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Titel Ausgabe 22



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Zurück Ausgabe 22 vom 23.10.1984 • Seite 2ohne Login!

• Astronomie

Giotto und der Komet, Teil 2

Bruno Huber

GIOTTO und der KOMET

Teil II

Was hat Giotto di Bondone (1267-1337), der vielleicht grösste Maler aller Zeiten, der vor mehr als 700 Jahren geboren wurde, mit unserem Kometen zu tun?

Ganz einfach: er malte - als einer der ersten - einen Kometen in sein berühmtes Bild »Die Anbetung der Hl. Drei Könige«. Er hatte selber 1301 einen solchen beobachtet. Und wie wir heute wissen, war das unser HALLEY.

Giotto war der Auffassung, dass der »Weihnachtsstern«, der die Weisen aus dem Morgenland nach Bethlehem führte, ein Komet gewesen sei. Mit ihm glaubten das auch so gewichtige Leute wie der Philosoph PETRARCA und der Poet DANTE (sie waren Freunde). Dieser Auffassung hat sich übrigens 300 Jahre später auch ein Johannes Kepler noch angeschlossen.

Die heutige Meinung der Fachleute ist, was den Weihnachtsstern betrifft, dass es die enge Konjunktion von Jupiter und Saturn im Jahre 6 v.Chr. gewesen sei (siehe Astrolog Nr. 11).

Die Tatsache, dass Giotto (der übrigens wie Dante, ein profunder Kenner der Astrologie war - er hatte wahrscheinlich die astrologischen Fresken in Padua gemalt s. Astrolog Nr. 13) den Kometen Halley beobachtet und gemalt hatte, bewog heutige Raketentechniker der ESA (Europäische Raumfahrt Gesellschaft) eine bestimmte RAUMSONDE GIOTTO zu nennen.

Kometen - Kamikaze

Diese Raumsonde soll 1986 den Kometen Halley begrüssen, indem sie sich, wie ein Kamikazeiflieger, in ihn stürzt. Juli 1985 soll GIOTTO mit einer Aria-ne-Rakete von Kourou Richtung Halley gestartet werden. Bis März 1986 wird er brauchen, um den Treffpunkt mit dem Kometen in der Nähe der Venusbahn zu erreichen.

Der Sinn dieser Übung ist von epochaler Bedeutung für die wissenschaftliche Erkenntnis. Bei der Annäherung

an den Kometen wird Giotto nähmlich durch dessen Schweif und Kopf hindurch stossen. Und dabei wird ein komplexes Instrumentarium an Bord alle möglichen Messungen vornehmen und gleichzeitig die Resultate zur Erde funken.

Bei der hohen relativen Geschwindigkeit der Sonde (69 km pro Sekunde) wird das Bombardement der (wenn auch sehr locker gestreuten) Kometenteilchen die Instrumente bald zerstören. Man hat die Sonde so konstruiert, dass diese - so hofft man -etwa vier Stunden innerhalb des Kometen durchhalten werden. Nach Durchgang durch den Kometen wird die Sonde zwar noch existieren (und weiterfliegen) - aber sie wird »blind«, und damit fortan unbrauchbar für uns sein. - Soweit die heute möglichen Berechnungen der Astronomen und Raumfahrttechniker. Was dann wirklich passieren wird, wissen wir nach dem 13. März 1986 ...

Man stelle sich vor: ein von Menschen gemachter Erkundungsapparat nimmt physischen Kontakt mit einem Kometen auf, und funkt zur Erde in Bild und Ton was er da in 145 Millionen Kilometern Entfernung erlebt. Das ist, wie wenn wir erdgebundenen Menschen unsere Sinnesorgane (Augen und Ohren) soweit ausstrecken könnten. Ich vermute, die Kometen müssen um ihr »Image« fürchten. Denn was sie uns bisher aus Millionenentfernungen vormachen konnten, war natürlich immer eine makellose Schau. Aber aus grosse Nähe verliert das Verklärt/Geheimnisvolle eines »Star-Images« vieles von seinem Zauber. Wenn ich an die teilweise grauslichen Geschichten und Prophezeihun-gen der Vergangenheit denke, so kann uns das nur gut tun.

Aber für die Ent-Täuschung werden wir mit Sicherheit auch entlohnt werden: Schon auf der wissenschaftlichphysikalischen Ebene zeichnet sich ein Meilenstein auf dem Weg der menschlichen Erkenntnis der Natur unserer kosmischen Heimat ab.

