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Titel Ausgabe 44



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Zurück Ausgabe 44 vom 21.06.1988 • Seite 2ohne Login!

• Astrologie & Geschichte

Galaktische Dimensionen der Geschichte

Bruno Huber

Dass im individuellen Horoskop der Sonnenstellung und dem Aszendenten-Zeichen eine Bedeutung ersten Ranges zukomme, ist wohl die am weitesten verbreitete, gemeinsame Auffassung unter Astrologen. Die einen Astrologen allerdings sagen, der Aszendent sei das Wichtigste, die anderen geben der Sonne den Vorrang. Der Streit geht um eine immaterielle Frage. Denn, obschon die beiden Elemente mit dem Ich zu tun haben, ist ihre Funktion eine grundlegend verschiedene. Die Klärung dieser Frage ist für unser galaktisches Thema von Bedeutung.

Im individuellen Horoskop stellt die Sonne das ICH als Persönlichkeit mit ihrer Mentalität dar, während der Aszendent im Horoskop ein Raum ist, in den wir unser Ich hineinprojiziert sehen. Also ist der Aszendent ein Ort, ein Lebensbereich, und die Sonne vergleichsweise ein Körper, ein Lebewesen (Entität). Sie also ist etwas Substantielles, etwas Anmessbares; sie strahlt eine Qualität aus. Das sind wir selbst. Und am Aszendenten, da denken wir uns hin, da sehen wir uns. Es ist ein Projektionsort, ein Bezugspunkt, an dem nicht nur wir selbst uns sehen, sondern auch unsere Umwelt uns ansieht.

Analogien

Wenn wir in den äusseren, kosmischen Raum, in die galaktische Dimension gehen, so finden wir hier eine absolute Analogie. Das galaktische Zentrum ist die eigentliche Essenz, das Sein, der zentrale Steuerpunkt, oder der göttliche Ursprung des gesamten galaktischen Systems von Milliarden Sternen, sozusagen die galaktische Sonne. Der Frühlingspunkt ist demgegenüber der Ort, an dem wir uns aus unserer irdischen Optik in den kosmischen Rahmen eingeordnet sehen; er ist in diesem Sinne der irdisch formale Niederschlag der höheren galaktischen Ordnung. Man könnte ihn auch als galaktischen Aszendenten bezeichnen.

Wir haben also immer etwas Inneres und Wirkliches, etwas Zentrales, das Substanz hat, Sonne oder galaktisches Zentrum, und wir haben dessen peripheren, formalen irdischen Ausdruck am Aszendenten oder am Frühlingspunkt. Man könnte das auch so ausdrücken: die jeweilige Erscheinungsform der verursachenden Kraft wird immer im Aszendenten-oder Frühlingspunkt-Zeichen sichtbar. Es ist die äussere Manifestation, die natürlich auch mit allen möglichen Illusionen belegt sein kann, denn an diesen Projektionsflächen können wir herummanipulieren. Am Zustand des Seins, wie es die Sonne oder das galaktische Zentrum ausdrücken, können wir nichts ändern. Es ist unserem Zugriff entzogen. Es ist eine absolute Grosse, weil es Substanz hat und nicht eine bildhafte Erscheinung ist, und gleichzeitig auch den fixen Punkt in Zeit und Raum darstellt. Die Kontinuität der Bewegung, das Gleichmass ist das Zentrum. Das Unregelmässige, das Variable in seinen Bewegungen, das irdisch Vordergründige ist die Peripherie.

Die Sonne ist im Sonnensystem der einzige Körper, der (von der Erde aus gesehen) immer gleiche Schritte macht. Sie ist das regelmässigste Bewegungselement im Sonnensystem, und daher nehmen wir ja auch die Sonnenbahn als Messbahn, und bestimmen Kalender und Zeit nach dem Sonnenlauf. Gleich dem ist auch das galaktische Zentrum in seiner Wanderung um das Sonnensystem ein verlässlich regelmässiges Bewegungselement.

