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Titel Ausgabe 27



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Zurück Ausgabe 27 vom 23.08.1985 • Seite 18ohne Login!

• Astrologie & Kunst

Astrologie und Musik: Vivaldi

Bruno Huber

ANTONIO VIVALDI

Geb. 4.3.1669/16h58 GT in Venedig/I (C: nach Snethlage) Gest. 28.7.1741 in Wien/A

Vivaldi's Zeit zählt man zwar zum Barock. Aber in ihm haben wir eine jener Spätausformungen einer vergehenden Geistigkeit (Renaissance), wie etwa ein Fra Angelico, der in der Renaissance seine zu höchster Verfeinerung gesteigerte Malkunst einer eher dem 12.-13. Jahrhundert zuzuordnenden Religiosität widmete.

Vivaldi lebte in einer Zeit, die bereits einen Kopernikus, Galilei und Kepler gesehen hatte – eine Zeit, die bereits anfing, dem Rationalismus der Aufklärung zu huldigen, die es nicht mehr opportun fand, dem Renaissancekult von Göttern und Zodiakgestalten Vorschub zu leisten.

Doch Vivaldi war Geistlicher ("der rote Priester" wegen seiner Haare genannt). Er sah im Tierkreis noch das Zusammenklingen von irdischer Natur und göttlichem Kosmos. Für uns ist er deshalb die späte, aber vielleicht perfekteste musikalische Ausformung des humanistischen Renaissancegeistes. Ist er deshalb von seiner Zeit wenig verstanden, und von folgenden Jahrhunderten vergessen worden?

Antonio Vivaldi: Die Vier Jahreszeiten

Concertiop. 8, Nr. 1-4

1) La PRIMAVERA E-dur

Allegro Widder

Largo Stier

Allegro Zwilling

2) L'ESTATE G-moll

Allegro non molto Krebs

Adagio Löwe

Presto Jungfrau

3) L'AUTUNNO F-Dur

Allegro Waage

Adagio molto Skorpion

Allegro Schütze

4) L'INVERNO F-moll

Allegro non molto Steinbock

Largo Wassermann

Allegro Fische

Der Gedanke, dass Vivaldi's vier Jahreszeiten eine musikalische Darstellung der zwölf Tierkreiszeichen sein könnten, ist aus mindestens zwei Gesichtspunkten nicht weithergeholt. Denn erstens sind es vier mal drei (= 12) Sätze, nach immer dem gleichen Grundmuster in jedem Concerto; und zweitens war es zu Vivaldi's Zeit im Volk noch immer üblich, die zwölf Monate selbstverständlich mit den Tierkreiszeichen in Zusammenhang zu sehen.

Das erste Concerto "La Primavera" beginnt den Jahresreigen mit dem Frühling - nicht etwa mit dem Winter, in dem das Kalenderjahr beginnt. Dies ist alte astrologische Tradition. Das Concerto ist in damals üblicher Manier in drei Sätzen, einem schnellen, einem langsamen und wieder einem schnellen angelegt. Und diese Satzfolge wird bei den weiteren drei Jahreszeiten (oder Concerti) eingehalten. Allerdings fällt beim Anhören bald einmal auf, dass manche Sätze wenigstens zum Teil, gar nicht so tönen wie sie bezeichnet sind. Die Tempi scheinen innerhalb der Sätze zu wechseln, und sich durch das ganze Werk hindurch in einem bunten Wirbel wenig um die "ordentliche" Satzordnung zu kümmern. Es kommen in langsamen Sätzen schnelle Partien und zügig ausschreitende Schrittakte "im Hintergrund" vor, und in schnellen Sätzen grössere, nach Andante oder gar Largo tönende Partien.

