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Titel Ausgabe 23



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Zurück Ausgabe 23 vom 21.11.1984 • Seite 8ohne Login!

• Astrologie & Geschichte

Tierkreiszeichen auf antiken Münzen, Teil 3

Bruno Huber

Der Steinbock und Kronos (röm. Saturn)

(Die hier angesprochenen Fotos sind von der Qualität her nicht internet tauglich)

Im oberen Feld zeigt sich neben seinem Sternsymbol die Büste des Kronos, ägyptisiert durch die Verschleierung des Hauptes und die krönende Sonnenscheibe. Die Harpe, das römische Sichelschwert, das ihn als Todesgott kennzeichnet - fehlt in der vorliegenden Prägung.

Darunter der Fischbock, der römische Capricornus, der hier trotz des Fischleibes mit vier Beinen gedacht ist, wovon drei sichtbar sind. Auf anderen Prägungen liegt der Steinbock, wie wir ihn nennen, nach rechts und Kronos trägt die Harpe.

Auch der Steinbock zählt zu den ältesten babylonischen Sternbildern, dessen mythologische Bedetung uns unbekannt ist. Die Griechen lassen ihn einen Sohn des Pan und der Himmelsziege Aiga, der Amme des Zeus, sein. Als Milchbruder des Zeus kämpft er in der Titanenschlacht auf der Seite der Götter.

Obgleich Ptolemäus diesen Tierkreisabschnitt wegen seiner Entfernung

von den Sonnen- und Mondzeichen Löwe und Krebs »unglücklich« nennt, galt der Steinbock den Römern als Glückszeichen, denn die Sonne wendet sich m dem zugehörigen Kalenderabschnitt wieder aufwärts.

Es gibt unter Antoninus Pius eine römische Prägung mit dem Bild der Felici-tas (die Glückseligkeit), die einen kleinen Capricornus in der Hand hält.

Die Astrologie legt dem Zeichen, analog den winterlichen Naturvorgängen im Dezember und Januar, sowohl Tendenzen zur Verfestigung als auch zur Erstarrung bei. Saturn, der Herr über die Zeit, über Aussaat und Ernte, über Anfang und Ende (auch unseres Kalenderjahres), beherrscht das Zeichen.

Der Wassermann und Kronos (röm. Saturn)

Da nach dem ptolemäischen System ausser Sonne und Mond jedem Planeten zwei Zeichen der Herrschaft zugeteilt sind, regiert im Wassermann abermals Saturn.

Im oberen Feld der Münze sieht man die Büste des Kronos mit verschleiertem Haupt und der Sonnenscheibe. Auf der Schulter trägt er die Harpe. Vor ihm ist sein Sternsymbol. Darunter hält eine schwebende Jünglingsfigur mit beiden Händen eine nach unten gekehrte Amphore. Die meisten Darstellungen des Zeichens zeigen den Wassermann mit zwei Krügen. Teilweise schöpft er kniend mit dem einen und giesst mit dem anderen. Öfters giesst er aus beiden Krügen.

Die Griechen kennen keinen Mythos, der ein solches oder ähnliches Motiv erklärt.

Metman bringt die Sage von der Entführung der trojanischen Prinzen Ganymed, den Zeus zürn Mundschenk der Götter macht, mit dem Bild des Wassermann in Verbindung.

Nun ist es sicher so, dass für die regenarmen Flusskulturgebiete (Euphrat, Tigris, Nil) das Erlebnis des steigenden und fallenden Wassers, als jahreszeitlich wiederkehrende Spende einer Gottheit, religiös verankerte Bedeutung hatte und mit zukunftsgerichteten Ernte- und Wohlstandserwartungen verknüpft war.

Auf der anderen Seite sind dem Wasser gegenüber alle Menschen gleich bedürftig und die orientalischen Länder kennen z.T. noch heute eine umfangreiche Wassergerichtsbarkeit, um eine gerechte Verteilung des Wassers zu gewährleisten.

In der Astrologie gilt heute auch der 1781 entdeckte Planet Uranus als Herrscher des Zeichens Wassermann.

