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Titel Ausgabe 23



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Zurück Ausgabe 23 vom 21.11.1984 • Seite 2ohne Login!

• Astronomie

Woher kommen die Kometen?, Teil 3

Bruno Huber

Seit der erste Kometenartikel im Astrolog erschienen ist, wird mir, in Kursen und durch Briefe, immer wieder diese Frage gestellt. Ich könnte natürlich einfach sagen: »Wir wissen es nicht!« oder dann: »Aus dem unendlichen Weltraum«. Letzteres wäre zum mindestens eimgermassen richtig; ersteres eigentlich wahr. Denn WISSEN tun wir es tatsächlich nicht! Vorläufig gibt es nur Theorien, Hypothesen . ..

Unser Wissen über Kometen besteht aus einer sehr grossen Zahl von wissenschaftlichen Einzelfakten - und damit wird die im Titel gestellte Frage zu einer »grösseren Bestellung«. Denn sie greift letztlich bis zur noch grösseren Frage nach der Entstehung des Universums aus. Ein wenig Wissen um übergreifende Zusammenhänge wird Jiier notwendig.

Das Bild von unserem Sonnensystem ist, durch ständige Zunahme an astronomischem Wissen, seit dem Beginn menschlicher Kultur gewachsen. Erst waren nur Sonne und Mond als grosse Dualität Taglicht/Nachtlicht, die sich in stetem Rhythmus und Wechsel über unserer Erdplatte bewegten.Sie zeigten die Jahreszeiten an, und machten schon früh das Aufstellen von Kalendern, und das Vorauserkennen von Sonnen- und Mondfinsternissen möglich (z.B. Stonehenge, 2000 v. Chr.).

(http://de.wikipedia.org/wiki/Stonehenge)

Dazu kam dann schrittweise die Entdeckung von sechs Wandelsternen, und die Erkenntnis ihrer scheinbaren, zyklischen Bewegungen (Ephemeriden ab ca. 600 v. Chr.).

Im 17. Jahrhundert wurde die wirkliche Gestalt des Sonnensystems erkannt (Kopernikus, Kepler, Galilei). Und die Formulierung der Bahngesetze führte zum Gravitationsgesetz (Newton). Die Schwerkraft als ordnendes Prinzip aller Bewegungen im Sonnensystem wurde erkannt, und brachte seit dem 18. Jahrhundert die Auffindung von Himmelskörpern, die mit blossem Auge zwar nicht sichtbar waren, aber doch zum Sonnensystem gehörten (Asteroidengürtel und neue Planeten). Damit ist das obige Bild vollständig.

Erst im 19. Jahrhundet entwickelte sich - etwa mit dem exakten Ausmessen von Sterndistanzen, oder mit der Unterscheidung von Spiralnebeln als übergeordnete Sternsysteme (Galaxien, die Millionen von Sonnen vereinigen) - ein räumliches Bild von den Weiten des Kosmos. Die Erkenntnisse unseres Jahrhunderts lassen schliess-lich das astronomische Weltbild in seiner Unzählbarkeit an Forschungsergebnissen in eine logistische Abstraktion ausmünden, der der ungebildete Laie keine Anschaulichkeit mehr abgewinnen kann.

Aus der Sicht dieser letzten beiden Jahrhunderte gesehen, kommen die Kometen nicht aus dem »unendlichen« Weltraum, sondern »vom Rand des Sonnensystems«. Gemäss einer modernen, und in astronomischen Kreisen weitherum akzeptierten Hypothese, bewegen sie sich an der äusseren Grenze des Gravitationsfeldes unserer Sonne, Und das ist sehr, sehr weit weg: fast 1000 mal weiter draussen als Pluto, der äusserste Planet.

Wenn Sie das also in die oben gezeigte Darstellung des Sonnensystems massstabgerecht eintragen wollten, so müssten Sie das sechseinhalb Meter ausserhalb dieses Heftes tun. -Von daaaa her also kommen die Kometen!-?