Denn nach dem heutigen Stand des physikalisch-astronomischen Wissens, müssen wir annehmen, dass Kometen aus jenem Urstoff gemacht sind, aus dem vor vier oder fünf Milliarden Jahren das ganze Sonnensystem entstanden ist.

Das heisst also, dass uns das Wissen um die Entstehung des Sonnensystems, ja vielleicht des Kosmos überhaupt nächstens ins Haus steht... Ist das was?

Dass die »schmutzigen Schneebälle« (ein modernes astronomisches Kosewort für die Kometen) mit ihrem Schweif nicht die Erdatmosphäre vergiften, wissen wir seit Halley (s. Astrolog Nr. 21). Dass wir der Lösung des Rätsels der Weltentstehung um einen gewaltigen Schritt näher kommen, wird uns Komet Halley diesmal kaum mehr verwehren können. Für das Opfer einer Raumsonde ... Kometen-Kamikaze!

Übrigens werden auch die Russen und die Japaner Sonden zu Halley entsenden. Die Russen zwei solche, die nacheinander bis auf etwa lO'OOO km an den Kern heranfliegen, die Japaner eine, die auf lOO'OOO km herangeht. Das wird verschiedenartige Bilder vom selben Objekt bringen.

Es wurde ein übernationales Komitee gegründet, das alle Halley-Aktivitäten (auch die Beobachtungen von der Erde aus) koordinieren wird: das IHW = International Halley Watch. Die Menschheit macht alle Mittel mobil, setzt eine richtige Treibjagd in Gang, um endlich unserem »Alten Bekannten« auf die Spur zu kommen. Es ist -meine ich - ein bemerkenswerter Vorgang im Bewusstsein der Menschheit ...

Und was tun wir Astrologen?

Wir sollten an diesem Prozess der Bewusstseinserweiterung, auf unserer eigenen Ebene, teilnehmen. Ich will nicht unbedingt ein IAHW (International Astrological Halley Watch) vorschlagen. Das wäre beim ausge-

prägten Individualismus der Astrologen wohl auch kaum praktisch zu machen. Aber gibt es nicht eine ganze Menge astrologische Fragen, denen wir eben individuell nachgehen können?

Haben Kometen in persönlichen Horoskopen eine feststellbare Wirkung?

Wie wirken sich Kometen mun-dan (d.h. im Weltgeschehen, politisch, wirtschaftlich, kollektiv usw.) aus?

Bis zu welcher Grössenordnung stellen wir astrologische Wirkungen fest? Vielleicht nur bei von Auge sichtbaren?

Haben bei Kometen die astrologisch klassischen Modifikatoren wie Zeichen, Häuser und Aspekte eine feststellbare Bedeutung?

Man könnte noch viel mehr Fragen stellen, denn was wir aus den Büchern wissen ist wenig; und es ist widersprüchlich, daher unzuverlässig.

Der ASTROLOG möchte Ihnen bei Ihrer Forschung ein bisschen behilflich sein. Wir halten deshalb zweierlei Hilfen zu Ihrer freien (d.h. gratis) Verfügung:

Eine genaue Ephemeride des

diesmaligen Durchgangs des Kometen Halley (1981-86, von Tag zu Tag).

Eine ebenso genaue Kurzephemeride von Halley (1984-86 für jeden siebten Tag).

Eine »ungefähre« Ephemeride der Grossen Kometen seit 1400.

Ein Verzeichnis der Grossen Kometen seit 1400 (mit Jahreszahlen - zum Aussuchen).

Gegen ein adressiertes, mit Briefmarken versehenes Kuvert, senden wir Ihnen das Gewünschte gerne zu. Eine Ausnahme: die Ephemeride der Grossen Kometen ist ein ganzes Buch. Davon können wir nur einige für Sie speziell herauskopieren. Benützen Sie also die letztgenannte Auswahlliste, wenn Sie geschichtliche Horoskope durcharbeiten wollen.

Wir würden natürlich gerne von Ihren Funden hören. Wir könnten da als Koordinationsstelle für Kometenwissen funktionieren (also doch ein »IAHW«?). Daraus folgend werden wir in der Zukunft über interessante Erkenntnisse im ASTROLOG publizieren.

Zum Schluss noch ein paar Beispiele geschichtlichen Kometenwissens, für Sie als Richtwerte.


