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Titel Ausgabe 22



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Zurück Ausgabe 22 vom 23.10.1984 • Seite 6ohne Login!

• Glosse

Planeten im Alltag

Marianne Glünz

Anfängern in der Astrologie fällt es oft schwer, den Sprung von der theoretischen Bedeutung der Planeten zu ihren Auswirkungen auf unser alltägliches Verhalten zu tun. Ich habe einmal einem Freund, der von Astrologie noch nicht viel wusste, die sieben klassischen Planeten erklärt und mit folgendem Beispiel das Zusammenspiel der Planetenkräfte veranschaulicht:

Eines schönen Abends gehst du von der Arbeit nach Hause. Du hattest einen strengen Tag und seit dem Morgen nicht viel gegessen. Dein Körper (Saturn) meldet daher ein dringendes Ernährungsbedürfnis an. Saturn zwingt dich dazu, etwas zu essen, sonst würdest du verhungern. Damit du dich aber dieser Notwendigkeit auch fügst, verbündet sich Saturn mit deinem Mond, deinem Empfinden und Gefühl. Du fühlst dich jetzt nämlich auch wirklich hungrig, und der Gedanke an eine warme Mahlzeit erscheint dir sehr verlockend. Saturn und Mond, die Notwendigkeit, etwas zu essen, und das unangenehme Hungergefühl, werden von deinem Ich, deinem Bewusstsein, der Sonne, wahrgenommen. Sie empfängt die Hungerbotschaft, und an ihr liegt es jetzt, weitergehende Entscheidungen zu fällen. Wenn sich dein Ich, deine Sonne, gerade im Hungerstreik befände, würde die Entscheidung gegen die Nahrungsaufnahme fallen. Da könnten alle deine anderen Planetenfunktionen rebellieren, soviel sie wollten. Was gemacht wird, bestimmt letztendlich die Sonne. Allerdings braucht es schon eine sehr starke und harte Sonne für einen Hungerstreik (unterstützt von Pluto und Mars vielleicht), denn Mond und Saturn werden alles versuchen, um die Sonne umzustimmen.

Aber da du dich nicht im Hungerstreik befindest, wird deine Sonne entscheiden, dass Nahrung beschafft werden muss. Dafür hat sie jetzt eine Reihe von Untergebenen. An sie erteilt sie den Befehl, sich darum zu kümmern. Nachdem du also mit deiner Sonne den Entschluss gefasst hast: Einkaufen! musst du dich in Bewegung setzen. Das machst du mit deinem Mars.

Der geht jetzt zielbewusst in einen Laden, greift nach dem Einkaufswagen und steuert ihn zwischen den Regalen hindurch. Dann erhebt sich die Frage, was du essen willst. Dabei lässt du dich von deinem Lustempfinden, von der Venus leiten. Sie gibt dir zum Beispiel ein, wie gut jetzt ein Linseneintopf schmecken würde, dass dazu noch ein Stück dunkles Brot passen würde und dass du auch ein Getränk nicht vergessen darfst, weil trockenes Brot und Linsen allein nicht sehr angenehm wären. Schliesslich sieht sie vielleicht ein paar Blumen oder ein verlockendes Stück Schokoladekuchen und verführt dich dazu, dir das Essen mit ein bisschen Luxus noch schön abzurunden.

Du stehst also vor den Regalen und betrachtest dir die Sachen, die du kaufen willst. Alles, was du aufnimmst, verarbeitest du mit Merkur. Du erkennst zum Beispiel, dass eine Büchse Tomaten total verbeult ist. Oder du siehst dir die Preisschilder an und registrierst den Preis. Mit Merkur unterscheidest du auch die vielen Brotsorten voneinander, helle und dunkle, schon geschnittene, Toastbrot usw. Du liest, was auf den Packungen drauf-steht, du kalkulierst ungefähr die Menge, die du brauchst. Wenn du auch noch Eier kaufst, wird Merkur erkennen, dass es viele verschiedene Packungen gibt, billige, teure, Trinkeier, weniger frische, ausländische, inländische. Merkur hat also ganz schön viel zu tun beim Einkaufen. Aber die Bewertung dessen, was er registriert, nimmst du mit Jupiter vor. Er lässt dich zum Beispiel nach dem dunklen Brot greifen, weil es gesünder ist, auch wenn es vielleicht ein Spezialbrot und damit etwas teurer ist. Und wenn du dich für die Eier entscheidest, die von Hühnern aus Freilandhaltung und nicht von Käfighühnern stammen, ist das ein deutlicher Jupiterentscheid. Du zahlst nämlich für das Ideal des Tierschutzes grad noch einmal so viel wie für die billigsten Eier. Mit Merkur allein würdest du einfach so rationell und billig wie möglich einkaufen. Jupiter kann dich aber auch nach einer billigen Packung greifen lassen, weil es gerade auf das Monatsende zugeht und du nur noch wenig Geld hast. Dann ist es sinn-voller, nicht so viel Geld für Eier auszugeben, damit für die anderen Dinge, die man braucht, auch noch etwas bleibt. Wenn das hohe Ziel eines Jupiters die Wertsteigerung des Bankkontos ist, wird er überhaupt immer nur den Entscheid für das Billigste treffen.

Also noch einmal ganz kurz: Mit Mars erledigst du alle Bewegungsabläufe, Venus vertritt dein Lustempfinden j und deine Bedürfnisse, mit Merkur j registrierst du alles und mit Jupiter ; triffst du die Wahl in Entscheidungssituationen. Nun ist es natürlich nicht so, dass Sonne, Saturn und Mond beim Einkauf einfach verschwinden. Die sind immer auch beteiligt, aber die aktive Arbeit leisten vor allem Mars, Venus, Merkur und Jupiter.

Wie dieser Prozess nun im einzelnen abläuft, hängt davon ab, wie die Planeten im individuellen Fall gelagert sind. Es kaufen ja keine zwei Menschen genau gleich ein. Du kannst deinen Einkaufswagen zielbewusst und schnell durchschieben oder langsam und schlendernd, du kannst überall anstossen oder auch die engsten Durchgänge spielend meistern, das hängt eben ab von deiner Marsstellung. Der Widdermars wird seinen Wagen wie ein Sportauto führen, beim Fischemars wird man vielleicht denken: Hoffentlich findet er überhaupt den Ausgang wieder, weil alles so ziellos wirkt. Wenn jemand einen sehr rot aspektierten Merkur hat, wird er wohl kaum mit kühlem Kopf Preise vergleichen. Eine Steinbockvenus findet einen Blumenstrauss wahrscheinlich Firlefanz, kauft sich aber ein Stück Früchtekuchen. Das ist zwar auch Luxus, hat dafür aber wenigstens ein paar Vitamine, und die kann der Körper ja gut brauchen.

So gibt es ungezählte Möglichkeiten, wie die Planeten im Einzelfall reagieren, je nach Stellung und Aspekten. Und dahinter steht immer die Sonne, die auch noch ein Wörtlein zu sagen hat. Wenn zum Beispiel der Mensch mit der Steinbockvenus eine Waagesonne hat, greift diese vielleicht beim Blumenstrauss ein und sagt: »Halt, der Blumenstrauss muss her, wir haben heute abend Besuch, und da muss der Tisch hübsch gedeckt sein, das ist gut für die Stimmung.« Und so wird der Blumenstrauss gekauft, aber nicht von der Steinbockvenus, sondern mit dem Willen der Waagesonne.

Es lassen sich unzählige ähnliche Situationen in unserem Alltag finden, in denen wir das Wirken der Planeten in uns immer wieder neu durchdenken und analysieren können.