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Titel Ausgabe 24



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Zurück Ausgabe 24 vom 18.02.1985 • Seite 6ohne Login!

• Deutungspraxis

Beziehung – Partnerschaft, Teil 2

Ursula Hunkeler

Nach einigen allgemeinen Gedanken über Beziehung und Partnerschaft im I. Teil möchten wir im folgenden anhand eines praktischen Beispiels dieses Thema von der astrologisch-psychologischen Betrachtungsweise aus angehen.

Wenn wir in Partnerschaftsproblemen die Horoskope der beiden Partner betrachten, so richten wir unser Augenmerk primär auf Entsprechungen, Ergänzungen oder kritische Punkte, die durch das Häusersystem gegeben sind: wie stehen die Aspektbilder zueinander, wo stehen Planeten in dem selben Bereich eines bestimmten Hauses?

Ja, warum ist die Bedeutung der Planetenstellungen in den Häusern so wichtig?

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Er erlebt sich in seinem Fühlen, seinem Denken und seinem Handeln in seiner Umwelt. Wir werden mit unsern Fähigkeiten (Planeten in den Zeichen), mit unsern Stärken und unsern Schwächen in eine bestehende Welt geboren; eine Welt, die durch unsere Eltern, durch unsere Ahnen und Urahnen geformt wurde. Und hier müssen wir uns einfügen - und wir versuchen unsere Umwelt zu formen, genauso wie umgekehrt die Umwelt uns formt. Ein ständiges Wechselspiel also zwischen meinem persönlichen Lebensziel, zwischen dem, was ich für mich von dieser Welt erwarte und dem, was die Umwelt von mir erwartet, von mir fordert.. Und diese einzelnen Lebensbereiche finden wir in den 12 Häusern im Horoskop.Unterziehen wir nun die nachfolgend abgebildeten Horoskope einmal einer näheren Betrachtung.

Abb. 1 ist das weibliche Horoskop, Abb. 2 geschiedener Mannes, Abb, 3 das Horoskop eines Freundes

Warum sind diese Menschen sich begegnet? Was hat sie zusammengeführt?

Das weibliche Horoskop zeigt ein reiches Aspektbild, das gewissermassen in die rechte Horoskophälfte, in den DU-Raum geschoben wirkt, wobei die Aspektfigur nach oben in den Bewusstseinsraum, in den 3. Quadrantei strebt. Das Thema dieses Bewusst semsbildes ist also die Individualisie rung. Die starke Verankerung im Ko lektivraum sowie die 8. Hausbetonun bewirkten in der Ausgangsphase d« Lebens dieser Frau, dass dieser Ine vidualisierungsprozess primär extr vertiert, d.h. in der Auseinander zung mit bzw. Anpassung an die Ui weit verstanden wurde. Da aber gei de der DU-Raum durch die gekrei ten Quadrataspekte (Sonne Quadrat Mars, Mond Quadrat Merkur und Venus) ausgesperrt ist, musste dieser Weg zwangsläufig zu Enttäuschung und Niederlagen führen. Denn diese Barrikade zum DU bedeutet, dass die Individualisierung nicht in Anlehnung an oder m der Absicherung durch ein DU verwirklicht werden kann. Nur, als zwanzigjähriges Mädchen wusste sie eben (leider) noch nichts von Astrologischer Psychologie ... Und so bindet sie sich mit 21 Jahren an einen Mann, den sie mit knapp 22 Jahren heiratet.

Das Aspektbild im Horoskop des Mannes (Abb. 2) zielt in den DU-Raum, in die Häuser 5 und bis zum DC. Ein Mensch also, der stark extravertiert lebt, d.h. also, alles, was er als Wert und Fülle in sich trägt, muss erst in die Arbeit oder in andere Menschen hin-einprojiziert werden, damit es als Anerkennung oder Erfolg wieder zu ihm zurückkommt.