Damit würde der alte Herrscher des Zeichens, Saturn, seinem eigenen Mythos zum Opfer fallen, indem er - der als Gott der Zeit alles, was er hervorbringt, auch wieder vernichtet - nun selbst von jungen Kräften abgelöst wird, um zum Schluss doch wieder auch über diese zu triumphieren.

Tierkreis und Antike

Bruno Huber

Steinbock

Lat.: Capricomus; Engl.: Capricorn; Fr.: Capricorne; It.: Capricorno.

Auch dieses Fabelwesen ist - wie des Schützen Pan oder Kentaur - eine Kreatur, die in zwei Elementen lebt: halb Fisch - halb Ziege. Daher der mittelalterliche Name Ziegenfisch. Derweil der von den Griechen und Römern in erster Linie verwendete CAPRICORNUS nichts mit diesem Am-phibium zu tun hat: CAPRA = Ziege; CORNU = Hörn, also Ziegenhorn. Und das uns als Steinbock bekannte Tier ist eine Bergziege, die sich durch einen besonders eindrücklichen Hornschmuck von »gewöhnlichen« Ziegen sichtbar unterscheidet.

»Ziegenfisch« oder »Fischziege«, wie immer, das seltsame Amphibium ist die älteste Darstellungsform des Steinbocks. Sie taucht - allerdings nur als bildliche Erscheinung - schon bei den Sumerern um 2400 v. Chr. auf. Bei den Akkadern, Persern, Babyloniern und Hebräern bleibt dieses Symboltier bis zur Zeitenwende erhalten, und wird auch überall immer zur selben zodiakalen Konstellation bezogen. Es hat viele Namen und Erklärungen -aber keine redet von Ziegenfisch.

Frühe Legenden und Namen sprechen vom »Herr über die Wasser«

und in der Bibliothek von Sargon (um 2400 v. Chr.) findet sich eine Prophe-zeihung, die das Ende der Welt durch das grosse Feuer auf den Zeitpunkt setzt, »wenn sich alle Planeten im Steinbock versammeln«. Noch frühere sumerische Quellen sprechen bei Capricorn vom »südlichen Tor der Götter«. Sie sind überzeugt, dass durch dieses Tor die Seele, wenn sie den Körper verlässt, in den Himmel eintritt -nachdem sie in der Gegenkonstellation Krebs in diese Welt gekommen war (s. Astrolog Nr. 20).

Babylonische Keilschriften meinen, dass diese Konstellation der »Vater des Lichts« sei. (Dezember = dunkelste Zeit.) Hier sei der »Bock« geheiligt in den Himmel erhoben worden. Babylonische Priester trugen als Weihegewand einen Rock aus Bocksfell.

Nach Auffassung der Platoniker war, gemäss dem sumerisch/babylonischen »Welthoroskop«, der Saturn in dieser Konstellation geschaffen worden (Haus des Saturn).

Zwischen Aratos (um 270 v. Chr.) und Ptolemäus (150 n. Chr.) wandeln sich die Begriffe vom »halbziegigen Fisch« über den »Bockfisch« bis zum »Meeresbock«. Übrig bleibt der Bock.

Seit dieser Zeit, und bis ins letzte Jahrhundert, verwenden immer mehr gekrönte Häupter den Steinbock als Wappentier, als Signet der Macht (»Haus der Könige«).

Auch beim Steinbock also (ähnlich Krebs) ist eine Wandlung der Symbolwertung von der matnarchalen zur patriarchalen Auffassung sichtbar.

Den alten Sumerern (UR, bis ca. 2500 v. Chr.) waren nur- sechs Zeichen bekannt: Stier-Krebs-Jungfrau-Skcorpion-Steinbock-Fische- also DIE WEIBLICHEN ZEICHEN. Saturn war »die Ur-Mutter« (später, nach der Entdeckung des äussersten Planeten, wurde ihm diese Gottheit zugeteilt). Körper war für die Sumerer etwas eminent weibliches - der Ziegenbock das tierische Symbol dafür. Der Ziegenfisch also ein körperliches Wesen, das sich aus den Fluten des Gefühls erhebt: Beherrscher der Wasser (»Herr«, s. oben ist eine patriarchale Übersetzung von »Beherrscher«).