Ähnlich nun, wieder analog, ist das Verhältnis Aszendent und Frühlingspunkt. Der Aszendent läuft un-regelmässig schnell über die Zodiak-Grade. Beim Durchlauf der Tierkreiszeichen über den Aszendenten wissen wir, dass Fische und Widder sehr schnell über den Horizont hochkommen – etwa in einer Stunde in unseren Breiten – während zum Beispiel die Zeichen Jungfrau und Waage fast das Dreifache an Zeit brauchen (um drei Stunden), bis sie ganz über dem Horizont sind.

Auch der Frühlingspunkt läuft unregelmässig schnell, wenn man die Konstellationsgrenzen als Messgrössen annimmt; er zeigt noch grössere Unregelmässigkeiten im Durchlauf durch die Konstellationen als der AC. Es gibt demnach längere und kürzere Perioden.

So haben wir also ein unregelmässiges, ein variables Element beim Aszendenten im individuellen Horoskop und beim Frühlingspunkt im «kosmischen Horoskop» und ein regelmässig laufendes Element, die Sonne im individuellen Horoskop und das galaktische Zentrum im kosmischen Horoskop. Da haben wir eine völlige Analogie des individuellen Horoskopes mit der kosmischen Situation.

Sonne- und Aszendenten-Zeichen gehören im persönlichen Horoskop zusammen, und sind erst als solche charakterisierend für die betreffende Persönlichkeit. Also muss man, um überhaupt Zeitrechnungen, Kulturen und die grösseren Zusammenhänge der Geschichte im kosmischen Rahmen zu verstehen, sowohl das galaktische Zentrum analog dem Sonnenstand, wie auch den Frühlingspunkt analog dem Aszendentenzeichen gemeinsam heranziehen.

Die Frühgeschichte etwa 11 000-4000 v. Chr.

Das galaktische Zentrum (GZ) wandert durch Krebs, Löwe und Jungfrau, der Frühlingspunkt (FP) durch Löwe, Krebs und Zwillinge

Über diese frühe Periode der menschlichen Kulturentwicklung wissen wir geschichtlich leider sehr wenig. Man bezeichnet sie als die Neusteinzeit (Neolithicum). Nach dem endgültigen Rückzug der Gletscher der letzten Eiszeit aus den gemässigten Zonen, beginnt offensichtlich eine Bevölkerungsexplosion des Homo sapiens. Und damit wohl ergibt sich die Notwendigkeit der Zusammenrottung der Menschen in Siedlungen. Die Höhlenbewohnerzeit mit ihren Kleinstwohngemeinschaften ist vorüber. Grössere Dorfgemeinschaften sichern sich eigene, abgegrenzte Jagdreviere, also Hoheitsgebiete zu deren Sicherung das Revierdenken sehr wichtig wird (Krebs, Löwe). Auch die erste Domestikation von Tieren fällt in diese Zeit.

um 8000 v. Chr.

Besonders markant müsste aus astrologischer Sicht die Zeit sein, da sich das GZ an der Grenze zwischen den Tierkreiszeichen Krebs und Löwe befand, der Frühlingspunkt zwischen den beiden Stern-Konstellationen Krebs und Löwe.

Das entspricht im persönlichen Horoskop einer 0°Löwe-Sonne an der fünften Spitze, eine markante Entsprechung von Zeichen- und Hausqualität. Ausserdem fällt auf, dass um diese Zeit sowohl GZ wie FP während etwa 600 Jahren im gleichen Zeichen laufen: Doppelter Löwe! Und tatsächlich ist die Zeit um 8000 vor Christus durch einen revolutionären Vorgang gekennzeichnet – dem Beginn von Ak-kerbau und Viehzucht! Die Geschichtsschreibung nennt das die neolithische Revolution. Damit begann der Mensch sich die Natur zu eigen zu machen, ja in das organische Gefüge der Natur eigenschöpferisch (und eigenwillig!?!) einzugreifen. Dies ist denn auch die entscheidende Voraussetzung für die Entwicklung von Zivilisation und Kultur schlechthin gewesen.

