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Titel Ausgabe 23



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• Grundwissen

Die Persönlichkeit, Teil 5

Louise Huber

Das 4. Haus

Das 4. Haus entspricht dem Wasserzeichen Krebs. Es ist das Haus der Familie, der Herkunft. Hier sind wir gefühlsmässig auf unsere Angehörigen bezogen, die Heimat, das Kollektiv, zu dem wir gehören. Es ist das Nest, aus dem wir hervorgegangen sind, der mütterliche Raum, die Geborgenheit, die Wärme, die Zugehörigkeit, der Schutz vor äusseren Unbil-len. Beim erwachsenen Menschen ist es das Nest, das man sich selbst baut, bzw. das eigene Heim.

Das 4. Haus ist aber auch der Wurzelboden, in dem der Keim der Individualität ruht. Für die Ich-Entwicklung ein wichtiges Haus. Genau wie das 1. ist das 4. ein kardinales Haus, in dem das Ich in einer neuen Weise geboren wird. Im 1. das kreatürliche, im 4. das erwachsene Ich. In diesem Raum des Horoskopes zeigt sich, wie die Wurzeln beschaffen sind, die für eine starke Persönlichkeit notwendig sind, damit der Baum der Individualität gerade und aufrecht wachsen kann.

Sonne im 4. Haus

Die Sonne, unser autonomes Ich, möchte im 10. Haus, im Zenit strahlen, deshalb fühlt sie sich unten im Kollektivraum des Horoskopes verloren und ist zunächst gezwungen, sich in das vorhandene Milieu einzuordnen. Sie strebt aber - bewusst oder unbewusst - immer danach zu dominieren, eine beherrschende Rolle zu spielen. Deshalb interessieren sich die meisten mit solch einer Stellung für die Familientradition, für Kollektiv-Verbände, Gemeindewesen, Anstalten, Heime und sind später dann auch dort in leitenden Stellungen anzutreffen. Vor allem, wenn die Sonne im kardinalen Bereich des 4. Hauses steht. In jungen Jahren sind diese Menschen aber oft unglücklich, weil sie sich erst entwickeln müssen, damit sie über ein Kollektiv herrschen können. Es ist eine widersprüchliche Stellung der Sonne und kommt in ihrer individuellen Profilierungsbemühung nur schwer zum Zug. Sie muss sich an Normen halten, die vom Kollektiv vorgeschrieben werden. Um sich selbst zu profilieren, muss man das tun, was dem Kollektiv im grösseren oder kleineren Rahmen dient. Das schränkt die Wachstumsmöglichkeiten eines individuellen Bedürfnisses ein.

Deshalb hat die Sonne im 4. Haus zwei Ausprägungen. Die erste ist die, dass so ein Mensch patriarchale Bedürfnisse entwickelt, insbesondere natürlich Männer. Die müssen dann Familienoberhäupter werden - vielleicht auch Staatsoberhäupter. Sie identifizieren sich mit Vater Staat und sind im kardinalen Bereich oft sehr fähig, das Kollektiv zu führen und ihm ihren Willen aufzuprägen. Dabei ist das Verhaltensmuster und die Methodik des 4. Hauses matriarchal, d.h. es wird mit Rollenbildern gearbeitet. Mit der strikten Einhaltung dieser Rollenbilder wird dann die patriarchale Herrschaft beansprucht. Gerade bei Männern ist dies oft krass zu beobachten, weil sie sich naturgemäss mit der Sonne identifizieren. Ihnen hat an sich schon immer das Recht zugestanden, starke Persönlichkeiten zu sein, es wird ihnen auch anerzogen, dass sie stark sein müssen - eben Patriarchen - das ist Teil dieser Rollenbetonung in der Erziehung. Steht die Sonne im fixen Bereich, dann versuchen sie oft krampfhaft den Patriarchen herauszukehren, obwohl sie innerlich weich und nachgiebig sind. Das ist dann der klassische Fall des Pantoffelhelden. Solche Männer sind oft in Funktionen, wo sie sich patriarchalisch geben und peinlichst darauf achten, dass ihr Rollenbild von allen bestätigt wird, und zu Hause sind sie brave Ehemänner, weil sie in Wirklichkeit unter matriarchaler Kontrolle stehen. Für eine Frau ist das wesentlich anders, sie kann sich viel leichter mit den matriarchalen Elementen des 4. Hauses identifizieren. Im kardinalen Bereich setzt sie sich aktiv für das Wohl der Familie oder auch der Gemeinde ein. Sie ist sehr interessiert am Haushalten und hat besondere Fähigkeiten, das Haus, die Wohnung in Ordnung zu halten, zu pflegen, ihm vorzustehen und das Wohlergehen der ihr Anvertrauten mit allen Kräften zu erhalten. Allerdings ist das Selbstbewusstsein der Frau im 4. Haus kleiner als beim Mann.