Schwierigkeiten in der Partnerschaft können dadurch entstehen, dass der Partner alles, was er an Fülle und Idealen in sich trägt, ins Bild der Partnerin projiziert. Solche starke Projektionen bedeuten eine Überforderung an den ändern. Denn es dürfte kaum der Sinn der Partnerschaft sein, dass ein Partner versucht, die Ideale des ändern zu leben, die nicht seine eigenen sind.

Legen wir die Aspektbüder dieser beiden Horoskope übereinander, so sehen wir insofern Ergänzungen, als der Zielraum des Aspektbildes des Mannes genau denjenigen Raum im Horoskop der Frau ausfüllt, der durch die gekreuzten roten Aspekte ausgesperrt ist (5, und 6. Haus); während ihr Horoskop die Leerräume in den Häusern 2, 4, 8 und 9 in seinem Horoskop abdeckt.

Sie suchte also (unbewusst) einen Partner, der ihren leeren Du-Raum ausfüllte . .. Eine lange Zeit (zu lange meint sie heute) war gerade dieser Du-Raum ein wunder und schmerzhafter Punkt in ihrem Leben, nämlich die Sehnsucht nach Zweisamkeit, der Wunsch, einen Partner zum Mittelpunkt ihres Lebens zu machen, ihre ganze Liebe, all ihre Energie in den Partner, in die Ehe, in die Familie zu investieren.

So werden allem aus der Betrachtung der beiden Aspektbilder der Partner bereits grundlegende Aussagen möglich.

Steht ein Planet (oder mehrere Planeten) im selben Bereich eines Hauses, so sprechen wir von sogenannten Klickstellen. Wenn Sie Partnerschaftsvergleiche machen, werden Sie wohl fast immer eine oder mehrere Klickstellen finden. Auch der vorhin erwähnte (unbewusste) Selektivmechanismus der Ergänzung der Aspektbilder der beiden Partnerhoroskope ist meist anzutreffen. In unserem Beispiel finden wir die Uranusstellung im Horoskop der Frau sowie die Neptunstellung im Horoskop des Mannes als Klickstelle auf dem Invertpunkt des 10. Hauses.

Wie ist das in diesem Beispiel zu deuten?

10. Haus: das Haus der Individualisierung der Berufung, der Karriere, der Autorität oder Anmassung - um einige Begriffe zu nennen.

Neptun: Idealismus, Helferwille, soziales Engagement, universelle Menschenliebe, überhöhtes Prinzip der ich-haften Liebe des Mondes. Uranus ist die universelle Intelligenz, er sucht das Neue in allen Dingen, er sucht nach neuen Strukturen.

Der Mann lebte seinen Neptun gewissermassen über die Loge aus, der er beigetreten war. Sie hat den schönen Wahlspruch: Freiheit, Liebe, Wahrheit und unterstützt - vorwiegend finanziell-bestimmte soziale Bestrebungen.

Im Horoskop der Frau stehen Saturn und Uranus im Individualraum, Saturn im 9., Uranus im 10. Haus. Saturn Opposition Mondknoten heisst hier, alte Denkstrukturen ablegen (also nicht auf dem absteigenden Mondknoten leben). Beide Planeten haben also mit Struktur zu tun, einmal im engeren und einmal im weiteren Sinne.

Neptun und Uranus, zwei Planeten, die irgendwo gegensätzlich sind: Neptun das entgrenzende Prinzip, Uranus, der Grenzen durchbricht, um zu neuen vorzustossen, diese wieder durchbricht, um zu Neuem vorzustossen usw. Uranus geht systematisch vor, Neptun hält davon nichts.