Mit dem gültigen Auftreten patriarchaler Kulturen (Griechen, Römer) verändert sich die Symbolik zum Steinbock, DER ÜBER DEN MENSCHLICHEN NIEDERUNGEN STEHT - und diese beherrscht: »Saturn - wann immer in diesem Zeichen - hat gros-sen Einfluss auf alles weltliche Geschehen.«

Zentrale Aussage dieses Zeichens ist also, kurz gesagt: durch Selbstbeherrschung zur Macht.

NUMA POMPILIUS äbrigens, dem zweiten mythischen König von Rom (715-673 v.Chr.), haben wir die Ansetzung des kalendarischen Jahresbeginns auf den Steinbock-Monat zu verdanken.)

Wassermann

Lat.: Aquarius; Engl.: dito, oder the Waterman; Fr.: Le Verseau; It.: Aquario.

Wassermann als zodiakales Sternbild ist verhältnismässig »jung«. Die frühe-ste Darstellung, die wir kennen (siehe Bild) stammt aus dem 14. Jahrhundert v. Chr. (Kassitenzeit).

Um den heutigen Wassermann herum jedoch gab es in der sumerischen Zeit eine Grosskonstellation namens »Meer«. Sie umfasste auch nicht zum Tierkreisgürtel gehörende Bilder nördlich und südlich: Ziegenfisch, Walfisch, Delphin, Eridanus (Unterweltfluss), Wasserschlange, die Fische und den südlichen Fisch. Eine grössere »nasse« Himmelsgend also - fast ein Viertel des Himmelsglobus.

Das greift in archaische Zeiträume, d.h. in früh- oder gar vorkulturelle Epochen, zurück (4000 Jahre und mehr = Stierzeitalter und davor). Die erste Unterteilung des Himmels überhaupt war offensichtlich in vier Himmelsgrossräume, in deren Mitte jeweils die heutigen fixen Zeichen lagen Stier-Löwe-Scorpion-Wassermann: die Säulen oder die Festen des Himmels, an denen sich zum Beispiel die Zuordnung der Planeten zu den Tierkreiszeichen ordnet. Die späten Sumerer erst beschieden sich auf das zodiakale Band, und unterteilten dieses zunächst in sechs Zeichen (siehe unter Steinbock). Auch eine Achterteilung wurde kurzzeitig versucht, bis dann die Babyloner im zweiten Jahrtausend v. Chr. zuerst eine Elf- (ohne Waage), und dann eine Zwölfteilung brachten. Der damit entstandene Tierkreis-Wassermann ist auch heute noch die zweitgrösste zodiakale Konstellation: ca. 49 Grad lang. Sie überlappt zwei drittel des Steinbocks und etwa 16 Grad der Fische. Die Symbolik des Aquarius ist von Anfang an völlig gradlinig - sie besteht im Ausgiessen von Wasser aus einem Gefäss.

Hier ist eine klare Folgethematik zum vorherigen Zeichen. Der Steinbock , muss sich erst noch aus dem Wasser befreien, d.h. seiner Gefühle Herr

werden. Der Wassermann dann, kann frei über das Wasser verfügen, es freihändig spenden an bedürftige Wesen. Den beiden Zeichen ist ja auch der Herrscher Saturn (schon seit den Babylonern) gemeinsam.

Mancherorts wird als Symbol nur der Krug, der Schöpfkessel, die Amphora, ja sogar bei den Chinesen die wertvolle Vase gebraucht. Häufiger aber wird das ursprüngliche Ganzsymbol eines Mannes, der aus einem Krug Wasser ausleert, verwendet. Gelegentlich findet sich auch nur der Mann (etwa bei den Frühgriechen der Becherträger Jupiters: Ganymed). Oder nur das Wasser (bei den späteren Arabern). Die Chinesen benützen zwar den Sinngehalt der Vase, verwenden aber als Schreibzeichen das Ideogramm für Wasser.

Im babylonischen Schöpfungs-Epos beschreibt das elfte Buch die Sintflut - Aquarius ist das elfte Zeichen im Tierkreis (die numerische Reihenfolge dieser Schöpfungsbücher entspricht überhaupt der Abfolge der Sternbilder).

Die älteste Formulierung für Wassermann, die wir kennen, lautet: »Wasser des Lebens bin ich, ausgegossen für dürstende Menschen«.