Da die Zeit zwischen 11000 und 6500 vor Christus zuerst von Krebs (GZ) und Löwe (FP) und dann von Löwe (GZ) und Krebs (FP) beherrscht war, haben wir hier die Vorherrschaft von Sonne und Mond als Zeichenherrscher über die lange Periode von etwa 4500 Jahren. Da der Normal-Durchlauf durch Tierkreiszonen mit gleichem Herrscher (zum Beispiel Jungfrau-Zwillinge = Merkur; Waage-Stier = Venus) im Schnitt um 2200 Jahre dauert, muss diese doppelt so lange Phase von besonderer Bedeutung sein – eben die Gründerzeit der Menschheits-Kultur.

Es wird in der nahen Zukunft (mit dem Beginn des Wassermannzeitalters) wieder eine solch lange einheitliche Phase geben. Während rund 4200 Jahren werden dann die Tierkreiszonen Steinbock-Wasser-mann und Wassermann-Steinbock die Kultur bestimmen. Es ist also sicherlich nicht unsinnig diese lange Saturn-Periode als eine ebenso wichtige zu sehen. Tatsächlich hat ja die heutige Zeit eine geradezu messianische Erwartungshaltung an das kommende Zeitalter.

Wendezeiten

Die Überschneidungen von zwei Zeichen

Wenn man in der (Grafik Nr. 1 ( als PDF) )die Überschneidungs- und Grenzlinien links und rechts betrachtet, so ergibt sich für die beiden Seiten eine mittlere Zeichengrösse, die in der Nähe von 30° liegt, bzw. bei etwa' 2200 Jahren. Es gibt natürlich kleine Abweichungen. Aber es gibt auch ganz grosse Überschneidungen in der Bewegung des Frühlingspunktes wie bei Fische-Schütze und Fische/Wassermann-Steinbock in der Gegenwart und näheren Zukunft.

Zodiak und Konstellationen als PDF

Wenn sich zwei Zeichen überschneiden, dann mischen sich die zwei Qualitäten. Wie sich das auswirkt, können wir am besten aus"» früheren Epochen ableiten, so zum Beispiel Widder und Fische (413–67 v. Chr.) Es war die Wendezeit, die von der Alexander-Zeit bis zur Zeitenwende in etwa dauerte, also bis die vorchristlichen Strömungen auftraten. Auch die hohe Zeit des Griechentums, der Perser und die Spätzeit der Ägypter (für die es eine echte Endzeit war) fällt, wie das Starkwerden des römischen Reiches, in die Zeit der Mischung zwischen Widder und Fische. Vor allem die ganz klare und krasse Wende in der kulturellen Entwicklung aus der marsischen Grosslebewelt heraus (Widder/Skorpion) in welcher der einzelne eine individuelle Ameise in einem Ameisenstaat war, in der nur wenige verstanden haben worum es geht, deren Führer aber in gigantischen Begriffen gedacht und agiert haben. Die Umwendung zum christlichen Denken, das von der Menschlichkeit ausging, und das die Liebe zu einem ethischen Konzept erhob, begann mit dem zunehmenden Einfluss von Jupiter als Herrscher der Fische und des Schützezeichens. Und es ist wohl auch typisch für Jupiter, dass er Gerechtigkeit für den Einzelmenschen wollte. Diese Wendezeit hat eine lange, etwa 500 Jahre dauernde Periode beinhaltet, in der die Begriffe zunächst durcheinander gerieten, um dann in eine völlig neue Rechtsauffassung zu münden (Griechenland und Römisches Reich).

Ein weiterer interessanter Punkt ist der, dass sich bei dieser Überkreuzung von Widder und Fische das galaktische Zentrum im Skorpion befand. Also ist die Kombination eine ganz andere als bei der jetzigen Überkreuzung von Fische und Wassermann. Zurzeit steht das GZ am Ende des Zeichens Schütze, bis es dann in 247 Jahren in den Steinbock überwechselt, so dass sich die Überschneidung und Vermischung der zwei Qualitäten Fische und Wassermann, die der Frühlingspunkt jetzt dann während etwa 1300 Jahren verursacht, zunächst noch mit dem Schützen, später dann mit dem Steinbock paaren muss.

