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Titel Ausgabe 24



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Zurück Ausgabe 24 vom 18.02.1985 • Seite 10ohne Login!

• Astrologie & Geschichte

Tierkreis und Antike

Bruno Huber

Die Fische und Zeus (röm. Jupiter)

(leider sind die Bilder nicht Internettauglich)

Das Münzbild zeigt das bekränzte Haupt des Zeus -als Planeten-Gottheit Jupiter, Herrscher des Zeichens Fische - das Zepter auf der Schulter, neben seinem Sternsymbol. Darunter übereinander zwei Fische, deren Köpfe in entgegengesetzte Richtungen weisen.

Die Fische gehören zu den alten Sternbildern der Babylonier, deren mythologische Deutung entschwunden ist. Gewöhnlich werden sie auf Sternkarten durch ein Band verbunden dargestellt. Man weiss durch Berosos von einem Urwesen Oannes, das halb Mensch, halb Fisch, den Babyloniern Schrift, Künste, Wissenschaften und Gesetze gebracht haben soll.

Die Griechen kannten eine Sage von Amor und Psyche, die sich auf der Flucht vor dem lebensfeindlichen Typhon ins Meer stürzten und sich in Fische verwandelten.

Die Astrologie betrachtet unsere Zeit als Endzeit des Fische-Zeitalters. Das heisst als eine Zeit, in der Tatbereitschaft und Glaubensfähigkeit abnehmen. Traditionelle Mächtegruppen vermögen immer weniger sich zu behaupten. Blinde Gewalten stiften Unheil. Alles deutet jedoch - ebenso wie die Jahreszeit Februar-März - auf einen Neubeginn, auf junge Kräfte und den Fortgang des Lebens.

Der Widder und Ares (röm. Mars)

Die Büste des Kriegsgottes zeigt sich im römischen Kriegerhelm mit dem altrömischen Lederpanzer, der Lorica, und dem kurzen Soldatenmantel, der Chlamys, bekleidet. Davor der Stern, der den Planeten symbolisiert. Darunter der nach rechts laufende Widder, den Kopf rückwärts gewendet, wie er auch auf den Sternkarten dargestellt wurde.

Die Griechen brachten das Bild mit der Mythe von Phrixos und Helle in Verbindung, die auf einem goldhaarigen, fliegenden Widder von Böothien nach Kolchis flohen. Helle stürzt ins Meer, das nach ihr Hellespont - die heutigen Dardanellen - benannt wird. Phrixos opfert den heiligen Widder, dessen Fell im Tempel des Ares aufgehängt wird. Nach theosophischen Lehren offenbart sich im flüchtigen Widder der Bewusstseinsverlust des Menschen bezüglich seiner Zugehörigkeit zur geistigen (astralen) Welt und seine Hinwendung zum Reich der Materie und zur täterischen Selbstverantwortung.

Die kalendarische Zuordnung des Zeichens zu den Frühlingsmonaten März bis April mit den erwachenden und nach aussen drängenden Naturkräften bieten dem täterischen, willensbetonten Mars einen besonders wirksamen Hintergrund.

Tierkreis und Antike

Bruno Huber

Widder

Lat: Aries; Engl: Aries, the Ram; Fr.: Belier; It.: Ariete.

Die Widdersymbolik, wie wir sie heute kennen, scheint erst in der Hochblütezeit der babylonischen Sternkunde eindeutig belegbar zu sein. Aus sumerischen Sternverzeichnissen (2000 v.Chr. und davor) wissen wir mit Sicherheit nur von der sehr kleinen Konstellation GAM (Krummschwert). Diese bestand ausschliesslich aus den drei hellsten Sternen der heutigen Konstellation: HAMAL, SHERATAN und MESARTHIM (Alpha, Beta und Gamma Arietis). Der Bedeutungsinhalt dieser »gebogenen Klinge« aber ist interessant. Sie war die Waffe gegen die »Sieben Bösen Geister« oder die Sturmgewalten.

Erst um 1730 vor Christus tritt plötzlich in allen vorderasiatischen Kulturen das Symbol des Widders auf. Die Konstellation wurde zu diesem Zeitpunkt bereits so gross gesehen, wie sie heute auf Sternkarten verzeichnet wird. Und von da an wurde der Widder als »das erste Zeichen des Tierkreises« angesehen.

Genau zu diesem Zeitpunkt berührte der Frühlingspunkt die ersten Sterne dieses Sternbildes. Das ist der Beginn des »WIDDER-ZEITALTERS«.