Mission Giotto. Das obere Bild zeigt im äussersten Kreis die Erdbahn. Sie bewegt sich im Gegenuhrzeigersinn um die Sonne (wie alle Körper im Sonnensystem); ebenso die Sonde Giotto (punktierte Kreislinie). Die querdurchlaufende Kurve ist die Bahn des Kometen. Wie ersichtlich bewegt er sich entgegen der Planetenbewegung (also rückläufig). Komet und Sonde rasen also am Treffpunkt (4) aufeinanderzu deshalb die hohe Auftreffgeschwindigkeit vor 248'000 Stundenkilometern! (Gleiche Zahlen sind Standorte zu gleichen Zeiten der drei Körper.)


Die untere Darstellung zeigt den Weg Giottoi durch den Kometen. Der Kern (nucleus) bleib verschont.

Claudius Ptolemäus

(ca. 100-170 n. Chr.) »Tetrabiblos« Bei ihm findet sich nur spärliches, und dazu sehr vage ausgedrücktes Kometenwissen. An einer Stelle sagt er, dass man auf die FORM DES KOMETENSCHWEIFES achten soll, um auf die Art der kommenden Ereignisse Schlüsse zu ziehen. Wobei er auslässt, brauchbare Kriterien zu liefern. Zum ändern sagen nach ihm die GRADE DES ZODIAKS, in denen der Komet zuerst sichtbar wird, aus, welche Gegenden der Erde davon betroffen sein werden. Hierfür verwendet er die von ihm im Tetrabiblos gegebenen, und auch der heutigen Astrologie bekannten Zuteilungen der Tierkreiszeichen zu Ländern und Landstrichen. Und schliesslich sagt die ZEITLICHE LÄNGE DER SICHTBARKEIT über die Dauer und Heftigkeit der Ereignisse aus.

Dazu als konkreten Hinweis: »Erscheint der Komet am Morgenhimmel, und ist somit am Tag sichtbar, so werden die Wirkungen sofort eintreten, und von kurzer Dauer sein ...« Und für den am Nachthimmel stehenden folgerichtigerweise umgekehrt.

Und an einer anderen Stelle: »Ausserdem künden auch die Haarsterne ... stets rauhe Winde, und das umso heftiger in je grösserer Zahl sie sich zeigen, oder je grösser sie selbst in die Erscheinung treten.«

Hieronymus Cardanus (1501-1576)

In seinen »Aphorismen« der Sieben Segmente gibt er einige konkrete Deutungshinweise. So etwa, dass ein stillstehender Komet, d.h. wenn er stationär ist, Aufruhr bedeute, während ein bewegter Krieg bringe (»eine Nation überfällt die andere«). In Kardinalen Zeichen verursacht er den Tod von Prinzen und grossen Männern -

in Erdzeichen flaue Ernte durch Trockenheit und m Wasserzeichen durch zuviel Regen. Luftzeichen bringen starke Winde, Aufruhr und Pestilenz, während Feuerzeichen schreckliche Kriege und Schlächtereien auslösen sollen.

Man möchte solches am liebsten nicht lesen. Aber es ist der allgemeine Ton wenn die Rede auf Kometen kommt. Die Liste liesse sich um einiges verlängern. Trotzdem lässt sich bei Abstraktion des Negativen erkennen, dass eigentlich zur Beurteilung ganz klar die bekannten astrologischen Prinzipien verwendet werden (Kreuze, Temperamente = Zeichen).

Fast alle Kometenaussagen werden auf Kollektivschicksal bezogen. Aber bei Cardanus findet sich z.B. folgende Individualaussage: »Wenn eine Frau beim Erscheinen eines Kometen im vierten, sechsten oder achten Monat ist, so wird das Kind zu Ärger und Streit neigen - wenn von besserer Qualität, zu Aufruhr« - Sehr tröstlich, nicht!

Überhaupt scheint bei den meisten Autoren der Zeitpunkt des Erscheinens (Sichtbarwerdens) als etwas primär wichtiges gewertet zu werden. Da taucht für uns im Falle unseres Halleykometen aber die Frage auf: »welcher Zeitpunkt ist das?« Denn erstmals gesichtet wurde er schon 1981 - allerdings mit elektronischen Geräten und Riesenfernrohren. Für das unbewaffnete Auge wird er erst nächstes Jahr sichtbar werden.

Sie sehen, es ist zum (astrologischen) Verzweifeln mit diesem Kometen: Fragen, Fragen - nichts als offene Fragen ...

PS. ein dritter Artikel über Kometen wird folgen.