Mit den drei Zeichen Schütze, Steinbock (für das GZ) und Wassermann (für den FP), haben wir die drei obersten Zeichen des Zodiaks, die Individualzeichen, erreicht, und somit das Bewusstsein vom Menschen als einem freien Wesen, die Qualität der Individuation. Diese Einsicht rückt jetzt mehr in den Vordergrund, als damals, da man mit Skorpion und Mars seine Persönlichkeit im besten Falle kriegerisch durchsetzen konnte.

Die Zukunft

Überschneidung 2079–2235 Fische-Wassermann (FP) Schütze (GZ)

Dies ist eine Übergangsperiode zum saturnischen Zeitalter mit einer Mischung von Jupiter und Saturn. Wassermann ist dasjenige unter den zwölf Zeichen, das dem Schützen im mentalen Format am ehesten ebenbürtig ist, weil ein ebenso umfassendes geistiges Format vorhanden oder angestrebt wird. Die gültigen Systeme, die der Wassermann sucht, müssen durch die philosophische Ganzheitsschau des Schützen mit wahrer Menschlichkeit ausgestattet sein. Das gleiche geistige Format kann zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit führen, wenn die Zielrichtung festgelegt wird. Das braucht aber ein echtes Bemühen, denn was dem Schützen am Wassermann wirklich Mühe macht, ist seine Neigung, gültige, aber oft starre, geistige Systeme zu erarbeiten und auf alles eine fertige Antwort zu haben. Wenn er dogmatisiert ist und sich mit einem festgefügten Gedankengebäude dem Schützen entgegenstellt, dann fühlt sich der Schütze eingeengt und bezeichnet den Wassermann als Dogmatiker. Dann müssen sie beide bereit sein, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen und gründlich und tief miteinander reden und denken. Vorgeschmack dieser Entwicklung haben wir heute schon in der Auseinandersetzung zwischen den Ideologien unserer Zeit.

Wenn es um den Menschen geht, ist für den Schützen der Wassermann eigentlich der Kollektivist, der ein System für alle entwirft, dem sich auch alle unterwerfen müssen. Der Schütze findet es grausam am Wassermann, wenn er den Einzelmenschen nicht so wichtig nimmt. Dem Wassermann geht es mehr um grössere Gruppen, um das Menschheits-Ganze. Das kann der Schütze noch akzeptieren. Aber wenn er sich rigoros über den einzelnen Menschen hinwegsetzt, damit sein System stimmt, dann muss sich der Schütze dagegen wehren.

Zurzeit wirkt noch der Fische-AC in diese Mischwirkung mit herein. Es besteht noch eine Unsicherheit in allen Zielen, obwohl schon Vorzeichen der Wassermann-Schütze-Qualität vorhanden sind. Ein offensichtliches Merkmal dafür haben wir in den zwei grossen politischen und ideologischen Systemen, die genau in diesem Punkt gegeneinander antreten. Der Kommunismus konzentriert sich im wesentlichen auf die Gemeinschaft, das Kollektiv, aber mit einer Tendenz zur Unterdrückung der individuellen Freiheit. Auf der anderen Seite die Betonung des Kapitalismus, des westlichen Liberalismus, also die Betonung der Persönlichkeit und eine übermässige Tendenz, dieser Persönlichkeit jede Freiheit zu geben, vielfach auf Kosten der Gemeinschaft. Das ist noch unser Problem in der Jetzt-Zeit. Schlagwörter also für die Jupiter-Saturn-Übergangszeit: . . . Gerechtigkeit und Ordnung.

Post scriptum: Dass diese Betrachtungen keine geschlossene Ge-schichtsabhandlung geworden sind, ist wohl überdeutlich. Das war auch nicht meine Absicht. Ich wollte lediglich ein Muster aufzeigen, wie man an grossräumige Geschichtsbetrachtungen herangehen könnte, wenn – – ja, wenn Geschichtsfachleute sich mit Astrologen zusammentun würden. . .