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Titel Ausgabe 24



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Zurück Ausgabe 24 vom 18.02.1985 • Seite 12ohne Login!

• Glosse

Kennen Sie Ihr Planetentemperament?

Evelyn Weisshäuptl

Ich auch nicht - bis vor kurzem. Dank einer TV-Sendung im 3. Programm (BR) Anfang Januar 1985 mit dem Thema »Planetentemperamente, ein neues Instrument zur Menschenkenntnis?« kenne ich es jetzt. Die TV-Ansagerin machte mich sehr neugierig, als sie die Sendung mit dem Hinweis ankündigte, dass zwei Psychologen aus Frankreich vielleicht bahnbrechende Erkenntnisse auf diesem Gebiet gewonnen haben. Die Sprecherin wies die Zuschauer noch darauf hin, dass diese wissenschaftlichen Forschungen nichts mit der Astrologie zu tun haben, von der zum Jahreswechsel so viel die Rede ist. Meine Spannung und Neugierde wuchs unterträglich.

Die Sendung begann. Und jetzt wurde endlich gesagt, von welchen Psychologen die Rede ist: vom Ehepaar Gau-quelin. Als Astrologin waren mir die Gauquelms aufgrund ihrer umfassenden Statistiken natürlich bekannt. Aber von ihren Planetentemperamenten wusste ich bisher nichts.

Während der Sendung wurde berichtet, dass die Gauquelms aufgrund ihrer Forschungen einen statistischen Zusammenhang zwischen den 5 Planeten Saturn, Jupiter, Mond, Mars, Venus und Menschentypen herausgefunden haben. Ausschlaggebend dabei ist, dass die vorgenannten Planeten an den sog. sensiblen Punkten stehen.

Diese Punkte befinden sich in den Häusern vor den Hauptachsen, also den veränderlichen Häusern. Halten sich diese Planeten bei der Geburt eines Menschen an einer dieser Stellen im Geburtshoroskop auf, sagen sie etwas über den Menschentyp aus. Dabei errechnete das Forscherehepaar 5 reine Planetentemperamente und Mischtypen, wenn verschiedene der genannten Planeten an sensiblen Punkten stehen, Befindet sich z.B. Mars an einem dieser Plätze, so handelt es sich nach Aussagen von Herrn und Frau Gauquelin um einen energiegeladenen, kämpferischen und aggressiven Menschen, bei einer entsprechenden Mondstellung um einen liebenswürdigen, angepassten, träumerischen, menschenfreundlichen Typ.

Während des Fernsehberichts kamen einige Universitätspsychologen aus Hamburg und München und ein Dipl.-Psychologe aus dem süddeutschen Raum zu Wort, die alle sehr angetan waren von der gewissenhaften, sauberen Forschungsarbeit. »Endlich einmal eine gründliche und zuverlässige Arbeit auf diesem Gebiet« war die allgemeine Reaktion der psychologischen Experten.

Meine Gedanken und Gefühle während und nach der Sendung möchte ich in From eines Briefes an Herrn Gauquelin darstellen:

Sehr geehrter Herr Gauquelin, mit grossem Interesse habe ich die Ergebnisse Ihrer umfangreichen Forschungen im Deutschen Fernsehen verfolgt.

Als langjährige Astrologin, die sich mühsam durch das astrologische Dickicht zu schlagen versuchte, um mich und andere Menschen besser zu verstehen.kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus, als ich erfuhr, wie einfach es ist, die Menschen zu erkennen. Ich brauche nur die von Ihnen genannten 5 Planeten im Horoskop aufspüren, nachsehen, ob sie an den sog. 4 sensiblen Punkten stehen, und schon habe ich den handfesten Beweis, mit wem ich es zu tun habe.

Aber wissen Sie, lieber Herr Gauquelin, was mich an Ihren Forschungsergebnissen am meisten fasziniert hat: Dass Merkur und Sonne, sprich Verstand, fehlen - und das bei einer wissenschaftlichen Arbeit! Hat diese Tatsache etwas damit zu tun, dass die Psychologen an den Universitäten ihren Forschungen gegenüber so auffallend aufgeschlossen waren? Nämlich mit Merkur und Sonne im Verbund, wie in der Astrologie üblich, wollten sie bisher von den Planeten nichts wissen.

Ganz im Vertrauen, Herr Gauquelin, als Frau gefällt es mir natürlich irgendwo, wenn von Männern Merkur und Sonne nicht auf den Thron gesetzt werden und Venus, Mond und Jupiter wieder mehr zu Ehren kommen, wo doch viele Männer zum Leidwesen von uns Frauen nur aus Kopf bestehen. Aber ganz ohne Kopf, lieber Herr Gauquelin, möchte ich den Mann auch nicht haben. Sie werden das sicher verstehen. Ich möchte mich schliesslich mit ihm auch ein bisschen unterhalten und Gedanken austauschen.

