Astrolog-Archiv

(Bitte auf den jeweiligen Ausgaben-Block klicken, um die entsprechenden 20 Ausgaben anzuzeigen)
Artikel in grüner Farbe sind ohne Login zugänglich!
Ausgaben » [1-20] [21-40] [41-60] [61-80] [81-100] [101-120] [121-140] [141-160] [161-180] [181-200] [201-218] Aktuelle Ausgabe
• Suche (Autoren, Titel, etc.) » Inhaltsverzeichnis • Suche nach Begriffen in Artikeln »
Titel Ausgabe 25



Archiv-Übersicht
Nach oben Nach oben
Zurück Ausgabe 25 vom 20.04.1985 • Seite 16ohne Login!

• Unser Zodiak

Ist Pluto ein Planet?

Bruno Huber

Schon recht bald nach seiner Entdeckung, 1930, äusserten einige Astronomen die Ansicht, dass Pluto nicht zu Recht als Planet bezeichnet werden könne. Es gab dafür recht gute Gründe, so z.B. seine extreme Bahnneigung: 17 Grade finden wir sonst nur bei Planetoiden (Asteroiden) und Kometen. Oder seine Bahn-Exzentrizität, die so gross ist, dass er eine andere Planetenbahn überkreuzt: er läuft zur Zeit innerhalb des Orbit des Neptun. Auch seine Grosse (oder Kleinheit), die bisher mit den Kleinsten im Sonnensystem verglichen wurde. Man nahm bis vor kurzem an, dass sein Durchmesser nur etwa 6000 km sein könne. (Vergleichsweise misst Mars 6770 km guerdurch, Merkur gar nur 4840 km).

Man wurde sich in Fachkreisen nicht einig - und die Frage wurde vorläufig hängengelassen. Neueste Erkenntnisse aber Hessen die Diskussion in erweitertem Rahmen wieder entstehen.

Man denkt jetzt daran, eine weitere Klasse von Körpern im Sonnensystem zu schaffen - die der »Grenzüberschreitenden«. Während sich die klassischen Planeten (bis zum Neptun hinaus) genau auf ihren fast kreisförmigen Bahnen annähernd konzentrisch um die Sonne bewegen - und sich also nie berühren können - gibt es einige, welche die Regeln nicht einhalten und die Bahnen der klassischen Planeten berühren oder durchschneiden.

Dazu gehört unter anderen Pluto. Dann gibt es einige Planetoiden, die sich nicht an den ihnen zugewiesenen Raum zwischen Mars und Jupiter halten, sondern in ihren exzentrischen Bahnen der Erde oder gar der Venus nahekommen (Eros, Amor, Apollo, Adonis, Hermes etc.) oder, wie Hidalgo nach aussen bis zur Saturnbahn vorstossen.

Und schliesslich gibt es da noch den erst 1977 entdeckten CHIRON, der im Raum zwischen Saturn und Uranus um die Sonne kreist. Pendelt-müsste man eigentlich sagen, denn er ist wie Pluto recht exzentrisch und berührt sowohl die Saturn- wie die Uranusbahn.

Und endlich kommt eine ganz neue Erkenntnis dazu: die Entdeckung, dass Pluto einen Mond hat! Auf unserem Bild sieht man links Pluto das erste Mal nicht nur als Punkt, sondern als Scheibe abgebildet. Und rechts sein Mond CHARON, der in etwa 20'000 Kilometer Entfernung um Pluto kreist. Diese Aufnahme wurde erst durch die Entwicklung eines völlig neuen, elektronisch-fotografischen Verfahrens (Speckle-Interferometrie) möglich, bei dem einige tausend Aufnahmen vom selben Objekt von einem Computer aufeinander montiert werden. Dadurch entsteht eine millionenfache Lichtverstärkung, die den Astronomen erlaubt, auch lichtschwächste Himmelskörper mit grösserem Detailreichtum visuell auf-zuschliessen. Der scheinbare Abstand von Pluto und Charon auf dieser Aufnahme ist nur eine halbe Bogensekunde (das ist ein 7200stel eines Bogengrades - versuchen Sie das mal im Horoskopformular einzutragen!). Auch die grössten optischen Instrumente auf der Erde (z.B. 5 m-Spiegel, Mt. Palomar) können visuell nur Objekte trennen, die mehr als eine Bogensekunde Abstand haben. Diese neueste Technologie wird uns mit Sicherheit noch manches astronomische Aha-Erlebnis bringen. (Siehe auch die beiden Fotos auf Seite 4 in Heft 23 des Astrolog.)

Quintessenz? Wir wissen jetzt, dass Pluto nur zwischen zwei- und dreitausend Kilometer Durchmesser haben kann. Und damit ist er der kleinste »Planet« im Sonnensystem - in der Grössenordnung eher einem Planetentrabanten (Mond) gleichzustellen. Wir haben bei den verschiedenen Planeten unter anderem sieben Monde, die grösser sind als Pluto - zwischen 3200 und 5400 Kilometern Durchmesser.

Wir haben jetzt aber eine Klasse von Körpern im Sonnensystem, die kleiner als 3000 km sind und die die planetenbahnüberschreitende Exzentrizität gemeinsam haben. Beide Kriterien treffen auf Pluto zu - und auf den neu entdeckten Chiron, bei dem sich Astronomen wie Astrologen seit Anbeginn streiten, ob es nun ein Planet oder ein Planetoid (Kleinplanet oder Asteroid) sei. Für beide könnten wir also folgende Kriterien bei eventueller astrologischer Deutung verwenden:

Grenzüberschreitung - Eindringen in besetzte Bereiche (besonders bei Pluto) - Verbinden von Gegensätzen (bei Chiron) - neue Dimensionen in Bekanntes hineintragen - Wagnis, sich nicht an die Regeln zu halten usf.

Diese neue Betrachtungsweise mag uns zunächst verwirren. Aber sie passt zu den obigen Definitionen. Und es entspricht unseren bisherigen Erfahrungen mit Pluto. Es bedeutet aber auch, dass wir uns mit dem anderen, dem Pluto ähnlichen CHIRON, auseinandersetzen. In Amerika ist diese Auseinandersetzung in der Astrologie in vollem Gange. Für Chiron gibt es seit 1978 Ephemeriden und neuerdings auch schon Ansätze von Deutungsliteratur. Ein solches Büchlein ist grad eben in Übersetzung auf dem deutschen Markt erschienen.

Wir hier in der Redaktion befassen uns mit Chiron bereits aktiv und bereiten einen kritisch werdenden Artikel für das nächste Heft vor.