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Titel Ausgabe 24



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Zurück Ausgabe 24 vom 18.02.1985 • Seite 2ohne Login!

• Diskussion

Interview mit Denis Ellwell

Hans-Peter Sauerwein

aus dem Englischen übersetzt von Elisabeth Zürcher

Denis Elwell, ein Wassermann, mit Skorpionaszendent, gebürtig aus England, wo er während dreissig Jahren den Beruf eines Journalisten ausübte und nunmehr als astrologischer Berater tätig ist.

Seit dem vierzehnten Lebensjahr gilt sein Hauptinteresse der Astrologie. Sein Beruf liess ihm genügend Freizeit, sein astrologisches Wissen weiter zu vertiefen und führte ihn dazu, Worte, Gedanken und Selbstausdruck kritisch unter die Lupe zu nehmen. Kurz, schon jahrelang befasst er sich mit Astrologie und ist, wie er sich selbst ausdrückt, »ein geborener Astrologe«.

Seine leicht verständliche Ausdrucksweise, sein fundiertes Wissen, gekonnt gewürzt mit englischem Humor, macht ihn auch weit über seine Landesgrenzen hinaus, vorab in Amerika, zu einem beliebten, gerngesehenen Gast an wichtigen astrologischen Veranstaltungen.

Frage: Haben Sie den Eindruck, dass das vermehrte Interesse an Astrologie und anderen Grenzwissenschaften das Bewusstsein der Masse beeinflussen wird?

Antwort: Ja, bestimmt! Ich würde sogar sagen, dass veraltete Denk- und Lebensstrukturen einer neuen Lebensphilosophie weichen werden. Zwar wird das wachsende Interesse an Astrologie und ähnlichem von den Gegnern als »Kult des Unsinns« abgetan, um so ihre eigenen Interessen zu verteidigen, die sich einer zu radikalen Änderung unterziehen müssten, wenn der Vormarsch der Astrologie unterstützt würde.

Es ist auch wichtig, darauf hinzuweisen, dass unter anderem Gauquelin mit seinen Forschungen der Astrologie mehr schadet als nützt, da er nicht an die Wirkung der Planeten als solche, sondern an eine genetische Ursache glaubt. Könnte er dies beweisen, wo bliebe dann die Astrologie?

Frage: Sollte ein seelischer Vorgang überhaupt wissenschaftlich bewiesen werden? Wäre es nicht wichtig zu sehen, was Astrologie an neuem Wissen bieten kann?

Antwort: Das Problem liegt darin, dass Astrologie nicht wissenschaftlich ist. Astrologie ist »vorwissenschaftlich«. Man kann sie gleichsetzen mit Homöopathie, die von vielen positiv angewandt wird, obwohl sie nicht wissenschaftlich ist. Die Astrologie hätte zudem gar nicht die Leute, die Mittel und die Zeit, um sich wissenschaftlich zu etablieren. So bleibt uns Astrologen nichts anderes übrig, als wie bisher weiterzumachen. Wichtig ist, dass das, was wir tun, von Wert ist, das heisst, wir müssen auch in uns selbst leben, was wir nach aussen tragen.

Frage: Was kann ein Astrologe tun, wenn Leute zu ihm kommen, die in einer seelischen Krise stecken? Kann in solchen Fällen Astrologie zur Selbsterkenntnis und Selbstentfaltung verhelfen oder sogar ein geistiges Wachstum ermöglichen?

Antwort: Die Antwort auf die meist psychologischen Probleme der Ratsuchenden ist sehr oft nicht in den Sternen zu finden; Ernährungsfehler, Vitaminmangel, nervöse Störungen und ähnliches verhindern, dass das fein abgestimmte astrologische Instrument seine Schwingungen manifestieren kann, das heisst, die entsprechende Person entspricht nicht dem, was das Horoskop aussagt.

In diesen Fällen muss man das Problem indirekt angehen. »Sorge für dein äusseres Wesen, und dein inneres Wesen wird für sich selbst sorgen«, lautet der Leitsatz einer japanischen Psychotherapieschule, was heissen will, geordnete Lebensverhältnisse, positive Beziehungen, richtige Ernährung und eine Arbeit, die Spass macht, bewirken, dass das innere Wesen wieder zu sich selbst findet.

Leider sind es nur sehr wenige, die etwas über ihre Selbstverwirklichung wissen möchten. Meistens kommen die Leute mit sehr alltäglichen Problemen, und dort setze ich meine Hilfe an und versuche, auf astrologischer Basis weiterzuhelfen. Erst dann werde ich, je nach Fall, etwas über die Möglichkeit einer geistigen Entwicklung sagen.

Diese alltäglichen Sorgen und Probleme dürfen nicht unterschätzt werden. Sie sind ein Teil unserer seelischen Entwicklung, denn man kann eigentlich nicht von einem äusseren und inneren Wesen sprechen, sie gehen Hand in Hand. Ich mache keinen Unterschied zwischen aussen und innen, weil ich sehr oft astrologische Auswirkungen in den kleinsten Details des äusseren Lebens beobachten konnte.

