeinheit. Die Kräfte der Natur wenden sich in die Innerlichkeit der Winter- und Ruhezeit. Beim Eintritt der Sonne in das Zeichen Waage sind Tag und Nacht gleich lang. Der Kalender zeigt Sep-tember-Oktober.

(Nach Ludwig LEHR, Sonderdruck Helvetische Münzenzeitung)

Tierkreis und Antike

Bruno Huber

JUNGFRAU

Lat.: VIRGO, engl: VIRGO, franz.: la Vierge it.: la Vergine.

»KERNABABY« (Korn-Mädel), ein noch heute in Nordengland/Süd-schottland ausgeübter, uralter Brauch, verlangt, dass aus den letzten Garben, vom zuletzt abgeernteten Kornfeld, eine Puppe geformt wird. Sie muss mit weiblichen »Fummeln« bekleidet und dann im Triumph ins Dorf getragen werden. Dies ist ein Symbol der Fülle und ein Fruchtbarkeits-Ritus zugleich. Mit der Fruchtbarkeit kann aber im September nur diejenige des nächsten Jahres gemeint sein. (Es darf nur ein Teil der Kornernte gegessen werden, der Rest dient der neuen Aussaat.)

Der Brauch ist keltischen Ursprungs -stammt also aus der klassischen Zeit der griechisch-römischen Hochkultur. Und er drückt sehr genau den Sinngehalt aus, den man seit jener Zeit dem Zeichen Jungfrau zugeordnet hat.

Bei den Griechen war es im attischen Dialekt die »Jungfrau«, im jomschen das »korntragende Mädchen«. Allgemein wurde diese Figur mit PERSEPHONE identifiziert bei den Romern auch mit CERES, der Fruchtbarkeitsgöttin (heutige Astrologen ordnen den Planetoiden Ceres der Jungfrau zu). Auch Zuordnungen zu ISHTAR finden sich häufig. Und die spateren Araber teilen der Jungfrau uneingeschränkt als Herrscher die VENUS zu.

Die Griechen waren bekanntlich besonders eifrig in der Entwicklung ihrer Mythologie. Und so rankt sich denn ein riesiger Wust von vertauschten Namen und Figuren, von widersprüchlichen Geschichten um die Jungfrau. Die dann im Mittelalter noch um die weltfern/kontroverse Figur der MUTTER MARIA bereichert wurde.

Echt antike Wurzeln dieser Konstellation aber finden sich nicht Nur kärgliche, legendäre Spuren, die sich im Sande der Zeit des vorderen Orients verlieren ...

Da ist etwa die griechische Legende, dass die berühmte und rätselhafte ägyptische SPHINX (von der man annimmt, dass sie aus vorgeschichtlichen Zeiten stamme, d.h. von vor dem ersten ägyptischen Herrscher Menes) eine Konstruktion aus dem Lowenkör-per und dem Kopf der Jungfrau sei. Weil die Sonne damals zur Zeit der Nilflut durch diese beiden Konstellationstelle (Ende Löwe - Anfang Jungfrau) gelaufen sei. Die Nilflut war zu allen Zeiten ägyptischer Kultur die Basis der Lebenserhaltung (siehe auch Astrolog Nr 20).

Hier wäre also die ursprüngliche Form der Fruchtbarkeit gemeint - die nämlich noch Frucht (nach der Nilflut) hervorbringen soll. Und hier ist bestimmt nicht Jungfräulichkeit im Sinne der Keuschheit gemeint.

Was sich an Begriffen in der Antike immer wieder findet, sind: UNSCHULD, HARMLOSIGKEIT und EINFALT - aber auch UNRECHT, das der Unschuld geschieht. Doch diese Aussagen werden im allgemeinen dem Hauptstern der Konstellation, der SPI-CA. zugeordnet, die ganz offensichtlich in der astrologischen Frühzeit anstelle der Konstellation gestanden hat (siehe auch Konstellationsbeschreibung in diesem Heft S. 17).

WAAGE

Lat.: LIBRA, engl: Libra od. Scales, fr.: la Balance, it.: Bilancia.

Wie schon die Griechen und Römer, haben auch das arabische und europäische Mittelalter den Kardinalzei-chen eine erstrangige Bedeutung zugemessen. Das ist bis heute so geblieben (kardinal = bedeutenst, wichtigst). So war das aber nicht im früheren Altertum: die Sumerer, Chaldäer, Ba-bylonier, die Assyrer, Ägypter, Phönizier und Perser betrachteten die Konstellationen, die wir heute als Fixe Zeichen kennen, als die Säulen des Himmels schlechthin. Denn diese Sternbilder bringen allesamt grosse und augenfällige Bilder am Himmel hervor. Nicht so die kardinalen - wie wir schon bei Krebs gesehen haben.

Auch Waage ist eine unauffällige, aus lichtschwachen Sternen zusammengesetzte Konfiguration. Kein Wunder also, dass wir auch über sie aus dem Altertum fast keine eigenständigen Erwähnungen finden.

Zwar zeigt sie sich auf Grenzsteinen des alten Zweistromlandes (Euphrat/ Tigris = Babylon) Aber nur als ZUGABE ZUM SKORPION - und zwar in Form eines ALTARES, eines Weihrauchgefässes oder einer LAMPE (Nuru = Sonnenlampe). Das folgende Bild zeigt einen babylonischen Grenzstein von 1120 vor Christus, mit dem Altar rechts des Skorpions.

Auch die frühen Griechen sahen das, was wir als Waage ansehen, noch als die »KLAUEN DES SKORPIONS«.

Kurz nachdem Julius Cäsar ermordet worden war, erschien an dieser Stelle des Himmels ein Komet (der seither mit einer Periode von 574 Jahren noch dreimal erschienen ist). Es war sein Nachfolger Augustus, der die Erklärung erfand, dass der Komet gekommen sei, um die Seele des Cäsars in den Himmel zu tragen. Und er vergass dabei nicht zu erwähnen, dass sein eigener Geburtstag sich jähre, wenn die Sonne zu den Waagesternen zurückkehre. Er trieb einen ordentlichen Kult damit. Ihm haben wir wohl die Popularität dieses Zeichens zu verdanken.

Seltsam sind auch die Wandlungen der Zuteilung des Zeichenherrschers bei Waage. Es waren die Babylonier, die ihm die VENUS zuerkannten (Ve-neris Sidus). Das wandelte sich bei den Römern zu VULKAN (Vulcani Sidus), während die Araber mit MARS ganz abseits gingen (!?).

Die Römer verlangten für sich, dass sie die Waage als zwölftes Zeichen in den Tierkreis eingebracht hätten. Doch schon um 700 v. Chr. findet sich bei den Griechen das JOCH, später der WAAGEBALKEN als eigenes zo-diakales Symbol.

In der Antike finden sich die Begriffe ANBETUNG (Altar) und ERLEUCHTUNG (Lampe); später erst - in der klassischen Zeit - der noch heute zentrale Sinnzusammenhang: ABWÄGEN - GERECHTIGKEIT - JUSTIZ.