Wie ein Lauffeuer ging die Widdersymbolik durch den vorderen Orient und entwickelte innerhalb der nächsten 1300 Jahre einen enormen Formenreichtum an Mythen, Sagen und Legenden. Die Akkader und Assyrer sahen in ihm den Prinzen, der den Zodiak anführt. Den Babylonlern war der Widder »der einzige Sohn des Lebens«; und nach ihnen begann die Schöpfung der Welt, als die fünf Planeten (ohne die Lichter) alle in Widder in Konjunktion standen.

Bei den Ägyptern stand Widder für den »König der Götter« Amun, Ammon, Hammon, dargestellt als Menschengestalt mit Widderhörnern. Und dieser wiederum wurde später von den Griechen mit Zeus, dem Göttervater, identifiziert. Deshalb war für sie Minerva (Zeus' Tochter) die Herrscherin des Zeichens. (Erst bei den Römern lässt sich eindeutig Mars als Zeichenregent nachweisen.)

Bei den frühen Griechen entstand die Sage vom »Goldenen Fliess«, dem goldglänzenden Wollfell des Schafbockes Chrysomallus, das zu gewinnen die Argonauten erstrebten.

Aus all diesen Symbolen gehen als typische Widder-Eigenschaften »vorangehen«, »herrschen« und »nach Höherem streben« hervor. Marsisches ist nur im Krummschwert Gam der Frühzeit, und dann später bei den Römern, zu einer Zeit, die nicht mehr zum Widderzeitalter gehört, zu finden.

Fische

Lat.: Pisces; Engl.: Pisces; Fr.: Pois-sons; It.: Pesci.

Irgendwann in der frühsumerischen Kultur (vor mehr als 4000 Jahren) tauchen die beiden, durch ein Band vereinigten, Fische aus dem »Meer« genannten Himmeisquadranten als individuelle Konstellation auf: NUNI = die Fische.

Die Konfiguration der Sterne ist sehr eindeutig und für das Auge einprägsam, obschon sie nur sehr schwache Leuchtkraft aufweist. Das hat wohl die Beständigkeit der Fischesymbolik über so lange Zeit gewährleistet.

Trotzdem ist es schwierig, aus den antiken Quellen eindeutigen Symbolgehalt herauszuarbeiten - die Bedeutungen sind in allen Kulturen eher subtil und »schwer zu fassen«. Da tauchen etwa bei den Babylomern (die ja immer auf die sumerische Tradition aufbauten) um den Begriff »Grenze« oder »Ende« Gedanken um Geborgenheit und Schutz auf, die dann in der frühgriechischen Zeit in der Legende von Venus und Cupido münden. Venus, auf der Flucht vor dem Monster Typhon, warf sich mit ihrem Sohn Cupido in die Fluten des Euphrat - und wurde von da, in der Form der Fische, in den Himmel erhoben.

Bei den Syrern ist es die Göttin Derke, die, wie Erastothenes berichtet, als Frauenkopf mit einem riesigen Fischkörper dargestellt wurde. Dies ist wohl der Ursprung der späteren, vielfältigen Sirenen-Geschichten, die somit auch mit Fische zusammenhängen

Überhaupt wird das Fischezeichen, unabhängig von Venus und Derke als Göttmen, überall in der Antike als »glücksbringend« angesehen. Magier und Geomanten aller Kulturen beschwörten aus den Fischen hilfreiche und beschützende, gute Geister aller Arten.

In der astrologischen Frühzeit (Sumerer) ist noch eindeutig Neptun, der Herr der Wasser, Zeichenregent. Das verliert sich schon bei den Babylo-niern. Wo und wann Jupiter als Herrscher eingesetzt wurde, ist nicht zu eruieren. Ptolemäus berichtet als frühester davon. Nach ihm waren es die Babylonier.

Seit dem Beginn des FISCHE-ZEIT-ALTERS - um 410 v.Chr. - werden die Fische zunehmend als melancholisches, wenn nicht düsteres Zeichen verstanden. Und vielfach wird (etwa im arabischen Mittelalter) die Quelle des Bösen in diesem Zeichen vermutet. Hat so eine durch den Widder geprägte, extravertierte und expansive abendländische Kultur (etwa die Römer und wir selber) die subtilen und feinempfindenden, hilfreichen und besorglichen Qualitäten einer Kulturepoche verdrängt, die immerhin ungefähr 3300 Jahre währen soll (Fische-Zeitalter)?

Wir haben noch TAUSEND JAHRE Zeit, dies nachzuholen .,.