Frage: Steht das nicht irgendwie im Widerspruch zu dem, was sie über die Leute, die nicht ihr Horoskop leben, gesagt haben, denn in diesem Falle entspricht ja das innere nicht dem äusseren Wesen?

Antwort: Ganz genau. Die Persönlichkeit ist nicht integriert, sie spielen eine Rolle oder leben ein Leben, das ihrem innersten Wesen nicht entspricht. Kann aber diese Integration herbeigeführt werden, können die unglaublichsten Dinge geschehen.

Frage: So könnte man Astrologie sinnvoll einsetzen, um den Leuten zu ermöglichen, sich selbst zu finden und ihr inneres Gleichgewicht wieder herzustellen?

Antwort: Es ist einfach zu sagen, dass wir unsere Entwicklungsmöglichkeiten nützen und unser innerstes Wesen harmonisieren müssen. Die Frage ist aber, wie gehe ich vor? Nun, mit dem Horoskop können wir einen detaillierten Weg aufzeigen für die betreffende Person, indem wir ihr sagen, welche Zutaten und Dinge sie braucht, um in ihrem Leben voll funktionstüchtig zu sein, wie es ihrer Natur entspricht.

Frage: Ist es Ihrer Auffassung nach nicht die Aufgabe des Kongresses, die Leute über die wahre Funktion der Astrologie aufzuklären?

Antwort: Ja, aber mit dem Sagen allein ist es nicht getan. Wir müssen sichtbare Resultate vorweisen können. Worte allein werden den Gegner nicht überzeugen.

Die Astrologen müssen lebende Beispiele dafür sein, was Astrologie bieten kann, nur so könnte die Einstellung der Öffentlichkeit eine Änderung erfahren.

Zudem nützt es auch nichts, jemanden von etwas überzeugen zu wollen, das der Betreffende zum vornherein ablehnt. Wir müssen einfach unbeirrbar unseren Weg gehen und darauf achten, dass das, was wir tun, unanfechtbar ist.

Frage: Glauben sie, dass Astrologie an Bedeutung gewinnen wird?

Antwort: Ja bestimmt. Sehr sogar. Astrologie steht und stand schon immer als unnachgiebiger Zeuge für die Tatsache, dass Leben eben mehr ist, als was wir oberflächlich als Leben bezeichnen, und dass es noch eine andere Realität gibt, und das ist die Aufgabe der Astrologie, auch heute, natürlich zum Ärger der Gegner, die ihre Realität aufrechterhalten wollen.

Frage: Was bedeutet Ihrer Meinung nach diese andere Realität?

Antwort: Nun, die Astrologie will uns zeigen, dass die Ursache für die Ereignisse nicht dem entspricht, was die meisten Leute glauben. Es gelten andere Spielregeln; ein grosser Vorteil natürlich für die, die diese Regeln kennen. Die Leute glauben, dass Dinge aus diesem oder jenem Grund geschehen. Aber die Astrologie sagt uns, dass das alles Illusion ist. Dass dein Boss über dich verärgert war, liegt daran, dass deine Sonne am Dienstag in Opposition zum transitierenden Mars stand und nicht, weil du eine Arbeit gemacht oder nicht gemacht hast.

Frage: Also eine Art symbolische Sprache?

Antwort: Für mich ist Astrologie nicht hauptsächlich und schon gar nicht ausschliesslich eine psychologische Sprache. Astrologie ist eine Symbolsprache. Heute vergisst man oft, dass die Symbole um uns herum aus unserem Innern in die Umwelt strömen. Es gibt keinen Unterschied zwischen dem, was aussen geschieht und unserem innersten Wesen. Alle Erfahrungen und Ereignisse, die auf uns zukommen, sind ebenso charakteristisch für unser Wesen wie unsere Bedürfnisse, Gedanken und Gefühle.

Frage: Und wer ist dafür verantwortlich?

Antwort: Die meisten Leute wollen keine Verantwortung übernehmen. Sie leben nicht aktiv, wie sie glauben, sie reagieren nur passiv auf Ereignisse und Drucksituationen. Sie leben nicht, sie werden gelebt.

Wir aber müssen uns an die Leute wenden, die ihr Leben kreativ gestalten wollen und bereit sind, dafür die Verantwortung zu übernehmen.

Frage: Viele behaupten, ihr Sternzeichen zu kennen...

Antwort: Sie kennen es aber nicht. Man kann ein misslungener oder amateurhafter Wassermann sein, aber was wir sein sollten, ist ein Wassermannexperte. Natürlich haben alle drei die Fähigkeiten in sich, ein Wassermann zu sein, aber sie werden es nicht automatisch, sie müssen die Zeichenqualität erst entwickeln.

Das schlimmste Wort in der Astrologie ist das Wort »ist«. Ein Wassermann ist, ein Widder ist.... Richtigerweise sollte man sagen: ein Wassermann sollte, ein Widder sollte...

