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Titel Ausgabe 23



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Zurück Ausgabe 23 vom 21.11.1984 • Seite 6ohne Login!

• Deutungspraxis

Beziehung – Partnerschaft, Teil 1

Ursula Hunkeler

Von der Ehe

... lasset Raum zwischen eurem Beieinandersein,

Und lasset Wind und Himmel tanzen zwischen euch.

Liebet einander, doch macht die Liebe nicht zur Fessel:

Schaffet eher daraus ein webendes Meer zwischen den Ufern eurer Seelen. Füllet einander den Kelch, doch trinket nich aus einem Kelche.

Gebet einander von eurem Brote, doch esset nicht vom gleichen Laibe.

Singet und tanzet zusammen und seid fröhlich,

doch lasset jeden von euch allein sein.

Gleich wie die Saiten einer Laute allein sind, erbeben sie auch von derselben Musik.

Gebet einander eure Herzen, doch nicht in des ändern Verwahr.

Denn nur die Hand des Lebens vermag eure Herzen zu fassen.

Und steht beieinander, doch nicht zu nahe beieinander:

Denn die Säulen des Tempels stehen einzeln,

Und Eichbaum und Zypresse wachsen nicht im gegenseit'gen Schatten.

Khalil Gibran

Allgemeine Betrachtungen

Unser menschliches Leben IST Beziehung - Beziehung in irgendeiner Weise, in irgendeiner Form - sei dies nun zu den alltäglichen Dingen des Lebens; sei dies zur Natur, zu Pflanzen, zu Tieren, zu Landschaften, sei es zur Musik zu Farben usw. Und last but not least, woran wir schliesslich zuerst denken, wenn wir den Begriff Beziehung hören: die Begegnung mit dem Menschen.

Wir alle stehen täglich in Beziehung zu ändern Menschen, in intensiver oder weniger intensiver Weise. Und erst, wenn wir uns bewusst in Beziehung setzen (sei dies zu Dingen oder zu Menschen) werden wir fähig zu verstehen, zu begreifen. Die Beziehung zwischen zwei Menschen, die Partnerschaft, ist eine hervorragende Möglichkeit zu lernen, sich weiterzuentwickeln und zu wachsen.

Aber ganz offensichtlich ist das auch eine recht schwierige, so oft schmerzhafte Angelegenheit. Wohl die meisten unserer Leser werden dies aus eigener Erfahrung bestätigen können. Und so überwiegen auch in der Beraterpraxis diejenigen Menschen, die Hilfe suchen in der Konfliktlösung ihrer Partnerschaftsprobleme.

Wie kommt es zu diesen Schwierigkeiten? Es sind vielschichtige Probleme, die hier ineinanderspielen und einer näheren Betrachtung bedürfen. In dieser und der folgenden Nummer werden wir versuchen, diese etwas näher zu beleuchten.

Versuchen wir, von »vorne« zu beginnen: zwei Menschen begegnen sich, fühlen sich zueinander hingezogen - sie verlieben sich. Sie sind glücklich, die Welt erhält plötzlich ein sonniges, helles Gesicht. Das Gefühl zu lieben und geliebt zu sein hebt sie gewisser-massen vom Boden ab. - Ein herrlicher Zustand, den man behalten möchte ... Man hat das Gefühl, zueinander zu gehören; und man be-schliesst beieinander zu bleiben, den Lebensweg gemeinsam zu gehen -man heiratet z.B., man geht den Bund der Ehe ein, wie es so schön heisst. Nur, mit dem hohen Glücksgefühl ist es ein bisschen wie mit dem goldenen Ehering: er verliert den anfänglichen Hochglanz - obwohl es noch dasselbe Gold ist...

In der neuen Lebenssituation, im täglichen Nahe-Beieinandersein werden wir mit Verhaltens- und Reaktionsweisen unseres Partners konfrontiert, die wir bislang an ihm (ihr) nicht kannten. Wir sind enttäuscht: »Er (sie) liebt mich ja gar nicht...« Und wir beginnen, uns - astrologisch gesprochen -auf der Horizontalen zu bewegen, besser gesagt, zu betätigen: ein sich wiederholender Boxkampf: wer drängt wen erfolgreich in die Ecke, ICH oder DU?