Oft ist sie im fixen Bereich schüchtern, zurückhaltend, bescheiden, manchmal auch Untertan und intensiv mit häuslichen Dingen beschäftigt. Am Talpunkt und am Anfang des veränderlichen Bereiches (Schatten 5) beobachtet man ein kompensatives Verhalten. Solch eine Frau kann auch zum »Haustyrann« werden; sie baut ihr Selbstbewusstsein an der Überbewertung häuslicher Dinge auf.

Im veränderlichen Bereich des 4. Hauses wirkt schon das Thema des 5. Hauses herein. Deshalb ist die Sonne im Schatten der 5. Spitze immer kompensativ. Vielfach will man dem Vater beweisen, dass man selbst auch etwas wert ist, und meistens wagt man sich frühzeitig aus dem Nest heraus, um eine eigene Familie zu gründen.

Der Mond im 4. Haus

Im 4. Haus ist der Mond zu Hause. Er herrscht im Zeichen Krebs. Der Mond ist das Kind, dieses subjektive Wesen, das durch die Umgebung geprägt wird, und zwar vor allem durch die Gefühle. Wesentlich am Erleben in diesem 4. Haus sind die Angehörigen. Zu ihnen hat man eine gefühlsmässige Beziehung, Bindung, Sympathie oder Abneigung. Das Urbedürfnis des Menschen nach Geborgenheit, Liebe und Wärme ist mit einem Mond im 4. Haus dringlich, und unerfüllte Wünsche wirken sich auf das Lebensvertrauen störend aus. Hier erwartet oder fordert der Mond gefühlsmässige Zuwendung. Er reagiert subjektiv besonders stark auf Zuneigung, Abneigung oder Vernachlässigung. Vor allem im kardinalen Bereich reagiert man auf gefühlsmässige Verletzungen mit Ablehnung und Zurückweisung. So wie das Kind schon in früher Jugend seine eigene Umgebung liebt und alles Fremde ablehnt, so wird die Reaktion auf gefühlsmässige Beziehung im Elternhaus im ganzen Leben sein. Man liebt nur diejenigen, die dazugehören, andere müssen draussen bleiben. Vor allem im fixen Bereich sichert man sich gegen Eindringlinge ab. Diese Werte werden subjektiv schon im frühesten Kindesalter etabliert und sind nachher gültige Massstäbe für alle Begegnungen mit Menschengruppen. Chauvinismus und Fremdenhass haben hier ihre Wurzeln.

Der Mond erlebt sich im 4. Haus primär in einem Kollektiv, in der Familie. Diese ist sein natürlicher Schutz gegen die äussere Welt, weshalb jemand mit diesem Mondstand sich immer in irgendeinem Nest abgesichert und wohlfühlen muss. Und trotzdem wird der Mond als wechselndes Prinzip diese Sicherheit in diesem Haus nicht garantieren. Steht er am Talpunkt, dann will er an vorhandenen Beziehungen festhalten, er möchte nicht aus dem warmen Nest heraus und bleibt möglichst lange Kind. Er hört nie auf, sich nach Geborgenheit zu sehnen. Am Talpunkt wird der Mond ins Wesenszentrum hineingezogen, dort muss er seine Subjektivität aufgeben, sich die Sicherheit selbst geben und die Geborgenheit im Wesensgrund finden.

Im veränderlichen Bereich hat der Mond es leichter, flügge zu werden. Das Gefühls-Ich will sich nicht endgültig festhalten lassen, es strebt schon ins 5. Haus hinein, um eigene Erfahrungen zu machen, aber trotzdem ist der Mond noch ans 4. Haus gebunden und wird immer wieder zurückkehren. Oft erlebt er dies gleich dem Nachwirken einer versunkenen Märchenwelt. Im 4. Haus ist die Phantasiebegabung ausserordentlich reich. Diese wird sich im Bereich von Symbolgehalten bewegen und aus archetypischen Tiefen schöpfen. Der Mond in der Nähe vom IC (Kollektivraum) hat immer die Wirkung, archetypische und kollektiv-unbewusste Inhalte herauszufordern.