Dies wirkte sich in der Praxis so aus, dass sie sich in ihrem Bestreben, sich geistigen Interessengebieten zuzuwenden, anfänglich durch ihn immer wieder bremsen und verunsichern liess. Astrologie z. B. »bringt ja nichts, das ist Humbug...« Schliesslich »duldete« er dieses Hobby seiner Frau - etwa so, wie man einem Kind eben ein Spielzeug überlässt... Ja, Astrologie zu lernen bringt kein Geld ein, im Gegenteil, es kostet noch etwas - sein Neptun ist eben mit den beiden Trigonen an eine recht materiell orientierte Aspektfigur angehängt -. Die Frau musste lernen, sich nicht beirren zu lassen, sondern hinzustehen und zu sagen: für mich ist das und das wichtig, und ich tue es. Als sie das konnte, war es noch ein kleiner Weg bis zu jenem Tag, als sie sich entschloss, ihr Leben allein in die Hand zu nehmen, ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu der in ihrem Horoskop verlangten Individualisierung.

Mit 40 Jahren lernte sie dann einen Mann kennen (Abb. 3), mit dem sie eine sehr tiefe und intensive Beziehung hatte. Sie dauerte nur l 1/2 Jahre, doch sagt sie, dass sie in dieser Zeit mehr gelernt hat als in 15 Jahren Ehe.

Ein völlig anderer Mensch als der erste Mann, dies wird sofort sichtbar bei der Betrachtung seines Aspektbildes: eine kleine, völlig linksgelagerte Figur. Auch hier, klar erkennbar, die häusermässige Ergänzung: sein Aspektbild erstreckt sich von Spitze 11 bis etwa zum Talpunkt 3 - ein dünn besiedelter Raum im weiblichen Horoskop -.

Mit diesem kleinen Aspektbild auf der Ich-Seite ist das Bewusstsein stark auf das eigene Ich-Bild konzentriert. Dieser Mann hatte eine dynamisierende und überzeugende Ausstrahlung auf seine Umwelt. Auch hatte er eine selbstverständliche Art, die Dinge zu tun, die er für richtig hielt, ohne sich durch die Umwelt beirren zu lassen. Und eine sehr wichtige Forderung in der Beziehung bestand darin, dass er erwartete, dass sie sich bewusst machte, was sie wollte und es in Tat umsetzte. Er half ihr damit enorm in der Entwicklung ihres Selbstbewusstseins.

Die Klickstellen in diesen beiden Horoskopen finden wir bei Pluto und Neptun. Pluto am Talpunkt 12. An diesem wohl im ganzen Horoskop am stärksten nach innen gerichteten Punkt geht es um die Fragen: Was bin ich? Woher stamme ich? Wohin gehe ich? Also um eine Existenzfrage im tieferen Sinne. Und es gab Augenblicke in der Beziehung, in der sie eine Antwort darauf ganz einfach erlebten, jeder auf seine Art.

Mit Neptun gegen Ende des 2. Hau konnten sie an ihrem Arbeitsplat einem Ort, an dem .sich viele M sehen begegneten, auch einen l ihrer Idealvorstellungen realisiere

Eines Tages hat er die Beziehung < löst, von einem Tag auf den ande und zwar rigoros. Er pflegte, was tat, kompromisslos durchzuführen, war unfähig, Konflikte zu akzeptiei und an Konfliktlösungen zu arbeil (völlig leerer Du-Raum).

Sie sehen, dass die Betrachtung c Aspektbilder sowie der allfällig Klickstellen grundlegende Aussag zulässt.

Es gibt auch zusätzlich die Möglickeit, dass Sie eine Detailanalyse er stellen. Das heisst, Sie erstellen zwei Listen für die zwei Partner und tragen auf jeder sämtliche Planeten ein. Nun notieren Sie für jeden einzelnen Planeten die Aspektverbindungen, die der allenfalls zu Planeten des Partner macht sowie zusätzlich, in welche Haus der Planet im Horoskop des Partners zu stehen kommt. Eine aufwendige statistische Arbeit, bei der in der Folge bei der Deutung die Gefahr besteht, dass man sich in Details verfängt, weil man vergisst, dass man bei jeder Analyse immer wieder das ganze Geburtsbild vor Augen haben muss, um zu einer gültigen Synthese zu gelangen.