Jemand, der seine Persönlichkeit entwickelt, wird mehr und .mehr seinem Horoskop ähnlich. Dieser Prozess beginnt schon kurz nach der Geburt. Wer aber in eine Umgebung hineingeboren wird, die keine Selbstentfaltung ermöglicht, wird nie wie sein eigenes Horoskop sein.

Das Horoskop steht als Symbol für die vollentwickelte Persönlichkeit und zeigt auf, wie der betreffende Mensch sein sollte.

Frage: Sie finden es also auch wichtig, dass man den Ratsuchenden die Möglichkeit einer Entwicklung aufzeigen kann?

Antwort: Ja. Goethe sagte, dass ein Beispiel tausend andere aufwiegt. Also von tausend Leuten mit einem Saturn-Aspekt müssen wir die Person heraussuchen, die die Kunst erlernt hat, aus diesem Aspekt etwas Positives zu machen - und das ist es, was wir alle tun müssen, alles in unserem Horoskop in eine geniale Fähigkeit verwandeln. Leider machen das nur sehr wenige von uns, und die auf den Durchschnittsmenschen zugeschnittenen Astrologiebücher sind auch keine Hilfe dabei.

Hat nun aber jemand diesen Saturn-Marsaspekt entwickelt, kann er als lebendes Beispiel für andere beigezogen werden.

Leider hat die Entwicklungsfähigkeit nichts mit dem Horoskop zu tun, sie ist nur latent vorhanden und kann durch Einflüsse von aussen stark eingeschränkt werden.

Zudem muss man, will man ein Horoskop auslegen, zum voraus wissen, was oder wer dahinter steht. Man muss die Entwicklungsmöglichkeiten des Vehikels, des Organismus, durch den sich das Horoskop manifestieren wird, kennen. Ein Esel hat ja nicht die differenzierten Ausdrucksmöglichkeiten wie ein Mensch, auch wenn beide zufällig das gleiche Horoskop-hätten.

Frage: Wie kann man aber erreichen, dass die heutige Menschheit die Förderung des Selbstausdruckes unterstützt?

Antwort: Nun, die Astrologie ist der Wegweiser. Sie ist die Anatomie unseres Geistes und unserer Seele, und dazu brauchen wir nicht einmal unbedingt das Horoskop. Zu wissen, dass jeder von uns eine Sonne, also das Zentrum der menschlichen Natur, in sich trägt, kann soviel darüber aussagen, was es heisst, Mensch zu sein und was man tun soll, um diese Sonne zum Strahlen zu bringen.

Um unsere Sonnennatur zu leben, müssen wir eine Ausstrahlung entwik-keln, eine nach aussen gerichtete Wärme. Voraussetzungen dazu sind eine positive Lebenseinstellung, Grosszügigkeit, Enthusiasmus und eine verständnisvolle Einstellung gegenüber Mitmenschen.

Eine noch differenziertere Aussag könnte dann die Unterteilung in di zwölf verschiedenen Sonnennature: und die Berücksichtigung der Aspek te ergeben.

Frage: Was kann das Horoskop aus sagen über die Beziehungsfähigke eines Menschen?

Antwort: Erst wenn wir in Harmoni mit uns selbst leben, können wir aud eine gute Beziehung mit ändern aui bauen.

Und gerade hier kann uns die Astrolo gie helfen. Ein Mensch kann nich kreativ auf andere Menschen einge hen, wenn ihn seine inneren Konflikt« zu zerreissen drohen.

Erst wenn er in sich selbst einen Zu stand der kreativen Disharmonie - icl glaube nicht an Harmonie - verwirk licht hat, kann er auch positiv auf an dere eingehen.

Frage: Wie würden Sie das Ziel Ihrei Beratungen umschreiben?

Antwort: Ich möchte den Leuten be ihren alltäglichen Problemen helfen Ich beginne dort, wo der Ratsuchend« glaubt, Probleme zu haben, aucl wenn der Kern des Problems ganz woanders liegt. Kurz, ich versuche unmittelbar und konkret zu helfen.

Frage: Das Ziel unseres Kongresses ist, die Bestrebung, das Niveau dei Astrologie anzuheben...

Antwort: Ich war bereits am 1. Kongress in Zürich dabei, und ich bin beeindruckt von der Qualität und der ausgezeichneten Organisation, die die Hubers und ihr Team bieten. Ich wünschte, es gäbe mehr von diese: Qualität, die weltweit ihresgleichen sucht.

Übrigens finde ich, dass man sieh nicht schämen soll, finanziell erfolgreich zu sein. Man befriedigt damit ein Bedürfnis. Ich mag die Leute nicht, die erwarten, dass man alles umsonst tut. Finanziellen Erfolg haben ist gesund und zeigt uns, dass das, was wir machen, von Wert ist und gebraucht wird -sonst würden die Leute ja nicht dafür bezahlen.