Andererseits wird jemand mit diesem Mond gefühlsmässige Erlebnisse nicht vergessen, sie werden im Brunnen der Erinnerung aufgehoben. Waren es negative Erlebnisse, dann wird er sie immer wieder hervorholen und Nahestehende damit belasten. Wenn etwas im Nest nicht gestimmt hat, dann ist uns das meistens schmerzhaft bewusst, viel bewusster, als wenn etwas im 3. Haus nicht gestimmt hat. Im 4. Haus geht es sehr tief, und hier sind auch oft die Wurzeln für depressive Stimmungen. Aber noch mehr, wenn wir den Saturn dort stehen haben.

Saturn im 4. Haus

Der Saturn als unser körperliches Ich fühlt sich im Wurzelboden, im Urgrund des 4. Hauses sicher verankert. Bei angenehmen Familienverhältnissen ist ein natürliches Urvertrauen vorhanden. Der Saturn ist hier stark gestellt, er kann sein Schutzbedürfnis und seine Sicherheitsmotivierung im Familienschoss ausleben. Mit diesem Saturn kann man alle Türen schliessen und sich auch ganz alleine im Nest wohl fühlen. Ein Saturn-Ich lebt von seinen Schutzmechanismen und vom Erfolg, den diese im Leben haben. Je mehr Schutz und Sicherheit er hat, umso wohler fühlt er sich. »My home is my castle«, sagt er, und wenn er zur Verteidigung seines Nestes gezwungen wird, kann er auch aggressiv werden.

Da Saturn ja mit der Haut und mit dem Tast-Sinn zu tun hat, ist das Bedürfnis nach Pelzgefühl oder Körperkontakt ausgeprägt. Die Auswirkungen eines intensiven Pelzgefühls, das von der Mutter oder von der ganzen Familie gegeben wird, sind verschieden. Um ein Extrem zu nehmen: Eine Mutter, die zu starke »Pelzqualität« entwickelt, wird eine Glucke, von der das Kind später, wenn es erwachsen wird, nicht loskommt, weil es ständig nach dieser Überprotektion verlangt. Der zweite Fall: ein Nest, das warm und weich ist, entwickelt einen starken Kollektivdrang. Es sind dann Menschen, die es u.U. schwer haben, sich zur Eigenständigkeit zu entwickeln. Sie neigen dazu, sich immer an ein Kollektiv, an eine Gruppe zu halten und sich dort abgesichert zu fühlen.

Das kann die Entwicklung der Individualität hemmen. Das trifft auch für den ersten Fall zu. Wer nicht von der Mutter loskommt, wird nie ein selbständiger Mensch. Es ist also schwer, von der Mutter oder von der Heimat loszukommen, wenn man Saturn im 3., 4. oder 10. Haus hat. Das lässt sich häufig beobachten,

Im kardinalen Bereich hat Saturn starke Wurzeln, die er tief eingräbt. Solche Menschen halten an Familientraditionen fest, verstehen sich oft als deren Hüter und haben Freude daran, in der Vergangenheit zu graben. Häufig haben Historiker diese Saturnstellung. Früh wird Verantwortung für die Angehörigen empfunden, und man kann sie schwer wieder los werden. Pflichten der Familie gegenüber werden sehr ernst genommen, man kann sie manchmal ein ganzes Leben lang tragen, obwohl sie schon lange abgetragen sind. Man hält am Alten fest und merkt gar nicht, wie sich die Zeiten ändern. Zwecks Verankerung und Absicherung werden häufig Grund-und Bodenbesitz angestrebt.

Saturn im fixen Bereich des 4. Hauses kann sich nicht so leicht verändern, man ist nicht nur konservativ, sondern benimmt sich so, wie wenn alles noch beim Alten wäre. Mit schablonenhafter, blind loyaler Unbeweglichkeit hängt man an den Angehörigen fest; die Bereitschaft für neue Kontakte ist erschwert, alles Fremde wird abgewiesen. Man erzählt auch immer von der Vergangenheit und misst die Zukunft an verstaubten Massstäben. Obwohl von diesen Menschen eine starke Sicherheit ausstrahlt, so erscheinen sie meistens altklug und erwarten vorwiegend das Negative. Bei Einsamkeit sind frühzeitige Alterungsprozesse angezeigt.

Im veränderlichen Bereich kommen oft die weichen und empfindsamen Seiten des Saturn zum Zuge, die meistens nicht bekannt sind, m Form von Wohlbehagen und Pelzgefühl. Aber auch hier im Schatten der 5. Spitze wirkt sich Saturn zwiespältig aus. Einerseits ist man neugierig auf das Leben ausserhalb der Familie, und andererseits hat man Angst davor, wobei letztere häufig überwiegt.