Die Oort'sche Wolke

Vor einigen Jahren hat ein holländischer Astronom, ein gewisser Herr Oort - nach jahrelangen Computersimulationen, in die er alle bisher bekannten Kometenbahnen, und natürlich die sämtlicher Planeten, einbezog - eine Kometentheorie stipuliert. Danach bewegen sich, in der Distanz von rund einem Lichtjahr, an die einhundert Milliarden Kometen (in Zahlen: IOO'000'OOO'OOO) in einer kreis- bzw. kugelförmigen Wolke um das Sonnensystem. Sie kreisen da in einem labilen Zustand am Rande des Machtbereiches (Schwerefeld) unserer Sonne -sozusagen auf Warteposition.

Die kleinste gravitatorische Gleichgewichtsstörung - etwa durch einen vorbeiziehenden, kosmischen Körper mit genügender Eigengravitation - kann einzelne Kometen aus ihrem instabilen Orbit herausreissen. Diese werden entweder in den Raum ausserhalb gezogen, und gehen der Sonne verloren -oder aber, sie fallen ins Zentrum des Sonnensystems. Und erscheinen prompt ein paar tausend Jahre später bei uns als »Schweifsterne«. Was dann weiter mit einem/solchen Kometen geschieht, hängt von seinem Einfallswinkel ab. Es gibt da die berühmten zwei Möglichkeiten:

1) Wenn der Einfallswinkel sehr steil ist (grad auf die Sonne zu), dann ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass er aus dem System hinausgeschleudert wird - und auf Nimmerwiedersehen in den fernen Weltraum verschwindet.

2) Wenn er weniger steil, und daher langsamer hereinkommt, kann ihn die Sonne »einfangen«. Er wird dann ein periodischer Komet, der immer wiederkehrt. Die kürzeste, bekannte Periode liegt bei etwa zwei Jahren. Die längste bei einigen Zehntausend.

Unser Halley, der zur zweiten Gruppe gehört, hat eine Periode von rund 76 Jahren. Er durchmisst in diesem Zeitraum den ganzen heute bekannten Planetenbereich unseres Sonnensystems.

Soweit die Hypothese von der Oort'schen Wolke. Für viele mag sie recht abstrus tönen. Sie steht aber wissenschaftlich auf ganz massiven, mathematischen Füssen. Denn der grösste Teil der von Oort zurückverfolgten Kometenbahnen enden schliesslich in einem Sonnenabstand zwischen 0,7 und 1,5 Lichtjahren = der Oort'schen Wolke.

In einer ringförmigen Wolke würden also die Kometen kreisen. Und das uns bekannte Planetensystem, bis hinaus zum Pluto, wäre innerhalb des weissen Punktes in der Mitte zu sehen.

Unser eigenes System können wir natürlich nie so fotografieren, weil wir mittendrin sitzen. Und eine unserer Raumsonden würde ein paar hunderttausend Jahre brauchen, um so weit raus zu kommen.

Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass es sich bei der Oort'schen Wolke um eine Arbeitstheorie, eine Hypothese handelt. Alle wissenschaftliche Forschung arbeitet phasenweise mit solchen Hüfstheorien. Manche müssen an der Wirklichkeit korrigiert, manche verworfen werden. Aber die Oort'sche gehört wahrscheinlich zu jenen, die später durch die Realität grosso modo bestätigt werden.

Zum vorläufigen Abschluss dieses spannenden Themas, möchte ich nochmals auf unser astrologisches Denken zurückkehren.

Zur Frage: Zeitpunkt des Erscheinens; wann ist das? Wenn wir den Kometen elektronisch erstmals ermitteln (1982) oder wenn wir ihn mit blossem Auge sehen können (1985)? Hier ein Denkansatz aus erster Erfahrung.