Auch der Dipl.-Psychologe aus Süddeutschland war sichtlich von Ihren Untersuchungen angetan und meinte, dass sie für ihn eine wertvolle Hilfe wären bei der Einschätzung von Klienten, bei Partnerschaftsberatung etc. Gerade aber ein Psychologe, verzeihen Sie mir den Gedanken, müsste doch aber wissen, wie komplex ein Mensch ist, dass ich ihn nicht einfach in eine Schublade stecken darf; dass gerade dies eine Barriere schafft, um zu verstehen. Es erinnert mich an Menschen, die mich fragen: »Bist Du katholisch oder evangelisch?« oder: »Welcher politischen Partei gehörst Du an?« Und schwuppdiwupp habe ich mein Etikettchen, das ich bestimmt nicht mehr so schnell loswerde.

Mit Vergnügen - ich verhehle es nicht - stelle ich mir vor, wie ich in die Praxis des erwähnten Psychologen komme, um eine Beratung zu erhalten. Der Psychologe, nennen wir ihn Herrn A., wird schnell feststellen, dass Mond und Venus bei mir an den sensiblen Stellen stehen, demzufolge er den Schluss ziehen wird, dass ich liebenswürdig, freundlich und nett bin. Gerne, so glaube ich, wird er mit meinem Planetentyp zusammenarbeiten.

Von den Märchen wissen wir nun, dass sich die uneingeladenen Feen -in unserem Fall die Planeten - rächen, wenn sie nicht eingeladen werden. In meinem Fall - so könnte ich mir vorstellen - würde das meinen Mars auf den Plan rufen, den Herr A. natürlich nicht sehen kann, weil er nicht an einem sensiblen Punkt steht. Das wäre aber meinem Mars egal, denn - astrologisch gesehen - steht er an prominenter Stelle, nämlich im 10. Haus. Aber wie gesagt, nur astrologisch gesehen!

Mein Märschen hätte nun Narrenfreiheit und würde jeden Abend nach einer Sitzung bei Herrn A. im Kreise herumhüpfen und singen: »Ach wie gut, dass niemand weiss, dass ich Rumpelstilzchen heiss!«

Herr A. würde - so nehme ich an -durch mein unerwartetes Verhalten bald ziemlich irritiert und verunsichert sein.

Was tut nun Herr A. in diesem Falle? Eine wahrscheinliche Möglichkeit wäre, dass er - wenn sein Weltbild, seine Konstruktion scheitert und zusammenbricht - beginnt, nachzuforschen, um sehliesslich später zu verstehen, vielleicht sogar mit Hilfe der Astrologie. Und dann wird er meinen Mars entdecken und darüber hinaus noch viel, viel mehr. Und dann würde einer guten Therapie oder Beratung nichts mehr im Wege stehen.

Ich persönlich habe wieder einmal daraus gelernt, dass viele Wege nach Rom führen können, auch die, die ich zunächst als verrückt und unbegreiflich ansehe. Mir fällt dabei die Tarot-karte »Der Narr« ein, der dafür sorgt, dass wir Menschen uns und unsere Arbeit nicht zu wichtig nehmen, damit wir nicht einer Egoaufblähung oder Hybris erliegen. Wenn wir unsere menschliche Begrenztheit annehmen, können wir in die Mitte unseres Kreises kommen und mit dem »Narren« in das grosse kosmische Gelächter einstimmen. Aus dieser Position heraus sehen wir dann, welche Illusion unsere sogenannte wirkliche Welt ist. Dann werden wir bescheiden und demütig und es kehrt der Humor ein.

Wenn G.G. Jung meinte: »Die Astrologie klopft an die Tore der Universitäten«, dachte er wahrscheinlich an den Haupteingang. Aber »Der Narr« macht es vielleicht möglich, dass sie - allerdings ohne Merkur und Sonne - durch die Hintertür hereinschlüpft. Hauptsache, sie ist einmal drin, könnte er denken. Die Phantasie des Archetypen »Narr« ist unerschöpflich. Wir sollten öfters mal Kontakt mit ihm aufnehmen.

Wir sehen, wir sind alle Schauspieler

in einem gigantischen Schauspiel. Götter, Archetypen, geistige Kräfte - egal wie wir sie nennen - sind die Regisseure hinter den Kulissen.

In diesem Sinne

herzliche Grüsse

von einer, die auszog, das Lachen zu lerne.