Vivaldi muss ganz bewusst das gesamte Werk der astrologischen Ur-ordnung, nämlich der Einteilung der Zeichen nach Kreuzen und Temperamenten, beigeordnet haben. Folgende Eigenarten lassen sich nach mehrmaligem, systematischselektivem Anhören feststellen:

Wenn man zum Beispiel die ersten Sätze der vier Concerti (Allegro) nacheinander anhört, so zeigt sich eine gleichartige Rhythmik, die sich aber von derjenigen der jeweils dritten (auch Allegro-Sätze) unterscheidet. Die ersten Sätze haben etwas heftig-kraftvolles und gezieltes an sich, was ganz der Eigenart des KARDINALEN KREUZES entspricht. Die dritten Sätze beinhalten, bei mehrheitlich auch schnellem Tempo, mehr hüpfende, tänzerische Rhythmen, die mit fast elegischen Qualitäten wechseln. Dies entspricht dem VERAENDERLICHEN KREUZ. Die mittleren Sätze (Andante oder Largo) haben allesamt einen schreitenden Rhythmus, der allerdings je nach Temperament vom bedächtiginnigen bis zum hastig-erwartungs-vollen wechselt. Dies, und das generell gleichförmige und kontrollierte Schreiten entsprechen dem FIXEN KREUZ.

Dies alles würde wohl noch nicht genügen, um in Vivaldi's Jahreszeiten astrologisches Gedankengut zu begründen. Wenn man jedoch aus den vier Concerti die drei Sätze nacheinander hört, welche den Zeichen gleichen Temperamentes entsprechen, so wird es langsam überzeugend. Denn sie zeigen jeweils erstaunliche Aehnlichkeiten in der Wahl der melodischen Mittel und ihrer Abfolgen. So ist wohl bei allen "Wasser"-Sätzen (1. Satz, Sommer = KREBS; 2. Satz, Herbst = SKORPION; 3. Satz, Winter = FISCH) das Wässerig-melancholische kaum in Abrede zu stellen. Beim Krebs ist die ganze Launenhaftigkeit vom stehenden Brackwasser über plötzlich auftretende Brecher zu fröhlich tänzelnden Schaumkronen bis hin zu bedrohlich heranrollenden und sich überwerfenden Sturmwellenreihen im breitangelegten Gebrauch des Violinkörpers zu erleben. Beim Skorpion fällt das ruhige Hinundherwogen bei noch schönem Wetter zuerst auf. Aber bald spürt man das in der Tiefe dräuende Wiegen der sturmverheissenden Grundwellen. Und bei den Fischen wird man aufgewühlt durch die Wechsel zwischen innig-

andächtigem Fliessen und hingabevollem, breitflächigem Aufbrausen des Mitleids, ja des Weltschmerzes. Dies ist wohl der reichste Satz in diesem Werk – es ist offensichtlich ganz Vivaldi's eigener Satz, in dem er seine ganze Inbrunst in seinem eigenen Geburtszeichen manifestiert.

Doch nicht genug der Entsprechungen. Schliesslich habe ich beim Anhören der Gegensatzpaare (Polaritäten, z.B. Widder-Waage oder Jungfrau-Fische) eine oft bis ins Einzelne gehende Aehnlichkeit der Themen festgestellt, – die allerdings für den astrologischen Kenner keine Ueberraschung sein kann. Denn natürlich haben gegenüberliegende Zeichen die gleiche Thematik, die sie jedoch polar angehen.

Doch mal ganz abseits von diesen sehr analytischen "Behörungen" von Vivaldi's grossartigem Gesamtwerk der Jahreszeiten möchte ich dem Leser empfehlen, sich das Ganze einmal mit dem klaren Bewusstsein anzuhören, dass jeder Satz ein Zodiak-Zeichen ist – von A bis Z, oder besser von Widder bis Fische. Oder, betrachten Sie ein neues Mal Ihr eigenes Horoskop. Vielleicht wenn Sie das nächste Mal irgendwelche Schwierigkeiten haben. Suchen Sie die Konstellation auf, an der sich die Probleme entzündet haben. Und spielen Sie sich den Satz aus den Jahreszeiten, der dem Zeichen entspricht, in dem Ihre "Problemstellung" des Moments liegt. Vielleicht erleben Sie ein ganz kleines Wunder. Denn es ist Musik, die Qualität vermittelt. Musik kann heilen. Oder mindestens kann sie da in einer gemässen Art beruhigen, wo's gerade wehtut. – Wenn's das richtige Zeichen von Vivaldi ist...