Als Halley 1982 entdeckt wurde, hat, ausser ein paar Spezialisten, kein Mensch davon Notiz genommen. Aber Mitte des ausgehenden Jahres (1984) erschienen plötzlich überall in den Massenmedien Artikel über »Halley is back in town«, »Der Komet kommt wieder« etc. etc. Plötzlich ist er also aller Welt im Bewusstsein erschienen. Mir scheint fast, dass wir heute diesen Zeitpunkt als den des »Erscheinens« nehmen müssen. (Erfreulicherweise hat der Komet bis dato noch keine Panik ausgelöst!)

Sommer 1984 also. Und da fällt mir auf, dass sich seit dieser Zeit eine der Regeln, die ich von Ptolemäus in Nr. 22 zitierte, zu bestätigen scheint. Wir haben seither über ganz Europa zunehmend heftige Winde ...

Und da haben wir prompt wieder einen von jenen »akausalen« Ansätzen, die allen kausaldenkenden Menschen bei der Astrologie so Mühe machen. »Wo ist denn hier der Zusammenhang - zwischen einem noch nicht sichtbaren Kometen - dem Bewusstsein der Menschheit - und unserem Wetter?«

Mehr vom Kometen, wenn Neuigkeiten anfallen.

Wie entsteht ein Planetensystem? (eine vereinfachte Hypothese)

Der Weltraum ist nicht leer, sondern mit Gas- und Staubpartikeln in feinster Verteilung durchwoben (Hochvakuum). Darin schweben dichtere Inseln von kosmischem Staub - viele Lichtjahre im Durchmesser. In einer solchen kann ein Gravitationswirbel entstehen, der den Staub an sich zieht.

Der Staub verdichtet sich zu »Klumpen«. Der grösste Klumpen entsteht im Zentrum der Gravitation. Er wird schliesslich so gross, dass er die »kritische Masse« erreicht, bei der eine atomare Zündung zuwege kommt. Durch diese Kernfusion entsteht eine Sonne, die künftig hin das ganze System mit Energie versorgt.

Unter dem Regime der Sonnengravitation ordnet sich die verbleibende Materie nach den Naturgesetzen in bestimmte Bahnen um die Sonne (z.B. Titius-Bode'sche Abstandsregel; s. Astrolog Nr. 16). Übrig bleiben verschiedene Grössenordnungen körperlicher Materie.

PLANETEN - nahezu kugelförmige Körper von tausend bis zehntausen-den Kilometer Durchmesser.

PLANETOIDEN oder ASTEROIDEN -unregelmässig geformte »Brocken«. Durchmesser von Hunderten Kilometer.

KOMETEN und METEORE - Grössen-

ordnung: wenige Meter bis einige Kilometer (viele Meteore sind zerfallene Kometen).

TRÜMMERSTÜCKE - nur Zentimeter-bis Metergrösse. Sammeln sich meist in »Strömen« oder in Ringen um Planeten (Saturnringe!).

AUSSERDEM - verbliebener, freischwebender Staub; von der Sonne ausgestossene Plasmafelder; Sonnenwind (ständige Solarstrahlung) und vieles andere mehr ...

Und all das ist in ständiger Bewegung begriffen. Je grösser ein Körper, umso erheblicher seine Gravitationswirkung, mit der er wiederum die anderen Körper beeinflusst - ein gigantisch-komplexes Kräftespiel (das wir, was die Planeten betrifft, in unseren Horoskopen als Aspektbild vereinfacht darstellen).

Die Planeten als grösste Körper haben einigermassen stabile konzentrische Bahnen um die Sonne. Viele Planetoiden dagegen haben sehr exzentrische Orbits. Kometen und Meteore gar sind instabil. Sie können von einer zur nächsten Sonnenumrundung in eine neue Bahn gezwungen werden, da sie der starken Gravitation grösserer Körper, denen sie zu nahe kommen, nichts entgegenzusetzen haben.