Angriff - Verteidigung - Rechtfertigung; ein Teufelskreis. Dabei wollten doch beide: Ich UND Du.

Und man beginnt, den ändern in Frage zu stellen (leider nur selten sich selbst...) Und da steht man dann eines Tages da, verletzt, traurig und erschöpft und beginnt nach dem grundsätzlichen WARUM zu fragen.

Leider stellen wir die Frage nach dem Warum erst dann, wenn wir enttäuscht, verletzt und traurig sind.

Wenn wir uns glücklich fühlen, so finden wir das gut, eigentlich ganz normal und selbstverständlich. Wir wollen das Glücksgefühl behalten - die Trauer, den Schmerz, die möchten wir so schnell wie möglich loswerden ...

Und doch wird doch in Augenblicken , des höchsten Glücksgefühls, gleich wie in den Momenten tiefster Trauer dasselbe angerührt - nämlich unser innerster Wesenskern. Wir weinen in Momenten Übergrossen Glücks, gleich wie in Momenten tiefster Trauer. Und erst, wenn unser Innerstes angerührt wird, kommen wir -geistig -gesehen - in Bewegung ... Und doch fragen wir erst nach dem WARUM, wenn »es« weh tut -. Erst dann beginnen wir, nach der Ursache zu suchen. Im Alleingang meist ein schwieriges Unterfangen. So suchen wir Hilfe, z.B. bei einem Psychologen.

In einer Psychoanalyse kann es dann passieren, dass wir in wochen-, monate- ja jahrelangen Sitzungen nicht zu uns selbst finden können, ganz einfach darum, weil die Psychoanalyse dem Menschen Hunderte, Tausende von Puzzleteilchen präsentiert, die alle (irgendwie) zu ihm gehören; doch niemand hilft ihm, diese Teilchen zu einem, zu SEINEM Ganzen zusammenzusetzen.

In der astrologischen Psychologie sehen wir den Menschen als Ganzheit und haben mit dem persönlichen Horoskop als Diagnoseinstrument eine ideale Möglichkeit, die tieferliegenden Motivationen des Menschen zu sehen und sie ihm bewusst zu machen: Welche Erwartungshaltung haben wir an den Partner, wo projizieren wir und können den Partner nicht so annehmen, wie er ist? Dies werden wir im 2. Teil in der nächsten Nummer anhand eines praktischen Beispiels versuchen näher zu durchleuchten. Zum Abschluss dieses ersten Teils noch ein paar Gedanken zum Wassermannzeitalter. Wir leben in einer Zeit des Umbruchs und der Neuorientierung. Allerorts kann man ihn hören und lesen, den Begriff: New Age oder Wassermannzeitalter. Oft wird darüber gestritten, ob dieses neue Zeitalter denn schon angebrochen sei oder unmittelbar bevorstehe. Ein unwichtiges Detail, scheint mir. Denn nichts wird sich auf »Knopfdruck« ändern. Wenn wir eine Welt der Gerechtigkeit, der Gleichberechtigung, der Verbrüderung - oder wie wir unsere schönen, idealen Vorstellungen auch immer nennen - wollen, so müssen wir, jeder einzelne an seinem Platz, das unsere dazu beitragen. Es genügt nicht, sich im Wassermannzeitalter auf den Wassermann allein zu konzentrieren, denn es ist die ganze Achse angesprochen, nämlich die Beziehungs-Achse 5/11, Wassermann/Löwe. Und gerade im Beziehungsfeld ist ja nun auch vieles in Bewegung geraten. Es findet eine Umstrukturierung statt. Wir sind nicht mehr bereit, nach alten Moral Vorstellungen zu leben; wir sind nicht einverstanden mit den alten Rollenverteilungen. Die Frau z.B. kann ihren Lebenssinn nicht mehr allein darin sehen, Geliebte, Hausfrau und Mutter zu sein. Wir sind nicht mehr bereit, den Satz: die Frau sei dem Manne Untertan mit »Ja« zu bekräftigen (für unsere Eltern und Grosseltern noch eine Selbstverständlichkeit).

Wir suchen nach einer neuen, tieferen Sinngebung in der Partnerschaft. Ja, wir leben in einer anstrengenden aber herrlichen Zeit. Vieles ist möglich, was noch vor wenigen Jahrzehnten undenkbar schien.

Fortsetzung folgt